{"id":80368,"date":"2024-10-07T10:28:59","date_gmt":"2024-10-07T08:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/das-globale-ringen-um-die-friedensvermittlung-die-schweiz-im-vergleich-mit-den-golfstaaten\/"},"modified":"2026-05-27T11:22:13","modified_gmt":"2026-05-27T09:22:13","slug":"das-globale-ringen-um-die-friedensvermittlung-die-schweiz-im-vergleich-mit-den-golfstaaten","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/en\/blog-post\/das-globale-ringen-um-die-friedensvermittlung-die-schweiz-im-vergleich-mit-den-golfstaaten\/","title":{"rendered":"Das globale Ringen um die Friedensvermittlung: Die Schweiz im Vergleich mit den Golfstaaten"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sp\u00e4testens seit Wolodymyr Selenskyjs zweitem Besuch in Riad innert kurzer Zeit sind Saudi-Arabiens Mediationsambitionen auf der internationalen B\u00fchne kein Novum mehr. Selbiges l\u00e4sst sich bez\u00fcglich weiterer Golfstaaten wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) feststellen, die insbesondere im aktuellen Gaza-Krieg eine wichtige Rolle in Verhandlungen spielen. Einerseits liegt es auf der Hand, dass Staaten, die in geographischer N\u00e4he zu Konflikten und Kriegen liegen und somit stark betroffen sind, eine wichtige Rolle bei Friedensmediationen oder Verhandlungen einnehmen. Dies war beispielsweise beim Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland der Fall, das von der T\u00fcrkei koordiniert wurde. Andererseits f\u00fchrt die <span><a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/global\/does-globalization-cause-war\" rel=\"nofollow noopener\">Globalisierung von Konflikten<\/a><\/span> und Kriegen auch zu einer Globalisierung von Mediationsakteuren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Besteht nun die Gefahr, dass traditionelle Mediationsakteurinnen wie die Schweiz an Relevanz einb\u00fcssen? Ein n\u00e4herer Vergleich der jeweiligen Strategien und Motivationen der Golfstaaten und der Schweiz zeigt: eher nein. Vielmehr erm\u00f6glicht diese Neuordnung auf der internationalen Mediationsb\u00fchne der Schweiz, ihre Relevanz durch eine klare und transparente Strategie zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Eine Strategie, die sich bew\u00e4hrt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit ihrer historisch verankerten humanit\u00e4ren Tradition und ihrem Ruf als <span><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/die-schweiz-ist-immer-noch-eine-glaubwuerdige-vermittlerin-der-herr-der-guten-dienste-zieht-bilanz-ld.1838064\" rel=\"nofollow noopener\">unvoreingenommene Vermittlerin <\/a><\/span>geh\u00f6rt die Schweiz zu den Staaten, die im 20. Jahrhundert zu den prominenten Akteuren in diplomatischen Verhandlungen oder als Gastgeberin f\u00fcr Friedenskonferenzen z\u00e4hlten. Auch in aktuellen Konflikten und Kriegen soll die Schweiz diese Rolle weiter \u00fcbernehmen. Allerdings steht die Erneuerung des <span><a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aussenpolitik\/voelkerrecht\/privelegien-und-immunitaeten\/gaststaatgesetz.html\" rel=\"nofollow noopener\">Gaststaatgesetzes <\/a><\/span>f\u00fcr 2024 und 2025, das f\u00fcr die St\u00e4rkung der Schweizer Rolle als Gaststaat n\u00f6tig ist, seit 2023 aus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu den k\u00fcrzlichen Erfolgen der <span><a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/content\/dam\/eda\/de\/documents\/publications\/InternationaleOrganisationen\/GaststaatSchweiz\/Switzerland-Host-State_de.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Strategie<\/a><\/span> des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) z\u00e4hlen nebst der Durchf\u00fchrung der B\u00fcrgenstock-Konferenz auch die <span><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/kurz-nach-der-buergenstock-konferenz-finden-in-der-schweiz-wieder-gespraeche-ueber-einen-grossen-konflikt-statt-diesmal-zum-sudan-ld.1840913\" rel=\"nofollow noopener\">Friedensgespr\u00e4che zum Krieg im Sudan<\/a><\/span>. Dass diese Gespr\u00e4che auf Wunsch der USA im August in der Schweiz stattfanden, ist bemerkenswert, denn die Friedensverhandlungen waren urspr\u00fcnglich in Saudi-Arabien vorgesehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im letzten November fanden in der saudischen Hafenstadt Jeddah Verhandlungen f\u00fcr eine Waffenruhe zwischen den beiden Kriegsparteien, der sogenannten Rapid Support Force (RSF) und der sudanesischen Armee statt. Der Waffenstillstand <span><a href=\"https:\/\/sudantribune.com\/article274266\/\" rel=\"nofollow noopener\">hielt jedoch nicht lange<\/a><\/span>. Dies lag auch daran, dass Saudi-Arabien den sudanesischen Armeechef Abdelfattah al-Burhan <span><a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2023\/07\/12\/sudan-conflict-saudi-arabia-uae-gulf-burhan-hemeti-rsf\/\" rel=\"nofollow noopener\">finanziell unterst\u00fctzt<\/a><\/span>. Im Gegenzug werden die rebellischen RSF <span><a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/sudan-uae-war-arms-trade-rsf\" rel=\"nofollow noopener\">von den VAE gest\u00fctzt<\/a><\/span>. Der andauernde Konflikt f\u00fchrte zu einer grossen Hungersnot und humanit\u00e4ren Katastrophe. Die Verschiebung der Verhandlungen in die Schweiz legt nahe, dass sich das schweizerische Modell weiterhin bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gaststaatspolitik als Business?<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Worin liegen also die Unterschiede zwischen den Mediationsmodellen der Schweiz und jenen der Golfstaaten? Und wie kann die Schweiz ihr Modell weiterhin attraktiv halten? Staaten pflegen Mediationsambitionen gr\u00f6sstenteils aus Eigeninteresse. Dies trifft sowohl auf die neuen als auch auf die traditionellen Akteure zu. Jedoch l\u00e4sst sich besonders bei Golfstaaten vermehrt beobachten, dass Mediationspolitik eher auf business-strategischen als auf humanit\u00e4ren Grunds\u00e4tzen basiert. Beispielsweise macht Saudi-Arabien in seiner <span><a href=\"https:\/\/www.vision2030.gov.sa\/en\/\" rel=\"nofollow noopener\">Vision 2030<\/a><\/span> keinen Hehl daraus, dass der saudische Standort f\u00fcr politische Verhandlungen zur Diversifizierung des Erd\u00f6l-basierten <span><a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/middle-east-north-africa\/gulf-and-arabian-peninsula\/saudi-arabia\/understanding-saudi-arabias\" rel=\"nofollow noopener\">Wirtschaftssektors dienen soll<\/a><\/span>.\u00a0Auch die Entstehung von globalen Business-Hubs im Golf bedingt eine stabile politische Lage in der gesamten MENA-Region und gilt daher als weiterer Grund zur Mediationsf\u00f6rderung. Dabei stehen die verschiedenen Golfstaaten in direkter Konkurrenz zueinander, die nicht selten in <span><a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!5427553\" rel=\"nofollow noopener\">diplomatische Krisen<\/a><\/span> eskaliert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Auf humanit\u00e4re und demokratische Grundwerte bauen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich dienen die Guten Dienste auch den Eigeninteressen der Schweiz und werden in diesem Zusammenhang auch in der Verfassung erw\u00e4hnt. Vor dem oben genannten Hintergrund hat die Schweiz aber den Vorteil, auf eine demokratisch gest\u00fctzte Aussenpolitik zur\u00fcckblicken zu k\u00f6nnen, die auf humanit\u00e4ren Werten basiert. Das heisst aber nicht, dass sie f\u00fcr ihre zuk\u00fcnftige Strategie nichts von den neuen Staatsakteuren lernen kann: Durch eine klare Positionierung, zu der auch das Ausarbeiten eines <span><a href=\"https:\/\/www.foraus.ch\/publications\/kooperative-neutralitaet-sieben-empfehlungen-fuer-ein-update-der-schweizer-neutralitaet\/\">klaren Neutralit\u00e4tsprinzips<\/a><\/span> geh\u00f6rt, kann die Schweiz weiterhin eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel in der MENA-Region. Denn das internationale Feld politischer Mediation wird sich auf absehbare Zeit nicht stabilisieren, und droht im Falle einer Trump-Wahl oder weiterer milit\u00e4rischer Eskalationen in der MENA-Region komplett neu gemischt zu werden.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68851,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1817],"class_list":["post-80368","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-frieden-sicherheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80368"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80368"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}