{"id":79928,"date":"2014-10-23T00:00:00","date_gmt":"2014-10-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/fehler-entdeckt-ecopop-formel-nicht-nachhaltig\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:17","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:17","slug":"fehler-entdeckt-ecopop-formel-nicht-nachhaltig","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/fehler-entdeckt-ecopop-formel-nicht-nachhaltig\/","title":{"rendered":"Fehler entdeckt: ECOPOP-Formel nicht nachhaltig"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die Ecopop-Initiative reduziert die Umweltbelastung auf eine einfache Formel: Je weniger Menschen auf einem Staatsgebiet leben, desto besser geht es der Umwelt. Doch die Rechnung ist falsch. Die wirklich ausschlaggebende Variable fehlt.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Blogreihe zur Ecopop-Initiative<\/b>\n\n<b><\/b><b>Dieser Beitrag ist Teil einer Blogreihe zur bevorstehenden Volksabstimmung \u00fcber die Ecopop-Initiative. Diese Blogreihe analysiert im Hinblick auf den 30. November das Argumentarium der Initianten und reflektiert \u00fcber potentielle Folgen einer Annahme der Initiative.<\/b>\n\nDie Angst vor Bev\u00f6lkerungswachstum ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Schon Platon f\u00fcrchtete um die Versorgung der B\u00fcrger mit ausreichend Nahrung und sah im Wachstum den Grund zunehmender Unterschiede zwischen Arm und Reich. Er ersann daraufhin ein gesellschaftliches System mit einer station\u00e4rer Bev\u00f6lkerung und einer genetischer Selektion. St\u00e4dte sollen genau aus 5040 Familien bestehen, wobei Beh\u00f6rden die Fortpflanzung exakt planen und kontrollieren. Auch Aristoteles dachte \u00e4hnlich negativ \u00fcber Bev\u00f6lkerungswachstum. Dieses f\u00fchre zur Verarmung eines Teiles der Bev\u00f6lkerung, was soziale Unruhen hervorrufe. Daher m\u00fcsse die Kinderzahl gesetzlich beschr\u00e4nkt und \u00fcberz\u00e4hlige Schwangerschaften abgebrochen werden. Hunderte von Jahren sp\u00e4ter meint Thomas Malthus, dass die Nahrungsproduktion bei Weitem nicht mit dem Bev\u00f6lkerungswachstum Schritt halten k\u00f6nne, was l\u00e4ngerfristig zum Verderb der Menschheit f\u00fchre.\n\n<b>Der vergessene Faktor Innovation<\/b>\n\nAllen drei Denkern ist gemeinsam, dass ihre verschiedenen mit Bev\u00f6lkerungswachstum verkn\u00fcpften Bef\u00fcrchtungen nicht eintrafen. Die Zusammenh\u00e4nge und Mechanismen zwischen Bev\u00f6lkerungswachstum und Umweltbelastung sind zu komplex, um sie mit einfachen Theorien abzubilden.\n\nNeu soll nun durch eine Volksinitiative mit dem Titel \u201eStopp der \u00dcberbev\u00f6lkerung \u2013 zur Sicherung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen\u201c der Art. 73a in die Schweizerische Bundesverfassung aufgenommen werden. Schon nur der Titel postuliert, dass eine einfache Beziehung zwischen der Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse und dem Erhalt nat\u00fcrlicher Lebensgrundlagen existiere. Diese Annahme ist so simplifiziert, wie sie falsch ist. Sie behauptet eine kausale Einwirkung der Immigration auf die Umweltbelastung. Wird die Ecopop-Formel mit dem Faktor Innovation erg\u00e4nzt, ver\u00e4ndert sich der von den Initianten postuliere Zusammenhang zwischen Immigration und Umweltqualit\u00e4t bedeutend: Immigration erh\u00f6ht das Innovationspotential einer Gesellschaft. Innovation steigert eine effiziente Ressourcennutzung (siehe Grafik).\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3614 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Y04jsMm.jpg\" alt=\"\" width=\"916\" height=\"384\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>Um den Faktor Innovation korrigierte Ecopop-Formel (Quelle: Autoren)<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Sinkende Umweltbelastung durch Innovation<\/b>\n\nNicht die Menge der in einem Land lebenden Personen alleine, sondern die Modalit\u00e4ten ihres Konsums bestimmen den Grad der Umwelteinwirkung.\n\nDie Ecopop-Initianten konzentrieren sich ausschliesslich auf die Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse und lassen dabei die Frage nach der Umweltvertr\u00e4glichkeit unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems ausser Acht. Die Initiative brandmarkt den Mensch per se, aufgrund seiner Existenz, als Umweltzerst\u00f6rer. Technische Entwicklungen k\u00f6nnen die \u00f6kologische Bilanz verbessern, wenn Ideen zur effizienten Ressourcennutzung in Produkten, Prozessen und Dienstleistungen umgesetzt werden und diese anschliessend einen Absatzmarkt finden.\n\n<b>Keine Innovation ohne Migration<\/b>\n\nInnovation entsteht durch kluge K\u00f6pfe und Talente, welche die M\u00f6glichkeit besitzen in einem innovationsfreundlichen Umfeld ihr kreatives Potential zu nutzen und dieses der Gesellschaft zur Verf\u00fcgung zu stellen. Eine starke Innovationsf\u00e4higkeit st\u00fctzt sich somit auf die folgenden zwei notwendigen Bedingungen: Institutioneller Rahmen und talentierte Menschen. Innovationsf\u00f6rdernde Institutionen n\u00fctzen nichts, solange die Talente fehlen. Talente n\u00fctzen nichts, solange diese sich aufgrund fehlender institutioneller Grundlagen nicht entfalten k\u00f6nnen. Das Mittel, die beiden Elemente zusammenzuf\u00fchren, besteht in der grenz\u00fcberschreitenden Migration. Menschen sind anpassungsf\u00e4hig und gewillt, ihre Lebensumst\u00e4nde aus eigener Kraft zu verbessern. Dazu suchen sie sich jenes Umfeld aus, in welchem sie ihr Potential am besten aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Ferner beg\u00fcnstigt Migration ein innovationsfreundliches Umfeld. Diversit\u00e4t in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz f\u00fchrt zu einem idealen Umfeld f\u00fcr kreative Ideen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3617 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/800px-ETH_Z\u00c3\u00bcrich_-_Hauptgeb\u00c3\u00a4ude_-_Polyterasse_2012-09-27_14-40-49_ShiftN.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>Das Hauptgeb\u00e4ude der ETH Z\u00fcrich: ohne internationalen Austausch kaum \u00fcberlebensf\u00e4hig<\/i>\u00a0(Quelle: Wikimedia Commons)\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie Schweiz ist nicht von ungef\u00e4hr Innovationsweltmeisterin. Sie verf\u00fcgt \u00fcber hervorragende Institutionen f\u00fcr Forschung und Entwicklung und einen hohen Grad an Internationalit\u00e4t. An den beiden ETHs, den Leuchtt\u00fcrmen der Wissenschaft, betr\u00e4gt der Ausl\u00e4nderanteil am wissenschaftlichen Personal zwischen 60 und 80 Prozent. Internationaler Austausch ist der Sauerstoff f\u00fcr Innovation durch wissenschaftliche Spitzenleistung und die Grundlage einer dynamischen Gesellschaft.\n\nWill die Schweiz ihr Innovationspotential bewahren, auf das eine \u00f6kologische Gesellschaft angewiesen ist, darf sie sich nicht als \u00f6kologische Alpeninsel verstehen und sich in eine migrationspolitische Festung verwandeln, sondern muss den positiven Beitrag grenz\u00fcberschreitender Austauschbeziehungen auf dem Weg zu einer \u00f6kologischeren Gesellschaft anerkennen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79928","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79928","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79928"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79928"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79928"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79928"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}