{"id":79660,"date":"2016-12-20T00:00:00","date_gmt":"2016-12-19T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-schweiz-und-der-andere-johans-plaedoyer-fuer-eine-liberale-schweiz\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:38","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:38","slug":"die-schweiz-und-der-andere-johans-plaedoyer-fuer-eine-liberale-schweiz","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/die-schweiz-und-der-andere-johans-plaedoyer-fuer-eine-liberale-schweiz\/","title":{"rendered":"Die Schweiz und der Andere \u2013 Johans Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine liberale Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Vor Kurzem ist das Buch von Johan Rochel in deutscher \u00dcbersetzung erschienen. Wenige Werke verm\u00f6gen so mit den Ideen des Liberalismus zu vers\u00f6hnen wie dieses Buch.<\/b>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nIn einer Zeit, in welcher sich jeder liberaler als der andere schimpft, hat man es als Verfechter der Sozialdemokratie manchmal nicht ganz einfach. Umso erstaunter war ich, als mich mein guter Freund Johan Rochel bat, die \u00dcbersetzung seines Buches \u2013 La Suisse et l\u2019Autre, erschienen bei Slatkine \u2013 kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die ersten Zeilen seines Buches entrosteten meine voreingenommen Vorstellungen des Liberalismus, welche sich an linken Feindbildern des Raubtierkapitalismus orientierten. Das Buch zeigt die wichtigen Rollen von Freiheit, Respekt und politischer Partizipation auf, welche Kernelemente unserer liberalen Gesellschaft sind.\n\nDer erste Teil des Buches legt den theoretischen Grundstein f\u00fcr die politischen Vorschl\u00e4ge, welche im zweiten Teil folgen. Der Autor erinnert uns zwar daran, dass es nicht sein Ziel ist, eine sezierte Analyse des Liberalismus zu pr\u00e4sentieren, wie wir sie aus der politischen Philosophie kennen. Stattdessen werden wir mit einer simplen Definition abgespiesen: \u201eDer Kern des liberalen Denkens liesse sich demnach folgendermassen zusammenfassen: (1) Ausgehend von einer moralischen Gleichheit zwischen allen Individuen sollten (2) alle Mitglieder der politischen Gemeinschaft, die die Schweiz bildet, die gleiche Freiheit geniessen, (3) sofern sie die Gleichheit und die Freiheit der Individuen ausserhalb ihrer Gemeinschaft respektieren.\u201c\n\nObwohl sich an dieser Stelle Johan Rochel bei den Philosophen John Rawls und Philip Petit bedient, ist diese Definition derart pr\u00e4gnant auf den Punkt gebracht, dass sie die Kernideen des Autors fassbar und einfach verst\u00e4ndlich f\u00fcr die folgenden Kapitel macht.\n\n<b>Die liberale Schweiz f\u00fcr die Anderen<\/b>\n\nAusgehend von obiger Perspektive auf den liberalen Kerngedanken des Buches, baut der Autor eine Br\u00fccke von der Gesellschaft in der Schweiz im Verh\u00e4ltnis zu den Anderen, zu den Zugewanderten und insbesondere zu denen, welche eine Grenze \u00fcberqueren m\u00fcssen. Johan Rochel erw\u00e4hnt in diesem Teil des Buches eine Reise, welche ich ihm empfohlen hatte, und ihn von Montreal nach New York mit dem Zug f\u00fchrte.* Das Beispiel des amerikanischen Z\u00f6llners, welcher sich das Recht herausnimmt, Zugreisende in die Vereinigten Staaten hineinzulassen, macht deutlich, wie schwierig es ist, Migrationsbeschr\u00e4nkungen im Hinblick auf die Freiheit und Gleichheit von Individuen zu rechtfertigen. Der Autor bemerkt richtigerweise, dass die politische Reflexion von neuen Realit\u00e4ten ausgehen muss. Angesichts der zunehmenden Globalisierung, der Interdependenzen zwischen Staaten auf den Weltm\u00e4rkten und der Tatsache, dass Kulturen, Mode und Ideen immer einfacher reisen, erscheint es schwer verst\u00e4ndlich, dass Menschen an Ort und Stelle festgehalten werden. In den folgenden Kapiteln analysiert der Autor verschiedene Problembereiche, in denen der Widerspruch zwischen liberaler Politik und restriktiver Migrationspolitik in der Schweiz nur schwer ertr\u00e4glich ist.\n\n<b>Migrationspolitische Baustellen und liberaler Anspruch<\/b>\n\nEin Bereich, welcher dem Leser sofort in den Sinn kommt, wenn es um einen liberalen Umgang mit Zuwanderern geht, ist die Asylpolitik der Schweiz. Hier stellt der Autor fest, dass die mangelnde Koh\u00e4renz der Schweiz in der Asylpolitik zu einer Gefahr f\u00fcr Grundrechte von Fl\u00fcchtlingen verkommt und appelliert an die Verantwortung unseres Landes, welche \u00fcber eine \u201ehumanit\u00e4re Reputation\u201c hinausgehen soll. Die Schweiz hat in diesem Bereich die M\u00f6glichkeit sich als profilierte Expertin auf dem Gebiet der Asylpolitik zu behaupten und ihren (europ\u00e4ischen) Beitrag zur L\u00f6sung der Fl\u00fcchtlingskrise zu leisten. Es geht dem Autor nicht darum einfach eine Politik der offenen Grenzen anzupreisen, sondern vielmehr eine Diskussion \u00fcber eine institutionelle Reform unseres Asylwesens voranzutreiben.\n\nEin zweiter Punkt, den der Autor diskutiert, ist der Familiennachzug von Migranten in der Schweiz. Es wird hier richtigerweise erw\u00e4hnt, dass der Familiennachzug nicht nur ein Motor der Integration von Ausl\u00e4ndern sein kann, sondern auch ein Anreiz f\u00fcr Fachkr\u00e4fte in die Schweiz zu kommen. Es ist unbestritten, dass der Mensch sich in der Umgebung seiner vertrauten Kernfamilie wohler f\u00fchlt und bessere Chance hat, ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft zu sein.\n\nAls Dritte und letzte Problemzone schaut sich der Autor die Arbeitsmigration in die Schweiz an. Hier stellt der Autor fest, dass es f\u00fcr nicht-EU\/EFTA-B\u00fcrger sehr schwer ist, ordentlich in die Schweiz zu kommen. Es werden hier Modelle vorgeschlagen, welche \u201edie Anderen\u201c in unserer Gesellschaft einbinden und ihm eine Stimme geben. Interessanterweise diskutiert hier der Autor Gegenargumente einer liberalen Einwanderungspraxis, namentlich Sicherheitsinteressen, einen umk\u00e4mpften Arbeitsmarkt, den Schutz von nat\u00fcrlichen Ressourcen und die Bewahrung der lokalen Kultur. W\u00e4hrend der Autor diese Gegenargumente nicht per se als ung\u00fcltig abstreitet, fordert er eine weitergehende Auseinandersetzung mit der tats\u00e4chlichen Wirkung von Arbeitsmigration auf diese.\n\n<b>Eine liberale Schweiz ist eine inklusive Schweiz<\/b>\n\nDie Kernbotschaft des Buches lautet darin, dass die Beziehung zu den Anderen \u2013 oder nicht-Schweizern \u2013 sich an den Kernideen des Liberalismus orientieren muss: Der individuellen Freiheit und der Gleichheit von Individuen. Es ist erstaunlich, dass sich bis heute keine Partei in der Schweiz auf diesen Gedanken st\u00fctzt, obwohl jede Partei liberaler als die andere sein m\u00f6chte. Das Buch von Johan schafft es, die Universalit\u00e4t dieser Werte auf die Schweizerische Einwanderungspolitik zu projizieren. Hierbei entwirft er die Grundpfeiler einer zutiefst integrativen und inklusiven Schweiz. Hierbei m\u00f6chte er \u201edie liberale Schweiz, die verantwortungsbewusste Schweiz und die wohlhabende Schweiz verschmelzen (&#8230;.)\u201c um diese auf die Zukunft vorzubereiten, in der wir auf die anderen voller Vertrauen zugehen. Ich m\u00f6chte gerne in Johans Schweiz leben.\n\n* Diese zehnst\u00fcndige Zugreise sei allen empfohlen. Der Zug tingelt im Schneckentempo w\u00e4hrend ca. 10 Stunden dem Hudson entlang. Dies bietet nicht nur sensationelle Ausblicke, sondern auch genug Zeit alle letzten Beitr\u00e4ge im forausblog zu lesen. Mehr Informationen:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amtrak.com\/adirondack-train\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.amtrak.com\/adirondack-train<\/a>\n\nZum Buch:\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/www.nzz-libro.ch\/die-schweiz-und-der-andere-foraus.html\" href=\"http:\/\/www.nzz-libro.ch\/die-schweiz-und-der-andere-foraus.html\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.nzz-libro.ch\/die-schweiz-und-der-andere-foraus.html<\/a>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79660","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79660"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79660"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}