{"id":79592,"date":"2011-11-21T00:00:00","date_gmt":"2011-11-20T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/trauma-patienten-israel-die-psychologische-gefahr-einer-internationalen-anerkennung-palaestinas\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:28","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:28","slug":"trauma-patienten-israel-die-psychologische-gefahr-einer-internationalen-anerkennung-palaestinas","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/trauma-patienten-israel-die-psychologische-gefahr-einer-internationalen-anerkennung-palaestinas\/","title":{"rendered":"Trauma-Patienten Israel: Die psychologische Gefahr einer internationalen Anerkennung Pal\u00e4stinas"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Georgiana Ursprung &#8211;<\/em> <strong>Da sich auf Verhandlungsebene nichts Richtung Frieden bewegt, ist die internationale Anerkennung Pal\u00e4stinas zu unterst\u00fctzen. Doch birgt der Antrag um internationale Aufwertung der Pal\u00e4stinas die Gefahr, den Nahostkonflikt weiter anzuheizen. <\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<strong>Selbstbild Israels und der Welt<\/strong>\n\nDer israelische Staat sieht sich als sicheren Hort f\u00fcr alle Juden, die seit dem Beginn der j\u00fcdischen Diaspora vor mehr als zweitausend Jahren weltweit verfolgt worden sind. Das Bed\u00fcrfnis nach einer sicheren Heimat ist mehr als verst\u00e4ndlich. Durch die israelische Regierung wird jedoch ein Zionismus propagiert, der sich ausschliesslich auf die eigene Leidensgeschichte und daraus ableitend auf die bedingungslose Abwehr der aktuellen Bedrohungen Israels beschr\u00e4nkt.\n\n<strong>Bedingungslos St\u00e4rke demonstrieren<\/strong>\n\nDer Zionismus schuf im Zuge des Sozialdarwinismus Ende des 19. Jahrhunderts, und sp\u00e4ter verst\u00e4rkt durch das Trauma des Holocaust, ein neues Bild des starken Juden, der sich zu verteidigen weiss und keine Dem\u00fctigung mehr hinnehmen wird. Das Bed\u00fcrfnis nach einem solchen Selbstbild ist nachvollziehbar, macht in der Extremform aber blind f\u00fcr die realistische Einsch\u00e4tzung der Umwelt, f\u00fcr Empathie mit anderen und macht glauben, dass alles was dem Feind n\u00fctzt einem selbst schadet. Die israelische Regierung ist daher nicht in der Lage einzugestehen, dass ein pal\u00e4stinensischer Staat eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Sicherheit Israels und somit ein vitales israelisches Interesse darstellt.\n\n<strong>Belastetes Verh\u00e4ltnis mit der UNO<\/strong>\n\nBesonders seit der Verurteilung der Besatzung pal\u00e4stinensischer Gebiete 1967, aber auch durch zahlreiche weitere gegen Israel gerichtete Resolutionen, ist das Vertrauen Israels in die UNO ins bodenlose gesunken. Das Land sieht die internationale Kritik als Beweis, dass es sich auf niemanden als sich selbst verlassen kann. Die Anerkennung Pal\u00e4stinas als unabh\u00e4ngigen Staat durch die internationale Staatengemeinschaft wird den Eindruck der Israelis, dass die ganze Welt ihnen gegen\u00fcber feindlich gesinnt ist, weiter verst\u00e4rken. Israel wird noch \u00fcberzeugter alles unternehmen, was es zur Wahrung der eigenen Sicherheit kurzfristig als n\u00f6tig erachtet, unabh\u00e4ngig davon, ob dies gegen internationales Recht verst\u00f6sst, oder von den westlichen Staaten gebilligt wird.\n\n<strong>Traumabedingtes Sicherheitsbed\u00fcrfnis <\/strong>\n\nDas grosse Bed\u00fcrfnis Israels an Anerkennung und Unterst\u00fctzung wird von den westlichen Staaten nicht ernst genug genommen. Die traumatische Geschichte der Juden, aber auch die prek\u00e4re Sicherheitslage im Nahen Osten, die geringe Fl\u00e4che und geographische Lage Israels f\u00fchren zu einem gr\u00f6sseren Bed\u00fcrfnis an Sicherheit, als es sich europ\u00e4ische Staaten gewohnt sind. Erst wenn Israel die Unterst\u00fctzung der Staatenwelt f\u00fcr die Sicherheit des Staates innerhalb der international anerkannten Grenzen hinter seinem R\u00fccken sp\u00fcrt, kann es seine angstgetriebene Sichtweise zu Gunsten von l\u00e4ngerfristigen, kooperationsorientierteren Haltungen ablegen. Die Expansionspolitik rechts-nationalistischer Ideologen kann nur auf breite Unterst\u00fctzung z\u00e4hlen, weil sie fadenscheinige Sicherheitsargumente vorschieben um ihre wahren Intentionen zu verbergen. Die Mehrheit der Israelis ist bereit, die Besatzung zu beenden, w\u00e4ren sie sich sicher, dass ihre Sicherheit dennoch gew\u00e4hrleistet ist.\n\n<strong>Was kann die internationale Staatengemeinschaft konkret tun?<\/strong>\n\nEs braucht eine Ver\u00e4nderung der Rhetorik, welche nebst der Illegitimit\u00e4t der israelischen Besatzung Pal\u00e4stinas konstant die Unterst\u00fctzung des international anerkannten Gebietes Israels zusichert. Nur so kann in Israel die Bereitschaft gedeihen, konstruktiv auf die Kritik seiner expansionistischen Politik einzugehen. Weiter entsch\u00e4rft w\u00fcrden die \u00c4ngste Israels mit konkreten Beistandszusagen im Falle einer akuten Bedrohung seines legitimen Staatgebiets, wie sie die Mitgliedschaft bei der NATO bieten w\u00fcrde. Die Weltgemeinschaft muss nationalistischen Populisten das Wasser abgraben, die Israel gerne als Opfer darstellen, das von der feindseligen Welt in die Ecke getrieben wird. Mit oder ohne internationaler Anerkennung eines Pal\u00e4stinensischen Staates: Israel wird die Besatzung Pal\u00e4stinas solang nicht aufgeben, wie ihre Politik einzig von Angst angetrieben ist.\n\n<strong>Georgiana Ursprung<\/strong> <em>studierte Konfliktl\u00f6sung und Mediation in Tel Aviv nach einem Bachelor Studium in Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-79592","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79592"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79592"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}