{"id":79774,"date":"2015-09-03T00:00:00","date_gmt":"2015-09-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/transparenz-im-rohstoffhandel-mitspielen-statt-die-ersatzbank-druecken\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:53","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:53","slug":"transparenz-im-rohstoffhandel-mitspielen-statt-die-ersatzbank-druecken","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/transparenz-im-rohstoffhandel-mitspielen-statt-die-ersatzbank-druecken\/","title":{"rendered":"Transparenz im Rohstoffhandel: Mitspielen statt die Ersatzbank dr\u00fccken"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die Schweiz ist einer der wichtigsten globalen Rohstoffhandelspl\u00e4tze. Mit ihrer Politik der Zur\u00fcckhaltung bei Fragen der Transparenzregelung im Rohstoffhandel katapultiert sie sich jedoch ins Abseits der internationalen Entscheidungsarena. Es ist f\u00fcr die Schweiz an der Zeit, aktiv an einem umfassenden Ansatz der Unternehmensverantwortung mit zu arbeiten. Das EITI Board Meeting diesen Oktober in Bern bietet dazu eine gute Chance.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nRohstoffbusiness \u2013 das sind Kupferminen, Kohlebergwerke, Bohrinseln und Frachter in grossen Umschlagsh\u00e4fen. Das sind SBB-Z\u00fcge, ABB-Maschinen, Toaster, MacBooks und Smartphones. Es sind Goldsch\u00fcrfer in Ghana, \u00d6lcontainer im Atlantik und Palm\u00f6lplantagen in Indonesien \u2013 und nicht zuletzt sind es Briefk\u00e4sten und B\u00fcros von multinationalen Unternehmen mit Sitz in Genf oder Zug. Die Schweiz ist einer der wichtigsten Sitzstaaten von Unternehmen in diesem Gesch\u00e4ft, das wegen h\u00e4ufiger Risiken f\u00fcr Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen, sowie der Verbindung zu Korruption und Misswirtschaft in Entwicklungsl\u00e4ndern im Scheinwerferlicht steht.\n\nWas geht das die Schweiz an? So einiges. Ein System, in dem global t\u00e4tige Unternehmen allein von den Regierungen der Gastl\u00e4nder zu verantwortungsvollem Wirtschaften verpflichtet werden, ist l\u00e4ngst nicht mehr zeitgem\u00e4ss. Ein ganzheitlicher, ausgewogener Ansatz muss her, welcher der geteilten Verantwortung von Sitz- und Gaststaaten von Unternehmen gerecht wird. Zumal beide an den Risiken und an den Vorteilen des Gesch\u00e4fts beteiligt sind.\n\nTats\u00e4chlich anerkennt die Schweiz Handlungsbedarf im Rohstoffbereich. Im Transparenzbericht vom Juni 2014 sagt der Bundesrat, dass die Offenlegung von Zahlungen an staatliche Stellen (beispielsweise f\u00fcr F\u00f6rderlizenzen oder Transaktionen mit nationalen \u00d6lfirmen) das zentrale Element ist, um das Versickern von Rohstoffeinnahmen in Entwicklungsl\u00e4ndern zu reduzieren und Reputationsrisiken f\u00fcr Schweizer Unternehmen zu minimieren.\n\n<b>Bei der Umsetzung haperts\u00a0<\/b>\n\nDie Umsetzung dieser Erkenntnisse, wie sie im Vorschlag zur Aktienrechtsrevision steht, f\u00e4llt hingegen deutlich zur\u00fcckhaltender aus: Rohstoffunternehmen m\u00fcssen Zahlungen an Regierungen zwar offenlegen, jedoch nur, wenn sie im Zusammenhang mit dem Rohstoff<i>abbau<\/i>\u00a0stehen. Eine Transparenzpflicht f\u00fcr Zahlungen im Rohstoff<i>handel\u00a0<\/i>ist nicht vorgesehen \u2013 und dies obwohl die Schweizer Rohstoffbranche massgeblich durch Handelsfirmen gepr\u00e4gt ist. Ein Drittel des auf der Welt gehandelten \u00d6ls passiert die Handelsdrehscheibe Schweiz &#8211; ohne je physisch Schweizer Boden ber\u00fchrt zu haben.\n\nDer Bundesrat setzt die Schweiz damit auf die Ersatzbank und wartet, bis die grossen Player auf dem Spielfeld des Weltgeschehens den ersten Schritt wagen. Einen Einbezug des Rohstoffhandels h\u00e4lt er in Zukunft n\u00e4mlich f\u00fcr m\u00f6glich \u2013 aber nur \u201eim Rahmen eines international abgestimmten Vorgehens\u201c. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Passivhaltung? Angst vor einem Alleingang und vor dem Abwandern der Unternehmen. Nicht zuletzt ist diese Politik aber auch in der Untersch\u00e4tzung des Risikos begr\u00fcndet, im internationalen Vergleich als Regulierungsoase wahrgenommen zu werden. Ausserdem sind solche gesetzlichen Hintert\u00fcren auch aus demokratischer Sicht h\u00f6chst problematisch, denn sie stellen eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Regierung dar, ungenaue \u201eDelegationsnormen\u201c festzulegen, um Gesetze \u201einternational abzustimmen\u201c, die nicht durchs Parlament k\u00e4men.\n\nDabei w\u00e4re es wichtig f\u00fcr die Schweiz, bei der Schaffung eines internationalen Transparenzstandards f\u00fcr den Rohstoffhandel eine aktive Rolle einzunehmen und mit gleichgesinnten Sitzstaaten zusammenspannen. Damit k\u00f6nnte die Schweiz einen entsprechenden Standard nicht nur mitpr\u00e4gen, sondern sie k\u00f6nnte zur Etablierung gleich langer Spiesse mit anderen Rohstoffhandelspl\u00e4tzen beitragen und so das Abwanderungsrisiko minimieren.\n\n<b>Wie soll die Schweiz ein solches Unterfangen angehen?<\/b>\n\nEnde Oktober ist die Schweiz Gastgeberin des Board Meetings der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI), der wichtigsten internationalen Transparenzinitiative, die auf eine Offenlegung der Zahlungsstr\u00f6me zwischen Regierungen im Abbauland und Unternehmen abzielt: ein idealer Rahmen f\u00fcr die Schweiz,\u00a0<i>wirkliches<\/i>\u00a0Engagement zu zeigen. Dazu geh\u00f6rt nicht nur das Bekr\u00e4ftigen der Unterst\u00fctzung der Initiative,\u00a0<i>wie sie ist\u00a0<\/i>(sie setzt bei den Gaststaaten an, die die Vorgaben zur Transparenz erarbeiten und fokussiert zurzeit noch stark auf den Rohstoffabbau). Die Schweiz als Sitzstaat zahlreicher global f\u00fchrender Rohstoffhandelsfirmen sollte ihr Engagement vielmehr darauf konzentrieren, einen Transparenzstandard,\u00a0<i>wie er werden soll,\u00a0<\/i>aktiv mitzugestalten, unter Einbezug von Industrie, Investoren, EITI Mitgliedern \u2013 und Unterst\u00fctzern und NGOs, die alle am Board Meeting teilnehmen werden.\n\nDieses Zusammentreffen bietet eine einzigartige M\u00f6glichkeit, erste Partnerschaften f\u00fcr die Ausarbeitung eines solchen Standards zu etablieren. Daraus k\u00f6nnte eine Pioniergruppe mit anderen globalen Rohstoffhandelspl\u00e4tzen wie Grossbritannien und Singapur entstehen, die bereits bestehende Strukturen von EITI nutzt, \u00a0um eine neue Herangehensweise an Transparenz im Rohstoffhandel zu verfolgen. Eine, die die Verantwortung der Sitzstaaten miteinbezieht.\n\nDeutschland hat mit seiner k\u00fcrzlich \u00f6ffentlich erkl\u00e4rten Bereitschaft, EITI beizutreten, genau das getan: Es hat sich als Industriestaat mit unwichtigem Wirtschaftsanteil an Rohstoffabbau zu EITI bekannt, um ihrem Interesse und ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr ein transparentes internationales Ressourcenmanagement Ausdruck zu verleihen und\u00a0<i>gemeinsam<\/i>\u00a0mit Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern die Transparenzagenda zu st\u00e4rken.\n\nDie Gelegenheit f\u00fcr die Schweiz, ebenfalls einen Schritt in diese Richtung zu tun, ist g\u00fcnstig &#8211; sie verstreichen zu lassen w\u00e4re das Vergeben einer Torchance, die nicht zuletzt den Schweizer Playern das Mitspielen in einer internationalen Liga erm\u00f6glichen k\u00f6nnte.\n\n<i>Dieser Beitrag erscheint in einer Blogreihe zum Thema Rohstoffe.<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79774","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79774"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79774"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}