{"id":79529,"date":"2011-03-13T00:00:00","date_gmt":"2011-03-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihandelsvertraege-der-efta-mit-drittstaaten-das-interesse-an-der-eu-steigerndie-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihan\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:19","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:19","slug":"die-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihandelsvertraege-der-efta-mit-drittstaaten-das-interesse-an-der-eu-steigerndie-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihan","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/die-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihandelsvertraege-der-efta-mit-drittstaaten-das-interesse-an-der-eu-steigerndie-schweiz-als-tueroeffner-zur-europaeischen-union-wie-freihan\/","title":{"rendered":"Die Schweiz als T\u00fcr\u00f6ffner zur Europ\u00e4ischen Union? Wie Freihandelsvertr\u00e4ge der EFTA mit Drittstaaten das Interesse an der EU steigernDie Schweiz als T\u00fcr\u00f6ffner zur Europ\u00e4ischen Union? Wie Freihandelsvertr\u00e4ge der EFTA mit Drittstaaten das Interesse an der EU steigern"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong><em>Von Giulietta Buddeke \u00a0\u2013 <\/em>Die Zukunft der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik liegt weder in der Multiplizierung bilateraler Freihandelsabkommen noch in den Freihandelsabkommen der EFTA, sondern vor allem in einer st\u00e4rkeren Zusammenarbeit mit der EU.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nAngesichts neuer Wachstumsm\u00e4rkte in Asien und S\u00fcdamerika und der abnehmenden Zahl der EFTA-Mitglieder, stellt sich die Frage, wie die Schweizer Aussenwirtschaftspolitik in Zukunft gestaltet werden soll. Werden in Zukunft die bilateralen Freihandelsabkommen, wie sie die Schweiz zurzeit mit der Volksrepublik China diskutiert, zunehmen? Oder sind Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und einem Drittstaat eine effektivere und kosteng\u00fcnstigere Variante, um die Schweizer Exportindustrie optimal zu f\u00f6rdern?\n\nIgnazio Cassis, Nationalrat aus dem Tessin und Pr\u00e4sident der parlamentarischen Delegation bei der EFTA und dem Europ\u00e4ischen Parlament sprach \u00fcber diese und weitere Fragen mit der foraus-Arbeitsgruppe Wirtschaft und Finanzplatz und mit der Arbeitsgruppe Europa. Der Mediziner ging in der zweist\u00fcndigen Sitzung am 3. M\u00e4rz im Bundeshaus auf die k\u00fcnftigen EFTA-Freihandelsabkommen ein und erl\u00e4uterte insbesondere seine Sicht zur Beziehung zwischen der Schweiz und der EU.\n\n\u201eDas prim\u00e4re Interesse der Schweiz liegt in der internationalen Stabilit\u00e4t, Rechtssicherheit und Gleichbehandlung. Diese Rahmenbedingungen erh\u00f6hen die Sicherheit f\u00fcr Investitionen im Ausland und erm\u00f6glichen einen erfolgreichen internationalen Handel\u201c, erkl\u00e4rte Nationalrat Ignazio Cassis. \u201eDie WTO-Abkommen bilden die Voraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche Handelspolitik der Schweiz. Dazu kommen zahlreiche Freihandelsabkommen mit Schwellenl\u00e4ndern (v.a. Asien und S\u00fcdamerika), die eine f\u00fcr die Schweiz pr\u00e4zisere Regelung erm\u00f6glichen.\u201c\n\nW\u00e4hrend WTO-Abkommen den Rahmen f\u00fcr den internationalen Handel festlegen, k\u00f6nnen mit bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und Drittstaaten die genauen Ziele und Regeln festgelegt werden, welche den Bed\u00fcrfnissen der jeweiligen Vertragspartner entsprechen. \u201eF\u00fcr die Schweiz gilt, dass die meisten Freihandelsabkommen mit Drittstaaten (z.B. S\u00fcdkorea, Kolumbien, Japan) via EFTA abgeschlossen werden und die bilateralen Abkommen \u2013 wie jenes mit der Volksrepublik China \u2013 eher die Ausnahme bilden\u201c, erl\u00e4uterte Ignazio Cassis.\n\nBemerkenswert war die Beobachtung Ignazio Cassis, dass die EFTA-Freihandelsabkommen f\u00fcr Drittstaaten sehr attraktiv seien, denn meist folge nach einer gewissen Zeit ein weiteres Abkommen zwischen der EU und dem entsprechenden Drittstaat. Die Abkommen mit der EFTA sind f\u00fcr Drittstaaten eine Art Testphase f\u00fcr die sp\u00e4teren Abkommen mit der EU. Die Schweiz engagiert sich indirekt also auch f\u00fcr bessere Handelsbeziehungen der EU mit Drittstaaten.\n\n<strong>Die EFTA schrumpft weiter<\/strong>\n\nDas EFTA Mitglied Island sprach sich 2008 f\u00fcr einen EU-Beitritt aus und kurze Zeit sp\u00e4ter \u00e4usserte sich die EU Kommission positiv zu einem Beitritt Islands. Damit verblieben nur noch Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz in der EFTA. Die Zukunft der EFTA ist ungewiss. Entscheidend wird sein, ob Norwegen langfristig auch noch der EU beitreten wird, wie sich die Sozialdemokraten und die Konservative Partei Norwegens daf\u00fcr aussprechen.\n\nIn diesem Fall bliebe der Schweiz die Option der engeren Zusammenarbeit mit der EU. \u201eDie Schweiz verdient jeden dritten Franken im Austausch mit der EU. 60% der Schweizer Exporte gehen in die EU und 80% der Importe kommen von dort. Eine aktive Europapolitik ist daher von entscheidender Bedeutung [&#8230;]\u201d, schrieb im November 2010 das Integrationsb\u00fcro EDA\/EVD, das die Europapolitik des Bundes koordiniert und die europ\u00e4ische Integration und ihre Auswirkungen auf die Schweiz verfolgt.\n\nBedenkt man ausserdem, wie Ignazio Cassis erw\u00e4hnt, dass bereits 60% unseres Rechts mit jenem der EU kompatibel ist und wir bereits \u00fcber 120 Abkommen mit der EU verf\u00fcgen, ist die Notwendigkeit f\u00fcr die Kl\u00e4rung von transversalen institutioneller Fragen f\u00fcr die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mit der EU von entscheidender Bedeutung.\n\nKann im Streitfall ein Gericht entscheiden? Und wenn ja, welches? Der Europ\u00e4ische Gerichtshof oder derjenige der EFTA-Mitgliedsstaaten? Wie sollen die bereits abgeschlossenen Abkommen an die Weiterentwicklung des EU-Rechts angepasst werden?\n\n<strong>Kann die Schweizer Wirtschaft auf weitere bilaterale Abkommen mit der EU verzichten?<\/strong>\n\nDie Diskussion \u00fcber ein Verhandlungspaket mit der EU l\u00e4uft (so genannte \u201eBilaterale III\u201c). Dieses Paket umfasst sowohl materielle wie auch institutionelle Fragen. Wird der Agrarfreihandel in das dritte bilaterale Paket integriert, ist der Widerstand nicht nur der rechten Parteien, sondern auch von Teilen der Gr\u00fcnen vorprogrammiert. W\u00fcrde die Schweiz dann die Bilateralen III als Ganzes ablehnen?\n\nIgnazio Cassis kann sich vorstellen, dass ohne zus\u00e4tzliche Abkommen mit der EU sich kurzfristig nicht viel \u00e4ndern w\u00fcrde f\u00fcr die Schweiz. \u201eMittelfristig aber, in drei bis f\u00fcnf Jahren, wird der Zugang zum EU-Binnenmarkt (510 Milionen Einwohner) erschwert sein. Da die Schweiz vom Export lebt, ist ein solches Szenario gef\u00e4hrlich.\u201c Schweizer Exportunternehmen werden sich ohnehin an die neuen EU Normen anpassen m\u00fcssen, ansonsten erlitten sie einen Wettbewerbsnachteil gegen\u00fcber Firmen aus dem EU-Raum. Denkbar ist auch, dass sich Unternehmer\/innen in der Schweiz \u00fcberlegen, ob sie ihre Unternehmen nicht nach Deutschland oder \u00d6sterreich umsiedeln.\n\nLetztendlich stellt sich die Frage, ob sich die Schweiz weiter an ihren wichtigsten Handelspartner ann\u00e4hert oder nicht. Es bleibt offen, ob der Alleingang der Schweiz \u2013der immer \u00f6fter bloss noch ein eingebildeter Alleingang ist \u2013 sich f\u00fcr die hiesige Wirtschaft l\u00e4ngerfristig auszahlt.\n\nVielleicht ist die Schweiz schon lange mitten in Europa und der Union angekommen, nur sagt das niemand laut \u2013 mindestens nicht, solange noch Wahlkampf ist.\n\n<em>Giulietta Buddeke hat Geographie und Politikwissenschaften an der Universit\u00e4t Bern und internationale Entwicklungszusammenarbeit in Utrecht NL studiert. Sie ist Mitglied der AG Europa und AG Wirtschaft und Finanzplatz.<\/em>\n\n<i>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79529","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79529"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79529"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}