{"id":79862,"date":"2015-02-16T00:00:00","date_gmt":"2015-02-15T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/wir-sind-nicht-als-fremde-geboren-wir-werden-zu-fremden-gemacht\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:06","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:06","slug":"wir-sind-nicht-als-fremde-geboren-wir-werden-zu-fremden-gemacht","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/wir-sind-nicht-als-fremde-geboren-wir-werden-zu-fremden-gemacht\/","title":{"rendered":"\u201cWir sind nicht als Fremde geboren, wir werden zu Fremden gemacht&quot;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Kijan Espahangizi sprach am ersten MigrantInnen-Kongress der Schweiz Klartext \u2013 \u00fcber das Gef\u00fchl, zu einem Fremden gemacht zu werden, \u00fcber Rassismus, \u00fcber Menschen zweiter Klasse, \u00fcber Ausgrenzung, \u00fcber die &#8220;Unsichtbaren&#8221; und dar\u00fcber, was die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative f\u00fcr ihn bedeutet: &#8220;Wer behauptet, dass Migration ein Problem ist, sagt, dass mein ganzes Leben ein Problem ist.&#8221; Hier ver\u00f6ffentlichen wir seine Rede.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nFolgende Rede wurde am 1. Kongress der MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund gehalten. Die Rede kann auch nachge\u00f6rt werden unter:\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/bit.ly\/1zGGHh\" href=\"http:\/\/bit.ly\/1zGGHh\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/bit.ly\/1zGGHhS<\/a>\n\nNun ist es ein Jahr her, dass die Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde. F\u00fcr viele von uns, auch f\u00fcr mich, war der 9. Februar 2014 ein Wendepunkt. Ich wohne nun seit 8,5 Jahren in der Schweiz. Und seitdem erlebe ich eine politische Kampagne nach der anderen, die unsere W\u00fcrde und unsere Rechte mit F\u00fcssen tritt. In der ganzen Zeit habe ich mir, wie wahrscheinlich viele von uns, eine starke vereinte Stimme der Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund gew\u00fcnscht. Auch nach dem 9. Februar.\n\nDenn es ging bei der Masseneinwanderungsinitiative nicht nur um die \u201eSachfrage\u201c, ob die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU fortgef\u00fchrt werden sollten, oder nicht. Auch wenn das in den meisten Medien und von den Politikern verharmlost wurde: Die Abstimmung am 9. Februar war auch ein klares Zeichen an alle Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund, die wir l\u00e4ngst in der Schweiz leben. Es war ein deutliches Zeichen an alle von uns \u2013 von der eingeb\u00fcrgerten Seconda bis hin zum Sans-Papiers \u2013 wem die Schweiz geh\u00f6rt, wer hier etwas zu sagen hat und wer nicht. Man hat uns gezeigt, dass wir nur erw\u00fcnscht sind, wenn wir n\u00fctzlich sind f\u00fcr den Schweizer Wohlstand. Man hat uns gezeigt, dass Einwanderung ein Problem ist, dass wir ein Problem sind.\n\n<b>Wer spricht \u00fcber unsere \u00c4ngste?<\/b>\n\nEs wird in den Medien und in der Politik viel \u00fcber die \u00c4ngste der Schweizerinnen und Schweizer gesprochen, der \u00c4ngste vor Einwanderung. Doch wo sind unsere \u00c4ngste geblieben? Unsere \u00c4ngste vor unsicherem Aufenthaltsstatus und Ausgrenzung, unsere \u00c4ngste vor lautstarker Fremdenfeindlichkeit und stillschweigender rassistischer Diskriminierung, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Schul- und Bildungssystem, im Bereich Gesundheit, vor Gericht, in der Politik und in der Kultur. Wo bleiben unsere \u00c4ngste davor, dass noch unsere Kinder und unsere Kindeskinder wegen ihres Ausweises, ihres Namens, ihres Aussehens, ihrer Kultur, ihrer Religion zu Fremden im eigenen Land gemacht werden. Was ist mit unseren \u00c4ngsten davor, dass unsere Br\u00fcder und Schwestern, unsere Verwandten und Freunde es in Zukunft noch schwerer haben, werden in die Schweiz kommen zu k\u00f6nnen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3349 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/9N9vqnP.jpg\" alt=\"\" width=\"2362\" height=\"1575\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>&#8220;Das grosse M \u00fcber allen Pl\u00e4tzen in der Stadt: M wie Migros aber auch M wie Migration.&#8221;<\/i>\u00a0(Foto: Ursula H\u00e4ne, WOZ, die Wochenzeitung)\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nEs wird viel von Fremdenfeindlichkeit geredet in der Schweiz, als sei das etwas Normales, Verst\u00e4ndliches, ja etwas Menschliches. Man sagt, es gibt Fremde und vor Fremden hat man eben Angst. Wir haben das so h\u00e4ufig geh\u00f6rt, dass wir selbst angefangen haben, das zu glauben. Doch lassen wir uns nicht t\u00e4uschen: Wir sind nicht als Fremde geboren, wir werden zu Fremden gemacht, zu Ausl\u00e4ndern und S\u00fcdl\u00e4ndern, zu Tschinggen und Yugos, zu Negern und Kanaken, zu Shipis und Zigeunern, zu Muslimen und Orientalen, zu Integrationsverweigerern, Asylbetr\u00fcgern und Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen, zu Migrantinnen und Migranten. Aber eben auch zu Second@s oder neuerdings zu Menschen mit Migrationshintergrund. Das nennt man Rassismus und nicht anderes. T\u00e4uschen wir uns nicht, der heutige neue Rassismus in der Schweiz und Europa spricht nicht mehr von Rassen, sondern von anderen Kulturen, von Fremden, von Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig ist Rassismus ein Tabuwort in der \u00d6ffentlichkeit. Warum wohl? Die Bezeichnungen \u00e4ndern sich, die Ausgrenzung und Diskriminierung bleibt. Aber auch wir wehren uns mit den neuen Namen, unter denen wir ausgegrenzt werden.\n\n<b>Dieses Land ist auch unser Land<\/b>\n\nIn Wirklichkeit sind wir aber vor allem eines: Menschen. Mitmenschen in diesem Land. Es ist daher Zeit, der Schweizer Dominanzgesellschaft solidarisch und selbstbewusst entgegenzutreten und zu sagen: Dieses Land ist auch unser Land! Es ist das Land, in dem wir leben und arbeiten, das Land in dem wir lieben und tr\u00e4umen, in dem wir feiern und trauern, in dem wir uns engagieren und uns einbringen, das Land in dem wir Steuern zahlen und investieren, es ist das Land, in das unsere Eltern kamen und in dem unsere Kinder aufwachsen werden. Wir sollten dem selbsternannten Schweizer Volk zurufen: Schaut euch um in eurem Alltag, auf den Strassen, wir sind keine unsichtbaren Gespenster, wir sind l\u00e4ngst da, wir sind l\u00e4ngst eure Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger. Mehr noch: Wir sind die Zukunft dieses Landes! Denn schon bald hat die H\u00e4lfte der Schweizer Bev\u00f6lkerung nicht nur in den St\u00e4dten Migrationshintergrund. Ich selbst wohne in Z\u00fcrich-Altstetten. Jedesmal wenn ich auf dem Platz vor dem Bahnhof in Altstetten stehe und mich umgucke, sehe ich diese neue Schweiz schon heute. Wenn die Menschen aus den Bussen am Bahnhof Altstetten steigen, dann sehe ich Geschichten und Namen aus aller Welt. An dem Platz gibt es ein China Restaurant, ein italienisches Caf\u00e9, einen Taxistand mit Fahrern aus aller Welt, einen D\u00f6nerladen, Tische mit Tee und Shisha, kurdische und albanische Coiffeure.\n\nWenn ich den Jugendlichen zuh\u00f6re, die zur S-Bahn laufen, h\u00f6re ich unterschiedliche Sprachen aus aller Welt. Ich sehe aber auch eine Jugend, die im eigenen Land ihre Herkunft erkl\u00e4ren muss, die ihre Namen buchstabieren muss, die sich immer und immer wieder rechtfertigen muss, 1000 Mal pro Jahr, wo kommst du her, was machst du hier, was willst du hier? Das pr\u00e4gt diese jungen Menschen, so wie es mich gepr\u00e4gt hat. Ich schaue mich weiter um auf dem Bahnhofsplatz und sehe Menschen, die im Asylbeweberheim hinter dem Bahnhof leben m\u00fcssen und warten und warten und warten. Sie sitzen auf den B\u00e4nken und schauen mit tiefen Augen, die viele Dinge gesehen und erlebt haben. Ich sehe da auch alte Menschen, mit Herzen, die mehr als eine Herkunft kennen und Erinnerungen aus aller Welt. Ich sehe H\u00e4nde und K\u00f6pfe, die das Land gestern ver\u00e4ndert haben, heute ver\u00e4ndern, auch morgen ver\u00e4ndern werden. Ich sehe Hoffnung auf eine andere Schweiz. \u00dcber dem Platz h\u00e4ngt ein oranges M \u2013 M wie Migros aber auch M wie Migration. Das grosse M \u00fcber allen Pl\u00e4tzen in der Stadt sollte uns jeden Tag daran erinnern, dass wir l\u00e4ngst da sind und dass die Migration die Schweiz l\u00e4ngst komplett ver\u00e4ndert hat. Doch das ist nur eine Seite der Geschichte. Wir wissen, dass die Frauen in diesem Land, lange nicht gleichberechtigt waren, obwohl sie die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung sind. Wie kann das sein, gestern bei den Frauen, heute bei den Migrantinnen und Migranten und Second@s? Warum wirkt es so normal, dass wir nur Menschen zweiter Klasse sind in diesem Land? Das m\u00f6chte ich gerne wissen.\n\n<b>Wenn die Problem im Land auf &#8220;-vic&#8221; enden<\/b>\n\nWenn ich mir auf meinem Bahnhofsplatz in Altstetten die Plakate an den W\u00e4nden angucke, fange ich an zu verstehen. Dann finde ich all diese Menschen auf dem Bahnhofsplatz und ihre Geschichten, dann finde ich uns nicht mehr wieder. Da h\u00e4ngt K\u00e4sewerbung mit Schweizer Bauern in Trachten, da h\u00e4ngt Werbung f\u00fcr Urlaub im Heidiland, Plakate mit den Gesichtern von bleichen Politikern. Aber wo sind wir? Wo sind unsere Br\u00fcder und Schwestern, wo sind die -vics, -oglus, die Morenos, Mbeles und Azadis? Unsichtbar werden wir gemacht, wie Gespenster. Anwesend und abwesend zugleich. An derselben Wand sehe ich seit Jahren auch diese respektlosen rassistischen Plakate, die mir jedes mal wieder ein Stich ins Herz versetzen, die ich am liebsten runterreissen und verbrennen m\u00f6chte. Und auf dem Boden liegt eine Gratiszeitung, in der alle Probleme in dem Land schwarze Haare haben und unaussprechliche Namen, sie haben einen falschen Pass und falschen Glauben, sie haben zu viele Kindern und zu wenig Kultur, zu viel IV und zu wenig Integration. Ich schaue mich erstaunt um, von welcher Integration reden die, olum? Integration worein, hermana? Anpassung woran, miku im? Wir leben hier, wie alle anderen auch. Wo ist das Problem? Wir brauchen keine Integrationsmassnahmen, die Schweiz braucht Entwicklungshilfe in Demokratie.\n\nAll diese Respektlosigkeiten gegen Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren, all die h\u00e4sslichen Hetzkampagnen gegen Einwanderung treffen mich und viele andere mitten ins Herz. Migration hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Unsere Lebens- und Familiengeschichten sind Geschichten der Migration: Zum Beispiel als mein Vater vor \u00fcber vierzig Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, als er in den deutschen Fabriken f\u00fcr den deutschen Wohlstand gearbeitet hat. Als er meine Mutter kennenlernte und sich beide entschieden trotz aller Widerst\u00e4nde gemeinsam ein neues Leben aufzubauen. Als beide alles daf\u00fcr taten, dass ihre Kinder in ihrem eigenen Land nicht als fremd gelten, dass sie eine gute Ausbildung und gl\u00fcckliche Zukunft haben k\u00f6nnen. Als meine Onkel und Tanten, meine Vettern und Cousinen vor dem Iran-Irak-Krieg flohen, der mit europ\u00e4ischen Waffen gef\u00fchrt wurde, und vor der Diktatur, mit der alle europ\u00e4ischen L\u00e4nder bis heute Gesch\u00e4fte machen.\n\n<b>Wer behauptet, dass Migration ein Problem ist, sagt, dass mein ganzes Leben ein Problem ist<\/b>\n\nMigration hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich bin als Secondo, als Mischling mit Migrationshintergrund in Deutschland aufgewachsen. Und als ich dank der europ\u00e4ischen Personenfreiz\u00fcgigkeit in die Schweiz kommen konnte, wurde ich wie mein Vater vor vierzig Jahren selbst zum Migrant. Wegen der Arbeit bin ich gekommen, wegen der Liebe bin ich geblieben. Meine Familie ist \u00fcber die ganze Welt verstreut. Wir haben deswegen viele Heimaten, mehrere Zugeh\u00f6rigkeiten und Sprachen, nicht nur eine. Schon in der Schule wird uns h\u00e4ufig gesagt: ihr Secondos sitzt zwischen den Kulturen wie zwischen zwei St\u00fchlen und das ist ein Problem. Aber wer sagt eigentlich, es gibt nur zwei St\u00fchle und nicht mehr? Und \u00fcberhaupt, bei uns zuhause sitzen wir am liebsten auf dem Boden, ganz ohne St\u00fchle. Aber auch wenn ich nie ein \u201erichtiger\u201c Schweizer sein werde, verlange ich trotzdem als B\u00fcrger dieses Landes die gleichen Rechte und Chancen. Wer behauptet, dass Migration ein Problem ist, sagt dass mein ganzes Leben, ja unser aller Leben und vieler anderer Menschen weltweit ein Problem ist. Dagegen m\u00fcssen wir uns wehren. Migration ist kein Verbrechen, sondern eine Realit\u00e4t auf dieser Welt.\n\nWir wissen von unseren Verwandten und Freunden: Migration hat viele gute Gr\u00fcnde. Viele Menschen fliehen vor Armut, vor Kriegen, wirtschaftlichen Krisen, vor Umweltverschmutzung und Verfolgung. Viele dieser Gr\u00fcnde h\u00e4ngen mit Ausbeutung und der Geschichte des Kolonialismus zusammen. Viele wandern aus ihrer Heimat aus, weil sie m\u00fcssen, aber nicht alle. Es gibt auch andere gute Gr\u00fcnde f\u00fcr Migration, die nicht nur f\u00fcr wohlhabende Europ\u00e4er gelten sollten, wie Familie, Liebe, Neugier, Abenteuerlust, Selbstverwirklichung. Alle sollten das gleiche Recht haben, sich irgendwo auf der Welt ein Leben aufzubauen und gl\u00fccklich zu werden und nicht nur die, die Gl\u00fcck hatten, mit einem Schweizer Pass oder einem EU-Pass auf die Welt gekommen zu sein. So viele Menschen hier vergessen die einfache Wahrheit: dass niemand etwas daf\u00fcr geleistet hat, wo er oder sie geboren wurde.\n\n<b>Der 9. Februar macht das Leben schwerer<\/b>\n\nNun streiten sich die Schweizer seit dem 9. Februar darum, wie ihr sogenannter \u201eVolkswille\u201c umgesetzt werden soll. (Was ist das? Wer ist das?) Soll die Schweiz ein Einwanderungsland sein oder soll sie sich national abschotten? Welche Migrantinnen und Migranten n\u00fctzen den Schweizerinnen und Schweizern wirtschaftlich und welche nicht? Wir stehen daneben und sind erstaunt. Alle sprechen \u00fcber uns, aber nicht mit uns. Es wird \u00fcber Einwanderung in der Zukunft gestritten, als h\u00e4tte sie die Gesellschaft nicht schon l\u00e4ngst ver\u00e4ndert, als w\u00e4ren wir und unsere Kinder nicht schon l\u00e4ngst da. Als k\u00f6nnte man Migration einfach per Gesetz abschaffen. Als ob der Lebenszweck von Migrantinnen und Migranten darin besteht, f\u00fcr die Schweiz zu arbeiten. Als seien Menschen ein \u00f6konomischer Kosten-Nutzen Faktor. Aber wenn wir eines aus der Geschichte der Migration lernen, dann dass Menschen kommen werden, auch ohne Politiker um Erlaubnis zu fragen, und auch wenn die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU hier abgeschafft wird. Unsere Br\u00fcder und Schwestern werden kommen. Aber unter welchen Bedingungen?\n\nMenschen werden kommen, solange es Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt. Das kann das Schweizer Stimmvolk nicht verhindern. Aber es kann durch seine Entscheidungen das Leben, derjenigen schwerer machen, die noch kommen werden und die schon da sind. Vergessen wir nicht: ein Viertel der dauerhaften Wohnbev\u00f6lkerung in der Schweiz hat keine B\u00fcrgerrechte. Zehntausende Menschen werden in der Schweiz illegalisiert und putzen ohne Papiere als billige Arbeitskr\u00e4fte die Wohnungen der Schweizer, arbeiten als Sexarbeiterinnen oder in der Gastronomie. Gibt es deswegen einen Aufschrei in der Schweiz? Nein. Es ist an der Zeit, dass die Sache wieder selbst in die Hand nehmen und fordern, was uns zusteht. Es gibt kein Einwanderungsproblem, es gibt ein Gerechtigkeitsproblem, in der Schweiz, in Europa, weltweit.\n\n<b>Wir sind da. Wir bleiben. Wir werden mehr. Wir fordern Anerkennung.<\/b>\n\nUns wird immer gesagt, die Schweiz sei nicht unser Land, wir sollten uns schnell assimilieren, dankbar sein, alles akzeptieren, nett l\u00e4cheln, arbeiten und die Klappe halten, und f\u00fcr ein bisschen Wohlstand aufh\u00f6ren, an andere zu denken, die noch schlechter dran sind als wir selbst. Teile und herrsche. Wir haben uns allzu lange teilen lassen, in gute und schlechte Ausl\u00e4nder, in assimilierbare und nichtassimilierbare, in n\u00fctzliche und nicht n\u00fctzliche Einwanderer, in die erste und zweite Generation, in Migranten aus EU-Nachbarl\u00e4ndern und solche aus unzivilisierten Drittstaaten, in Arbeitsmigrant_innen und Fl\u00fcchtlinge, in legitime Asylbewerber und Asylbetr\u00fcger, in Integrationsverweigerer und Multikulti-Exoten, in hochqualifizierte Migranten und einfache Arbeiter_innen, in alte und neue Migration, in Weisse und Schwarze, in Frauen und M\u00e4nner, in unterschiedliche \u201eEthnien\u201c und zunehmend auch in Muslime und Nicht-Muslime. Lassen wir uns nicht mehr gegeneinander ausspielen! Seien wir solidarisch! Denn wir alle erleben rassistische Ausgrenzung \u2013 wegen unseres Aufenthaltsstatus, unserer Hautfarbe, unserer Sprache, unseres Namens, unserer Kultur, unserer Lebensweise. Einige von uns sind viel schlechter dran als andere, das stimmt. Doch uns alle eint das Wissen, in diesem Land nicht gleichwertig zu sein und die Sorge, dass dies auch f\u00fcr unsere Kinder und Kindeskinder noch gelten wird.\n\nEs ist Zeit, dass wir uns zusammenschliessen \u2013 auch mit unseren Schweizer Freunden \u2013 und uns gemeinsam dagegen zu wehren. Wir sind da. Wir bleiben. Wir werden mehr. Wir fordern Anerkennung. Wir fordern eine offene, solidarische, vielf\u00e4ltige und demokratische Schweiz nicht nur f\u00fcr einen Teil der Bev\u00f6lkerung, sondern f\u00fcr alle, die hier schon leben und f\u00fcr unsere Br\u00fcder und Schwestern, die noch kommen werden.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79862","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79862"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79862"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}