{"id":79726,"date":"2016-04-28T00:00:00","date_gmt":"2016-04-27T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/verantwortung-im-krieg-wider-das-schweigen-der-gesetze\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:47","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:47","slug":"verantwortung-im-krieg-wider-das-schweigen-der-gesetze","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/verantwortung-im-krieg-wider-das-schweigen-der-gesetze\/","title":{"rendered":"Verantwortung im Krieg: Wider das Schweigen der Gesetze"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Angesichts heutiger Konfliktformen ist eine fundierte Ausbildung der Streitkr\u00e4fte in den Prinzipien des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts dringender denn je.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nVor Kurzem machten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/konflikte-israelischer-soldat-toetet-verletzten-palaestinenser_id_5384261.html\" rel=\"nofollow noopener\">die Medien bekannt<\/a>, dass in Hebron ein israelischer Soldat mit einem gezielten Kopfschuss einen verwundeten und am Boden liegenden pal\u00e4stinensischen Angreifer t\u00f6tete. Hierbei ist nicht nur die Tat an sich ersch\u00fctternd, sondern auch, dass weder seine Kameraden noch seine Vorgesetzten ihn von dieser Tat abhielten. Schockierend wie dieser Vorfall ist, zeigt er die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit einer profunden Aus- und Weiterbildung in \u00abHumanit\u00e4rem V\u00f6lkerrecht\u00bb (oder auch \u00abGesetze und Gebr\u00e4uche des Krieges\u00bb) im Rahmen des Milit\u00e4rdienstes auf allen Rangstufen.\n<h2>Das Gesetz im Krieg<\/h2>\nDas \u00abHumanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht\u00bb hat seinen Anfang Ende des 19. Jahrhunderts, ist aber noch heute g\u00fcltig. Fr\u00fcher als \u00abKriegsv\u00f6lkerrecht\u00bb bezeichnet, versucht dieser Regelkatalog zwei entgegengesetzte Interessen in einem bewaffneten Konflikt gleichwertig zu ber\u00fccksichtigen. So soll einerseits der milit\u00e4rischen Notwendigkeit einer Handlung Rechnung getragen werden, zugleich aber muss das Prinzip der Menschlichkeit und der Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit Beachtung finden. Hieraus ergeben sich die Grunds\u00e4tze des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts. Einer der Wesentlichsten ist die Unterscheidung zwischen kombattanten und nichtkombattanten Personen. Nichtkombattante sind Zivilpersonen und Personen\u00a0<i>hors de combat,\u00a0<\/i>also Angeh\u00f6rige von Streitkr\u00e4ften, welche nicht (mehr) an Kampfhandlungen beteiligt sind, da sie die Waffen niedergelegt haben, verletzt sind oder zum milit\u00e4risches Sanit\u00e4ts- oder Seelsorgepersonal geh\u00f6ren. Das Humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht gebietet solche Personen zu schonen und zu sch\u00fctzen und verbietet sie zu verletzen oder gar zu t\u00f6ten. Damit verbunden ist die strikte Unterscheidung zwischen \u00abmilit\u00e4rischen Zielen\u00bb, etwa Gesch\u00fctzstellungen, und \u00abzivilen\u00bb Zielen, beispielsweise Spit\u00e4lern und Schulen, welche keinesfalls angriffen werden d\u00fcrfen. Verboten sind daher weiter auch Mittel und Methoden, bei deren Anwendung nicht zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten unterschieden werden kann, zum Beispiel der Einsatz von Antipersonenminen.\n\nAuch ist die Wahl der eingesetzten Mittel und Methoden zur Kriegsf\u00fchrung nicht uneingeschr\u00e4nkt, sondern muss verh\u00e4ltnism\u00e4ssig sein. Dies bedeutet, dass eine milit\u00e4rische Operation keine unverh\u00e4ltnism\u00e4ssigen Verluste in der Zivilbev\u00f6lkerung oder Sch\u00e4den an zivilen Objekten und der Umwelt verursachen darf. Schwere Verletzungen des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts, etwa die unmenschliche Behandlung von Gefangenen und der Zivilbev\u00f6lkerung sind Kriegsverbrechen und\/oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit.\n<h2>Herausforderung \u00abNeue Kriegs- und Konfliktformen\u00bb<\/h2>\nDie Einhaltung der Regeln des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts ist also f\u00fcr jeden Streitkr\u00e4fteangeh\u00f6rigen in jedem Moment seines Einsatzes zwingend. Im extremen Stresszustand w\u00e4hrend eines Konflikts ist es f\u00fcr einen Streitkr\u00e4fteangeh\u00f6rigen allerdings sehr schwierig, die Rechtm\u00e4ssigkeit des eigenen Handelns absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Erschwerend kam in den letzten Jahrzehnten noch hinzu, dass moderne Konflikte kaum noch von regul\u00e4ren Armeen und innerhalb klar feststehender Schlachtfelder ausgetragen werden. Anders als in klassischen (internationalen) Konflikten, also Konflikte mit zwei sich gegen\u00fcberstehenden Armeen, sind die meisten Konflikte heute asymmetrisch und staatsintern. In einem solchen sind Kombattanten und Zivilisten nicht l\u00e4nger klar unterscheidbar und Gefechte werden \u00fcberall und zu jeder Zeit mit den unterschiedlichsten Mitteln gef\u00fchrt.\n\nDer auf diese Weise ver\u00e4nderte Einsatzkontext bedeutet eine grosse Herausforderung f\u00fcr Soldaten und die jeweiligen Vorgesetzten. Denn diese m\u00fcssen sich zu jeder Zeit w\u00e4hrend ihres gesamten Einsatzes \u00fcber die Rechtm\u00e4ssigkeit ihres Handelns im Klaren sein. W\u00e4hrend in verschiedenen regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften die Bedeutung einer umfassenderen Ausbildung der Truppen in Humanit\u00e4rem V\u00f6lkerrecht erkannt und intensiviert wurde, gibt es auch Bestrebungen Angeh\u00f6rige nicht-regul\u00e4rer Einheiten f\u00fcr Grunds\u00e4tze des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts zu sensibilisieren. Ein Ansatz hierzu ist etwa die von der Nichtregierungsorganisation \u00abGeneva Call\u00bb entwickelte kostenlose Smartphone-App\u00a0<a href=\"http:\/\/www.genevacall.org\/de\/fighter-killer-mobile-application-raise-awareness-law-war-among-armed-groups\/\" rel=\"nofollow noopener\">\u00abFighter Not Killer\u00bb<\/a>.\n<h2>Mehr Bewusstsein zur Verantwortung n\u00f6tig<\/h2>\nEine weitere Herausforderung ist, den Kommandanten aller Stufen klar zu machen, dass sie nicht nur f\u00fcr ihr eigenes, sondern auch f\u00fcr das Handeln ihrer Untergebenen die Verantwortung tragen und f\u00fcr deren allf\u00e4lliges Fehlverhalten haftbar gemacht werden k\u00f6nnen. (In diesem Zusammenhang wird der Ausdruck \u00abKommandantenverantwortung\u00bb verwendet.) Dabei kann der Kommandant nicht nur f\u00fcr von ihm bewusst angeordnete Handlungen zur Verantwortung gezogen werden, sondern auch f\u00fcr fehlbare Handlungen seiner Untergebenen, von denen er gewusst hat oder zumindest gewusst haben m\u00fcsste \u2013 und nicht wirkungsvoll dagegen vorgegangen ist.\n\nDie Aus- und Weiterbildung in Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht in den Streitkr\u00e4ften ist durch die Ver\u00e4nderung der Konfliktformen heutzutage dringender denn je. Dies wurde in vielen Streitkr\u00e4ften erkannt und angestrebt. \u00a0Auch in der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.vtg.admin.ch\/internet\/vtg\/de\/home\/themen\/internationale_kooperation\/das_kriegsvoelkerrecht.html\" rel=\"nofollow noopener\">Schweiz<\/a>gibt es grosse Bem\u00fchungen in diese Richtung. Diese fokussieren jedoch sehr auf die Ausbildung der h\u00f6heren Kommandanten. Daneben darf die Ausbildung in Humanit\u00e4rem V\u00f6lkerrecht im Rahmen der Grundausbildungsdienste (GAD, also den Rekruten-, Unteroffiziers-, und Offiziersschulen) sowie die standardm\u00e4ssige Auffrischung dieses Wissens in jedem Fortbildungsdienst der Truppen (FDT, ehemals WK) nicht nur nicht vernachl\u00e4ssigt, sondern sollte vielmehr intensiviert werden. Hierf\u00fcr ist es indes wichtig, dass die grundlegende Bedeutsamkeit des Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts sowie dessen Ausbildung von den Verantwortlichen aller milit\u00e4rischer Stufen, aber auch der zivilen Akteure in Exekutive, Legislative und Administration verstanden und dementsprechend gef\u00f6rdert wird.<i><b><\/b><\/i><i><\/i>\n\n&nbsp;\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-79726","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79726"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79726"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}