{"id":79755,"date":"2016-03-14T00:00:00","date_gmt":"2016-03-13T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-burka-tragende-frau-und-wir-die-verhuellungsinitiative-erschafft-ihr-eigenes-schreckgespenst\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:52","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:52","slug":"die-burka-tragende-frau-und-wir-die-verhuellungsinitiative-erschafft-ihr-eigenes-schreckgespenst","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/die-burka-tragende-frau-und-wir-die-verhuellungsinitiative-erschafft-ihr-eigenes-schreckgespenst\/","title":{"rendered":"Die Burka tragende Frau und wir: Die Verh\u00fcllungsinitiative erschafft ihr eigenes Schreckgespenst"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Morgen beginnt die Unterschriftensammlung f\u00fcr die Verh\u00fcllungsinitiative und damit gegen die <a href=\"http:\/\/www.verhuellungsverbot.ch\/darum-geht-es\/\" rel=\"nofollow noopener\">Vollverschleierung von muslimischen Frauen<\/a>. Die Initiative kreiert mit der\u00a0<i>Burka tragenden Frau<\/i>\u00a0als unterdr\u00fcckte, notleidende und zu rettende Frau ihr eigenes Zerrbild. Die muslimischen Frauen in der Schweiz sind die grossen Verliererinnen der Initiative.<\/strong>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDas Initiativkomitee stampft die\u00a0<i>Burka tragende Frau<\/i>\u00a0der Schweiz aus dem Boden: Sie wurde als Familiennachzug aus dem Nahen Osten hergeholt. Sie ist arm, bildungsfern, wird von ihrem Gatten gewaltvoll unterdr\u00fcckt und dazu gedr\u00e4ngt, sich zu verschleiern. Kurz: sie lebt in einer nicht selbstgew\u00e4hlten Unfreiheit.\n\nEs gibt vollverschleierte Frauen in der Schweiz, aber die staatspolitische\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/staenderatskommission-ist-gegen-ein-burkaverbot\/story\/18208853\" rel=\"nofollow noopener\">Kommission des St\u00e4nderates<\/a>\u00a0sieht darin \u201ekein wirkliches Problem\u201c. Gr\u00f6ssenteils handelt es sich um Touristinnen vom arabischen Golf oder auch Konvertitinnen des Islamischen Zentralrats der Schweiz, welche (erfolgreich) provozieren. Die Ersten sind Besucherinnen und die Zweiten offensichtlich selbstbestimmte Frauen. Beide Gruppen stehen dem selbsterzeugten Zerrbild der\u00a0<i>Burka tragenden Frau<\/i>\u00a0diametral gegen\u00fcber und ben\u00f6tigen die Frauenbefreiungsmission des Initiativkomitees wohl kaum.\n\n<b>Wie eine liberale Gesellschaft Freiheit vorschreibt<\/b>\n\nWarum also das Bild der\u00a0<i>Burka tragenden Frau<\/i>? Eine vollverschleierte Frau dient als Vehikel f\u00fcr Fragen des eigenen Selbstverst\u00e4ndnisses. Die Muslima dient als Projektionsfl\u00e4che; wir definieren das\u00a0<i>uns<\/i>, in Abgrenzung zum anderen.\n\nIm Rahmen der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.news.admin.ch\/message\/index.html?lang=de&amp;msg-id=55185\" rel=\"nofollow noopener\">Tessiner Verschleierungsinitiative<\/a>\u00a0und des EGMR Gerichtsfall\u00a0<i><a title=\"Link: http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/eng\" href=\"http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/eng\" rel=\"nofollow noopener\">S.A.S gegen Frankreichs<\/a><\/i>\u00a0bez\u00fcglich eines Verh\u00fcllungsverbot im \u00f6ffentlichen Raum wurde vom \u00f6ffentlichen Interessen am gesellschaftlichen Zusammenleben gesprochen.\n\nEs scheint so, als wollten die Initianten uns ein gewisses Aussehen einer freien und liberalen Gesellschaft aufdr\u00fccken. Herm\u00e8s Foulards geh\u00f6ren dazu, islamische Gesichtsschleier aber nicht. Dies ergibt eine \u00e4usserst paradoxe Situation. Um frei und offen zu sein, m\u00fcssen wir verbieten und festschreiben.\n\nEin Ziel der Initiative sei der Schutz der Frau. Auch ohne die Bemerkung, dass der Wortlaut damit in postkolonial paternalistischer Tradition steht \u2013 der rettende Westen \u2013, wird das selbstauferlegte Ziel verfehlt. Zu einem effektiven Schutz geh\u00f6rten niederschwellige Anlaufstellen, zivilstandunabh\u00e4ngiges Bleiberecht (\u00c4nderung des Art. 50 AuG) und ein umfassender Diskriminierungsschutz bei Arbeit und Ausbildung. Im \u00dcbrigen, wird eine Frau zum Tragen der Burka gen\u00f6tigt, h\u00e4lt dies schon heute Art. 181 StGB als Strafbestand fest. Ginge es um den Schutz von \u00dcbergriffen vermummter Personen bei Grossanl\u00e4ssen ist darauf zu verweisen, dass \u00fcber 15 Kantone die Unkenntlichmachung des eigenen Gesichtes bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen als \u00dcbertretungsdelikt ahnden und mit Busse oder Haft bestrafen (darunter die St\u00e4dte BS, BE, ZH und LU).\n\n<b>Die muslimischen Frauen als grosse Verliererinnen<\/b>\n\nDie\u00a0<i>Burka tragende Frau<\/i>\u00a0der Initiative ist ein Zerrbild der vielen muslimischen Frauen in der Schweiz und wird ihnen als abschreckendes Beispiel vorgehalten, als das andere Ende einer liberalen Gesellschaft. Dort wollen wir also nicht enden! Muslimen und muslimischen Frauen im Besonderen wird einmal mehr verklickert: Ihr geh\u00f6rt nicht zur Schweiz. Sie werden zum Objekt der Ausgrenzung, um das Schweizerische \u00fcberhaupt erst zu definieren.\n\nDas Initiativkomitee gibt vor, muslimischen Frauen helfen zu wollen. Tats\u00e4chlich sind die muslimischen Frauen in der Schweiz die grossen Verliererinnen der Debatte, solche, die ein Kopftuch tragen und die vielen, welche sich selbst als s\u00e4kular beschreiben. Denn sie alle werden in das Feindbild\u00a0<i>Burka tragende Frau<\/i>\u00a0gedr\u00e4ngt. Vergessen geht, dass wir \u00fcber reale Frauen mit eigenen Gedanken und Gef\u00fchlen sprechen.\n\n\u00c4hnlich verquer wie die Befreiungslogik des Initiativkomitees ist auch die \u00dcberfremdungslogik, welche die Schweiz bewahren will, so wie man sie kennt. Die ultrareligi\u00f6sen Milieus in den Suburbs Grossbritanniens und den franz\u00f6sischen Banlieues, sind nicht Ausl\u00e4ufer der pakistanischen oder maghrebinischen Vorst\u00e4dte. Vielmehr sind sie Produkte einer jahrzehntelangen Pseudo-Integrationspolitik. Statt auf Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit (Schwesterlichkeit) sind die zweiten und dritten Generationen auf elit\u00e4re Strukturen und Gentrifizierung gestossen. Den vollverschleierten Frauen der Agglomerationen ist nicht mit einem Verschleierungsverbot geholfen, sondern mit einer Integrationspolitik, die die Versprechen von Chancengleichheit, gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Mobilit\u00e4t zu erf\u00fcllen anstrebt.\n\nMit der Verh\u00fcllungsinitiative hingegen wird Identit\u00e4tspolitik auf Kosten von Musliminnen betrieben. Dabei verkennt das Initiativkomitee die Realit\u00e4t des\u00a0<i>uns<\/i>\u00a0auf Schweizer Territorium und muss erst die Schreckgespenster erzeugen, die es bek\u00e4mpfen will.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79755","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79755"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79755"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}