{"id":79826,"date":"2013-07-17T00:00:00","date_gmt":"2013-07-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/schweizer-aussenpolitik-zwischen-moral-und-eigeninteresse\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:01","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:01","slug":"schweizer-aussenpolitik-zwischen-moral-und-eigeninteresse","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/schweizer-aussenpolitik-zwischen-moral-und-eigeninteresse\/","title":{"rendered":"Schweizer Aussenpolitik: Zwischen Moral und Eigeninteresse"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Andreas Schild &#8211;<\/em><strong> Die Schweiz ist mit ihrer Abwartestrategie in der Aussenpolitik bisher gut gefahren. In Zukunft wird diese Strategie die Interessen des Landes aber nicht wahren k\u00f6nnen.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie aktuelle Diskussion um die Regulierung von Rohstofffirmen offenbart ein typisch schweizerisches Dilemma: der schwierige aussenpolitische Spagat zwischen Eigennutz und Verantwortung. Auch die Debatten um das Bankgeheimnis oder die Besteuerung von transnational t\u00e4tigen Unternehmen zeigen, wie schwierig sich Eigeninteresse und Moral verbinden lassen.\n\n<strong>Neutralit\u00e4t in der Kritik<\/strong>\n\nAls Kleinstaat ist sich die Schweiz gewohnt, ihre Position behaupten und verteidigen zu m\u00fcssen. Aussenpolitisch ist das Land traditionell neutral, weil es die nationalen Interessen so gebieten \u2013 selbst wenn die Moral verlangt, dass sich die Schweiz engagieren sollte.\n\nDie Neutralit\u00e4t als aussenpolitische Strategie hat sich in der Vergangenheit bew\u00e4hrt, doch wurde das Konzept nach dem zweiten Weltkrieg von aussen zunehmend kritisiert . Neutralit\u00e4t erhielt den Anstrich von Egoismus. Bundesrat Petitpierre versuchte das Image der Schweiz zu verbessern, indem er neben Neutralit\u00e4t, auch Solidarit\u00e4t und Universalit\u00e4t als neue aussenpolitische Maximen formulierte.\n\nNichtsdestotrotz hat sich das Modell Schweiz als \u00e4usserst erfolgreich erwiesen. Und zwar in einem solchen Masse, dass sich gewisse Banken an keine Schranken mehr hielten. Der Finanzplatz f\u00fchlte sich von den Politikern gest\u00fctzt, die lauthals verk\u00fcndeten, \u201edas Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar\u201c. In gewissen Belangen ist die Schweiz ein wirtschaftlicher Riese geworden. Sie geh\u00f6rt zu den weltweit wichtigsten Verm\u00f6gensverwaltern; die geringe Regelungsdichte und das flexible Steuerwesen haben international hervorragende Rahmenbedingungen geschafft. So wird beispielsweise 25 Prozent des internationalen Rohstoffhandels \u00fcber die Schweiz abgewickelt.\n\n<strong>Wirtschaftlicher Riese, politischer Zwerg <\/strong>\n\nAllerdings hat die Globalisierung neue Rahmenbedingungen geschaffen, die das Modell Schweiz vor neue Herausforderungen stellen:\n\nIn wichtigen wirtschaftlichen Bereichen ist die Schweiz heute mehr und mehr isoliert. Dies trifft zu f\u00fcr den Automatischen Informationsaustausch bei Steuergeldern, die Besteuerung von transnational t\u00e4tigen Unternehmen und auf die Regulierung international t\u00e4tiger Rohstofffirmen. Es gibt klare Anzeichen daf\u00fcr, dass die bisherige Strategie des Abwartens unsere Interessen nicht mehr sichern kann \u2013 zum Beispiel in der Diskussion um das Bankgeheimnis.\n\nUnsere politische Handlungsf\u00e4higkeit ist kleiner geworden. Wir m\u00f6gen wirtschaftlich ein Riese sein, politisch sind wir ein Zwerg. Die Diskussionen um die \u201eLex USA\u201c zeigen, dass unser Parlament \u00fcberfordert ist.\n\nUnsere Verteidigungslinie ist weitgehend innenpolitisch begr\u00fcndet: Wir berufen uns auf den Rechtsstaat. Da wir es aber selber vers\u00e4umt haben, den Rechtsstaat an die Bed\u00fcrfnisse einer globalisierten Welt anzupassen, wirkt dies als Schlaumeierei: Wir profitieren wirtschaftlich von der Globalisierung und bauen politisch ein Reduit auf.\n\n<strong>Zwei Optionen \u2013 aber keine Wahl <\/strong>\n\nIn dieser Situation gibt es nur zwei Alternativen:\n\nEntweder verteidigen wir das Bankgeheimnis, indem wir es mit Rechtsstaatlichkeit gleichsetzen, bewahren zweifelhafte Steuerprivilegien f\u00fcr internationalen Firmen unter Berufung auf den F\u00f6deralismus, und verteidigen unsere Arbeitspl\u00e4tzte im Rohstoffsektor mit dem Argument, dass Korruption und Kinderarbeit Probleme der Abbaul\u00e4nder seien und nicht in unserer Verantwortung stehen.\n\nOder wir finden L\u00f6sungen, die unseren Interessen entsprechen. Wenn wir nicht antizipieren und mitgestalten, werden wir in Haft genommen. Als bedeutende Wirtschaftsmacht k\u00f6nnen wir immer weniger auf Verb\u00fcndete z\u00e4hlen. Zu viele beneiden uns; immer mehr Staaten finden, unsere Haltung sei nicht ehrlich oder gar moralisch verwerflich. Schlimmer ist, dass wir unsere eigenen Interessen immer weniger zu verteidigen wissen. \u201eWait and See\u201c droht zur Vogel-Strauss-Politik zu verkommen. Wir brauchen eine smarte, vorausschauende und antizipierende Aussenpolitik, die uns hilft, die Risiken zu minimieren und m\u00f6gliche Fallgruben rechtzeitig zu erkennen. Daf\u00fcr sind nicht nur die Regierung und das Parlament gefordert. Wir ben\u00f6tigen aktive Universit\u00e4ten und eine dynamische Zivilgesellschaft. Wir m\u00fcssen heute mehr Verantwortung \u00fcbernehmen, damit wir unsere Zukunft besser gestalten und Interessen verteidigen k\u00f6nnen.\n\n<em>Andreas Schild, Historiker, war in L\u00e4ndern Asiens Afrikas und Latein Amerikas t\u00e4tig als Country Representative, Teamleiter und Leiter einer regionalen Organisation. Er lebt in Thun und wurde von foraus eingeladen, eine gek\u00fcrzte Version seines Blogs als Gastbeitrag auf dem forausblog zu ver\u00f6ffentliche. Die vollst\u00e4ndige Version erschien zum ersten Mal auf http\/\/:buergerschild.wordpress.com.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79826","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79826"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79826"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}