{"id":79520,"date":"2011-02-13T00:00:00","date_gmt":"2011-02-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/das-ende-der-kalten-frieden-die-neuverteilung-der-macht-im-nahen-osten-und-die-chancen-fuer-eine-loesung-des-israelisch-arabischen-konflikts\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:17","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:17","slug":"das-ende-der-kalten-frieden-die-neuverteilung-der-macht-im-nahen-osten-und-die-chancen-fuer-eine-loesung-des-israelisch-arabischen-konflikts","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/das-ende-der-kalten-frieden-die-neuverteilung-der-macht-im-nahen-osten-und-die-chancen-fuer-eine-loesung-des-israelisch-arabischen-konflikts\/","title":{"rendered":"Das Ende der kalten Frieden: Die Neuverteilung der Macht im Nahen Osten und die Chancen f\u00fcr eine L\u00f6sung des israelisch-arabischen Konflikts"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong><em>Von David Chaim Weiss<\/em><em> \u2013<\/em> F\u00fcr die israelisch-arabischen Beziehung birgt die Neuverteilung der Macht in \u00c4gypten, Tunesien oder im Jemen Konfliktpotential. In der l\u00e4ngeren Frist kann sie jedoch auch den Grundstein legen f\u00fcr echte Friedensbem\u00fchungen im israelisch-arabischen Konflikt.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nW\u00e4hrend die westliche Welt die spektakul\u00e4ren Umw\u00e4lzungen in \u00c4gypten \u00fcberwiegend positiv beurteilt und die Demokratiebewegungen als Anlass zur Hoffnung nimmt, f\u00e4llt ein Land durch seine k\u00fchle Reaktionen auf: Israel.\n\n<strong>Israelische Existenz\u00e4ngste<\/strong>\n\nDie Reaktionen aus Israel offenbaren eine grosse Angst vor Ver\u00e4nderung.\n\nWie immer dominiert ein einziger Faktor die \u00dcberlegungen des israelischen Establishments, n\u00e4mlich die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit Israels. Dieses Primat der nationalen Sicherheit ist aufgrund der konfliktreichen Geschichte Israels durchaus verst\u00e4ndlich und in der Tat ist zu erwarten, dass der Abgang Mubaraks mit einer Beeintr\u00e4chtigung der \u00e4gyptisch-israelischen Beziehungen einhergeht \u2013 zumindest kurzfristig.\n\nDie K\u00fcndigung des israelisch-\u00e4gyptischen Friedensabkommens von 1979 ist unwahrscheinlich, aber Israel muss sich auf schwierigere Zeiten einstellen. Eine neuformierte politische F\u00fchrung \u00c4gyptens k\u00f6nnte die weitreichende Kooperation im Sicherheitsbereich entlang der israelisch-\u00e4gyptischen Grenze durchaus zur Diskussion stellen. Ein Ende der Blockade des Gazastreifens oder die Versorgung der Hamas mit Waffen gr\u00f6sserer Reichweite sind glaubw\u00fcrdige Szenarien. Warum aber l\u00e4uft eine Demokratisierung in \u00c4gypten den kurzfristigen israelischen Sicherheitsinteressen entgegen, wenn doch aufgrund der These vom demokratischen Frieden allgemein davon ausgegangen wird, dass demokratische Staaten sich grunds\u00e4tzlich weniger aggressiv verhalten?\n\n<strong>Unheiligen Allianzen sind ein Auslaufmodell<\/strong>\n\nMit Mubarak hatte Israel einen Verb\u00fcndeten, der in seiner Kooperation mit dem j\u00fcdischen Staat weiter ging, als der \u00e4gyptischen Bev\u00f6lkerung lieb war. So kooperiert \u00c4gypten schon seit Jahren bei der Blockade des Gaza-Streifens, indem es seine Grenze zum Gaza-Streifen geschlossen h\u00e4lt. Die langj\u00e4hrige Zusammenarbeit r\u00fchrt nicht von der Liebe Mubaraks zum j\u00fcdischen Staat, sondern von der gemeinsamen Bedrohung durch islamistische Organisationen: Der Staat Israel wird durch die Hamas bedroht, das Regime Mubarak von den Muslimbr\u00fcdern. Die finanzielle Unterst\u00fctzung durch die USA mag dem Kooperationswillen Mubaraks zus\u00e4tzlich noch etwas nachgeholfen haben.\n\nDiese unheilige Allianz zwischen israelischen Sicherheitsinteressen und der Unterdr\u00fcckung popul\u00e4rer Bewegungen zum Zwecke der Machterhaltung arabischer Autokraten ist leider kein israelisch-\u00e4gyptischer Sonderfall (man denke zum Beispiel auch an die Beziehungen Israels mit Jordanien). Doch m\u00f6glicherweise bedeutet die \u00dcberwindung autorit\u00e4rer Herrschaft in der arabischen Welt durch die Demokratiebewegungen auch gleichzeitig ein Ende der \u00c4ra der unheiligen Allianzen zwischen dem j\u00fcdischen Staat und arabischen Autokraten.\n\n<strong>Druck auf Israel steigt<\/strong>\n\nEin Ende des Politisierens \u00fcber die K\u00f6pfe der \u00e4gyptischen Bev\u00f6lkerung hinweg wird einher gehen mit einer konsequenteren Umsetzung pro-pal\u00e4stinensischer Aussenpolitik. Antizionistische Rhetorik zeichnet nicht nur die \u00e4gyptischen Massenmedien aus, sondern ist auch ein Bestandteil der politischen Plattform pro-demokratischer Oppositionsbewegungen und der Muslimbruderschaft.\n\nHinzu kommen der Machtgewinn der Hisbollah im Libanon, die Besch\u00e4digung der Allianz mit der T\u00fcrkei und die Protestbewegungen in Syrien und Jordanien. Israel befindet sich in einer Situation der zunehmenden regionalen Isolation. Der steigende Druck auf Israel kann in Anbetracht der Asymmetrie des israelischen-pal\u00e4stinensischen Konfliktes als Korrektiv angesehen werden.\n\n<strong>Hoffen auf einen Strategiewechsel<\/strong>\n\nF\u00fcr Israel ist das eine neue strategische Situation. Der Preis f\u00fcr die Fortsetzung seiner unilateralen Politiken gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern wird steigen. Und eine Kooperation in Sicherheitsfragen wird ohne Konzessionen an die arabischen Nachbarn unwahrscheinlicher werden. Nat\u00fcrlich steht es Israel frei, diesen Preis zu bezahlen und den Weg des Unilateralismus angesichts der zunehmenden Isolation noch zu versch\u00e4rfen.\n\n<strong>Konzessionen an die Pal\u00e4stinenser n\u00f6tig<\/strong>\n\nDoch die Umst\u00fcrze in der arabischen Welt sind auch eine Chance auf einen Strategiewechsel, hin zu einer echten Zusammenarbeit zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. F\u00fcr Israel war die M\u00f6glichkeit der unheiligen Allianzen mit den arabischen Autokraten praktisch. Wie sich jedoch erwiesen hat, sind Kooperationen, die auf einem oberfl\u00e4chlichen, \u201akalten\u2019 Frieden basieren \u2013 welcher vom Grossteil der arabischen Bev\u00f6lkerung nicht mitgetragen wurde \u2013 alles andere als nachhaltig. Ein stabiler und warmer Frieden wird ohne Gespr\u00e4chsbereitschaft und ohne Konzessionen an die Pal\u00e4stinenser nicht zu erreichen sein.\n\n<strong>Die Schweiz kann helfen<\/strong>\n\nBei einer echten Ann\u00e4herung in der l\u00e4ngeren Frist kann die Schweizer Nahostpolitik durchaus eine Rolle spielen. Diese zeichnet sich aus durch langfristig orientierte Vermittlungsbem\u00fchungen. Grosse Erfolge sind bisher noch ausgeblieben. Doch die neue strategische Situation verleiht dem Schweizer Ansatz des Dialogs und der Einbindung aller Kr\u00e4fte \u2013 auch denjenigen welche im Westen nicht von vornherein auf Sympathie stossen (zum Beispiel die Hamas) \u2013 neue Glaubw\u00fcrdigkeit.\n\n<em>David Chaim Weiss hat an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und an der Hebrew University of Jerusalem Politikwissenschaft studiert. Er ist Gr\u00fcndungsmitglied von foraus \u2013 Forum Aussenpolitik und leitet die foraus-Arbeitsgruppe Entwicklung und Zusammenarbeit.<\/em>\n\nDer<em> foraus-<\/em>Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79520","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79520"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79520"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}