{"id":79808,"date":"2015-10-19T00:00:00","date_gmt":"2015-10-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/transparenz-im-rohstoffsektor-ein-spiel-mit-offenen-karten-erklaert-noch-nicht-das-spiel\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:59","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:59","slug":"transparenz-im-rohstoffsektor-ein-spiel-mit-offenen-karten-erklaert-noch-nicht-das-spiel","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/transparenz-im-rohstoffsektor-ein-spiel-mit-offenen-karten-erklaert-noch-nicht-das-spiel\/","title":{"rendered":"Transparenz im Rohstoffsektor? Ein Spiel mit offenen Karten erkl\u00e4rt noch nicht das Spiel"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Information ist Macht, heisst es oft. Transparenz ist deshalb das Gebot der Stunde. Das ist erfreulich, gerade im chronisch unterbelichteten Rohstoffsektor. Doch um Ver\u00e4nderungen anzustossen, braucht es mehr: Zahlen allein sagen nichts, sie m\u00fcssen erkl\u00e4rt werden.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nIn der ghanaischen Hauptstadt Akkra will die Diskussion unter den zehn Journalisten, die sich an diesem Morgen im Fr\u00fchjahr 2015 in einem kleinen Sitzungszimmer am Stadtrand eingefunden haben, nicht so recht in Schwung kommen. Es geht um \u00d6l, wie so oft in den letzten Monaten und Jahren. \u00dcblicherweise sind solche Diskussionen in Ghana, einem demokratischen Vorreiter des Kontinents, in dem Presse- und Meinungsfreiheit mittlerweile selbstverst\u00e4ndlich sind, von starken Meinungen und kritischen Voten gepr\u00e4gt. Heute hingegen wirkt die kleine Journalistengruppe merklich ratlos. Im Zentrum des Gespr\u00e4chs steht\u00a0<a href=\"https:\/\/eiti.org\/files\/2012-2013%20Ghana%20EITI%20Oil%20and%20Gas%20Sector%20Report.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Ghanas neuester EITI-Bericht<\/a>\u00a0und die Frage: Was tun mit den reichhaltigen Daten, mit den technischen Informationen, mit den unz\u00e4hligen Grafiken?\n\nWer sich das 120-seitige Dokument anschaut, der d\u00fcrfte \u00fcber die vielen fragenden Gesichter an diesem Morgen nicht erstaunt sein. Bei der Lekt\u00fcre wird rasch klar: Um diesen Bericht kritisch zu bewerten, ist viel Zeit und ein gehobenes Mass an Fach- und Kontextwissen vonn\u00f6ten. F\u00fcr viele der Anwesenden ist das eine Herausforderung.\n\n<b>Transparenz ist kein Selbstzweck<\/b>\n\nGhana ist dabei keine Ausnahme. Ein Vergleich der j\u00e4hrlichen Berichte der mittlerweile 48 EITI-Mitgliedstaaten l\u00e4sst vermuten, dass Journalisten und zivilgesellschaftliche Akteure in anderen Entwicklungsl\u00e4ndern vor \u00e4hnlichen Herausforderungen stehen. Trotz entsprechender Bem\u00fchungen seitens des Osloer EITI-Sekretariats variiert die Qualit\u00e4t der j\u00e4hrlichen Berichte weiterhin stark.\n\nOft sind die Informationen wenig lesefreundlich aufgearbeitet. In vielen Berichten fehlen erkl\u00e4rende Vergleiche, eine kritische Analyse und eine Gewichtung der zahlreichen Herausforderungen. Zudem sucht man nach gewissen zentralen Informationen vergeblich: die Offenlegung der wirtschaftlichen Eigent\u00fcmer der Rohstoffunternehmen (\u201ebeneficial ownership\u201c) sowie die Ver\u00f6ffentlichung der Produktionsvertr\u00e4ge sind auch nach der EITI-Revision 2013 nicht verpflichtend. Ferner beschr\u00e4nkt sich die Initiative weiterhin auf F\u00f6rderunternehmen; der wichtige Rohstoffhandel bleibt auch in Mitgliedsl\u00e4ndern eine Dunkelkammer. Ein weiteres Problem: Im Durchschnitt sind die Informationen in EITI-Berichten zum Zeitpunkt ihrer Publikation\u00a0<a href=\"http:\/\/www.resourcegovernance.org\/sites\/default\/files\/nrgi_FromReportingtoReform.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">bereits zwei Jahre alt<\/a>.\n\nDas sind insgesamt schlechte Voraussetzungen f\u00fcr die Arbeit lokaler NGOs, Journalisten und Think Tanks, die ein wesentlicher Bestandteil von EITI sind. Um eine kritische \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber \u00d6l-, Gas- und Bergbaueinnahmen und deren Verwendung anzustossen, spielen sie als unabh\u00e4ngige \u201ewatchdogs\u201c eine wichtige Rolle. Die M\u00f6glichkeit, \u00f6ffentlich auf Missst\u00e4nde hinzuweisen, ist letztlich Voraussetzung daf\u00fcr, dass Transparenz zu Rechenschaftspflicht f\u00fchrt.\n\n<b>\u201eSchwieriger als der Koran\u201c<\/b>\n\nAm Journalistentreffen in Akkra wird hingegen rasch klar, dass man von einem \u00abverst\u00e4ndlichen Bericht, (\u2026) der zur \u00f6ffentlichen Debatte beitr\u00e4gt\u00bb,\u00a0<a href=\"https:\/\/eiti.org\/eiti\/requirements\" rel=\"nofollow noopener\">wie es EITI vorsieht<\/a>, noch ein ganzes St\u00fcck entfernt ist. \u00abSchwieriger als der Koran auf Arabisch\u00bb lese sich dieser Bericht, bemerkt einer der Journalisten l\u00e4chelnd.\n\nDie mangelnde Qualit\u00e4t des Berichts ist ein Grund f\u00fcr diesen Missstand \u2013 aber nicht der einzige. Vielen der hier Anwesenden fehlen die Zeit, die Erfahrung und das Wissen, um aus den verf\u00fcgbaren Informationen eine Geschichte zu machen, die von den Zeitungslesern und Radioh\u00f6rern verstanden wird.\n\nAuf diesem Hintergrund erstaunt es kaum, dass die EITI-Initiative in Ghana, die f\u00fcr eine kritische \u00f6ffentliche Debatte an sich beste Voraussetzungen mitbringt, bisher wenig Spuren hinterliess. Zugleich zeigt das Beispiel des j\u00fcngsten Erd\u00f6lf\u00f6rderstaates Afrikas besonders gut, wie wichtig es ist, dass lokale Journalisten, NGO-Mitarbeitende und Wissenschaftler bef\u00e4higt werden, die komplexen Sachverhalte in der Rohstoffbranche besser auszuleuchten und verst\u00e4ndlich wiederzugeben. Hierbei kann und soll EITI eine st\u00e4rkere Rolle spielen.\n\n<b>EITI-Berichte: der Anfang, nicht das Ende<\/b>\n\nInsgesamt liegt der Verdienst der EITI-Initiative bislang darin, die Informationsgrundlage f\u00fcr eine differenzierte \u00f6ffentliche Debatte in F\u00f6rderl\u00e4ndern geschaffen zu haben. Und zweifellos hat auch der verpflichtende Abgleich von Unternehmenszahlungen und Staatseinnahmen zu einer Verringerung der Korruptionsrisiken im Rohstoffsektor gef\u00fchrt.\n\nUm umfassend zu positiven Ver\u00e4nderungen im Rohstoffbereich beizutragen, muss sich EITI aber weiterentwickeln. Wesentlich sind hierbei eine qualitative Verbesserung der Berichte sowie eine Ausweitung der verpflichtenden Transparenzstandards (Ausleuchtung der beneficial ownership, Vertragsoffenlegungspflicht, Einbezug des Rohstoffhandels). Ebenso wichtig ist jedoch ein gest\u00e4rktes Bewusstsein daf\u00fcr, dass die Publikation der EITI-Berichte nicht das Ende der Arbeit markiert, sondern deren eigentlicher Beginn. Denn der Wert der Transparenz ist vorab daran zu messen, inwieweit sie eine kritische \u00f6ffentliche Debatte zu stimulieren und politische und wirtschaftliche Entscheidungen zu beeinflussen vermag.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-79808","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79808"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79808"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}