{"id":79540,"date":"2011-04-18T00:00:00","date_gmt":"2011-04-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/nach-dem-fruehling-neue-realitaeten-in-nordafrika-und-die-konsequenzen-fuer-die-internationale-entwicklungszusammenarbeit\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:21","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:21","slug":"nach-dem-fruehling-neue-realitaeten-in-nordafrika-und-die-konsequenzen-fuer-die-internationale-entwicklungszusammenarbeit","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/nach-dem-fruehling-neue-realitaeten-in-nordafrika-und-die-konsequenzen-fuer-die-internationale-entwicklungszusammenarbeit\/","title":{"rendered":"Nach dem Fr\u00fchling: Neue Realit\u00e4ten in Nordafrika und die Konsequenzen f\u00fcr die internationale Entwicklungszusammenarbeit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Luca Etter \u2013 <\/em><strong>Die Neuverteilung der Macht in Nordafrika stellt f\u00fcr die Akteure der internationalen Entwicklungszusammenarbeit eine grosse Herausforderung dar. Der Erfolg des neuen Nordafrika wird auch davon abh\u00e4ngen, ob die internationale Gemeinschaft die neuen Realit\u00e4ten in der Region versteht und damit umzugehen weiss.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<strong>Der Weg zur Demokratie ist lang und voller Komplikationen<\/strong>\n\nKaum sind die Regime in Tunesien und \u00c4gypten gefallen, haben die Schweiz, die EU, sowie multilaterale Organisationen wie die Weltbank Milliardenhilfen versprochen, um beim Aufbau der Demokratie in Nordafrika mitzuhelfen. Dies ist sicher richtig und auch notwendig \u2013 birgt aber auch Gefahren, denn Regimewechsel und Demokratisierungsprozesse gestalten sich in der Regel langwierig und kompliziert. Erstens haben die Erfahrungen im Irak und in Afghanistan schmerzhaft aufgezeigt, dass vom Westen aufgedr\u00e4ngtes Democracy Building zwar zu Wahlen, nicht aber zu einer nachhaltigen Demokratie f\u00fchrt. Zweitens hat sich in den vergangenen Jahrzehnten Demokratie vor allem dort durchgesetzt, wo wenig oder kaum Druck von Aussen bestand und sich Parteien, Institutionen und Prozesse organisch entwickelten, wie beispielsweise in S\u00fcdkorea, Taiwan oder Mexiko. Drittens gilt es zu bedenken, dass Demokratisierungsprozesse vielschichtig sind und mehr umfassen als bloss die freie Wahl eines Staatsoberhauptes oder das Bestehen mehr als nur einer Partei. Es wird vor allem auch darum gehen, Ministerien, Sicherheitskr\u00e4fte und Justiz von Altlasten der vorhergehenden Regime zu befreien.\n\n<strong>Neue (Nichtregierungs)Akteure betreten die B\u00fchne<\/strong>\n\nDie Regime von Hosni Mubarak und Zine el-Abidine Ben Ali waren einerseits synonym f\u00fcr Intransparenz, Vetternwirtschaft und Korruption, andererseits aber auch bemerkenswert berechenbar und stabil. Diese Stabilit\u00e4t in den Maghreb-L\u00e4ndern kam manchen Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit entgegen, da sie dadurch \u00fcber Jahre hinweg dieselben Ansprechpartner in der Regierung hatten und Projekte nicht so stark politischen Ver\u00e4nderungen ausgesetzt waren.\n\nDiese Zeiten sind gl\u00fccklicherweise vorbei und die internationalen Partner m\u00fcssen sich dieser neuen Situation anpassen. Die Arbeit in Nordafrika wird facettenreicher und unberechenbarer, gerade auch weil eine Anzahl neuer Akteure die B\u00fchne betreten wird, allen voran NGOs, welche unter Ben Ali inexistent waren und unter Mubarak kaum Einfluss hatten. Im neuen Nordafrika werden sie vehement ihren Raum einfordern und aktiv am politischen Prozess teilhaben wollen. Die internationale Gemeinschaft muss dem Rechnung tragen, indem sie die neuen Akteure einspannt, ihnen zuh\u00f6rt und mit ihnen gemeinsam versucht ihre Ziele zu erreichen.\n\n<strong>Den politischen Reformen m\u00fcssen wirtschaftliche folgen <\/strong>\n\nSo gross die Freude \u00fcber politische Reformen in \u00c4gypten und Tunesien auch ist, es darf nicht vergessen werden, dass wirtschaftliche Missst\u00e4nde die Proteste ausl\u00f6sten. Wer auch immer die neuen Machthaber in Nordafrika sein werden, sie werden nicht darum herumkommen einschneidende wirtschaftliche Reformen einzuleiten und dabei auch einige heilige K\u00fche anzufassen.\n\nZum einen muss es zu einem Umdenken in der Sozialpolitik kommen. S\u00e4mtliche L\u00e4nder des Maghreb geben einen betr\u00e4chtlichen Teil ihrer Staatsausgaben f\u00fcr Subventionen aus, meistens f\u00fcr \u00d6l und Nahrungsmittel. Vor allem die Erd\u00f6lsubventionen werden fast vollst\u00e4ndig von der Ober- und Mittelschicht absorbiert und dienen kaum der Armutsbek\u00e4mpfung. \u00a0Zum anderen braucht es Reformen des Arbeitsmarktes hin zu einem System, in dem Jobs nicht durch Beziehungen, sondern durch Leistung vergeben werden. Dies betrifft bei weitem nicht nur den notorisch korrupten \u00f6ffentlichen Sektor, sondern auch den Privatsektor, wo Firmen und Unternehmer oftmals darauf bedacht waren, sich selbst m\u00f6glichst vor Konkurrenz zu sch\u00fctzen, statt sich im Wettbewerb zu behaupten.\n\nDie internationale Gemeinschaft hat grosses Interesse daran, dass diese Reformen umfassend, durchdacht und nachhaltig gestaltet werden. Sie sollte sich deshalb aktiv einbringen und die wirtschaftlichen Reformen von den neuen Regierungen fordern und sie dabei unterst\u00fctzen. Denn ohne die dringend notwendigen Jobs, vor allem f\u00fcr die Jugend, wird es bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchling nicht wieder 30 Jahre dauern.\n\n<em><strong>Luca Etter<\/strong> studiert Public Policy an der Georgetown Univeristy in Washington, DC und hat einen BA in Internationalen Beziehungen der Universit\u00e4t St.Gallen. Er hat w\u00e4hrend zweienhalb Jahren f\u00fcr die Weltbank in Nordafrika gearbeitet, vor allem in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. <\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79540","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79540"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79540"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}