{"id":79901,"date":"2014-01-16T00:00:00","date_gmt":"2014-01-15T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/kulturzerfall-in-italien-eine-botschaft-aus-der-schweiz\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:12","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:12","slug":"kulturzerfall-in-italien-eine-botschaft-aus-der-schweiz","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/kulturzerfall-in-italien-eine-botschaft-aus-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Kulturzerfall in Italien: Eine Botschaft aus der Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>\u201e60% des Weltkulturerbes befindet sich in Italien. Der Rest ist in Sicherheit.\u201c So lautet ein ber\u00fchmtes Sprichwort, das auf eine traurige Wahrheit hinweist und den Wert der Kultur in Italien in Frage stellt.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Kulturf\u00f6rderung und \u2013interesse in Italien<\/b>\n\nMit 49 Eintr\u00e4gen steht Italien an der ersten Stelle in der Unesco-Liste des Weltkulturerbes, welche aber weltweit \u00fcber 1\u2018000 G\u00fcter erfasst. In Italien befindet sich also nicht 60% des Weltkulturerbes, aber Italien ist immerhin verantwortlich f\u00fcr einen grossen Teil davon. Das Land ist weltweit bekannt f\u00fcr seine reiche Kultur in den verschiedensten Bereichen, sei es u.a. Architektur, Malerei oder Musik. Begriffe wie Kolosseum, Sixtinische Kapelle oder La Scala geh\u00f6ren zum Alltagswissen.\n\nTrotz internationaler, europ\u00e4ischer und privater finanzieller Unterst\u00fctzung reicht das Geld zur Unterhaltung und F\u00f6rderung dieses Schatzes nicht. Seit mehreren Jahren streicht Italien selbst die Mittel des Kulturministeriums, da Kultur im Belpaese meistens nicht als Reichtum, sondern als schwerwiegenden Kostenfaktor wahrgenommen wird. Es reicht darauf hinzuweisen, dass das Budget des Kulturministeriums von 2,7 Milliarden in 2001 auf 1,5 Milliarden in 2013 geschrumpft ist. Private Finanzierungsinitiativen, wie im Fall der Restaurierung des Kolosseums durch den erfolgreichen Lederunternehmer Diego Della Valle, stossen auf administrative und b\u00fcrokratische H\u00fcrden.\n\nWeitere besorgniserregende Daten stammen aus einem neueren Bericht der Europ\u00e4ischen Kommission vom November 2013 \u00fcber \u201e<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/public_opinion\/archives\/ebs\/ebs_399_en.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Kulturzugang und \u2013teilnahme<\/a>\u201c. Etwa die H\u00e4lfte der Italiener (49%) ist \u201ewenig aktiv\u201c im kulturellen Bereich, wobei nur 8% behaupten ein grosses oder sehr grosses Interesse an Kultur zu haben. Diese Ergebnisse weichen stark vom europ\u00e4ischen Durchschnitt ab, wonach sich 34% wenig interessiert und 18% sehr interesseriet an Kultur zeigen.\n\nIm Hinblick auf das Forum f\u00fcr den Dialog zwischen Italien und der Schweiz, das in Zusammenarbeit mit foraus am 31. Januar 2014 in Bern stattfindet, will ich das schweizerische Kulturf\u00f6rderungsmodell dem d\u00fcsteren italienischen Kulturbild gegen\u00fcberstellen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3539 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/KulturItalien.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"203\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>\u201e60% des Weltkulturerbes befindet sich in Italien. Der Rest ist in Sicherheit.\u201c<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Kulturf\u00f6rderung und \u2013interesse in der Schweiz<\/b>\n\nDie Schweiz ist weltbekannt f\u00fcr ihre Finanzinstitute, die Uhrenproduktion und die k\u00f6stliche Schokolade. Von Schweizer Kunst ist im Ausland wenig die Rede. Der gesamte Kulturbeitrag der Schweiz zur Weltgeschichte ist kaum vergleichbar mit dem italienischen. Trotzdem geniesst die Kulturf\u00f6rderung in der Politik wie auch in der \u00d6ffentlichkeit breite Unterst\u00fctzung. In 2011 wurden 2.6 Milliarden Franken zur Unterst\u00fctzung der Kultur eingesetzt, was 1,3% der gesamten Ausgaben der \u00f6ffentlichen Hand entspricht.\n\nIn den \u00f6ffentlichen schweizerischen Schulen wird Musik unterrichtet und jede Sch\u00fclerin und jeder Sch\u00fcler lernt Partituren lesen und ein Instrument spielen. Kulturf\u00f6rderung ist in der Bundesverfassung verankert (Art. 69) und im September 2012 wurde ein Musikf\u00f6rderungsartikel (Art. 67a) mit grosser Mehrheit (72,68 %) von Volk und St\u00e4nden angenommen.\n\nDer Bericht der Europ\u00e4ischen Kommission liefert leider keine Daten zur Kulturliebe der Schweizer. Das Schweizer Bundesamt f\u00fcr Statistik erhebt aber\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/news\/medienmitteilungen.Document.141691.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">vergleichbare Daten<\/a>, die eine hohe Teilnahmequote an kulturellen Aktivit\u00e4ten in der Schweiz aufzeigen: In 2008 besuchten 93% der Bev\u00f6lkerung mindestens eine Kulturinstitution, wobei 62% an mehreren kulturellen Aktivit\u00e4ten teilnahmen.\n\n<b>Kulturf\u00f6rderung zum Unterhalt der Kulturg\u00fcter<\/b>\n\nDiese Daten suggerieren einen positiven Zusammenhang zwischen Kulturf\u00f6rderung und dem Interesse der Bev\u00f6lkerung an kulturellen Aktivit\u00e4ten, was wiederum Kunst- und Kulturveranstaltungen finanziell und intellektuell profitabler macht. Nach dieser These w\u00fcrde eine erh\u00f6hte F\u00f6rderung des reichen Kulturerbes Italiens das \u00f6ffentliche Interesse an Kulturg\u00fctern erh\u00f6hen. Somit k\u00f6nnten Kunst und Kultur statt als Lasten als Reichtum wahrgenommen werden, ihre Prestige und ihr Unterhalt k\u00f6nnten verst\u00e4rkt werden.\n\nOb Kulturf\u00f6rderung auch einen Einfluss auf die Qualit\u00e4t der gef\u00f6rderten Kunst hat, lasse ich lieber offen. Der in mehreren Studien bewiesene Zusammenhang zwischen psychischen St\u00f6rungen und Kreativit\u00e4t l\u00e4sst aber daran zweifeln, dass ein geordnetes funktionierendes Kunstf\u00f6rderungssystem auf das chaotische Zustandekommen der Kunst tats\u00e4chlich f\u00f6rdernd wirken k\u00f6nnte.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79901","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79901"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79901"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}