{"id":79631,"date":"2012-05-07T00:00:00","date_gmt":"2012-05-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/aussenpolitische-neuorientierung-aegyptens-abwendung-von-israel\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:33","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:33","slug":"aussenpolitische-neuorientierung-aegyptens-abwendung-von-israel","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/aussenpolitische-neuorientierung-aegyptens-abwendung-von-israel\/","title":{"rendered":"Aussenpolitische Neuorientierung: \u00c4gyptens Abwendung von Israel"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Rashid Abed \u2013 <\/em><strong>Das Resultat der \u00e4gyptischen Parlamentswahlen st\u00e4rkt die islamischen Kr\u00e4fte, was in Israel und dem Westen die Nervosit\u00e4t steigert. Welche Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel wird die weitere Entwicklung der Revolution in \u00c4gypten darauf haben?<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n1979 schlossen Israel und \u00c4gypten einen Friedensvertrag. W\u00e4hrend der darauf folgenden, drei Jahrzehnte dauernden Herrschaft Mubaraks, wurden antiisraelische Proteste rigoros unterbunden. Sowohl wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch verstand sich \u00c4gypten unter Mubarak als Teil der Pax Americana. Eine starke Ber\u00fccksichtigung israelischer Interessen war ein Merkmal dieser strategischen Ausrichtung. Nach der \u00e4gyptischen Revolution von 2011 wurden in \u00c4gypten vermehrt Forderungen nach einer Aufk\u00fcndigung des Abkommens erhoben.\n\n<strong>Ernste diplomatische Verstimmungen<\/strong>\n\nDie \u00e4gyptisch-israelischen Beziehungen ver\u00e4ndern sich gegen\u00fcber der \u00c4ra Mubarak tiefgreifend. Dies zeigte sich etwa am Fall der f\u00fcnf get\u00f6teten \u00e4gyptischen Grenzsoldaten im August 2011. Die \u00dcbergangsregierung warf Israel vor, den Friedensvertrag gebrochen zu haben. Ungew\u00f6hnlich rasch erfolgte die Entschuldigung des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak. Als Antwort gab die \u00e4gyptische F\u00fchrung bekannt, dass ihr diese Entschuldigung nicht ausreiche.\n\nAuf den Strassen Kairos war die Stimmung \u00e4hnlich. Die wochenlangen Proteste schaukelten sich hoch und f\u00fchrten im September zu einem Angriff w\u00fctender Demonstranten auf die israelische Botschaft. Der Botschafter war gezwungen zu fliehen.\n\nSeither versucht sein Nachfolger ein neues Domizil zu finden, das den gestiegenen Sicherheitsanforderungen gen\u00fcgt. Bisher ohne Erfolg. Unklar ist, ob das Unterfangen misslingt, weil die jeweiligen Eigent\u00fcmer einer potentiellen Botschaft den Verkauf verweigern, oder ob politischer Druck der \u00dcbergangsregierung dahinter steckt.\n\n<strong>Unerf\u00fcllte israelische W\u00fcnsche<\/strong>\n\nAuch in wirtschaftlicher Hinsicht gibt es diverse Anzeichen f\u00fcr eine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen. Das zeigt beispielsweise der Bau einer 32 Kilometer langen Br\u00fccke, welche k\u00fcnftig Saudi-Arabien und \u00c4gypten miteinander verbinden soll. Die Idee f\u00fcr das Bauprojekt existiert seit \u00fcber zwanzig Jahren. Doch Israel hatte stets sein Veto eingelegt, welches von Hosni Mubarak ber\u00fccksichtigt wurde. Nach der Revolution ist das anders. Im Juli 2011 hat das \u00e4gyptische Verkehrsministerium das 5-Milliarden-Euro-Projekt genehmigt. Die W\u00fcnsche des n\u00f6rdlichen Nachbarn spielten keine Rolle mehr.\n\nEin anderes Beispiel ist der Lieferstopp von \u00e4gyptischem Erdgas an Israel. Der 2005 \u00fcber die East Mediterranean Gas Company ausgehandelte Liefervertrag sah Erdgaslieferungen zu Preisen unter dem Weltmarktniveau vor. Die \u00e4gyptische Ministerin f\u00fcr internationale Zusammenarbeit lud Israel dazu ein, den Vertrag neu zu verhandeln. Die \u00e4gyptische Politik kommt damit einem un\u00fcbersehbaren Druck der Strasse nach. Schliesslich haben seit Mubaraks Absetzung Unbekannte mehr als ein Dutzend Sabotageakte gegen die Erdgaspipeline auf dem Sinai ver\u00fcbt.\n\n<strong>Was geschieht nach den Wahlen?<\/strong>\n\nViel h\u00e4ngt davon ab, wie \u00c4gypten sich politisch neu ordnen wird. Die Parlamentswahlen haben die islamischen Kr\u00e4fte in \u00c4gypten klar gest\u00e4rkt. Der politische Arm der Muslimbruderschaft kam auf 45.7 Prozent, die salafistische \u201ePartei des Lichts\u201c auf 24.6 Prozent. Bei den ab dem 23. Mai angesetzten Pr\u00e4sidentschaftswahlen besteht die M\u00f6glichkeit, dass ebenfalls jemand aus dem islamischen Lager das Rennen machen wird. Doch wird der Milit\u00e4rrat, der seit Mubaraks R\u00fccktritt die politische Kontrolle in \u00c4gypten aus\u00fcbt, seine Macht tats\u00e4chlich an die Muslimbr\u00fcder abtreten? Das ist im Moment ebenso unsicher wie die Frage, ob die \u00dcbergangsregierung die geplanten Pr\u00e4sidentschaftswahlen abhalten lassen wird.\n\nEines jedoch ist klar: Die Zeiten der Vorzugsbehandlung in der \u00e4gyptischen Politik sind f\u00fcr Israel zu Ende. Wer auch immer in Zukunft die \u00e4gyptische Politik lenkt, wird eine verst\u00e4rkte Ausrichtung auf die \u00fcbrige arabische Welt vorantreiben. Dem erw\u00e4hnten Br\u00fcckenschlag nach Saudi Arabien kommt dadurch auch eine grosse symbolische Bedeutung zu. Bisher mussten \u00e4gyptische Pilger auf ihrer Hadsch ins saudische Mekka das s\u00fcdliche Israel durchqueren, wenn sie nicht den Seeweg w\u00e4hlen wollten. Mit der neuen Br\u00fccke ist dies \u00fcberholt.\n\nWie wird sich \u00c4gypten nach dem arabischen Fr\u00fchling positionieren? Wird das Land die F\u00fchrungsrolle in der arabischen Welt zur\u00fcckerobern, welche es in den Tagen Nassers inne hatte oder wird es sich den finanzstarken Saudis ann\u00e4hern? Oder ist vielleicht doch eine Erholung der Beziehungen zu den USA und Israel denkbar?\n\n<em>Rashid Abed (30), studiert zurzeit auf dem zweiten Bildungsweg Soziologie und Geschichte an der Universit\u00e4t Basel und ist Mitglied der foraus-Arbeitsgruppe Entwicklung und Zusammenarbeit. <\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-79631","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79631"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79631"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}