{"id":79955,"date":"2017-11-04T00:00:00","date_gmt":"2017-11-03T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/happy-birthday-paris-und-warum-sich-die-schweiz-noch-nicht-gratulieren-darf\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:21","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:21","slug":"happy-birthday-paris-und-warum-sich-die-schweiz-noch-nicht-gratulieren-darf","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/happy-birthday-paris-und-warum-sich-die-schweiz-noch-nicht-gratulieren-darf\/","title":{"rendered":"Happy Birthday Paris &#8211; und warum sich die Schweiz noch nicht gratulieren darf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ob der Erdrutsch bei Bondo, die D\u00fcrre in Ostafrika oder der Hurrikan Irma an der Atlantikk\u00fcste Amerikas \u2013 die Folgen der Erderw\u00e4rmung sind allgegenw\u00e4rtig. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit dem Abschluss des Pariser Klimaabkommens dieser Herausforderung angenommen. W\u00e4hrend sich das Inkrafttreten dieses Abkommens heute zum ersten Mal j\u00e4hrt, wird ab n\u00e4chster Woche an der Klimakonferenz in Bonn \u00fcber die konkrete Ausgestaltung des Vertrags verhandelt. Zeit f\u00fcr eine Standortbestimmung mit Blick auf die Schweiz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz hat k\u00fcrzlich das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und kann darum n\u00e4chste Woche mit vollem Mitspracherecht an der Konkretisierung des Abkommens mitarbeiten. W\u00e4hrend sie sich international f\u00fcr eine ambitionierte Klimapolitik engagiert und massgeblich zum Erfolg des Pariser Klimaabkommens beigetragen hat, steht ihr national die klimapolitische Weichenstellung noch bevor: die Totalrevision des CO2-Gesetzes. Im Rahmen dieser Gesetzesrevision entscheidet die Schweiz \u00fcber ihre Klimapolitik ab 2020 und somit \u00fcber die konkrete Umsetzung der Pariser Klimaziele. Eine intensive politische Debatte ist vorprogrammiert. Drei wichtige Aspekte sollten dabei nicht vergessen werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Crux mit den Ausland- versus Inlandreduktionen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens hat sich die Schweiz ein Emissionsreduktionsziel von -50% bis 2030 gegeben. Davon m\u00fcssen gem\u00e4ss Gesetzesvorschlag aber lediglich 30% im Inland umgesetzt werden. Das Problem dabei: Das Pariser Klimaabkommen gibt vor, die Bilanz der globalen Treibhausgase in der zweiten Jahrhunderth\u00e4lfte auszugleichen.[1] Das heisst, es d\u00fcrfen nur so viele Treibhausgase in die Luft ausgestossen werden, wie durch Senken aus der Atmosph\u00e4re absorbiert werden k\u00f6nnen (Netto-null-Prinzip). Da alle L\u00e4nder diese Netto-null-Bilanz anstreben, ist unklar ob gen\u00fcgend Auslandzertifikate vorhanden sein werden. Es ist n\u00e4mlich gut denkbar, dass die entsprechenden Reduktionsleistungen von den angedachten Projektl\u00e4ndern selbst beansprucht werden. Hinzu kommt: Ein funktionierender Markt und die Anrechnungsmechanismen f\u00fcr solche Zertifikate m\u00fcssen erst noch entwickelt und von den Vertragspartnern genehmigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weshalb Zuwarten keine Option ist<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen, muss die Weltgemeinschaft bis sp\u00e4testens Mitte der zweiten Jahrhunderth\u00e4lfte \u00fcber eine komplett fossilfreie Energieversorgung verf\u00fcgen. F\u00fcr Industriestaaten wie die Schweiz, ist die Deadline bereits f\u00fcr Mitte des Jahrhunderts gesetzt. Als Land, dass zu 2\/3 von fossilen Energietr\u00e4gern abh\u00e4ngig ist, lohnt sich ein fr\u00fchzeitiges Engagement &#8211; dies besonders mit Blick auf unsere Infrastruktur: Bei Immobilien, Strassen oder Produktionsanlagen sind die Investitionszyklen langlebig. Es besteht die Gefahr, einen hohen Energieverbrauch und hohe Emissionen regelrecht zu zementieren (Lock-in-Effekt).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jobs schaffen statt L\u00f6sungen einkaufen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umsetzung der Pariser Klimaziele gelingt nur dank Innovation und neuen Technologien. Der Forschungs- und Innovationsstandort Schweiz hat beste Voraussetzungen, um diese Entwicklung mitzugestalten. Gute Rahmenbedingungen entscheiden massgeblich dar\u00fcber, ob in der Schweiz investiert oder auf Emissionsreduktionen im Ausland gesetzt wird &#8211; sprich ob die Schweiz letztlich mit zur Entwicklung von L\u00f6sungen beitr\u00e4gt oder diese sp\u00e4ter einkaufen muss. L\u00e4nder wie Deutschland, England oder Schweden sind mit ihren Inlandreduktionszielen bereits auf Paris-Kurs und machen ihre Wirtschaftssysteme fit f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Risiken minimieren, Chancen nutzen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nebst der Mitverantwortung der Schweiz, als Teil der internationalen Staatengemeinschaft, ist eine wirkungsvolle Klimapolitik sowohl aus Risiko- und Kosten\u00fcberlegungen, als auch aus innovations- und wettbewerbspolitischer Perspektive sinnvoll: Die Gefahr von schockartig anfallenden Kosten in der Zukunft und die Entwertung von angelegtem Verm\u00f6gen (stranded assets) wird vermindert. Gleichzeitig kann die Schweiz als Innovationsweltmeisterin mit ihren individuellen St\u00e4rken zum globalen Klimaschutz beitragen und sich ausserdem Zugang zu neuen interessanten M\u00e4rkten verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] Artikel 4 Abs. 2 des Pariser Klimaabkommens<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Pariser Klimaabkommen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft durch den Abschluss des Pariser Klimaabkommens zu mehr Klimaschutz verpflichtet. Der Vertrag ist aus dreierlei Hinsicht historisch: 1) Erstmals haben 197 Staaten, die gemeinsam 98% der globalen Treibhausgasemissionen verantworten, beschlossen, 2) gemeinsam die weltweite Erderw\u00e4rmung auf deutlich unter 2 Grad \u2013 wenn m\u00f6glich 1.5 Grad \u2013 zu begrenzen. Damit haben sie 3) auch den Reduktionspfad abgesteckt: die Bilanz der globalen Treibhausgasemissionen ist in der zweiten Jahrhunderth\u00e4lfte auszugleichen. Knapp ein Jahr nach der Verabschiedung trat das Abkommen am 4. November 2016 in Rekordzeit in Kraft: Bedingung war die Ratifikation durch 55 Vertragsparteien, die 55% der globalen Treibhausgasemissionen verantworten. Bis dato haben 168 der 195 Vertragsstaaten das Abkommen ratifiziert.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1952],"class_list":["post-79955","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-klima"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79955","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79955"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79955"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}