{"id":79606,"date":"2017-06-21T00:00:00","date_gmt":"2017-06-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/frischer-wind-oder-sturm-ueber-kosovo-teil-1-die-sensation\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:30","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:30","slug":"frischer-wind-oder-sturm-ueber-kosovo-teil-1-die-sensation","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/frischer-wind-oder-sturm-ueber-kosovo-teil-1-die-sensation\/","title":{"rendered":"Frischer Wind oder Sturm \u00fcber Kosovo? Teil 1: Die Sensation"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die Siegerkoalition ist nicht die eigentliche Gewinnerin, und die Kriegsf\u00fcrsten sind nicht die eigentlichen Rebellen. Die vorgezogenen Parlamentswahlen vom 11. Juni haben Kosovo auf den Kopf gestellt. Zumindest was das Wahlresultat angeht. Wie daraus im n\u00e4chsten Schritt eine Regierung entstehen soll, scheint noch niemand zu wissen, und was das f\u00fcr die Region heisst, daran will wohl noch keiner denken.<\/b>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\"><\/div>\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nTr\u00e4nengas, Schlamm, Eier und Sprengk\u00f6rper. Kein Fussballmatch \u2013 sondern Politik in Kosovo. Parlamentarier und Premier, sowie das Geb\u00e4ude, in dem sie politisieren, kamen w\u00e4hrend des vergangenen Jahres oft unter Beschuss, sprichw\u00f6rtlich. Zank\u00e4pfel: die Unterzeichnung des Grenzabkommens mit Montenegro und das Abkommen \u00fcber den Zusammenschluss serbischer Mehrheitsgemeinden in Kosovo. Letzteres ausgehandelt als Teil des Dialogs zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo, unter der Vermittlung durch Br\u00fcssel. Resultat: monatelanger Stillstand. Im Mai 2017 folgt darauf der Sturz der Regierung unter Premierminister Isa Mustafa (LDK) und somit vorerst das Ende der regierenden Koalition aus der konservativen LDK und Mitte-rechts- Partei PDK.\n\nDoch der eigentliche Knall \u2013 ganz ohne Wurfgeschosse &#8211; folgte erst mit dem Wahlresultat. Fast ein Drittel der Stimmen f\u00fcr Vetevendosje (VV), die Aussenseiter, die Opposition, die linksnationalistische Partei von Albin Kurti und diejenige Partei, die ohne Koalitionspartner angetreten war. Die bis anhin regierenden Parteien mit ihren opportunistisch geschmiedeten Koalitionen, wurden dagegen regelrecht vorgef\u00fchrt mit ihren Wahlresultaten.\n\nWas besonders unter jungen Leuten als kaum mehr m\u00f6glich gegolten hatte, scheint nun pl\u00f6tzlich wieder Gestalt anzunehmen: Hoffnung auf Wandel. \u00abSeit langem, vielleicht zum ersten Mal seit dem Tod von Ibrahim Rugova, bin ich optimistisch, dass sich etwas ver\u00e4ndern wird\u00bb, sagt ein junger Mann, der Kosovo vor rund zwei Jahren den R\u00fccken gekehrt hat. Die Gier der Elite und die damit verkn\u00fcpfte Arbeits- und Perspektivlosigkeit jener, die nicht zu den G\u00fcnstlingen der Elite geh\u00f6ren, ist gross in Kosovo.\n\n<b>Die alte Garde muss weg<\/b>\n\n\u00abDie Leute hatten genug von der Korruption und Clanherrschaft im Land\u00bb, erkl\u00e4rt sich der Luftfahrtexperte* die dramatischen Verluste der Siegerkoalition, der sogenannten PAN-Koalition. PAN steht f\u00fcr PDK, AAK, NISMA und \u00fcber 10 weitere kleinere Parteien. Kriegskoalition, Extremisten, Radikale, Warlords liest man in Zeitungstiteln \u00fcber die Sieger der j\u00fcngsten Parlamentswahlen in Kosovo. Mit Namen heissen die f\u00fchrenden K\u00f6pfe dieser mutmasslichen Zwecksheirat Kadri Veseli, Ramush Haradinaj und Fatmir Limaj. Alle haben eine Vergangenheit bei der UCK, Haradinaj und Limaj standen bereits in den Haag vor dem Tribunal und gelten bei vielen weiterhin als Kriegshelden und Befreier. Zeugeneinsch\u00fcchterungen, die in den schlimmsten F\u00e4llen erst mit dem Tod der Zeugen endeten, hin oder her. Und doch: Die Koalition mit \u00fcber 10 anderen Parteien brachte den UCK-Herren nur gerade rund so viele Stimmen ein, wie 2014 die PDK alleine auf sich hatte vereinen k\u00f6nnen.\n\nUnd auch bei der sogenannten LAA-Koalition aus LDK, AKR und Alternativa, endete die Wahl in einem Debakel. \u00abDas war die Strafe daf\u00fcr, dass die LDK Rugova\u2019s Namen missbraucht und seine Werte verraten hat\u00bb, sagt der K\u00fcnstler*. In die gleiche Kerbe schl\u00e4gt der Supermarktmitarbeiter*: \u00abIch stamme aus der Generation von Rugova. Rugova war immer f\u00e4hig, mit allen zusammen zu arbeiten. Er war offen, er war ein ehrlicher Akademiker.\u00bb Auch Isa sei Akademiker und sollte doch wissen, wie man Reformen vorantreibe. Stattdessen herrsche Stillstand. \u00abEr sollte der jungen Generation die Hand geben, doch er ignoriert sie.\u00bb\n\nDie Hand zu den Jungen ausgestreckt hat daf\u00fcr VV. Tag und Nacht h\u00e4tten AktivistInnen \u00fcber alle erdenklichen Netzwerke \u2013 online und offline \u2013 mobilisiert, faktenbasiert die Erfolge der Partei belegt und verbreitet, erz\u00e4hlt der K\u00fcnstler*, der den Facebook-Aktivit\u00e4ten der Partei folgt. Das habe Vertrauen entstehen lassen. Das Ph\u00e4nomen Albin Kurti erkl\u00e4rt er so: \u00abEr ist Aktivist, er ist glaubw\u00fcrdig, er bewegt und ist Teil einer richtigen Bewegung.\u00bb VV nenne alle unangenehmen Dinge beim Namen, das sch\u00e4rfe das Bewusstsein bei den Jungen. Kurti biete den Leuten logische Gr\u00fcnde und Argumente an, sei offen und nahe beim Volk, findet der Supermarktmitarbeiter*.\n\nUnd das Volk, welches VV \u00fcberzeugen konnte, stammt aus Gebieten, in denen die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler ansonsten beinahe blind den Parteien der grossen ehemaligen Kriegsherren gefolgt waren. Das alleine ist eine Sensation an sich.\n\nDoch wie stehen die Chancen, dass Albin Kurti und seine rebellischen ParteigenossInnen Teil der Regierung werden?\n\nMehr dazu am Samstag in \u00ab<b>Frischer Wind oder Sturm \u00fcber Kosovo? Teil 2: Fahrt ins Ungewisse<\/b><b>\u00bb<\/b>\n\n<b>*F\u00fcr diese beiden Blogbeitr\u00e4ge hat Aleksandra Hiltmann mit drei Albanern in der Schweiz gesprochen: einem K\u00fcnstler, einem Luftfahrtexperten und einem Supermarktmitarbeiter. Sie sind zwischen 27 und 50 Jahre alt. Der K\u00fcnstler lebt seit zwei Jahren in der Schweiz, der Luftfahrtexperte ist hier aufgewachsen, und der Supermarktmitarbeiter ist vor ungef\u00e4hr 20 Jahren als politischer Fl\u00fcchtling in die Schweiz gekommen. Es ist Zufall, dass keine Frau unter den Befragten ist \u2013 die Zeit war knapp.<\/b>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79606","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79606","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79606"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79606"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}