{"id":79799,"date":"2013-04-29T00:00:00","date_gmt":"2013-04-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/nachhaltige-entwicklung-braucht-ursachenbekaempfung\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:58","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:58","slug":"nachhaltige-entwicklung-braucht-ursachenbekaempfung","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/nachhaltige-entwicklung-braucht-ursachenbekaempfung\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Entwicklung braucht Ursachenbek\u00e4mpfung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Florian Egli &#8211; <\/em><strong>Die Vorbereitungen auf die Verhandlungen der post-2015 Agenda f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung sind in vollem Gange. Der Schweiz bietet sich in der Ausarbeitung der SDGs die Chance einen wertvollen Beitrag zum Wechsel hinzu einer ursachenorientierten Entwicklungspolitik zu leisten.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nAm 5.4.2013 war es soweit: noch 1000 Tage bis zum Auslaufen der 2000 auf Initiative des damaligen UNO-Generalsekret\u00e4rs Kofi Annan festgelegten Millenium Development Goals (MDG) der UNO.\n\nDie MDGs sind bis jetzt recht erfolgreich: In vielen Bereichen zeigen sich grosse Fortschritte und kaum eine andere UNO Initiative hat es geschafft so positiv in den Medien und im kollektiven Bewusstsein verankert zu sein. Die unpolitische Zielsetzung, welche einen breiten internationalen Konsens m\u00f6glich gemacht hat, hat sicher massgeblich zum Erfolg der MDGs beigetragen. Mit dieser unpolitischen Zielsetzung war jedoch auch ein oft vergessener Faktor verbunden: Die Massnahmen der MDGs betreffen beinahe ausschliesslich Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder und somit den globalen S\u00fcden. Die Industrienationen werden lediglich bei der Finanzierung in die Pflicht genommen. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Ziele der MDGs zielt n\u00e4mlich auf die Symptome der ungleichen Entwicklung ab, die systemischen Ursachen ungleicher Entwicklung hingegen bleiben unver\u00e4ndert. Die MDGs sind sozusagen die Intensivstation f\u00fcr den Patienten des globalen S\u00fcdens, der am Leben gehalten werden soll.\n\nAn der Rio+20 Konferenz wurde festgehalten, eine post-2015 Agenda mit Sustainable Development Goals (SDG) anstelle einer Neuauflage der MDGs zu formulieren. In der Schweiz erarbeitet darum eine interdepartementale Task Force eine Strategie, die im September 2013 am Special Event der UNGA zum ersten Mal international vertreten werden soll. Die Marschrichtung in der Ausarbeitung der Schweizer Position ist von offizieller Seite her vorgegeben; <em>aktiv, substanziell und br\u00fcckenbildend<\/em> soll sie sein. Was k\u00f6nnte das heissen?\n\nIm Jahr 2000 als erste Agenda ihrer Art waren die MDGs durchaus revolution\u00e4r. Heute jedoch, wo eine Nachfolgeagenda konzipiert werden soll, fehlt diese vision\u00e4re Einstellung. Die kursierenden Ideen f\u00fcr SDGs sind mehrheitlich eine Weiterf\u00fchrung der Strategie der MDGs \u2013 verbunden mit einer Ausweitung auf weitere Themenfelder (die SDGs sollen die drei Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt abdecken). Nat\u00fcrlich sollen die Symptome \u2013 zum Beispiel in einem ersten Teil der SDGs \u2013 weiter bek\u00e4mpft werden, in einer wirtschaftlich globalisierten Welt sollten jedoch auch die <em>Ursachen<\/em>, die oft auch in den Industriel\u00e4ndern zu finden sind, ins Visier genommen werden.\n\nEine Neuausrichtung der globalen entwicklungspolitischen Agenda auf die Ursachen ungleicher Entwicklung w\u00e4re eine logische Weiterf\u00fchrung des mit den MDGs \u00a0begonnenen Prozesses. Gerade der Ansatz der SDGs, ein breites Spektrum an Faktoren f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung miteinzubeziehen, bietet eine Gelegenheit, st\u00e4rker auf die Ursachen ungleicher Entwicklungschancen zu fokussieren und damit auch alle L\u00e4nder einzubinden.\n\nSolange man sich n\u00e4mlich in der Entwicklungspolitik auf die Symptome konzentriert, ist es m\u00f6glich, gleichzeitig eine gegenl\u00e4ufige Wirtschafts-, Klima- und Migrationspolitik zu verfolgen, welche globale Ungleichheiten von der Ursachenseite her unterst\u00fctzt oder zumindest toleriert. Die entwicklungspolitische Koh\u00e4renz bleibt auf der Strecke. Wie in der Gesundheitspolitik ist aber Pr\u00e4vention auch in der Entwicklungspolitik das mit Abstand g\u00fcnstigste und effizienteste Instrument, um eine teure Behandlung auf der Intensivstation zu vermeiden.\n\nIdeen einer solchen Pr\u00e4ventivstrategie w\u00e4ren zum Beispiel die F\u00f6rderung von Primarschul-Bildung, die Liberalisierung der Migrationspolitik, der Abbau von Handelshemmnissen im Prim\u00e4rsektor (Landwirtschaft, Fischfang, Bergbau usw.), internationale Standards zur Bek\u00e4mpfung von Korruption und Steuervermeidung, Klimawandelverminderung (und nicht nur Anpassung) oder die F\u00f6rderung von erneuerbaren Energien und einer in Bezug auf nat\u00fcrliche Ressourcen nachhaltigen Wirtschaft.\n\nBesonders die beiden Schwerpunktthemen, bei denen die DEZA jetzt schon die globale Konsultation unterst\u00fctzt hat \u2013 Wasser und <em>population dynamics<\/em> (und darin besonders der Themenaspekt Migration) \u2013 bieten sich an, als Ursache f\u00fcr Ungleichheit und Armut aufgefasst werden. W\u00e4hrend es auf der Hand liegt, dass sanit\u00e4re Unterversorgung Entwicklung verunm\u00f6glicht, w\u00e4re es ein innovativer und zutreffender Ansatz, die Exklusion eines grossen Teils der Weltbev\u00f6lkerung von der M\u00f6glichkeit zu Migrieren als eine wichtige Ursache f\u00fcr Armut, ausbleibendes Wachstum und Unterversorgung mit Bildung zu verstehen.\n\nDer Schweiz bietet sich die M\u00f6glichkeit ihre Kompetenzen im Rahmen einer Strategie, die ungleiche Entwicklungschancen als ein Ph\u00e4nomen globalen Ursprungs erkennt, einzubringen. Eine solche ursachenbezogene Strategie verlangt gezwungenermassen Anpassungen in allen L\u00e4ndern. Sie w\u00e4re somit <em>br\u00fcckenbildend, <\/em>weil sie das klassische Geber-Nehmer Schema zwischen Industriel\u00e4ndern und Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern, das auch in den MDGs zu finden ist, sprengt. Sie w\u00fcrde die Industriel\u00e4nder st\u00e4rker in die Pflicht nehmen, h\u00e4tte enormes Potenzial in der Bek\u00e4mpfung ungleicher Entwicklungschancen und w\u00e4re ein ernst gemeinter Versuch langfristig und <em>nachhaltig <\/em>etwas zu ver\u00e4ndern.\n\nEin progressiver Einsatz der Schweiz f\u00fcr ursachenbezogene SDGs b\u00f6te der Schweiz die Chance, die post-2015 Agenda als <em>aktiver<\/em> Player mitzugestalten, und einen <em>substantiellen<\/em> Beitrag im Sinne der Nachhaltigkeit zu leisten.\n\n<i><strong>Florian Egli<\/strong> studiert Volkswirtschaftslehre und Allgemeine \u00d6kologie an der Universit\u00e4t Bern und engagiert sich im foraus-Programm Entwicklungspolitik.<\/i>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79799","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79799","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79799"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79799"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79799"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79799"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}