{"id":79761,"date":"2013-02-22T00:00:00","date_gmt":"2013-02-21T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/ausgetrickst-die-schweiz-muss-sich-am-kampf-gegen-steuertricks-multinationaler-konzerne-beteiligen\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:52","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:52","slug":"ausgetrickst-die-schweiz-muss-sich-am-kampf-gegen-steuertricks-multinationaler-konzerne-beteiligen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/ausgetrickst-die-schweiz-muss-sich-am-kampf-gegen-steuertricks-multinationaler-konzerne-beteiligen\/","title":{"rendered":"Ausgetrickst? Die Schweiz muss sich am Kampf gegen Steuertricks multinationaler Konzerne beteiligen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Regula Hess und Andreas Weber <\/em><em>\u2013<\/em><em>\u00a0<\/em><strong>Am G20-Treffen in Moskau zeigten sich die Finanzminister ent- schlossen, die Steuerminimierungspraxis internationaler Unternehmen zu bek\u00e4mpfen. Die Schweiz muss in Anbetracht der j\u00fcngsten Entwicklungen handeln und darf nicht l\u00e4nger die Karte \u201eAbwarten\u201c spielen.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie Finanzminister Deutschlands, Grossbritanniens und Frankreichs fanden am G20-Treffen Ende letzter Woche harte Worte, um die Steuerminimierungspraxis Multinationaler Unternehmen zu verurteilen. Diese Praxis ist zwar weitgehend legal, wird jedoch von der OECD in ihrem j\u00fcngsten <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/ctp\/beps.htm\" rel=\"nofollow noopener\">Bericht<\/a>\u00a0explizit als Problem anerkannt. Ohne konkrete Massnahmen stehe nichts weniger als die Integrit\u00e4t der Unternehmenssteuer auf dem Spiel. Die in den letzten Jahren publik gewordenen F\u00e4lle von Grosskonzernen wie <a href=\"http:\/\/www.cash.ch\/news\/alle-news\/wie_sich_starbucks_steuerlich_arm_rechnet-1233567-448\" rel=\"nofollow noopener\">Starbucks<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-dienstleister\/ableger-in-luxemburg-wie-amazon-sich-ums-steuerzahlen-drueckt\/7492820.html\" rel=\"nofollow noopener\">Amazon<\/a>,<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/unternehmen-und-konjunktur\/Apple-bezahlte-im-Ausland-nur-19-Prozent-Steuern\/story\/18839630\" rel=\"nofollow noopener\">Apple<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/news\/2012-12-10\/google-revenues-sheltered-in-no-tax-bermuda-soar-to-10-billion.html\" rel=\"nofollow noopener\">Google<\/a>, welche trotz hohen Gewinnen nur sehr geringe Steuern bezahlen, haben somit auf h\u00f6chster politische Ebene Reaktionen ausgel\u00f6st.\n\n<strong>Politisch und \u00f6konomisch sch\u00e4dliche Situation<\/strong>\n\nMultinationale Unternehmen nutzen die Steuerschlupfl\u00f6cher an der Schnittstelle national organisierter Steuergesetzgebungen rigorose aus und verschieben Gewinne gezielt in Niederlassungen in besonders steuerg\u00fcnstigen L\u00e4nder (<em>Profit Shifting<\/em>). Somit kann die Gesamtsteuerlast des Konzerns minimiert werden. Die derzeitige Situation ist nicht nur aus moralischer, sondern auch aus \u00f6konomischer Sicht problematisch. Multinationale Konzerne verf\u00fcgen gegen\u00fcber national t\u00e4tigen Unternehmen \u00fcber einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil, da sie via <em>Profit Shifting<\/em>\u00a0ihre Steuerlast tief halten k\u00f6nnen. Gem\u00e4ss OECD droht diese Diskriminierung die Steuermoral anderer Unternehmen sowie der B\u00fcrger\/innen zu untergraben. Die M\u00f6glichkeit der internationalen Steuerminimierung kann zudem zu einer ineffizienten Ressourcenallokation f\u00fchren, da Investitionen nicht da get\u00e4tigt werden, wo sie aus \u00f6konomischer Sicht (und vor Steuern) am produktivsten sind, sondern dort, wo die Gewinne nach Steuern am h\u00f6chsten ausfallen.\n\nDie Gewinner\/innen der derzeitigen Situation sind die Konzerne beziehungsweise deren Aktion\u00e4r\/innen, w\u00e4hrend weniger mobile Unternehmen und die B\u00fcrger\/innen letztendlich die Steuerausf\u00e4lle kompensieren m\u00fcssen. Die Schweiz scheint dank dem Zuzug vieler multinationaler Unternehmen tempor\u00e4r zwar Nutzniesserin des Systems zu sein. Es mehren sich jedoch Stimmen, wonach auch der Schweiz aufgrund des<em>Profit Shiftings<\/em>\u00a0Steuereinnahmen entgehen. In Anbetracht der Tatsache, dass Google dank Steuertricks einen globalen Steuersatz von 3,2% erreichen konnte, erscheint solchen Unternehmen auch der niedrigste Schweizer Steuersatz von 12,7% in Nidwalden noch hoch.\n\n<strong>Aktive Schweizer Politik n\u00f6tig<\/strong>\n\nDer Druck auf die Schweiz, Steuerprivilegien insbesondere f\u00fcr Holding- und Verwaltungsgesellschaften abzuschaffen, wird in den kommenden Monaten zunehmen. Bereits f\u00fcr den G8-Gipfel vom n\u00e4chsten Juni wird die OECD einen Aktionsplan erarbeiten, welcher Gegenmassnahmen aufzeigen und konkrete Implementierungsziele definieren soll. Im gleichen Monat l\u00e4uft das <a href=\"http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/politik_schweiz\/EU_droht_Schweiz_mit_schwarzer_Liste.html?cid=34888422\" rel=\"nofollow noopener\">Ultimatum<\/a>\u00a0aus, welches der EU-Ministerrat der Schweiz im letzten Dezember bez\u00fcglich Sonderbesteuerung multinationaler Unternehmen gestellt hat.\n\nDie Schweiz t\u00e4te gut, diese Entwicklungen nicht nur als gezielte Drohkulisse gegen\u00fcber einem Kleinstaat zu interpretieren. Vielmehr handelt es sich um einen Richtungswechsel wichtiger Industriel\u00e4nder, welche erkannt haben, dass in einer globalisierten Weltwirtschaft ohne Koordination die Zielsetzungen nationaler Steuergesetzgebungen untergraben werden.\n\nOhne vorausschauendes Handeln droht der Schweiz langfristig eine \u00e4hnliche Situation wie 2009 im Falle des Bankgeheimnisses, wo sie sich \u00fcber Nacht auf einer unr\u00fchmlichen Schwarzen Liste wiederfand. Vorschl\u00e4ge wie die Senkung des Steuersatzes f\u00fcr alle Unternehmen m\u00fcssen dabei unter der Perspektive evaluiert werden, dass l\u00e4ngerfristig nur noch Profite, die auch in der Schweiz erwirtschaftet worden sind, hier besteuert werden. Die Schweiz k\u00f6nnte dabei von internationalen Bestimmungen zur Regulierung des Steuerwettbewerbs durchaus profitieren, da sie dank der Infrastruktur, des Humankapitals, der Lebensqualit\u00e4t und der Dichte multinationaler Unternehmen \u00fcber wertvolle alternative Standortsvorteile verf\u00fcgt. Die Bundesrat sollte daher die gegenw\u00e4rtige Situation nutzen und sich zusammen mit der OECD aktiv f\u00fcr eine globale Regulierung einzusetzen.\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1822],"class_list":["post-79761","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-finanz-wirtschaftspolitik"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79761"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79761"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}