{"id":79884,"date":"2014-03-28T00:00:00","date_gmt":"2014-03-27T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/was-passiert-wenn-man-dem-russischen-baeren-ins-gehege-kommt\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:10","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:10","slug":"was-passiert-wenn-man-dem-russischen-baeren-ins-gehege-kommt","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/was-passiert-wenn-man-dem-russischen-baeren-ins-gehege-kommt\/","title":{"rendered":"Was passiert, wenn man dem russischen B\u00e4ren ins Gehege kommt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die Entscheidung der Schweiz, keine wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland zu verh\u00e4ngen ist richtig. Es sch\u00e4rft das aussenpolitische, unabh\u00e4ngige Profil der Schweiz, st\u00e4rkt die Verhandlungsposition von Didier Burkhalter als OSZE Pr\u00e4sident und wirkt einer weiteren Eskalation entgegen.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nJeder Aktion folgt eine Reaktion. Das sollte eigentlich nicht \u00fcberraschen \u2013 schon gar nicht wenn man es mit Russland zu tun hat. Oder hat man die Ereignisse 2008 im Kaukasus schon etwa wieder vergessen? Die Georgier sicher nicht. Russlands Vladimir Putin formulierte es deutlich und sprach von einer \u00dcbertretung von Grenzen. Die Ukraine und seine Bev\u00f6lkerung \u2013 nicht nur die russisch-sprachige \u2013 ist nach Russlands Verst\u00e4ndnis Teil seiner kulturellen Identit\u00e4t. Von hier ging die Christianisierung der Russen aus, auf die sich Putin in seiner Rede vom 18. M\u00e4rz explizit bezieht. Man sollte seinen Worten daher ein gewisses Geh\u00f6r schenken. Die Emp\u00f6rung an dem russischen Vorgehen mag zwar aus mancherlei,vor allem rechtlichen, Aspekten gerechtfertigt sein. Sie ist aber \u00fcbertrieben. Bei der Annexion der Krim ist nicht ein einziger Schuss gefallen. Ohne eine breite Unterst\u00fctzung der hiesigen Bev\u00f6lkerung w\u00e4re das kaum m\u00f6glich gewesen. Es l\u00e4sst sich daher auch schlecht mit v\u00f6lkerrechtlichen Argumenten gegen das russische Vorgehen argumentieren \u2013 russische Agitation vor Ort hin oder her.\n\n<b>Russlands Tatzen<\/b>\n\nM\u00f6glicherweise ist es aber gerade das effiziente und z\u00fcgige Vorgehen, welches so irritiert. Es will einfach nicht so recht zum Image des tr\u00e4gen Riesen im Osten passen, welches sich nach dem Niedergang des Sowjetreiches und einem Jahrzehnt voller Turbulenzen ausgebildet hat: Russland konnte unter Jelzin das Eingreifen der NATO im Kosovokonflikt nicht verhindern und auch j\u00fcngst im Libyenkonflikt hatte man nur eine Statistenrolle. Aber: Zu glauben, der Kremlherr s\u00e4he zu wie mehrheitlich russisch-bewohntes Gebiet mit besonderer historischer und geradezu essentieller, strategischer Bedeutung f\u00fcr Moskau seinem direkten Einfluss entzogen wird, w\u00e4re naiv gewesen. Putin war gut vorbereitet. Und hatte sich sogar die M\u00fche gemacht, durch ein Referendum auch f\u00fcr die offizielle, demokratische Legitimation zu sorgen. So d\u00fcrfte das zumindest der Kreml sehen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3461 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Russian_standard_postal_stamp_2008_-_25_rubles.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"180\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>Der Russische B\u00e4r seigt seine Tatzen inner- und ausserhalb seines Geheges.\u00a0<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nRusslands Tatzen sind zwar kleiner geworden, aber wenn man dem russischen B\u00e4ren ins Gehege kommt, dann setzt er sie ein. Denn wie ein Gehege d\u00fcrfte es zumindest aus geostrategischer Sicht erscheinen: hat sich Russlands diplomatischer und milit\u00e4rischer Spielraum in Europa nicht zuletzt durch Ausweitung der NATO bis ins Baltikum doch deutlich verkleinert. Die Sorge, dass der russische B\u00e4r nun versuchen k\u00f6nnte aus diesem Gehege auszubrechen um selbst neue Reviergrenzen abzustecken, geht im Moment in den ehemaligen Sowjetrepubliken um. Aber ist diese Sorge nicht hausgemacht? Schliesslich hat erst das ungeschickte Agieren der neuen ukrainischen Regierung dazu gef\u00fchrt, dass ein bis dato auf politisch-wirtschaftllicher Ebene ausgetragener Konflikt eine milit\u00e4rsch-r\u00e4umliche Dimension erhalten hat. Wahr ist, dass jede weitere politische Destabilisierung der Ukraine zu einer gesellschaftlichen Polarisierung f\u00fchrt, was letztlich Russland in die H\u00e4nde spielt. Hier muss der Westen ansetzen und einer weiteren Eskalation der Lage entgegentreten.\n\n<b>Doch wer ist hier der Westen?<\/b>\n\nDie G8? Beziehungsweise neuerdings die G7? Die USA, die Nato \u2013 oder gar die EU? Und wo steht hier die neutrale Schweiz? Sanktionsrufe hier und dort \u2013 doch die Schweiz verzichtet zu Recht auf solche Massnahmen. Nicht nur auf Grund ihrer Sonderrolle mit der diesj\u00e4hrigen OSZE-Pr\u00e4sidentschaft, sondern weil es kontraproduktiv ist und keinen Sinn macht. Wie kann die Schweiz Russland bei Sachverhalten wie der Beschneidung der Rechte von Homosexuellen, der Drangsalierung politischer Opponenten oder seiner Haltung im Syrienkonflikt mit diplomatischen Samthandschuhen anfassen und jetzt \u2013 wo es aus russischer Sicht um Kerninteressen geht \u2013 hingegen ernsthaft wirtschaftliche Sanktionen in Betracht ziehen?\n\nDie deutsche Kanzlerin hat bisher mit der europ\u00e4ischen Stimme der Vernunft gesprochen und besonnen agiert. Aus deutscher Sicht macht es allerdings Sinn nun kurz die Muskeln zu zeigen. Zum einen hat Deutschland das notwendige wirtschaftliche Gewicht um von Russland ernstgenommen zu werden: Allein die \u00f6ffentliche Ank\u00fcndigung der Deutschen Kanzlerin wirtschaftliche Sanktionsmassnahmen zu ergreifen hat an den B\u00f6rsen weltweit Wirkung gezeigt. Zum anderen stellt damit Deutschland auch klar, welche Konsequenzen es haben wird, sollte Russland weitere Ambitionen auf Gebietserweiterungen im Osten der Ukraine oder gar anderen ehemaligen Sowjetrepubliken hegen. Zwar sollte man sich davor h\u00fcten Russland generell solche Absichten zu unterstellen. Es ist jedoch nicht ganz auszuschliessen \u2013 zumal die neuen K\u00f6pfe in Kiew sich nicht besonders geschickt anstellen. Der Kreml nutzt dies medial geschickt aus: Auf Youtube ver\u00f6ffentlichte Telefonmitschnitte, mal von der amerikanischen Sondergesandten mal von der ehem. Ministerpr\u00e4sidentin Timoschenko, oder Handyvideos von ausser Rand und Band geratenen ukrainischen Politikern zeugen davon, dass Russland unter Putins F\u00fchrung nicht nur technologisch in Sachen \u00dcberwachung aufgeschlossen hat, sondern dies auch \u00f6ffentlichkeitswirksam f\u00fcr seine Zwecke zu nutzen weiss: Seine Beliebtheitswerte im Inland sind nach Sotchi und der Annexion der Krim auf einem nie dagewesenen Hoch.\n\n<b>Die Stunde der OSZE<\/b>\n\nNun stellt sich die Frage wie es weitergehen soll. Vor allem der ukrainischen F\u00fchrung sei geraten, mit Bedacht zu reagieren. Julia Timoschenko hat begriffen, wie brandgef\u00e4hrlich der ver\u00f6ffentlichte Mitschnitt eines Telefonats zwischen ihr und einem Vertrauten war und dementierte sofort. Denn auch wenn die darin get\u00e4tigten \u00c4usserungen manipuliert sind, k\u00f6nnte eine solche Aussage den Funken z\u00fcnden und zu Unruhen in den mehrheitlich russischfreundlichen Gebieten im Osten der Ukraine f\u00fchren. Sollte das passieren, wird es sehr viel schwieriger, diese bis dato gewaltfreie Konfrontation zwischen der neuen ukrainischen F\u00fchrung und Russland zu beenden. Die Beteiligung nationalistischer Kr\u00e4fte an der neuen Regierung ist zwar legitim. Es waren ihre gut organisierten Anh\u00e4nger, die Janukowitschs Ordnungsmacht auf dem Maidan die Stirn geboten und ihn letztlich davongejagt haben. Auf der Strasse hat es ihrer Schlagkraft bedurft. Nun ist es aber an der Zeit, die F\u00e4uste ruhen zu lassen. Politische L\u00f6sungen sind gefragt und die kann weder Russland noch der Westen, sondern nur die Ukraine selbst herbeif\u00fchren. Durch besonnenes Handeln, Einbezug aller politischen Gruppierungen und gr\u00f6sstm\u00f6gliche R\u00fccksicht auf die russisch-sprachige Bev\u00f6lkerung. Es k\u00f6nnte sich als die Stunde der OSZE unter Schweizer Federf\u00fchrung erweisen. Zum einen bietet die OSZE Russland die M\u00f6glichkeit dem Westen auf Augenh\u00f6he zu begegnen, gleiches gilt aber auch f\u00fcr die Ukraine gegen\u00fcber Russland. Zum anderen verf\u00fcgt dieses nicht-milit\u00e4rische und auf Einstimmigkeit basierende Gremium \u00fcber die notwendige Legitimit\u00e4t sowie die notwendigen, deeskalierenden Instrumente \u2013 wie zum Beispiel unabh\u00e4ngige Beobachter. Diese werden zwar oft als zahnloses Mittel gesehen, sind aber genau deswegen das probate Instrument um eine aufgeheizte Stimmung zu beruhigen.\n\nMas sollte sich aber auch nicht zu viel von der OSZE erwarten. Ihre diplomatischen wie auch finanziellen Mittel sind beschr\u00e4nkt und es liegt nicht in ihrer Kompetenz f\u00fcr bessere wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse frei von Korruption und Nepotismus zu sorgen. Diese sind aber letztlich der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine friedliche Entwicklung und den Aufbau funktionierender, demokratischer Strukturen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1817],"class_list":["post-79884","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-frieden-sicherheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79884"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79884"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}