{"id":79886,"date":"2014-11-05T00:00:00","date_gmt":"2014-11-04T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/ecopop-ameisen-statt-fremde-menschen-biologe-statt-eidgenosse\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:11","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:11","slug":"ecopop-ameisen-statt-fremde-menschen-biologe-statt-eidgenosse","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/ecopop-ameisen-statt-fremde-menschen-biologe-statt-eidgenosse\/","title":{"rendered":"ECOPOP: Ameisen statt fremde Menschen \u2013 Biologe statt Eidgenosse"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Wer als Schweizer die \u00dcberbev\u00f6lkerung als Hauptproblem der Welt identifiziert, handelt nicht wie ein Fremdenfeind, sondern wie ein Biologe, der glaubt er analysiere die Welt der Ameisen, die nichts mit ihm und seinen Privilegien zu tun hat.<\/b>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Blogreihe zur Ecopop-Initiative<\/b>\n\n<b><\/b><b>Dieser Beitrag ist Teil einer Blogreihe zur bevorstehenden Volksabstimmung \u00fcber die Ecopop-Initiative. Diese Blogreihe analysiert im Hinblick auf den 30. November das Argumentarium der Initianten und reflektiert \u00fcber potentielle Folgen einer Annahme der Initiative<\/b>.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<!--more-->\n\nECOPOP-Bef\u00fcrworter stellen sich \u00fcber andere Menschen, nicht indem sie die schweizerische Eigenart zelebrieren, sondern indem sie die schweizerischen Privilegien und die damit verbundene Verantwortung unterschlagen. Sie holen Punkte bei Naturwissenschaftler weil sie die neutral wirkende Position des Forschers einnehmen. Diese \u00fcberdeckt keine Fremdenfeindlichkeit, sondern einen Ethnozentrismus, welcher die Welt aus Sicht der Privilegierten rationalisiert.\n\n<b>Stolzer Eidgenosse<\/b>\n\nDie Fremdenfeindlichkeit, die wir uns in der Diskussion rund um die Einwanderung in der Schweiz gew\u00f6hnt sind, basiert auf der Differenzierung von Menschen. Menschen werden gem\u00e4ss Hautfarbe, Herkunft, Nationalit\u00e4t oder Religion in \u201euns\u201c und die \u201eAnderen\u201c eingeteilt. Fremdenfeindlichkeit ist deshalb so verbreitet, weil man dabei als Schweizer, als \u201eEidgenosse\u201c gut wegkommt. Wird der Ausl\u00e4nder, wie bei der Ausschaffungsinitiative, als Verbrecher und Vergewaltiger dargestellt, so erscheinen wir Schweizer als die Rechtschaffenen.\n\n<b>\u201eObjektiver\u201c Wissenschaftler<\/b>\n\nDie Logik hinter ECOPOP ist eine andere. Der ECOPOPer schwingt keine Stammtischreden, sondern h\u00e4lt akademische Vortr\u00e4ge, er spricht von \u00dcberbev\u00f6lkerung, nicht von \u00dcberfremdung und er z\u00e4hlt in seiner Milchbuchrechnung jeden Menschen gleich, egal von welchem Kulturkreis. Die wissenschaftliche Basis f\u00fcr die Argumentation von ECOPOP liefert die Formel I=P * A * T, die besagt, dass sich die \u00f6kologische Einwirkung des Menschen (I) basierend auf der Multiplikation der Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse (P), des Wohlstands pro Kopf (A) sowie des technologischen Fortschritts (T) berechnen l\u00e4sst. Hier wird der Mensch nicht nach Qualit\u00e4ten eingeteilt und bewertet, sondern der Mensch wird quantifiziert, er verkommt zur Zahl, zur Variable P. Es ist diese Quantifizierung des Menschen, welche es dem ECOPOPer erlaubt, selbst Abstand zu nehmen und die Rolle des Beobachters einzunehmen. Man selbst ist kein Schweizer mit einem gigantischen \u00f6kologischen Fussabdruck sondern ein v\u00f6llig neutraler Verwalter von \u00f6kologischen R\u00e4umen (sei es der Schweiz oder der Welt), in welchen die Anzahl Menschen sowie die Anzahl Wildtiere verwaltet werden muss.\n\nDie Analogie zu Wildtieren ist deshalb nicht so falsch, weil die Sicht von ECOPOP sehr gut in die Welt der Natur und der Naturwissenschaften passt und sehr schlecht in die Welt der Menschen und Sozialwissenschaften. Es \u00fcberrascht nicht, dass sich viele Naturwissenschaftler, darunter auch zwei ehemalige ETH Professoren (<a href=\"http:\/\/www.ecopop.ch\/de\/komitee-initiative-de\" rel=\"nofollow noopener\">siehe Initiativkomitee<\/a>) von der Initiative angesprochen f\u00fchlen. W\u00e4hrend sich n\u00e4mlich Naturwissenschaftler sehr gut als Beobachter einer externen Welt verstehen k\u00f6nnen, so sind sich Sozialwissenschaftler bewusst, dass sie selbst Teil sind der beobachteten sozialen Welt: Ihre soziale Position beeinflusst ihre Sichtweise, so wie auch die Reaktionen auf ihre Vorschl\u00e4ge.\n\n<b>Ethnozentrismus und Privilegien<\/b>\n\nDie Attraktivit\u00e4t und Gef\u00e4hrlichkeit ECOPOPs liegt in ihrer naturwissenschaftlich inspirierten Unterschlagung und nicht an der \u00dcberh\u00f6hung (siehe Fremdenfeindlichkeit) der eigenen sozialen Position. Die wissenschaftliche Argumentation t\u00e4uscht (sich selbst) eine Neutralit\u00e4t vor, die so lange h\u00e4lt, bis man merkt von wem sie vorgetragen wird und an wen sie gerichtet ist. Der Ethnozentrismus von ECOPOP setzt die eigene Gruppe, die Schweizer, ins Zentrum; nicht indem er sie f\u00fcr besser erkl\u00e4rt, sondern indem er aus ihrer Perspektive die Welt rationalisiert und dabei die eigenen Privilegien und die eigene Verantwortung unterschl\u00e4gt:\n<ul>\n \t<li>Nur wer selbst bereits die privilegierte Nationalit\u00e4t besitzt, mit welcher alle Grenzen offen stehen, kann wie ECOPOP auf ihrer Webseite behaupten, \u201e[dass] die Nationalit\u00e4t bei der Zuwanderungsbilanz keine Rolle [spielt]\u201c.<\/li>\n \t<li>Nur wer selbst zu dem kolonisierenden Kontinent geh\u00f6rt und nicht zu den kolonisierten, kann behaupten es sei unproblematisch die Familienplanung nur bei kolonisierten V\u00f6lkern zu f\u00f6rdern, explizit mit dem Ziel die dortige Bev\u00f6lkerung zu reduzieren.<\/li>\n \t<li>Nur wer selbst schon im Wohlstand lebt, kann dem \u201eAnderen\u201c ganz n\u00fcchtern und aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden das Recht auf Entwicklung und Wohlstand absprechen. So argumentiert ECOPOP auf ihrer Webseite: \u201eMit der Migration in die Schweiz erh\u00f6ht sich deshalb im Allgemeinen die reale Kaufkraft der Betroffenen stark, was sich in einem h\u00f6heren Konsum und einer entsprechend h\u00f6heren \u00f6kologischen Belastung \u00e4ussert.\u201c ECOPOP f\u00fcrchtet die Einwanderer also nicht deshalb, weil sie anders und fremd sind, sondern weil sie so werden k\u00f6nnten wie wir.<\/li>\n \t<li>Nur wer seine eigenen Privilegien und seinen eigenen \u00f6kologischen Fussabdruck (Variable A) nicht wahrnimmt, erlaubt es sich die Bev\u00f6lkerungsvariable P, welche einem selbst nicht betrifft, in den Vordergrund zu r\u00fccken.<\/li>\n<\/ul>\nWer ECOPOP unter der Lupe der Fremdenfeindlichkeit betrachtet, \u00fcbersieht einen vom naturwissenschaftlichen Denken inspirierten Ethnozentrismus, dessen Verfechter sich als Biologen einem Ameisenhaufen annehmen, auf dem sie eigentlich selbst krabbeln.\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79886","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79886"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79886"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}