{"id":80208,"date":"2021-09-04T09:30:39","date_gmt":"2021-09-04T07:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/afghanistan-unter-den-taliban-als-neue-machthaber-gelaeuterte-oder-nur-gewiefte-schoenredner\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:54","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:54","slug":"afghanistan-unter-den-taliban-als-neue-machthaber-gelaeuterte-oder-nur-gewiefte-schoenredner","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/afghanistan-unter-den-taliban-als-neue-machthaber-gelaeuterte-oder-nur-gewiefte-schoenredner\/","title":{"rendered":"Afghanistan unter den Taliban als neue Machthaber \u2013 Gel\u00e4uterte oder nur gewiefte Sch\u00f6nredner?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem in den letzten knapp zwei Wochen afghanische Provinzen wie Dominosteinen an die Taliban fielen schaut die Welt gebannt nach Afghanistan und fragt sich, was die Taliban mit der nach 1996 zum zweiten Mal gewonnenen Macht anstellen werden.<br>Bis jetzt geben sich diese vor allem in den St\u00e4dten gel\u00e4utert und werden nicht m\u00fcde zu betonen, dass sie keinerlei Rachegel\u00fcste hegen w\u00fcrden. Auch Frauen sollen ihre Rechte, innerhalb dem von der <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/article\/shariah-law-afghanistan-women.html\" rel=\"nofollow noopener\">Scharia gesetzten Rahmen<\/a>, behalten d\u00fcrfen.<br>Erst die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie ernst es den Taliban mit diesen Ank\u00fcndigungen ist und inwiefern Erobern und Regieren zwei verschiedene Paar Schuhe sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus. Zum einen, weil es durchaus Gr\u00fcnde gibt, die f\u00fcr eine, zumindest teilweise, L\u00e4uterung der Taliban sprechen. Zum anderen bleiben der internationalen Gemeinschaft, inklusive der Schweiz, doch noch M\u00f6glichkeiten, um wenigstens bedingt Einfluss auf die Entwicklung vor Ort zu nehmen. Im Folgenden sollen je drei dieser Gr\u00fcnde beziehungsweise M\u00f6glichkeiten angef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst muss festgehalten werden, dass die Taliban aus ihren <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/08\/19\/world\/asia\/taliban-foreign-recognition.html\" rel=\"nofollow noopener\">Fehlern der 90er Jahre<\/a> gelernt haben. Sie wissen also erstens, dass sie auf funktionierende Strukturen angewiesen sind und dazu etwa Bildungspersonal, PflegerInnen, \u00c4rztInnen<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> und Wasser- sowie Elektrizit\u00e4tswerke brauchen.<br>Zweitens wissen sie auch, dass sich die Welt seit 1996 massiv ver\u00e4ndert hat, allem voran durch das Internet. Genauso wie von den Taliban w\u00e4hrend des Eroberungszugs geschickt als Propagandamittel eingesetzt, k\u00f6nnen das Internet und die sozialen Medien f\u00fcr die neuen Machthaber auch zum Dorn im Auge werden. Im grossen Unterschied zu vor 20 Jahren k\u00f6nnen und werden Gr\u00e4ueltaten nun eher dokumentiert und mit der Welt\u00f6ffentlichkeit geteilt. Dies w\u00e4re dem Image der Taliban, welches sie nun krampfhaft zu verbessern <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2021\/8\/17\/evacuation-flights-resume-as-biden-defends-afghanistan-pullout\" rel=\"nofollow noopener\">versuchen<\/a>, weder im In- noch im Ausland dienlich.<br>Drittens erh\u00e4lt Afghanistan <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/business-58235185\" rel=\"nofollow noopener\">Milliarden an Not- und Entwicklungshilfe aus dem Ausland<\/a>. Ob und inwiefern diese Gelder nach der Machtergreifung der Aufst\u00e4ndischen weiterfliessen werden, wird sich zeigen. <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20210705-hilfe-afghanistan_de\" rel=\"nofollow noopener\">Sicher ist aber, dass die Bev\u00f6lkerung Afghanistans darauf angewiesen ist,<\/a> um der grassierenden Armut und der D\u00fcrre beizukommen. Die Taliban tun also gut daran, internationale Sanktionen um jeden Preis zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird also klar, dass die Taliban, um langfristig und erfolgreich zu regieren, zwingend den R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung brauchen. Zurzeit sympathisieren aber nur etwa\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/international\/wissen\/566014923-afghanistan-kenner-im-volk-sympathisiert-jeder-dritte-mit-den-taliban\" rel=\"nofollow noopener\">ein Drittel<\/a> der Afghanen &#8211; von den Afghaninnen ganz zu schweigen \u2013 mit den neuen Machthabern. Wenn die breite Bev\u00f6lkerung zum Schluss kommt, dass ihre Lebensqualit\u00e4t und ihre Entwicklungsm\u00f6glichkeiten noch st\u00e4rker eingeschr\u00e4nkt sind als unter dem gefl\u00fcchteten Pr\u00e4sidenten Ashraf Ghani, d\u00fcrfte es f\u00fcr die Taliban schwierig werden <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/nach-der-machtuebernahme-der-taliban-afghanistan-leidet.694.de.html?dram:article_id=501963\" rel=\"nofollow noopener\">sich an der Macht zu halten<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Mass der L\u00e4uterung der Taliban sollte die internationale Staatengemeinschaft, inklusive der Schweiz zeitnah versuchen die Geschehnisse zumindest so weit als m\u00f6glich in positive Bahnen zu lenken.<br>Mittel dazu w\u00e4ren erstens die Unterst\u00fctzung der aus Afghanistan Gefl\u00fcchteten, ganz im Sinne der humanit\u00e4ren Tradition der Schweiz. Da der Bundesrat eine Aufnahme von \u00abKontingentfl\u00fcchtlingen\u00bb <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/afghanistan-bundesrat-will-nicht-mehr-fluechtlinge-aufnehmen-ld.1641073?reduced=true\" rel=\"nofollow noopener\">vorerst ausgeschlossen hat<\/a>, sollte sich die Unterst\u00fctzung auf die (teils bitterarmen) Nachbarl\u00e4nder Afghanistans und deren Umgang mit den zweifellos zahlreichen Fl\u00fcchtlingen konzentrieren. . Zweitens sollten Organisationen, die immer noch in Afghanistan ausharren (finanziell) unterst\u00fctzt werden, da durch sie die lokale Bev\u00f6lkerung direkt erreicht und zumindest teilweise versorgt werden kann. Drittens gilt es via multilaterale Organisationen eine einheitliche Strategie zum Umgang mit den Taliban zu entwickeln und diese als Druckmittel einzusetzen und konsequent umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Wobei unklar bleibt, ob auch Frauen ihren Berufen weiter nachgehen d\u00fcrfen oder dies nur auf m\u00e4nnliches Bildungspersonal, Pfleger und \u00c4rzte zutrifft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bild: <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/72ccNLMJ-sU\" rel=\"nofollow noopener\">Unsplash<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":80209,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1851],"custom-themes":[1817,1953],"class_list":["post-80208","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-asien-pazifik","custom-themes-frieden-sicherheit","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80209"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80208"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80208"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}