{"id":79985,"date":"2018-03-13T00:00:00","date_gmt":"2018-03-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/biodiversitaetsschutz-schweiz-im-hintertreffen\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:26","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:26","slug":"biodiversitaetsschutz-schweiz-im-hintertreffen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/biodiversitaetsschutz-schweiz-im-hintertreffen\/","title":{"rendered":"Biodiversit\u00e4tsschutz \u2013 Schweiz im Hintertreffen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Zustand der Biodiversit\u00e4t global und in der Schweiz ist schlecht. Zahlreiche Bestrebungen zur Erhaltung und F\u00f6rderung der biologischen Vielfalt gehen zwar in die richtige Richtung, umfassendes und entschiedenes Handeln fehlt jedoch bisher.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Biodiversit\u00e4t unter Druck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst im Sommer 2017 ver\u00f6ffentlichte das BAFU seinen neusten Bericht zum Zustand und zur Entwicklung der Biodiversit\u00e4t in der Schweiz. Die Fakten sind alarmierend: Ein Drittel aller untersuchten Tier- und Pflanzenarten und die H\u00e4lfte aller Lebensr\u00e4ume sind bedroht. Grund f\u00fcr den kl\u00e4glichen Zustand der Biodiversit\u00e4t ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren, namentlich der intensiven Landwirtschaft und des wachsenden Fl\u00e4chenbedarfs f\u00fcr Siedlungen und Infrastrukturen. Immer bedeutender wird aber auch der Druck, der von invasiven Arten, von Mikroverunreinigungen oder von Klimaver\u00e4nderungen ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch global ist die nat\u00fcrliche Vielfalt stark zur\u00fcckgegangen. Die Schweiz ist f\u00fcr die Umweltverschmutzung und den Biodiversit\u00e4tsverlust im Ausland mitverantwortlich, u.a. durch den Konsum von Importprodukten. Beispielsweise die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln, die Palm\u00f6l enthalten, erh\u00f6ht den Druck in den Herstellungsl\u00e4ndern, nur noch Palm\u00f6l in nicht nachhaltigen Monokulturen zu produzieren und in vielen F\u00e4llen Regenwald daf\u00fcr abzuholzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zahlreiche Schutzinstrumente<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der schlechte Zustand der Biodiversit\u00e4t ist verwunderlich angesichts der zahlreichen Regelwerke und Initiativen, die den Biodiversit\u00e4tsschutz zum Ziel haben. Das wichtigste internationale Abkommen, das \u00dcbereinkommen \u00fcber die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), welches f\u00fcr die Schweiz 1995 in Kraft trat, verpflichtet seine Vertragsstaaten, eigenst\u00e4ndige nationale Strategien und Aktionspl\u00e4ne zu entwickeln. Daneben besteht ein multilaterales System aus verschiedenen globalen und regionalen Abkommen, welche auch die Schweiz ratifiziert hat, beispielsweise das Ramsar-\u00dcbereinkommen \u00fcber Feuchtgebiete oder die Berner Konvention zur Erhaltung der europ\u00e4ischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensr\u00e4ume. Der Biodiversit\u00e4tsschutz wurde zudem in den Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDG) verankert und damit als zentrale Aufgabe f\u00fcr alle Staaten anerkannt. Ziel 14 (Leben unter dem Wasser) und Ziel 15 (Leben an Land) zielen dabei direkt auf den Biodiversit\u00e4tsschutz ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kein Musterknabe mehr im Naturschutz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz war lange Vorreiterin beim Natur- und Umweltschutz. Der 1914 er\u00f6ffnete Nationalpark im Unterengadin geh\u00f6rte zu den ersten in Europa und auch im Gew\u00e4sserschutz schritt die Schweiz voran. Und mit der fr\u00fch eingef\u00fchrten Natur- und Umweltschutzgesetzgebung verf\u00fcgt die Schweiz heute \u00fcber ein sehr gutes und umfassendes Regelwerk mit direkten Schutzbestimmungen zugunsten der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz ist in den letzten Jahren im Natur- und Umweltschutz jedoch zunehmend ins Hintertreffen geraten. So kritisierte die OECD in ihrem k\u00fcrzlich erschienenen Umweltpr\u00fcfbericht 2017 beispielsweise, dass die Schweiz europ\u00e4isches Schlusslicht bei den Schutzgebieten ist. In der Schweiz stehen n\u00e4mlich nur 6,2 Prozent der Landesfl\u00e4che unter Schutz \u2013 sie ist damit weit entfernt vom Ziel der Biodiversit\u00e4tskonvention, bis 2020 17% der Landesfl\u00e4che unter Schutz zu stellen. Nachvollziehbar ist denn auch die Aussage der OECD, dass die Schweiz zu den OECD-L\u00e4ndern mit den h\u00f6chsten Anteilen an gef\u00e4hrdeten Arten z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausserdem dauerte es zw\u00f6lf Jahre, bis die Schweiz 2012 \u2013 als eine der letzten Staaten &#8211; ihre nationale Biodiversit\u00e4tsstrategie verabschiedet hat. Mit dreieinhalb Jahren Versp\u00e4tung beschloss der Bundesrat im September 2017 schliesslich seinen dazugeh\u00f6rigen Aktionsplan Biodiversit\u00e4t. Letzterer ist aber wenig ambiti\u00f6s und weist bedeutende L\u00fccken auf, z.B. fehlen Massnahmen f\u00fcr die Sektoren Energie, Jagd und Fischerei sowie f\u00fcr Tourismus, Sport und Freizeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>H\u00f6chste Zeit zu handeln!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die verbleibenden gr\u00fcnen Wiesen tr\u00fcgen also. Die immer gleichen Allerweltsarten ersetzen zunehmend spezialisierte Artengemeinschaften. Ein homogenes Bild statt pr\u00e4chtiger Vielfalt. Der schleichende Verlust macht die Dringlichkeit nicht direkt sichtbar. Doch der Handlungsbedarf ist gross.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz ist somit im In- und Ausland gefordert. So sollte sie endlich 17% ihrer Landesfl\u00e4che f\u00fcr den Schutz der Biodiversit\u00e4t ausscheiden. Beim Abschluss von Freihandelsabkommen sollte die Schweiz die Auswirkungen auf die Biodiversit\u00e4t mitber\u00fccksichtigen \u2013 beispielsweise bei den aktuellen Verhandlungen mit Indonesien, wo eine Zollreduktion auf Palm\u00f6l diskutiert wird. Nur mit einem umfassenden, entschiedenen und koh\u00e4renten Handeln der Politik kann die Schweiz ihren R\u00fcckstand in Sachen Biodiversit\u00e4tsschutz aufholen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1952],"class_list":["post-79985","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-klima"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79985"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79985"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}