{"id":79559,"date":"2011-06-29T00:00:00","date_gmt":"2011-06-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/50-jahre-deza-kein-grund-zum-feiern\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:24","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:24","slug":"50-jahre-deza-kein-grund-zum-feiern","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/50-jahre-deza-kein-grund-zum-feiern\/","title":{"rendered":"50 Jahre DEZA \u2013 Kein Grund zum Feiern"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Vera Eichenauer &#8211;<\/em><strong> Das Jubil\u00e4um der Direktion f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit ist f\u00fcr eine Reflexion \u00fcber die Auswirkungen der gesamtschweizerischen Politik auf die \u00e4rmsten L\u00e4ndern und deren Entwicklungschancen zu nutzen. Entwicklungszusammenarbeit allein reicht nicht aus, sondern \u2013 wie das Jubil\u00e4umsmotto der DEZA korrekt vermittelt &#8211; \u201eMehr als Hilfe\u201c ist notwendig um \u00e4rmeren L\u00e4ndern Raum f\u00fcr Entwicklung zu geben: n\u00e4mlich eine koh\u00e4rente, entwicklungsfreundliche Aussenpolitik.<\/strong>\n\nDie Schweizer Direktion f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit (DEZA), welche zuerst eine technische Zusammenarbeit war und erst ab 1976 zur umfassenden Entwicklungszusammenarbeit wurde, konnte am 17. M\u00e4rz 2011 ihr 50-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um begehen. Die DEZA nimmt dies unter dem Motto \u201eMehr als Hilfe\u201c zum Anlass, die Schweizer Bev\u00f6lkerung besser \u00fcber die Entwicklungszusammenarbeit und ihre k\u00fcnftigen Herausforderungen zu informieren und diese zu diskutieren. Die Herausforderungen sind weiterhin gewaltig: noch immer leben laut DEZA \u00fcber eine Milliarde Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag.\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nLaut <a href=\"http:\/\/www.deza.admin.ch\/de\/Dossiers\/50_Jahre_DEZA\" rel=\"nofollow noopener\">DEZA-Jubil\u00e4umsseite<\/a> sollen zum Jubil\u00e4um anstatt \u201enostalgischer Feiern\u201c die erw\u00e4hnten \u00d6ffentlichkeitsaktionen und eine Standortbestimmung stattfinden. Die \u00dcberwindung der absoluten Armut erwies sich n\u00e4mlich als weitaus schwieriger, als man vor 50 Jahren angenommen hat. Dass es angesichts der oben genannten Zahlen keinen Grund zum Feiern gibt, h\u00e4tte wohl nicht extra erw\u00e4hnt werden m\u00fcssen. Gut, dass die DEZA dies erkannt hat.\n\n<strong>Standortbestimmung der DEZA als gesamtpolitische Aufgabe<\/strong>\n\nEine Standortbestimmung hingegen ist sinnvoll, sollte aber keine interne \u00dcbung der Direktion bleiben. Die beste Strategie und die Finanzierung der wirkungsvollsten Projekte reichen alleine nicht aus, um die Entwicklung in \u00e4rmeren L\u00e4ndern zu f\u00f6rdern. Diese L\u00e4nder brauchen einen politischen Gestaltungsspielraum, um ihren eigenen Entwicklungsweg zu finden. Ein solcher Spielraum wird jedoch durch die Auswirkungen der Gesamtheit der Schweizer Politik auf Entwicklungsl\u00e4nder nicht gerade grossz\u00fcgig gew\u00e4hrt. Der <a title=\"Link: http:\/\/www.cgdev.org\/section\/initiatives\/_active\/cdi\/_country\/switzerland\" href=\"http:\/\/www.cgdev.org\/section\/initiatives\/_active\/cdi\/_country\/switzerland\" rel=\"nofollow noopener\">Entwicklungsfreundlichkeitsindex 2010<\/a> (Commitment to Development Index) , entwickelt vom unabh\u00e4ngigen amerikanischen Think-Tank \u201eCenter for Global Development\u201c beurteilt die Arbeit der DEZA als mittelm\u00e4ssig bis gut im internationalen Vergleich (Rang 10 von 22). Dieser Rang und somit die Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t der Entwicklungszusammenarbeit sind jedoch nur eine Teildimension dieses Indexes, der die Entwicklungsfreundlichkeit eines Landes \u00fcber alle Politikbereiche hinweg misst.\n\n<strong>Verschlechterung auf den 20. Platz im Entwicklungsfreundlichkeitsranking<\/strong>\n\nIm Gesamtranking \u00fcber alle Dimensionen nimmt die Schweiz von 22 Industriel\u00e4ndern den schlechten 20. Rang ein. Damit liegt die Schweiz gleich hinter Griechenland, vor den beiden Schlusslichtern Japan und Korea. Der Index bewertet die Gesamtkoh\u00e4renz der nationalen Politik im Hinblick auf deren Auswirkungen auf \u00e4rmere L\u00e4nder. Dazu wird die Politik eines Landes in den Dimensionen Finanzhilfe, Handel, Investitionen, Migration, Umwelt, Sicherheit und Technologie betrachtet. Insbesondere die hohen Agrarz\u00f6lle und -subventionen sowie das geringe Engagement f\u00fcr die internationale Sicherheit (beispielsweise durch Friedenssicherungseins\u00e4tze) bringen der Schweiz diesen wenig ruhmreichen Rang ein. Dieser bedeutet zudem eine massive Verschlechterung gegen\u00fcber dem 7. Rang im Jahr 2003 und dem 17. Rang im Jahr 2007.\n\nEin wichtiger Ansatzpunkt einer Jubil\u00e4umsreflexion w\u00e4re also nicht nur die Quantit\u00e4t der Entwicklungshilfe, mit den vielgenannten 0.7% des Bruttonationalprodukts, sondern auch die Gesamtqualit\u00e4t der Politik in Bezug auf deren \u201eEntwicklungsfreundlichkeit\u201c. Die oft kritisierte Wirkungslosigkeit der Entwicklungsgelder steht auch mit der inkoh\u00e4renten, oftmals fast kontr\u00e4ren Aussenwirtschaftspolitik der industrialisierten L\u00e4nder in Zusammenhang. Die Schweiz ist da keine Ausnahme. Eine gute Illustration findet sich im Bereich des geistigen Eigentumsrechts, insbesondere an Medikamenten. Diese Rechte sind ein zentrales Thema des momentan verhandelten Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten (Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz) und Indien, dem gr\u00f6ssten Generika-Produzenten der Welt. Auch in den h\u00e4rtesten Verhandlungen sollten humanit\u00e4re und entwicklungspolitische Konsequenzen nicht vergessen werden.\n\n<strong>Das Jubil\u00e4umsmotto fordert mehr Fair Play gegen\u00fcber den \u00e4rmste L\u00e4nder<\/strong>\n\nDas DEZA-Jubil\u00e4umsmotto \u201eMehr als Hilfe\u201c kann banal als \u201eHilfe zur Selbsthilfe\u201c interprentiert werden, k\u00f6nnte jedoch auch als eine Aufforderung f\u00fcr die Erarbeitung eines politisches Gesamtkonzepts verstanden werden: Weder Hilfe noch Zusammenarbeit reichen aus, sondern es braucht ein umfassendes Fair Play, welches sich nicht hinter historischen Vorteilen verbarrikadiert und diese verteidigt. Das Motto w\u00e4re somit als Aufruf an die gesamtschweizerische Politik und die W\u00e4hler zu verstehen, \u00fcber die entwicklungsfeindlichen Auswirkungen der Schweizer Aussenpolitik zu reflektieren. Dabei gilt es, weder in eine Nostalgie humanit\u00e4rer Tradition der Schweiz zu verfallen noch wegen der wirtschaftlichen Nachteile einer solchen Politik den Teufel an die Wand zu malen. Wie unter anderem Finnland, Neuseeland und Kanada beweisen, besteht zwischen wirtschaftlichem Erfolg und entwicklungsfreundlicher Politik kein Zielkonflikt.\n\nDas Jubil\u00e4um der DEZA sollte f\u00fcr eine Diskussion dar\u00fcber genutzt werden, was es gesamtpolitisch bedeutet, eine Direktion mit dem Ziel der weltweiten Armutsverminderung zu haben.\n\n<em><strong>Vera Eichenauer<\/strong> hat an der Sciences Po Paris und in Washington D.C. internationale Wirtschaftsbeziehungen studiert und ist Mitglied der foraus-Arbeitsgruppen Entwicklungszusammenarbeit und Migration.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79559","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79559"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79559"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}