{"id":79767,"date":"2015-11-05T00:00:00","date_gmt":"2015-11-04T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/alles-rawabi-wie-europa-in-der-fluechtlingskrise-handeln-kann\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:53","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:53","slug":"alles-rawabi-wie-europa-in-der-fluechtlingskrise-handeln-kann","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/alles-rawabi-wie-europa-in-der-fluechtlingskrise-handeln-kann\/","title":{"rendered":"Alles Rawabi? Wie Europa in der Fl\u00fcchtlingskrise handeln kann"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Mauern, Transit-Zonen und Z\u00e4une beherrschen die Diskussion in der Fl\u00fcchtlingspolitik. Ein Blick nach Pal\u00e4stina k\u00f6nnte einen neuen Ansatz bieten.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem in den vergangenen Monaten zunehmend syrische Fl\u00fcchtlinge aus dem Konfliktgebiet oder den Nachbarstaaten, in welchen sie vor\u00fcbergehend Zuflucht gefunden hatten, nach Europa kamen, beginnt die europ\u00e4ische Politik nun auf das Problem zu reagieren. Manche Staaten begegnen den Fl\u00fcchtenden mit Abschottung, andere zeigen mehr Offenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was aber kaum stattfindet, ist eine Politik, die langfristig gestaltet und nicht bloss auf die aktuelle Situation reagiert. Dabei war bereits lange klar, dass die syrischen Nachbarl\u00e4nder dauerhaft nicht in der Lage sein w\u00fcrden, den Millionen von Vertriebenen alleine eine w\u00fcrdige Existenz zu bieten. Schuld daran tr\u00e4gt auch die massive Unterfinanzierung der UNHCR oder des\u00a0<i>World Food Programm<\/i>. Kein Wunder also, dass die syrischen Fl\u00fcchtlinge zunehmend auf das reiche Europa blicken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Was tun?<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU rechnet in den kommenden Jahren mit einer massiven Zunahme an syrischen Fl\u00fcchtlingen, welche nach Europa wollen. Doch ist es klug, diese Entwicklung einfach abzuwarten? Nein, denn die Syrer werden zu einer langen, teuren und oft lebensgef\u00e4hrlichen Flucht angeregt. Durch die Unsummen, welche ein syrischer Fl\u00fcchtling bezahlen muss, um bis nach Zentraleuropa zu gelangen, profitieren Schlepperbanden. Stattdessen k\u00f6nnte eine gestaltende Politik so aussehen, dass in den Ausbau der Fl\u00fcchtlingslager im Nahen Osten investiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fl\u00fcchtlinge in den syrischen Nachbarl\u00e4ndern brauchen neben winterfesten Unterk\u00fcnften auch berufliche und private Perspektiven. Ein Denkanstoss dazu kann die Modellstadt Rawabi im Westjordanland geben. Private Investoren erbauen dort eine Siedlung, komplett mit Schulen, einem Spital und Freizeitangeboten, welche in naher Zukunft 40&#8217;000 Menschen eine Heimat bieten soll. Bei dem pal\u00e4stinensischen Modellprojekt geht es den privaten Geldgebern durchaus um \u00f6konomischen Profit. Die Investoren aus Katar lassen sich Rawabi rund eine Milliarde Dollar kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergleichbare Projekte k\u00f6nnten bei bereits bestehenden Fl\u00fcchtlingslagern realisiert werden. Diese Entwicklung hat in Ans\u00e4tzen bereits eingesetzt. Es m\u00fcsste aber sehr viel mehr passieren, sodass die Geflohenen sich selber versorgen k\u00f6nnen und die Abh\u00e4ngigkeit von Wohlt\u00e4tigkeiten sinkt. Ein Kleinstaat wie die Schweiz k\u00f6nnte etwa in Kooperation mit Partnerstaaten und privaten Akteuren eine Patenschaft f\u00fcr ein Lager \u00fcbernehmen und es zu einer Siedlung weiter entwickeln. Bei so einem Projekt m\u00fcssten von Beginn an die Bed\u00fcrfnisse aller involvierten Stakeholder ber\u00fccksichtigt werden, um ein Klima der Akzeptanz zu schaffen. Das w\u00fcrde etwa bedeuten, dass auch die lokale Bev\u00f6lkerung des aufnehmenden Landes von dem Ausbau profitieren muss. Keine Gruppe darf \u00fcbervorteilt werden oder sich ausgeschlossen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Langfristiger Nutzen<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile des Ausbaus der Fl\u00fcchtlingscamps liegen auf der Hand: Die beschriebenen Push-Faktoren w\u00fcrden minimiert, wodurch weniger Syrer die Flucht nach Europa auf sich nehmen m\u00fcssten. Dadurch k\u00f6nnten in der Folge hohe Beitr\u00e4ge f\u00fcr die langwierige Unterbringung und Betreuung einer grossen Zahl von Menschen eingespart werden. Auch die politischen Konsequenzen, welche die Ankunft von \u00fcberwiegend muslimischen Fl\u00fcchtlingen in manchen europ\u00e4ischen Gesellschaften implizieren, m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden. Bereits jetzt geh\u00f6ren in verschiedenen Staaten Europas rechtspopulistische Bewegungen zu den Gewinnern, indem sie wegen des Sch\u00fcrens von Angst starken Zulauf erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ausbau eines Camps zu einer festen Siedlung kann und soll die Migration nach Europa nicht g\u00e4nzlich verhindert werden. Aber es k\u00f6nnte ein konstruktiver Gestaltungsrahmen er\u00f6ffnet werden, in welchem politische Probleme angegangen werden, bevor sie sich zu Krisen entwickeln, die kaum zu bew\u00e4ltigen sind. Eine weitere M\u00f6glichkeit, bei welcher die Schweiz ihre Guten Dienste einbringen k\u00f6nnte, w\u00e4re es sich f\u00fcr Schutzzonen innerhalb Syriens einzusetzen. F\u00fcr diese Gebiete m\u00fcsste mit m\u00f6glichst allen Kriegsparteien ein Waffenstillstand ausgehandelt werden, um zu erreichen, dass Syrer in ihrer Heimat sichere Gebiete gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79767","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79767"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79767"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}