{"id":79984,"date":"2018-03-12T00:00:00","date_gmt":"2018-03-11T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-muenchner-sicherheitskonferenz-2018-einzig-einigkeit-im-cyberspace\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:25","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:25","slug":"die-muenchner-sicherheitskonferenz-2018-einzig-einigkeit-im-cyberspace","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/die-muenchner-sicherheitskonferenz-2018-einzig-einigkeit-im-cyberspace\/","title":{"rendered":"Die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2018 \u2013 Einzig Einigkeit im Cyberspace"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Letzten Monat fand zum 54. Mal die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz statt \u2013 das Resultat ist ern\u00fcchternd. In Zeiten der geopolitischen Spannungen halten viele Staatsvertreter an nationalen Interessen fest. Einzig in der Cybersicherheit konnten konkrete L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge erarbeitet werden \u2013 diese kamen aber eher aus der Wirtschaft und dem Dritten Sektor.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 54. Konferenz zeichnete mit dem diesj\u00e4hrigen Titel \u00abZum Abgrund \u2013 und wieder zur\u00fcck?\u00bb, ein eher d\u00fcsteres Bild der aktuellen Sicherheitslage. Dazu passend startete die Konferenz auch schon mit einem Beinahe-Eklat, als das iranische Staatsflugzeug notfallm\u00e4ssig durch die Bundeswehr betankt werden musste, nachdem sich die Mineral\u00f6lfirmen aus Angst vor Sanktionen der USA geweigert hatten. Auch die Abwesenheit grosser Polit-Namen und eine konfrontative, statt konstruktive Stimmung w\u00e4hrend der ganzen Konferenz, schienen die im Titel der Veranstaltung gestellte Frage eher zu verneinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Konfrontation statt Kooperation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hren sich Russland und die USA einen Schlagabtausch lieferten, attackierte Israels Regierungschef Iran mit scharfen Worten und warnte vor einer Konfrontation im Syrien-Krieg. Gleichzeitig zeigten sich Frankreich und Deutschland besorgt \u00fcber das Erstarken Chinas, das eine Bedrohung f\u00fcr die liberale Weltordnung darstelle. Und der ukrainische Ministerpr\u00e4sident Poroschenko \u2013 eine EU Flagge auf der B\u00fchne ausrollend \u2013 prangerte derweil Russland als Aggressor an. Verteidigungsminister Mattis nahm zwar an der Konferenz teil, sprach aber kein Wort, womit auch die k\u00fcrzlich verk\u00fcndete Nuklearstrategie der USA \u2013 formuliert ohne R\u00fccksprache mit den europ\u00e4ischen Nuklearpartnern \u2013 nicht weiter er\u00f6rtert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsame L\u00f6sungen f\u00fcr globale Sicherheitsprobleme und aktuelle Krisenherde wurden folgerichtig nicht gefunden. An der diesj\u00e4hrigen Konferenz wurde mehr denn je die starke Priorisierung nationaler Interessen sichtbar. Das Vereinigte K\u00f6nigreich war mit sich und den Folgen des Brexits besch\u00e4ftigt und Deutschland befand sich w\u00e4hrend der Konferenz noch immer in der Regierungsbildungsphase.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einzig Vertreter der EU und einige europ\u00e4ische Verteidigungsminister sprachen sich derweil f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit im Rahmen des Programms PESCO (Permanent Structured Cooperation) aus. Diese neue \u00abVerteidigungsunion\u00bb st\u00f6sst jedoch nicht nur die Amerikaner vor den Kopf, viele sehen eine EU-Armee als unrealistisch oder gar als eine Gefahr f\u00fcr die NATO. Unumstritten blieb einzig der Beschluss zur engeren Zusammenarbeit der Geheimdienste von rund zwanzig Staaten aus Europa, Nordamerika, Nordafrika und dem Nahen Osten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gelungener IT-Auftakt durch die Munich Cyber Security Conference<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er\u00f6ffnet wurde die Hauptkonferenz von einer zus\u00e4tzlichen Cyberkonferenz, der Munich Cyber Security Conference (MCSC), auf der die wesentlichen Konferenzthemen auf einer technischen Ebene vordiskutiert wurden. Einer ihrer Schwerpunkte besetzte das Internet der Dinge, welches bisher als Angriffsziel f\u00fcr Hacker v\u00f6llig untersch\u00e4tzt worden sei, obwohl durch die niedrigen Sicherheitsstandards leicht auf kritische Infrastruktursysteme zugegriffen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abEgal, ob es sich um Hochregallager mit Anwendungen f\u00fcr das Internet der Dinge handelt, um vernetzte Autofabriken oder um smarte Wohnungen &#8211; wir m\u00fcssen hier die Einfallstore schliessen\u00bb, mahnte auch Marina Kaljurand, Vorsitzende der globalen Kommission f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Cyberspace in Den Haag. Sie forderte die Regierungsvertreter dazu auf, endlich \u00fcber den \u00abTellerrand hinaus\u00bb zu schauen und schlug die Einf\u00fchrung digitaler diplomatischer Vertretungen vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem formulierten w\u00e4hrend der Cyberkonferenz mehrere Unternehmen, darunter Grosskonzerne wie Siemens, Daimler und IBM, eine Charter of Trust, in der die Unterzeichner verbindliche Regeln und Sicherheitsstandards im Cyber-Bereich fordern. Die Charta richtet sich aber auch an Politik und Gesellschaft. Regeln zur Cybersicherheit sollten auch Bestandteil von Freihandelsabkommen werden. Zudem sollen Privatpersonen mehr auf Sicherheit bei Produkten und ihrer Anwendung sensibilisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch f\u00fcr die Schweiz besteht im Bereich Cybersicherheit dringender Handlungsbedarf. Mehr als ein Drittel aller mittleren und kleinen Unternehmen in der Schweiz sind schon von Hackern attackiert worden, und auch der Bund bleibt mit fast t\u00e4glichen Cyberangriffen nicht verschont. W\u00e4hrend das VBS auf die Ausbildung von IT-Spezialisten und die Schaffung von 100 neuen Stellen f\u00fcr die Cyber-Defence bis 2020 setzt, verlassen sich die EU-Mitgliedstaaten auch im Cyberbereich in Zukunft vermehrt auf die Zusammenarbeit durch PESCO. Dort sind Programme, insbesondere im Bereich des Informationsaustauschs, der Ausbildung und der operativen Unterst\u00fctzung geplant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nicht-staatliche Akteure als die wahren Politikmacher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die US-Regierung weitgehend mit Abwesenheit gl\u00e4nzte, scheint Trump&#8217;s \u00abAmerica First\u00bb Mentalit\u00e4t auch die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz erreicht zu haben, die als B\u00fchne f\u00fcr nationalstaatliche Inszenierungen dienen musste. Vor dem schon im pessimistischen Titel beschworenen \u00abAbgrund\u00bb, schienen dabei die wenigsten zur\u00fcckweichen zu wollen. Wegen geopolitischen Spannungen und mangelnder Kooperationsbereitschaft blieben griffige L\u00f6sungsans\u00e4tze auf der Strecke. M\u00fcnchen hat aber auch eindr\u00fccklich gezeigt, dass nicht nur das technische Knowhow, sondern auch der Handlungswille eher bei nicht-staatlichen Akteuren und Initiativen zu liegen scheint. Das bewies die produktive Zusammenarbeit von Sicherheitsforschung mit Industrie und Zivilgesellschaft zum Thema Cybersicherheit, wo dank der der Vorstrukturierung der MCSC, mit konkreten L\u00f6sungsans\u00e4tzen aufgewartet werden konnte. Dass im Cyberbereich zivilgesellschaftliche und wirtschaftliche Interessen, freigel\u00f6st von nationalstaatlicher Polemik, die L\u00f6sungsfindung voranzutreiben verm\u00f6gen, zeigte sich auch bereits im vergangenen Jahr, wo direkt auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2017 die Kommission f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Cyberspace, initiiert von zwei unabh\u00e4ngigen Think Tanks gegr\u00fcndet wurde. Ein Format wie die Cyberkonferenz k\u00f6nnte sich also in Zukunft auch f\u00fcr andere Themenbereiche der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz durchaus lohnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foto: dpa<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1817],"class_list":["post-79984","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-frieden-sicherheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79984"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79984"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}