{"id":80025,"date":"2019-01-24T00:00:00","date_gmt":"2019-01-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/china-in-einer-sich-aendernden-multilateralen-ordnung\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:32","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:32","slug":"china-in-einer-sich-aendernden-multilateralen-ordnung","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/china-in-einer-sich-aendernden-multilateralen-ordnung\/","title":{"rendered":"China in einer sich \u00e4ndernden multilateralen Ordnung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Die internationale Ordnung ver\u00e4ndert sich: Bisherige Grossm\u00e4chte ziehen sich zur\u00fcck und neue Akteure r\u00fccken nach. Vor allem China wird immer aktiver auf der internationalen B\u00fchne. F\u00fcr die weltweit vernetzte Volkswirtschaft Schweiz ist eine stabile multilaterale Ordnung wichtig. Wir m\u00fcssen daher dar\u00fcber reden, wie wir uns zuk\u00fcnftig in Bezug auf China positionieren wollen. Denn nur mit einer klaren Vision sind wir f\u00fcr die kommenden Zeiten ger\u00fcstet.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nObwohl die internationale Staatengemeinschaft auch im neuen Jahr vor grossen Herausforderungen steht, distanzieren sich die USA zunehmend vom multilateralen System. In die entstehende L\u00fccke stossen neue Akteure vor. Darunter auch China, das aussenpolitisch lange bem\u00fcht war, unter dem Radar der internationalen Gemeinschaft zu fliegen. Diese Strategie hatte der ehemalige F\u00fchrer der Volksrepublik, Deng Xiaoping, mit seiner Maxime \u00ab<em>Hide Your Strength, Bide Your Time\u00bb <\/em>vorgegeben<em>. <\/em>Aber die Zeit des Abwartens scheint nun vorbei.\n\nSo hat sich Peking beispielsweise jahrzehntelang gegen UN Friedensmissionen ausgesprochen. Nun <a href=\"https:\/\/chinapower.csis.org\/china-un-mission\/ einf\u00fcgen:\" rel=\"nofollow noopener\">wird die chinesische Beteiligung massiv aufgestockt<\/a>: 1990 hatte China lediglich f\u00fcnf Soldaten f\u00fcr Friedensmissionen gestellt \u2013 2015 waren es 3&#8217;084. Auch finanziell hat Peking seine Beitr\u00e4ge f\u00fcr das Friedensf\u00f6rderungsbudget der UN von 6.6% (2016) auf 10.3 % (2018) erh\u00f6ht. Dieses Engagement ist erfreulich, vor allem in einer Zeit, in der die USA ihre\u00a0 Unterst\u00fctzung zur\u00fcckf\u00e4hrt. Und w\u00e4hrend sich die USA f\u00fcr den Austritt aus dem UN Menschenrechtsrat entschied, f\u00e4llt China durch sein Engagement auf: Im M\u00e4rz 2018 verabschiedete der Rat bereits die zweite <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/03\/23\/world\/asia\/china-human-rights-united-nations.html\" rel=\"nofollow noopener\">von China initiierte Resolution<\/a> \u00a0innert neun Monaten. Ausserdem f\u00f6rdert China weltweit die Erschliessung neuer Handelskorridore durch seine Belt and Road Initiative (BRI) und vergibt dabei auch Kredite an finanzschwache L\u00e4nder, die von westlichen Finanzinstituten kaum Beitr\u00e4ge erwarten k\u00f6nnen.\n\n<strong>Alles sch\u00f6n und gut?<\/strong>\n\nNicht unbedingt, denn es gibt auch eine Kehrseite. So stellt laut der Denkfabrik CSIS das Engagement in der UN Friedensf\u00f6rderung f\u00fcr China eine <a href=\"https:\/\/chinapower.csis.org\/china-un-mission\/\" rel=\"nofollow noopener\">kosteng\u00fcnstige Gelegenheit<\/a>\u00a0 dar, die Herausforderungen einer milit\u00e4rischen Auslandpr\u00e4senz zu testen. Interessant ist auch, dass Peking bisher nur Friedenstruppen in L\u00e4nder entsandte, in denen es zuvor hohe Investitionen get\u00e4tigt hatte oder die geostrategisch relevant sind <a href=\"https:\/\/nai.uu.se\/news\/articles\/2018\/02\/20\/095540\/index.xml\" rel=\"nofollow noopener\">(zBsp. S\u00fcdsudan oder Mali)<\/a>. Und die Resolutionen, die China in den UN Menschenrechtsrat einbrachte, wurden von westlichen Staaten und Menschenrechtsorganisationen kritisiert: China wolle so eigene Konzepte wie \u00abwin-win cooperation\u00bb oder \u00abmutual benefit\u00bb global verankern. <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/03\/23\/world\/asia\/china-human-rights-united-nations.html\" rel=\"nofollow noopener\">Valentin Zellweger<\/a>, Schweizerischer Botschafter zur UN, warnte, die \u00abzuerst harmlos und harmonisch klingenden Formulierungen k\u00f6nnten zu einer Verw\u00e4sserung des Instrumentariums des Menschenrechtsrates f\u00fchren\u00bb. Langfristig k\u00f6nnte China die UN dazu nutzen, seine <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/xi-jinping-china-fills-a-donald-trump-sized-vacuum-at-the-united-nations-un\/\" rel=\"nofollow noopener\">Weltvorstellung global zu verankern<\/a>. China weist diese Kritik zur\u00fcck und pr\u00e4sentiert sich als Sprecher nichtwestlicher L\u00e4nder, die sich gegen eine westliche Interpretationshoheit bez\u00fcglich Menschenrechten wehren.\n\nAuch die chinesischen Kredite k\u00f6nnen sich als Herausforderung f\u00fcr die internationale Gemeinschaft erweisen: So geschehen in <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/6a0002ba-ecd9-11e8-89c8-d36339d835c0\" rel=\"nofollow noopener\">Pakistan<\/a>, wo China Geld f\u00fcr ambitionierte Grossprojekte zur Verf\u00fcgung stellte. Weil Islamabad seine Schulden nicht zur\u00fcckzuzahlen vermochte, musste der IWF f\u00fcr Unterst\u00fctzung angefragt werden. Somit wird dieser m\u00f6glicherweise f\u00fcr die chinesischen Kredite plus Zinsen aufkommen.\n\nChina versteht es auch, sich \u00fcber finanzielle Anreize die Gunst anderer L\u00e4nder zu sichern. So hat bei der periodischen \u00dcberpr\u00fcfung der UN zur Lage der Menschenrechte in China <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2018\/11\/08\/why-wont-muslim-countries-defend-chinas-muslims\" rel=\"nofollow noopener\">kein muslimisches Land kritisiert<\/a>, wie China gegen die muslimische Minderheit der Uiguren vorgeht. Und Griechenland, das in den letzten Jahren erhebliche chinesische Investitionen angezogen hatte, verhinderte mit seinem <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2017\/jun\/18\/greece-eu-criticism-un-china-human-rights-record\" rel=\"nofollow noopener\">Veto eine Verurteilung der Menschenrechtslage<\/a> in China durch die EU.\n\n<strong>Die Schweiz braucht eine substanziellere China-Politik<\/strong>\n\nAls bev\u00f6lkerungsreichstes Land und zweitgr\u00f6sste Volkswirtschaft der Welt steht es China zu, die globale Ordnung mitzugestalten. Aber das zunehmende Engagement Chinas f\u00e4llt just in eine Zeit, in der sich die USA aus dem multilateralen System zur\u00fcckziehen. Diese <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aktuell\/reden.html\/content\/eda\/de\/meta\/speeches\/2018\/9\/25\/72303.html\" rel=\"nofollow noopener\">Krise des Multilateralismus<\/a>\u00a0 kann zu einer Erosion der internationalen Ordnung f\u00fchren. Gerade f\u00fcr kleine L\u00e4nder wie die Schweiz sind multilaterale Institutionen zentral, um sich international Geh\u00f6r zu verschaffen. Zudem ist die stark vernetzte schweizerische Volkswirtschaft auf eine funktionierende internationale Rechtsordnung angewiesen. Aber w\u00e4hrend im Einparteienstaat China innen- wie aussenpolitisch klare Ziele formuliert werden, t\u00fcfteln wir noch immer an einer China-Strategie herum. Das hat k\u00fcrzlich auch der Nationalrat Fabian Molina (SP) in einer <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20184336\" rel=\"nofollow noopener\">Motion\u00a0<\/a> festgestellt. Die EU hatte bereits 2016 <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/06\/18\/china-und-die-eu-aussenpolitik-im-wandel\" rel=\"nofollow noopener\">eine China-Strategie<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Wenn wir nicht bald nachziehen, werden wir in Zukunft immer defensiver auf ein ideenreiches China reagieren, statt proaktiv eigene Interessen und Visionen zu platzieren.\n\nDas Asienprogramm von foraus hat k\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/34.65.158.36\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Asien-2-Pager-4.pdf\" rel=\"nofollow\">zwo\u0308lf Handlungsfelder<\/a> f\u00fcr die Schweizer China-Politik abgesteckt. Wichtig w\u00e4re eine bessere Vernetzung aller Akteure mit einem China-Bezug. So kann wertvolles Wissen zusammengetragen werden, um den Prozess der offiziellen Positionierung der Schweiz zu untermauern. Daf\u00fcr m\u00fcssen vorab entsprechende Ressourcen geschaffen werden, gerade f\u00fcr die Vertiefung der departementsu\u0308bergreifenden Koordination in der Verwaltung. Ausserdem wird sich enge Zusammenarbeit mit gleichgesinnten L\u00e4ndern auszahlen, wie k\u00fcrzlich vom <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/maas-spiegel\/2176602\" rel=\"nofollow noopener\">deutschen Aussenminister Heiko Maas<\/a>\u00a0 gefordert. Ein solches Netzwerk muss auch innerhalb der multilateralen Gremien koordiniert werden. Und nat\u00fcrlich ist auch die Weiterf\u00fchrung eines regen Austausches mit Peking auf allen Ebenen der bilateralen Beziehungen zentral. Denn schliesslich bedeutet \u00abMultilateralismus\u00bb, dass unterschiedlichste Akteure zusammenarbeiten. Also machen wir uns gemeinsam daran, die multilaterale Ordnung konstruktiv zu ver\u00e4ndern!\n\nImage: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/statephotos\/27464025722\" rel=\"nofollow noopener\">Chinese President Xi Jinping<\/a>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68653,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-80025","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80025","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80025"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80025"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80025"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80025"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}