{"id":79525,"date":"2011-02-25T00:00:00","date_gmt":"2011-02-24T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-claqueure-des-falken-die-schweizer-finanzelite-empfaengt-den-praesidenten-der-deutschen-bundesbank-axel-weber-an-der-universitaet-zuerich\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:19","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:19","slug":"die-claqueure-des-falken-die-schweizer-finanzelite-empfaengt-den-praesidenten-der-deutschen-bundesbank-axel-weber-an-der-universitaet-zuerich","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/die-claqueure-des-falken-die-schweizer-finanzelite-empfaengt-den-praesidenten-der-deutschen-bundesbank-axel-weber-an-der-universitaet-zuerich\/","title":{"rendered":"Die Claqueure des Falken: Die Schweizer Finanzelite empf\u00e4ngt den Pr\u00e4sidenten der Deutschen Bundesbank Axel Weber an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Maximilian Stern \u2013<\/em><strong> Axel Weber, Pr\u00e4sident der Deutschen Bundesbank, wurde an seiner Rede zum Thema \u201eGlobale Ungleichgewichte: Herausforderung f\u00fcr die Wirtschaftspolitik\u201c an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich vom prominenten Schweizer Publikum begeistert beklatscht. Ob der geldpolitische Falke allerdings f\u00fcr Europa und die Schweiz ein so guter EZB-Pr\u00e4sident geworden w\u00e4re, ist fraglich.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nAm Mittwochabend war an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich die ganze Prominenz der Schweizer Finanzwelt aus der N\u00e4he zu betrachten: alt Bundesrat und heute UBS-Verwaltungsratspr\u00e4sident Kaspar Villiger, Raymond B\u00e4r von der Privatbank Julius B\u00e4r, Philipp Hildebrand, Pr\u00e4sident der Schweizerischen Nationalbank und wohl viele andere, deren Gesichtern der \u00d6ffentlichkeit weniger bekannt sind. Der H\u00f6rsaal war bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt, was mit dem k\u00fcrzlich angek\u00fcndigten R\u00fccktritt des prominenten Redners von seinem Amt als Pr\u00e4sident der Deutschen Bundesbank und damit auch mit seinem Verzicht auf die Nachfolge Jean-Claude Trichets als EZB-Pr\u00e4sident zu tun hatte.\n\n<strong>Deutscher Falke oder Europ\u00e4ische Taube?<\/strong>\n\nDiejenigen Zuh\u00f6rer, die sich von einem entt\u00e4uschten zur\u00fccktretenden EZB-Banker einen Rundumschlag gegen das Europ\u00e4ische W\u00e4hrungssystem erwartet haben, wurden selber entt\u00e4uscht. Der Pr\u00e4sident der Deutschen Bundesbank ist zwar als finanzpolitischer Falke bekannt, nicht erst seit er sich im Mai 2010 gegen den Aufkauf von Staatsanleihen hochverschuldeter Eurol\u00e4nder durch die EZB ausgesprochen hat (und damit unterlag). Immer schon sprach er sich f\u00fcr eine gr\u00f6sstm\u00f6gliche Preisstabilit\u00e4t und gegen jede politisch motivierte Massnahme der Zentralbank aus. Und so forderte Axel Weber am Mittwoch nat\u00fcrlich vor allem, dass die Staaten ihre Wirtschaftspolitiken souver\u00e4n, pflichtbewusst und vern\u00fcnftig weiterf\u00fchrten: \u201eFiskalpolitik muss auch gemacht werden, zurzeit steht jedoch die F\u00f6rderung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit im Vordergrund!\u201c\n\nAber er sagte auch, dass diese auf gemeinsamen Abmachungen, ja gar Europ\u00e4ischen Regeln beruhen sollen. Er forderte keine neuen Regeln f\u00fcr den Euroraum, aber die Einhaltung der bestehenden &#8211; gegebenenfalls mit Sanktionen. Er forderte zwar keinen Haircut (also einen Verzicht auf ein Teil der Forderung gegen\u00fcber hochverschuldeten L\u00e4ndern), aber Mechanismen f\u00fcr einen geordneten Staatsbankrott im Euroraum. Und er forderte eine zuk\u00fcnftige Beteiligung der privaten Geldinstitute an Europ\u00e4ischen Staatsbankrotten. \u201eEs gibt keine Krise des Euro\u201c, sagte Axel Weber, mit Verweis auf die zu hohen Defizite und Schuldenst\u00e4nde der Mitgliedsl\u00e4nder, \u201esondern nur eine Schuldenkrise\u201c. Den Schweizer Falken im Publikum muss der Deutsche Falke wie eine Europ\u00e4ische Taube vorgekommen sein.\n\n<strong>Es gibt eben doch eine Eurokrise<\/strong>\n\nAber selbst wenn Axel Weber sich in seinem Referat f\u00fcr ein gewisses, bescheidenes Mass an europ\u00e4ischer Koordination in der Haushaltspolitik aussprach, so \u00fcbte er vor allem Kritik an den gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen, indem er gewisse Dinge bewusst ignorierte, die zurzeit auf auf Europ\u00e4ischer Ebene im Vordergrund stehen. Insbesondere blendete er die Tatsache aus, dass es eben tats\u00e4chlich eine Eurokrise gibt und dass das gegenw\u00e4rtige europ\u00e4ische System der gemeinsamen W\u00e4hrung ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik tats\u00e4chlich ein Sch\u00f6nwettersystem ist. Damit beweist der Bundesbanker, wie kritisch er aus Prinzip einem begrenzten Europ\u00e4ischen Transfergedanken gegen\u00fcbersteht. Denn eine stabile W\u00e4hrungsunion setzt einen Mechanismus voraus, der im Krisenfall zumindest eine begrenzte Unterst\u00fctzung der betroffenen L\u00e4nder durch die Gemeinschaft erm\u00f6glicht.\n\n<strong>Die Eurozone braucht eine koordinierte Wirtschaftspolitik<\/strong>\n\nZudem sind Massnahmen notwendig, die daf\u00fcr sorgen sollen, dass sich Krisen wie diejenige im vergangenen Jahr gar nicht mehr ereignen. Wenn durch die Zinskonvergenz falsche Anreize gesetzt werden, kann man sich im EZB-Rat nicht damit begn\u00fcgen, den krisengesch\u00fcttelten s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern zu raten, sie sollten eine verantwortliche Haushaltspolitik und Standortf\u00f6rderung betreiben! Sondern es muss ein umfassendes System von Regeln und Sanktionen auf Europ\u00e4ischer Ebene zur haushaltspolitischen Stabilisierung der Mitgliedsstaaten geschaffen werden, welches aber \u2013 genau um Axel Webers Forderung nach Wettbewerbsf\u00e4higkeit nachzukommen \u2013 auch durch eine Europ\u00e4isch koordinierte Wirtschaftspolitik (als Beispiel ist das Rentenalter zu nennen) komplementiert wird. Die n\u00e4chsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vom 11. und 24. M\u00e4rz in Br\u00fcssel werden zeigen, ob es gelingt, ein solches System politisch durchzusetzen. Geschieht dort nichts, wird die Eurozone weiterhin an Attraktivit\u00e4t verlieren und in der n\u00e4chsten Krise vielleicht weniger Gl\u00fcck haben als 2010. Und auch wenn das Schweizer Publikum am Ende dem Falken applaudiert hatte, so muss es sich ganz genau \u00fcberlegen, ob es seinem besten Handelspartner dies w\u00fcnscht.\n\n<em>Maximilian Stern ist Gr\u00fcndungsmitglied und Co-Gesch\u00e4ftsleiter von <\/em><em>foraus \u2013 Forum Aussenpolitik und lebt in Z\u00fcrich. Er hat an den Universit\u00e4ten Z\u00fcrich und M\u00fcnchen Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Europarecht studiert.<\/em>\n\nDer <em>foraus<\/em>-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins <em>foraus<\/em>.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79525","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79525"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79525"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}