{"id":80325,"date":"2023-10-06T05:09:15","date_gmt":"2023-10-06T03:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/aussenpolitik-briefing-ki-forschungsfoederung\/"},"modified":"2026-05-27T11:22:08","modified_gmt":"2026-05-27T09:22:08","slug":"aussenpolitik-briefing-ki-forschungsfoederung","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/aussenpolitik-briefing-ki-forschungsfoederung\/","title":{"rendered":"Aussenpolitik-Briefing: KI &#038; Forschungsf\u00f6derung"},"content":{"rendered":"\n<b>Executive Summary<\/b>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; Die EU und der Europarat diskutieren die Regulierung von k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) &#8211; letzterer auch unter Mitwirkung der Schweiz.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; Der Schweiz fehlt zur Zeit eine nationale KI-Strategie. Der Bundesrat schielt auf die Resultate der EU und beschr\u00e4nkt Efforts zum KI-Monitoring auf die Bundesverwaltung.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; Der Schweizer Forschungsstandort leidet unter dem Ausschluss von <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Horizon Europe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, dem weltweit gr\u00f6ssten Programm zur Forschungsf\u00f6rderung.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; Die EU pr\u00e4gt die Schweizer Wissenschaftsdiplomatie, sowohl bei der Regulierung von neuen Technologien wie auch der Forschungsf\u00f6rderung.\u00a0<\/span><\/p>\n&nbsp;\n\n<b>R\u00fcckblick<\/b>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Bis 2019 fokussierte der internationale Diskurs auf die Etablierung von KI-Leitlinien. Die Gr\u00f6sse und damit die Kapazit\u00e4ten von KI-Modellen sind seither um das Tausendfache gestiegen. Der Fokus liegt jetzt auf Regulierung, und mehrere Techunternehmen haben Ethikteams, welche sie an selbstregulierende Prinzipien binden sollten, bereits wieder entlassen.<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Die EU ist eine Vorreiterin in der KI-Regulierung und verhandelt seit 2021 \u00fcber eine fl\u00e4chendeckende Regulierung von KI, die auch \u00fcber EU-Grenzen hinaus f\u00fcr alle bindend sein soll, die in der EU gesch\u00e4ften wollen.<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Mit hervorragenden Forschungsinstituten hat sich die Schweiz als Innovationsstandort etabliert und ist aktiv an der KI-Forschung beteiligt. Eine entsprechende Gesetzgebung zur Regulierung erachtet der Bundesrat bisher f\u00fcr unn\u00f6tig (siehe Stellungnahme des Bundesrates zum Postulat <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20214406\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">21.4406<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">) und verweist auf bestehende Rechtsgrundlagen. <\/span><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-88019.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Berichte des EDA<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und von einer <\/span><a href=\"https:\/\/www.sbfi.admin.ch\/dam\/sbfi\/de\/dokumente\/2019\/12\/bericht_idag_ki.pdf.download.pdf\/bericht_idag_ki_d.pdf\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">interdepartementalen Arbeitsgruppe<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, wie auch die <\/span><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-81319.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Leitlinien f\u00fcr den Umgang mit KI in der Bundesverwaltung<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und die <\/span><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-84840.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Einrichtung eines Kompetenznetzwerks f\u00fcr KI (CNAI)<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, wurden nicht zur Formulierung einer einheitlichen, nationalen KI-Strategie genutzt.\u00a0<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">2021 scheiterte das Rahmenabkommen mit der EU. Infolgedessen wurde die Schweiz aus dem weltweit gr\u00f6ssten F\u00f6rderprogramm f\u00fcr Forschung und Innovation <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Horizon Europe<\/span><\/i> <a href=\"https:\/\/www.sbfi.admin.ch\/sbfi\/de\/home\/aktuell\/medienmitteilungen.msg-id-84440.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">ausgeschlossen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Aus Politik und Kantonen kam unmittelbar die Forderung, alles zu unternehmen, damit die Schweiz rasch wieder an das Programm <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Horizon Europe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> assoziiert wird (siehe u.a. Standesinitiativen <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20210320\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">21.320<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20210327\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">21.327<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">).<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Die Schweiz stellt die f\u00fcr <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Horizon Europe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> vorgesehenen F\u00f6rdergelder den Schweizer Hochschulen durch alternative schweizweite Programme zur Verf\u00fcgung (siehe Stellungnahme des Bundesrates zur Motion <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20223876\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">22.3876<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">), jedoch fehlt es trotzdem am internationalen Netzwerk und Prestige der Horizon-Gelder. Als Alternative sucht die Schweiz vermehrt die <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/press-releases\/Pages\/mm-wbk-n-2022-10-12.aspx\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Zusammenarbeit mit Staaten ausserhalb der EU<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span>\n\n<b>\nAusblick<\/b>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Um den Konsequenzen k\u00fcnstlicher Intelligenz begegnen zu k\u00f6nnen, wird sich in der n\u00e4chsten Legislatur die Frage nach nationalen Rechtsgrundlagen zur Regulierung von KI erneut stellen. Das Fehlen einer Schweizer KI-Strategie wirft folgende Fragen auf:\u00a0<\/span>\n<ol>\n \t<li style=\"font-weight: 400;\" aria-level=\"1\"><span style=\"font-weight: 400;\">Wie geht die Schweiz mit dem Fehlen einer klaren Verhandlungsgrundlage, Regulierungsans\u00e4tze in internationalen Gremien proaktiv mitzugestalten, um?\u00a0<\/span><\/li>\n \t<li style=\"font-weight: 400;\" aria-level=\"1\"><span style=\"font-weight: 400;\">Monitoring und Leitlinien f\u00fcr KI sind bisher auf die Bundesverwaltung beschr\u00e4nkt<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">(siehe Motion <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20223298\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">22.3298<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">). Wie kann die Schweiz das Potenzial von KI nach eigenen Interessen und Werten steuern?<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<span style=\"font-weight: 400;\">International wird KI-Regulierung bereits aktiv diskutiert: Die EU will noch dieses Jahr ein umfassendes Gesetz zur Steuerung und \u00dcberwachung von KI-Produkten verabschieden, den sogenannten \u201c<\/span><a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/en\/headlines\/society\/20230601STO93804\/eu-ai-act-first-regulation-on-artificial-intelligence\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">AI-Act<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">\u201d. Dank des Marktortprinzips kann dieses auch Schweizer Unternehmen betreffen. Entsprechend d\u00fcrfte sich in der kommenden Legislaturperiode die Frage stellen, ob die Schweiz mit dem europ\u00e4ischen Weg zufrieden ist &#8211; oder nicht doch einen eigenen Ansatz zur Regulierung von KI-Systemen sucht.\u00a0<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Gleichzeitig wird auch im Europarat eine bindende Konvention zur Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen verhandelt &#8211; unter Mitwirken der Schweiz. Eine politische Diskussion zur aktuell wirtschaftsfreundlichen Verhandlungsposition wird in den n\u00e4chsten Jahren gef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">KI ist bereits an vielen Schnittstellen zur \u00f6ffentlichen Gesundheit, Energieversorgung, Mobilit\u00e4t und Kommunikation im Einsatz. Die aktuelle Geschwindigkeit der KI-Forschung f\u00fchrt dazu, dass innert k\u00fcrzester Zeit neue Methoden und Produkte entstehen, die diese Industrien nachhaltig ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Es wird sich die Frage stellen, wie sich entsprechende Entwicklungen beobachten lassen &#8211; insbesondere in Sektoren, die essenziell f\u00fcr die nationale Sicherheit sind. Das Monitoring von KI-Systemen und der damit verbundene Aufbau von Kompetenzen wird erneut ein wichtiges Thema sein.\u00a0<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Um den Forschungsstandort Schweiz zu st\u00e4rken, wird eine Reassoziierung an <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Horizon Europe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> auch in der kommenden Legislaturperiode ein zentrales Thema bleiben. Verbesserte Beziehungen erleichtern die Schweizer Teilnahme an weiteren Programmen wie \u201cCopernicus\u201d (Erdbeobachtung) (siehe Motion <\/span><a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20184131\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">18.4131<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">), \u201cErasmus\u201d (studentischer Austausch) oder \u201cEuratom\u201d (Nuklearforschung). Ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU kann zur Folge haben, dass w\u00e4hrend der Legislaturperiode 2024-2027 weiterhin Schweizer Gelder zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen. Langfristig f\u00fchrt dies zur Einbusse von Netzwerk, Prestige und Wissenschaftler:innen f\u00fcr den Forschungsstandort Schweiz, denn die EU bleibt die wichtigste Partnerin f\u00fcr die Schweizer Forschung.<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Die EU nutzt den Ausschluss aus wissenschaftlichen Programmen als aussenpolitisches Werkzeug, so wurde Grossbritannien nach dem Brexit die Assoziierung entzogen und Israel wurde 2021 nur <\/span><a href=\"https:\/\/research-and-innovation.ec.europa.eu\/news\/all-research-and-innovation-news\/israel-joins-horizon-europe-research-and-innovation-programme-2021-12-06_en\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">unter Ausschluss weiterer Siedlungen in der Westbank assoziiert<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span>\n\n<span style=\"font-weight: 400;\">Auch Forschungsf\u00f6rderung ausserhalb der EU wird ein gro\u00dfes Thema bleiben: mit <\/span><a href=\"https:\/\/www.snf.ch\/de\/HJ0ywggcVcWIc08Q\/news\/news-160411-switzerland-and-china-strengthen-research-funding-cooperation\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">China (2016)<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, den <\/span><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-85975.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">USA (2021)<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und dem <\/span><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-94716.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Vereinigten K\u00f6nigreich (2022)<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> wurden bereits Memoranda of Understanding (MoU) unterzeichnet, um Forschungskooperationen zu f\u00f6rdern. Die Zusammenarbeit mit Grossm\u00e4chten bringt aber auch neue Herausforderungen wie Einflussnahme und Abh\u00e4ngigkeiten.<\/span>\n","protected":false},"featured_media":80326,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1951],"class_list":["post-80325","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-tech-forschung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80325"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80325"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}