{"id":79921,"date":"2013-10-10T00:00:00","date_gmt":"2013-10-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/motor-migration-warum-migration-in-die-entwicklungsziele-gehoert\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:15","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:15","slug":"motor-migration-warum-migration-in-die-entwicklungsziele-gehoert","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/motor-migration-warum-migration-in-die-entwicklungsziele-gehoert\/","title":{"rendered":"Motor Migration: Warum Migration in die Entwicklungsziele geh\u00f6rt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von David Kaufmann\u00a0<\/em>&#8211;\u00a0<strong>Illegalisiert man Migration, f\u00f6rdert man Armut. Gerade darum sollte der Zugang in regulierte Arbeitsm\u00e4rkte erleichtert und Arbeitsmigranten rechtlich und sozial eingebunden werden. Solche Ziele geh\u00f6ren in eine nachhaltige Entwicklungsagenda.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n<h1><\/h1>\n<div>\n\n<em>Dieser Beitrag und Teil einer Blog-Reihe zu den Sustainable Development Goals (SDG).\u00a0<\/em><em>Diese Blog-Reihe reflektiert bis Mitte Oktober verschiedene Aspekte dieser zuk\u00fcnftigen Entwicklungsagenda.<\/em>\n\nWeltweit gibt es etwa 232 Millionen Migranten \u2013 Tendenz steigend. Davon profitieren eine Milliarde Menschen direkt.<a href=\"http:\/\/ilya.boyandin.me\/remittances\/\" rel=\"nofollow noopener\">Rimessen<\/a>, Geld\u00fcberweisung von Migranten in ihr Herkunftsland, \u00fcbersteigen die weltweiten Gelder f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit um das drei- bis vierfache. Verschiedene\u00a0<a href=\"http:\/\/www.post2015.ch\/etc\/medialib\/downloads\/post.Par.0021.File.tmp\/MPP11-article-by-Peter-Sutherland.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Berichte<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.un.org\/ga\/search\/view_doc.asp?symbol=A\/68\/L.5&amp;referer=http:\/\/www.un.org\/en\/ga\/68\/meetings\/migration\/&amp;Lang=E\" rel=\"nofollow noopener\">Deklarationen<\/a>\u00a0betonen in Auswertungen der Millennium Development Goals (MDG), dass Migration f\u00fcr die Erreichung von einzelnen Zielen entscheidend war, ohne als konkretes Ziel erw\u00e4hnt zu sein. Doch die positiven Auswirkungen von Migration werden oft \u00fcbersehen.\n\n<em>\u201cWe know migration reduces poverty on an extraordinary scale\u201d\n(<\/em><a href=\"http:\/\/www.un.org\/esa\/population\/migration\/SG_Report_A_68_190.pdf\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Ban Ki Moon,\u00a0<\/em><\/a><em>2013<\/em><em>)<\/em>\n\nWandert ein Mensch ein oder aus, bedeuten dies nicht ein Scheitern im Heimatland oder gar ein Abweichung eines anzustrebenden Normzustandes. In der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.worldwewant2015.org\/node\/319783\" rel=\"nofollow noopener\">Dhaka Deklaration<\/a>\u00a0werden Migrantinnen und Migranten explizit als Akteure der Entwicklung verstanden. Auch die Schweiz steht als Co-Leiterin der UN-Konsultation zur \u201eBev\u00f6lkerungsdynamik\u201c zumindest auf internationaler Ebene f\u00fcr eine solche Betrachtungsweise von Migration ein. Migration ist ein proaktives Erfolgsmodell, f\u00fcr Herkunfts- wie auch Empf\u00e4ngerl\u00e4nder, welches erm\u00f6glicht werden sollte.\n\n<strong>Transversaler Ansatz als Chance?<\/strong>\n\nVorschl\u00e4ge von internationalen Foren f\u00fcr m\u00f6gliche Sustainable Development Goals (SDG) erw\u00e4hnen keine Migrationsziele (siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.unglobalcompact.org\/docs\/news_events\/9.1_news_archives\/2013_06_18\/UNGC_Post2015_Report.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Corporate Sustainability Report<\/a>\u00a0von Global Compact und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.un.org\/sg\/management\/pdf\/HLP_P2015_Report.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">High Panel Report<\/a>\u00a0der Vereinten Nationen). Eine\u00a0<a href=\"http:\/\/unsdsn.org\/files\/2013\/06\/130613-SDSN-An-Action-Agenda-for-Sustainable-Development-FINAL.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Aktions-Agenda<\/a>, initiiert von MDG-Pate Jeffrey Sachs, setzt mit ihrem Subziel (<em>target)<\/em>\u00a07a wenigstens die soziale Inklusion aller Stadtbewohner auf die Agenda, wovon Migranten besonderes profitieren w\u00fcrden.\n\nEs sieht also so aus, dass spezifische Migrationsziele nicht in den SDGs verankert werden. Die Schweiz favorisiert ihrerseits einen transversalen Ansatz: Migration wird nicht als konkretes Ziel formuliert, in anderen Zielen jedoch als Subziel (<em>target)<\/em>\u00a0ber\u00fccksichtigt. Anbieten w\u00fcrden sich diese in den zwei Themenbereichen\u00a0<em>Arbeitspl\u00e4tze\u00a0<\/em>und\u00a0<em>Nachhaltige St\u00e4dte<\/em>.\n\n<strong>M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen \u2013 Repressionen abbauen<\/strong>\n\nM\u00f6glichkeiten von legalen Arbeitsmarktzug\u00e4ngen sind eine logische Konsequenz der Anerkennung der positiven Effekte von Migration. Eine schrittweise \u00d6ffnung der Arbeitsm\u00e4rkte kann dazu beitragen, den positiven Migrationseffekt auf Entwicklung weiter zu verst\u00e4rken und dem Arbeitskr\u00e4ftemangel durch die Alterung von Gesellschaften entgegenzutreten. Der Transfer von Ideen, Innovationen und Technologien k\u00f6nnten zudem vorangetrieben, sowie die negativen Effekte der Illegalisierung von Migration wie Bootsdramen und Schlepperwesen substantiell bek\u00e4mpft werden. Ein konkretes Subziel k\u00f6nnte deshalb lauten:\n<ul>\n \t<li><em>Beschr\u00e4nkungen des Zugangs auf regulierte Arbeitsm\u00e4rkte schrittweise abbauen<\/em><\/li>\n<\/ul>\nWenn Leute migrieren, ist der Bestimmungsort oft eine Stadt. Stadt-Land Migration findet innerstaatlich sowie grenz\u00fcberschreitend statt. St\u00e4dte sind die globalen Wachstumsmaschinen, in denen Arbeitsmigranten in allen Arbeitssektoren ben\u00f6tigt werden. F\u00fcr eine nachhaltige St\u00e4dtepolitik ist es deshalb notwendig, \u201eirregul\u00e4re Migranten\u201c durch einen Rechtstatus besser zu sch\u00fctzen. Die Verleihung eines Rechtsstatus f\u00fcr irregul\u00e4re Arbeitskr\u00e4fte, wie sie viele L\u00e4nder bereits in unterschiedlichem Ausmasse durchf\u00fchrten, w\u00fcrde auf einen Schlag aus informellen Arbeitskr\u00e4ften steuerzahlende, legitimierte Mitglieder von nachhaltigen St\u00e4dten machen. Der Vorschlag f\u00fcr ein konkretes Subziel w\u00e4re:\n<ul>\n \t<li><em>Rechtliche und soziale Inklusion von Arbeitsmigranten in St\u00e4dten. Eine rechtliche Basis k\u00f6nnte durch die Ratifizierung der\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www2.ohchr.org\/english\/bodies\/cmw\/cmw.htm\" rel=\"nofollow noopener\"><em>UN-Konvention zum Schutz aller Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter sowie ihrer Familien<\/em><\/a><em>geschaffen werden.<\/em><\/li>\n<\/ul>\nAuch solche Migrationssubziele haben bei der Ausarbeitung der SDG wohl einen schweren Stand. Die Schweiz k\u00f6nnte solche Migrationssubziele nur schwer vorschlagen, unterscheiden sich diese doch fundamental von innerpolitischen Anstrengungen, Migration zu steuern. Hier kann man generelle Problematiken der SDGs erkennen. Die SDGs bedingen ein koh\u00e4rentes Zusammenf\u00fchren der Innen- und Aussenpolitik durch partnerschaftliche Ziele, die \u00fcber blosse Geldversprechungen hinausgehen. Die Schweizer Entwicklungspolitik ist wohl bereit, Geld zu sprechen \u2013 aber nicht, Landesgrenzen substantiell zu \u00f6ffnen.\n\n<strong>Migration, eine liberale und nachhaltige Entwicklungsagenda<\/strong>\n\nUnd doch w\u00e4re es eine verpasste Chance, aufgrund von nationalen Alleing\u00e4ngen, Ankn\u00fcpfungspunkte von Migration und der Agenda f\u00fcr eine Nachhaltige Entwicklung aufzugeben. Migration ist ein globales, dynamisches Ph\u00e4nomen, welches sich nicht in den rigiden Kategorien von Entwicklungs- und Industriel\u00e4nder und auf der Nord-S\u00fcd Achse denken l\u00e4sst. Migration kann von staatlicher Seite nur sehr kostenreich und kurzfristig gesteuert werden und produziert als h\u00e4sslicher Nebeneffekt menschliches Leid h\u00f6chsten Ausmasses.\n\nDie konzeptuelle Verschiebung weg von der Bek\u00e4mpfung von Armutseffekten (MDG) hin zur Bek\u00e4mpfung von Armutsursachen (SDG) schreit geradezu nach Migrationszielen. Exklusion einiger Menschen von M\u00e4rkten ist eine zentrale Ursache von Armut. Davon ist die Exklusion von Arbeitsm\u00e4rkten der bedeutendste Armutserzeuger. Legaler Arbeitsmarktzugang m\u00fcsste nicht \u00fcber eine problematische Geber-Empf\u00e4nger Beziehung erreicht werden, sondern k\u00f6nnte im Rahmen der SDGs auf nationaler Ebene schrittweise erm\u00f6glicht werden. Eine solche Liberalisierung ist eine Agenda f\u00fcr eine Nachhaltige Entwicklung, die bereit liegen w\u00fcrde. Zeit, sie anzustossen. Zeit, die Plombierung des Motors Migration zu entfernen.\n\n<em>David Kaufmann ist Doktorand in Politikwissenschaft. Er engagiert sich im Programm Migration von foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79921","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79921","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79921"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79921"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79921"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79921"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}