{"id":79519,"date":"2011-02-10T00:00:00","date_gmt":"2011-02-09T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/hervorragende-beziehungen-die-offizielle-schweiz-hat-muehe-mit-der-richtigen-distanz-zu-husni-mubaraks-aegypten\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:17","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:17","slug":"hervorragende-beziehungen-die-offizielle-schweiz-hat-muehe-mit-der-richtigen-distanz-zu-husni-mubaraks-aegypten","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/hervorragende-beziehungen-die-offizielle-schweiz-hat-muehe-mit-der-richtigen-distanz-zu-husni-mubaraks-aegypten\/","title":{"rendered":"\u201eHervorragende Beziehungen\u201c: Die offizielle Schweiz hat M\u00fche mit der richtigen Distanz zu Husni Mubaraks \u00c4gypten"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Die \u00e4gyptische Demokratiebewegung erh\u00e4lt von Schweizer Aussenpolitikern wenig Unterst\u00fctzung. Seit letztem Freitag hat die offizielle Schweiz keine Stellung mehr zu den Entwicklungen in \u00c4gypten genommen. Zusehen ist nicht mehr genug. Der Zeitpunkt ist gekommen, dass schweizerische Wirtschaftsinteressen hinter das Engagement f\u00fcr Demokratie und Menschenrechten zur\u00fccktreten m\u00fcssen. Auch im eigenen Interesse.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie Schweiz unterh\u00e4lt seit \u00fcber hundert Jahren enge, ja sogar traditionelle Beziehungen zu \u00c4gypten, wobei im Fokus der Schweizer Aussenpolitik die wirtschaftlichen Beziehungen zu \u00c4gypten stehen. Bereits 1909 er\u00f6ffnete die Schweiz ihre erste Handelsvertretung in \u00c4gypten. Heute umfasst die Liste der bilateralen Wirtschaftsabkommen unter anderem ein Investitionsschutz-, ein Doppelbesteuerungs-, sowie ein Luftverkehrsabkommen. Hinzu kommt noch das Freihandelsabkommen der EFTA mit \u00c4gypten und die Entwicklungszusammenarbeit, die bezeichnenderweise im Fall \u00c4gypten \u00fcber das SECO l\u00e4uft. Der bilaterale Warenhandel mit \u00c4gypten hat sich seit 2006 positiv entwickelt und Husni Mubaraks \u00c4gypten eignete sich besonders gut als Investitionsplatz f\u00fcr Schweizer Unternehmen. Das Investitionsklima ist dermassen angenehm und die Marktchancen so gut, dass auch immer wieder Anl\u00e4sse mit schweizerisch-\u00e4gyptischen Handels- und Industriekammern auf dem Programm stehen. Noch im letzten Mai besuchte eine Delegation von Schweizer Gesch\u00e4ftsleuten mit Staatssekret\u00e4r Jean-Daniel Gerber den \u00e4gyptischen Aussenminister Mohammed Rachid. Die Schweiz ist also ein wichtiger Handelspartner \u00c4gyptens und als solche \u00e4usserst aktiv.\n\nNur zweimal haben die Beziehungen zur Schweiz gelitten: Beim Attentat von Luxor 1997, bei welchem 36 Schweizerinnen und Schweizer get\u00f6tet wurden und bei der Minarettinitiative 2009, die kurzfristig die Beziehungen zur gesamten muslimischen Welt verschlechtert hatte.\n\n<strong>Passive Menschenrechtsprojekte<\/strong>\n\nAlles rosig also? Nicht ganz. Themen wie Menschenrechte und Demokratisierungsprozess sind nur am Rande ein Gespr\u00e4chsstoff. Das \u00e4gyptische Notstandsgesetz, Folter, die Verhaftung von kritischen Bloggern und Journalisten, das NGO-Gesetz, das die Zivilgesellschaft einschr\u00e4nkt und nicht zuletzt die ca. 70 Prozent der \u00e4gyptischen Bev\u00f6lkerung, die unter der Armutsschwelle leben, k\u00f6nnen nicht weggeredet werden. Zwar implementiert die Schweiz in \u00c4gypten immer wieder Menschenrechtsprojekte in den Bereichen Folter, Frauenrechte und Kinderarbeit und achtet darauf, dass im Rahmen der SECO-Projekte die Menschenrechte respektiert werden. Besonders begr\u00fcssenswert sind dabei auch die Einschr\u00e4nkung der Kriegsmaterialausfuhr und ein sehr n\u00fctzliches Blutbankenprojekt. Jedoch laufen diese Initiativen allesamt passiv und schwerf\u00e4llig ab.\n\n<strong>Die \u201eRegeln des Konsenses\u201c<\/strong>\n\nHinter dem Engagement der Schweiz zu Gunsten der Menschenrechte in \u00c4gypten stecken also handfeste wirtschaftliche Interessen. \u00c4gypten ist geostrategisch g\u00fcnstig gelegen verf\u00fcgt im Gegensatz zu anderen Staaten im Nahen Osten \u00fcber eine relativ gut ausgebaute Infrastruktur. Es ist insbesondere der Suezkanal, der \u00c4gyptens Rolle in der Weltwirtschaft st\u00e4rkt, indem er die M\u00e4rkte Europas, Asiens und Afrikas verbindet und als Drehscheibe f\u00fcr den Rohstoffhandel \u2013 vor allem von Erd\u00f6l und Fl\u00fcssiggas \u2013 in den Westen und auch in die Schweiz gilt. Da war und ist man bei der offiziellen Schweiz lieber auf der sicheren Seite und entscheidet sich f\u00fcr Stabilit\u00e4t und einen verl\u00e4sslichen Partner wie Husni Mubarak anstatt f\u00fcr Wirrsal und Chaos, die alle Wirtschaftsinteressen blockieren. Befestigt wurde diese Art von Partnerschaft durch die Besuche der beiden Bundesr\u00e4te Pascal Couchepin und Doris Leuthard in Kairo im Jahr 2008 und 2009, wobei sie befriedigt feststellen konnten, dass am Nil \u201edie Regeln des Konsenses\u201c und \u201ehervorragende Beziehungen\u201c mit der Schweiz herrschen.\n\n<strong>Mubarak-Guthaben in der Schweiz<\/strong>\n\nDoch trotz der vermeintlichen Stabilit\u00e4t sah sich die \u00e4gyptische Machtelite veranlasst, ihre Gelder in den sicheren Schweizer Hafen zu verlegen. Gem\u00e4ss der Schweizer Nationalbank sind die \u00e4gyptischen Anlagen in der Schweiz ungef\u00e4hr sechsmal h\u00f6her als diejenigen aus Tunesien. Es handelt sich also um ca. 2,4 Milliarden Franken. Damit ist relativ sicher, dass auch Gelder des Mubarak-Clans auf Schweizer Konten lagern. Die Schweizer Regierung hat betont, dass eine Blockade von Geldern von Pr\u00e4sident Husni Mubarak und den Funktion\u00e4ren der Nationaldemokratischen Partei (NDP) vorerst nicht in Frage kommt. So sagte Micheline Calmy-Rey \u201eman verfolge die Entwicklungen in \u00c4gypten mit Aufmerksamkeit\u201c, was man vom Aussenministerium in der Regel auch erwartet.\n\n<strong>Aussenpolitisches Konzept der Schweiz f\u00fcr den Nahen Osten? <\/strong>\n\nWie sieht also das aussenpolitische Konzept der Schweiz f\u00fcr das gegenw\u00e4rtig im Chaos versinkende \u00c4gypten und Nahen Osten ganz allgemein aus? Klar ist, dass der Nahe Osten nach wie vor eine \u00e4usserst wichtige Region ist, insbesondere f\u00fcr die Schweizer Wirtschaftspolitik. Genau daher sollten aber auch Initiativen f\u00fcr die F\u00f6rderung der Menschenrechte, der Demokratie und des Friedens \u00a0einen gewichtigen Platz in einer aktiven aussenpolitischen Agenda der Schweiz einnehmen.\n\nDenn obwohl wir ihn jahrelang geduldet, ja gar unterst\u00fctzt haben, wissen wir heute, dass der Status quo selbst die Katastrophe war: Nichts hat die radikalen Kr\u00e4fte \u2013 die wir heute f\u00fcrchten \u2013 so gest\u00e4rkt, wie die jahrzehntlange Duldung des Autokraten Husni Mubaraks.\n\n<em>Elif Askin studiert Internationales Recht und Politik in Basel und Z\u00fcrich und hat bis Dezember 2010 ein Praktikum an der Schweizer Botschaft in Kairo absolviert.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-79519","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79519"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79519"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}