{"id":79931,"date":"2014-09-24T00:00:00","date_gmt":"2014-09-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/besser-lockern-warum-die-ezb-den-stand-der-technik-ignoriert\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:17","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:17","slug":"besser-lockern-warum-die-ezb-den-stand-der-technik-ignoriert","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/besser-lockern-warum-die-ezb-den-stand-der-technik-ignoriert\/","title":{"rendered":"Besser lockern: Warum die EZB den Stand der Technik ignoriert"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die Europ\u00e4ische Zentralbank hat auf die wachsende Nachfrageschw\u00e4che in der Eurozone reagiert und lanciert ihr erstes quantitatives Lockerungsprogramm. Dieses verspricht zwar wenig Erfolg, hat aber dennoch Folgen \u2013 insbesondere f\u00fcr die Schweiz.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/pressconf\/2014\/html\/is140904.en.html\" rel=\"nofollow noopener\">Mit ihrer j\u00fcngsten Ank\u00fcndigung<\/a>\u00a0\u00fcberraschte die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) die meisten Beobachter: Ab Oktober kauft sie Pfandbriefe, um die Nachfrage in der Eurozone anzukurbeln. Zwar k\u00f6nnen nur Experten Pfandbriefe von auf Unternehmenskrediten basierenden Wertpapieren (asset-backed securities, ABS) unterscheiden. Der zentrale Unterschied ist jedoch einfach: In der Eurozone gibt es\u00a0<a href=\"http:\/\/ecbc.hypo.org\/Content\/Default.asp?PageID=519\" rel=\"nofollow noopener\">Pfandbriefe im Wert von 1\u2018500 Milliarden Euro<\/a>, aber nur etwa\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bruegel.org\/publications\/publication-detail\/publication\/842-asset-backed-securities-the-key-to-unlocking-europes-credit-markets\/\" rel=\"nofollow noopener\">150<\/a>\u00a0Milliarden an Unternehmens-ABS. Auf den ersten Blick kann die EZB also einzig mit den Pfandbriefen eine sp\u00fcrbare Lockerung der Geldpolitik erreichen. Ob sie das tun wird h\u00e4ngt von den f\u00fcr Oktober angek\u00fcndigten Details ab \u2013 dass diese dem\u00a0<a href=\"http:\/\/krugman.blogs.nytimes.com\/2012\/09\/01\/woodford-on-monetary-policy-sort-of-wonkish\/\" rel=\"nofollow noopener\">Stand der Technik<\/a>\u00a0entsprechen ist leider unwahrscheinlich.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3634 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/EZB.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>EZB-Hauptgeb\u00e4ude in Frankfurt\u00a0<\/i>(Quelle: Wikicommons,\u00a0<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/legalcode\" rel=\"nofollow noopener\">Lizenz<\/a>)\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDer New Yorker \u00d6konom\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kansascityfed.org\/publicat\/sympos\/2012\/mw.pdf?sm=jh083112-4\" rel=\"nofollow noopener\">Michael Woodford hat\u2019s vermutet<\/a>\u00a0und aus den j\u00fcngsten Programmen anderer Zentralbanken wird es deutlich: Nachhaltig wirksame Quantitative Easing (QE) Programme verbinden die Dauer der Anleihenk\u00e4ufe mit einem messbaren Zweck. Die Zentralbank ersetzt so Entscheidungsspielraum durch eine klare Regel. L\u00e4sst man Raum f\u00fcr Interpretationen f\u00f6rdert man Unsicherheiten \u2013 und behindert damit die Wirksamkeit der Massnahmen. Gerade bei Zentralbanken, die lieber zu fr\u00fch auf die Bremse steigen.\n\nF\u00fcr ein Programm im Stil des erfolgreichen\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quantitative_Lockerung\" rel=\"nofollow noopener\">QE3<\/a>\u00a0des Fed, m\u00fcsste die EZB nun beispielsweise ank\u00fcndigen, solange Anleihen zu kaufen, bis die einj\u00e4hrigen Inflationserwartungen wieder auf 2% steigen. Besser noch: Sie versieht diese Aufgabe mit einer Frist wie es die Bank of Japan getan hat. Diese QE-Variante w\u00e4re vielversprechend \u2013 st\u00fcnden ihr nicht drei institutionelle H\u00fcrden im Weg.\n\n<b>Drei institutionelle H\u00fcrden f\u00fcr wirksames Quantitative Easing<\/b>\n\n1) Die EZB m\u00fcsste ein klares Inflationsziel ausgeben. Bisher hat sie ein asymmetrisches Mandat, in dem Inflation zwar prominent aber lediglich untergeordnet vorkommt. Die EZB gew\u00e4hrleistet eine &#8220;mittelfristige Inflation nahe aber unter 2% sofern im Einklang mit Preisstabilit\u00e4t&#8221;. Alternativ k\u00f6nnte die EZB analog zur Fed eine Kombination aus Arbeitslosenrate und maximal tolerierter Inflation nennen. Auch das ist jedoch unwahrscheinlich, da Besch\u00e4ftigung nicht Teil des EZB-Mandats ist.\n\n2) F\u00fcr ein glaubw\u00fcrdiges QE ben\u00f6tigt die EZB einen tiefen Anleihenmarkt, den sie potentiell aufkaufen kann. Zwar ist der Pfandbriefmarkt deutlich gr\u00f6sser als alles bisher von der EZB genannte. Allerdings w\u00fcrde sie nach einem Kaufprogramm in der Gr\u00f6ssenordnung des amerikanischen QE3 fast den kompletten Markt besitzen. Als wirklich tiefer europ\u00e4ischer Markt bleiben die Staatsanleihen. Bevor die EZB dort einsteigen kann muss jedoch muss die Unsicherheit \u00fcber das Verbot der monet\u00e4ren Staatsfinanzierung gekl\u00e4rt werden. Laut ihren Statuten ist der EZB der \u201e<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/123.html\" rel=\"nofollow noopener\">unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln<\/a>\u201c der Mitgliedstaaten verboten. Im Februar hat das h\u00f6chste deutsche Gericht\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/pressemitteilungen\/bvg14-009\" rel=\"nofollow noopener\">Staatsanleihenk\u00e4ufe auf dem Sekund\u00e4rmarkt in dieses Verbot eingeschlossen<\/a>, den letzten Entscheid aber an den Europ\u00e4ischen Gerichtshof verwiesen. Nicht zuletzt wegen \u00a0dieser juristischen Unsicherheit hat die EZB bisher keine breiteren Staatsanleihenk\u00e4ufe erw\u00e4hnt.\n\n3) Die dritte institutionelle H\u00fcrde ist die politische Unabh\u00e4ngigkeit der EZB. Die EZB ist l\u00e4ngst nicht so gut von der Politik isoliert wie die SNB oder das Fed. Zu diesem Zustand hat die EZB selbst beigetragen: Sie kommentiert vergleichsweise ausf\u00fchrlich die fiskalpolitischen und strukturellen Probleme der Mitgliedsl\u00e4nder. Dar\u00fcber hinaus partizipiert sie durch ihr Engagement in der Troika direkt an verschiedenen Reformprogrammen. Einmischung ist keine Einbahnstrasse. Und somit ist ein klar definiertes QE-Programm als Baustein zur L\u00f6sung der Eurokrise entsprechend unwahrscheinlich\n\n<b>Die Schweiz wird unkonventionell bleiben<\/b>\n\nMit seinem Appell,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2014\/html\/sp140822.en.html\" rel=\"nofollow noopener\">den fiskalpolitischen Spielraum klug auszunutzen<\/a>, impliziert Mario Draghi \u00a0schon heute, dass er nicht an ein resolutes Einschreiten der EZB glaubt. Um eine Nachfragel\u00fccke zu schliessen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.themoneyillusion.com\/?p=20216\" rel=\"nofollow noopener\">braucht eine voll handlungsf\u00e4hige Zentralbank keine Hilfe<\/a>\u00a0der Regierung. In diesem Umfeld kann die SNB auf l\u00e4ngere Sicht nicht zum Zinsinstrument zur\u00fcckkehren. Um den negativen Nachfrageimpuls aus der Eurozone auszugleichen lockerte die SNB ihre Geldpolitik zunehmend. Beim Nullzins angekommen begann sie zus\u00e4tzliches Notenbankgeld durch Devisenk\u00e4ufe in Umlauf zu bringen. Bis die Eurozone ihre Nachfrageschw\u00e4che \u00fcberwindet, wird sich daran nichts \u00e4ndern.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1822],"class_list":["post-79931","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-finanz-wirtschaftspolitik"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79931"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79931"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}