{"id":79785,"date":"2015-08-10T00:00:00","date_gmt":"2015-08-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/denkfehler-wie-wir-aus-mitbuergern-muslime-und-fremde-machen\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:56","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:56","slug":"denkfehler-wie-wir-aus-mitbuergern-muslime-und-fremde-machen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/denkfehler-wie-wir-aus-mitbuergern-muslime-und-fremde-machen\/","title":{"rendered":"Denkfehler: Wie wir aus Mitb\u00fcrgern Muslime &#8211; und Fremde &#8211; machen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Anstatt \u00fcber Bosnier, Albanerinnen, Iraker und Somalierinnen, sprechen wir kollektiv \u00fcber Muslime. Menschen mit Wurzeln in der \u201eislamischen Welt\u201c sind in unserer Wahrnehmung zuallererst muslimisch. Eine Reduktion, welche auf dem geistigen Erbe des Kolonialismus beruht und den Blick auf die muslimische Realit\u00e4t in der Schweiz verstellt.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDas Muslim-Sein ist ihnen sozusagen angeboren: Menschen, welche Wurzeln in der \u201eislamischen Welt\u201c haben, sind in der \u00f6ffentlichen Debatte zuallererst muslimisch. Wobei \u201eIslamizit\u00e4t\u201c in diesem Sinne nicht eine kulturelle Pr\u00e4gung meint, wie etwa bei Schweizern christlicher Konfession. Denn wer w\u00fcrde behaupten wollen, dass jeder Schweizer Katholik, der an Weihnachten in die Kirche geht und als Kind Ostereier suchte, an die Jungfr\u00e4ulichkeit Marias glaubt? Nein, in der \u00f6ffentlichen Meinung stellt der Islam f\u00fcr Muslime nicht nur ein kulturelles Erbe und Element sozialer Bindung an die Elterngeneration dar, Muslime sind\u00a0<i>essentiell<\/i>\u00a0<i>muslimisch\u00a0<\/i>und damit\u00a0<i>essentiell anders<\/i>.\n\n<b>Neokolonialistische Denkfehler<\/b>\n\nDiese zeitgen\u00f6ssische Debatte um Migration, \u201eMuslime\u201c und Islam wiederholt Denkmuster, welche den kolonialen Diskurs \u00fcber den Nahen Osten und Nordafrika charakterisierten: die Konstruktion der kolonialen Gebiete und Untertanen als\u00a0<i>essentiell religi\u00f6s<\/i>\u00a0(was auch entwicklungsunf\u00e4hig meinte) im Kontrast zum Westen als Ursprung von Zivilisation und Fortschritt. Dieser Diskurs wurde denn auch als Ausgeburt eines hegemonialen Machtverh\u00e4ltnisses im Dienste von Imperialismus und globalisiertem Kapitalismus kritisiert. Sp\u00e4ter Nachhall davon ist die Tatsache, dass in unseren Analysen aktueller Konflikte im Nahen Osten (siehe IS, Syrien und Jemen, um nur die grossen Schlagzeilen zu nennen) noch immer mit Vorliebe \u201ereligi\u00f6se\u201c und \u201ekonfessionelle Faktoren\u201c bem\u00fcht werden. Insbesondere \u00f6konomische Hintergr\u00fcnde werden in der medialen Berichterstattung, in unseren politischen Analysen, ja sogar in der wissenschaftlichen Literatur allzu leicht von vereinfachenden Erkl\u00e4rungsmustern \u00e0 la \u201eclash of civilizations\u201c vernebelt.\n\n<b>Dialog unter Ungleichen<\/b>\n\nWir reden heute \u00fcber Muslime in der Schweiz, obwohl sich nur etwa 10 bis 15 Prozent der Schweizer B\u00fcrger muslimischer Konfession (laut amtlicher Z\u00e4hlung) als praktizierend beschreiben &lt;Auftakt Miniblog&gt;. Eine solche Reduktion mag uns Denkleistungen abnehmen, indem sie es uns erspart, uns mit historischen, demographischen, sozialen und \u00f6konomischen Fragen der Immigration in die Schweiz auseinanderzusetzen. Dieses allzu vereinfachende Denkmuster verschleiert jedoch den Blick auf die muslimische Realit\u00e4t in der Schweiz und verunm\u00f6glicht eine sachliche Analyse von zu Recht Sorge bereitenden Vorkommnissen, wie Schweizer Jugendliche, die sich auf den Seiten des IS in einen bewaffneten Konflikt st\u00fcrzen. Der Umgang mit dem Thema Muslime und Islam war und ist somit Ausdruck eines ungleichen Machtverh\u00e4ltnisses zwischen den Gespr\u00e4chspartnern, mehr noch, Ausdruck f\u00fcr die Instrumentalisierung eines ungleichen Machtverh\u00e4ltnisses. Ein solcher Diskurs ist nicht integrationsf\u00f6rderlich. Noch ist das Dialog. Das Resultat? Wir f\u00f6rdern damit die Entfremdung von muslimischen Mitb\u00fcrgern und st\u00e4rken die Angstmacher und Aufhetzer in beiden Lagern.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79785","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79785"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79785"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}