{"id":79599,"date":"2012-01-09T00:00:00","date_gmt":"2012-01-08T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/totgesagte-leben-laenger-das-globale-klimaabkommen-ist-zurueck-auf-dem-tisch\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:29","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:29","slug":"totgesagte-leben-laenger-das-globale-klimaabkommen-ist-zurueck-auf-dem-tisch","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/totgesagte-leben-laenger-das-globale-klimaabkommen-ist-zurueck-auf-dem-tisch\/","title":{"rendered":"Totgesagte leben l\u00e4nger: Das globale Klimaabkommen ist zur\u00fcck auf dem Tisch"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Yannick Schoch <\/em>&#8211;<em>\u00a0<\/em><strong>Wider Erwarten konnten an der UNO-Klimakonferenz in Durban Beschl\u00fcsse \u00fcber weitere Schritte in der Klimapolitik gefasst werden. Dabei wurden wichtige Instrumente geschaffen. Dass die Weltwirtschaft von fossilen Energietr\u00e4gern abh\u00e4ngt, steht inhaltlichen Fortschritten jedoch weiterhin im Weg. Die Schweiz verhandelte konstruktiv und brachte sich als Br\u00fcckenbauerin ein.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDamit hatte eigentlich niemand mehr gerechnet: Die fast 200 Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, die an der Welt-Klimakonferenz vom 28. November bis am 10. Dezember des vergangenen Jahres in der s\u00fcdafrikanischen Hafenstadt Durban teilnahmen, einigten sich \u00fcber weitere klimapolitische Schritte.\n\n<strong>Wie die \u00fcberraschende Einigung zustande kam<\/strong>\n\nDie Vorzeichen f\u00fcr Durban hatten schlecht gestanden und auch w\u00e4hrend des Gipfels schienen die Verhandlungen lange Zeit nicht entscheidend voranzukommen. Kurz vor Schluss waren die Fronten immer noch verh\u00e4rtet. Vor allem die Positionen der EU, welche kein Ergebnis akzeptieren wollte, das nicht auf ein rechtlich verbindliches Abkommen hinausliefe, und jene von Indien und China, die keine Verpflichtungen eingehen wollten, da solche sie in ihren Entwicklungsm\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nken w\u00fcrden, schienen einer Einigung unvereinbar entgegenzustehen. Erst als die Konferenzpr\u00e4sidentin und s\u00fcdafrikanische Aussenministerin, Maite Nkoana-Mashabane eindringlich zur Zusammenarbeit aufrief, zeigten sich die Unterh\u00e4ndler kompromissbereiter und so konnte doch noch eine Einigung erzielt werden. Entscheidend d\u00fcrfte dabei gewesen sein, dass die Beschl\u00fcsse eine Formulierung verwenden, die verschiedene Formen rechtlicher Verbindlichkeit vorsieht. Auf diese Weise konnten die bedeutendsten Blockierer \u2013 zu welchen neben den beiden asiatischen Giganten weiterhin auch die USA geh\u00f6ren \u2013 zumindest vorl\u00e4ufig an ihrem Ziel festhalten, keine bindenden Reduktionsziele einzugehen.\n\n<strong>Kein Durchbruch in der aktuellen Klimapolitik<\/strong>\n\nIn Durban wurden in letzter Sekunde die Weichen gestellt, um das Hauptziel der globalen Klimapolitik \u2013 die Erderw\u00e4rmung auf zwei Grad zu beschr\u00e4nken \u2013 noch zu erreichen. Inhaltlich wurden jedoch keine Fortschritte erzielt, weil das gr\u00f6sste Problem der Klimapolitik, n\u00e4mlich dass die Weltwirtschaft von fossilen Energietr\u00e4gern abh\u00e4ngt, weiterhin ungel\u00f6st bleibt. Durch das vermehrte in Frage stellen der Atomenergie in der Post-Fukushima-\u00c4ra und die Renaissance von emissionsintensiver Kohle als billigem fossilen Energietr\u00e4ger wird diese Abh\u00e4ngigkeit sogar noch verst\u00e4rkt. Vorerst werden die Emissionen also weiter ansteigen. Ein dauerhafter Durchbruch in der Klimapolitik setzt voraus, dass Wirtschaftswachstum und Emissionen entkoppelt werden und daf\u00fcr w\u00e4ren ein deutlich h\u00f6herer CO<sub>2<\/sub>-Preis, erg\u00e4nzende Massnahmen f\u00fcr Energieeffizienz sowie Investitionen in Forschung und Innovation erforderlich.\n\n<strong>Die Schweiz als \u201eehrlicher Makler&#8221;<\/strong>\n\nDie Schweiz vertrat in Durban im Wesentlichen dieselbe Position wie die EU und nimmt an der Verl\u00e4ngerung des Kyoto-Protokolls teil. Das Fazit des Delegationsleiters Bruno Oberle \u2013 dem Direktor des Bundesamtes f\u00fcr Umwelt (BAFU) \u2013 fiel optimistisch aus, er sprach von einem \u201eParadigmenwechsel, mit dem die internationalen Klimaverhandlungen einen grossen Schritt vorw\u00e4rts machen\u201c. Wie immer wirkte die Schweiz gut vernetzt aus dem Hintergrund und wurde als uneigenn\u00fctziger Vermittler gesch\u00e4tzt. Speziell hervorzuheben sind dabei die guten Beziehungen zu den der gleichen Verhandlungsgruppe angeh\u00f6renden G-20 Staaten Mexiko und S\u00fcdkorea sowie den frankophonen L\u00e4ndern Afrikas. Diese erlaubt es direkt am Bau der in den Klimaverhandlungen elementaren Br\u00fccke zwischen Norden und S\u00fcden mitzuwirken, die in Durban erstmals zustande gekommen ist. Die diesbez\u00fcglichen Anstrengungen der Schweizer waren und sind von unsch\u00e4tzbarem Wert und m\u00fcssen nicht nur weitergepflegt, sondern im Rahmen des M\u00f6glichen auch ausgebaut werden.\n\n<em><strong>Yannick Schoch<\/strong> ist Jurist und lebt in Z\u00fcrich. Er ist Mitglied der foraus-Arbeitsgruppe Umwelt, Verkehr und Energie.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1952],"class_list":["post-79599","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-klima"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79599"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79599"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}