{"id":79524,"date":"2011-02-19T00:00:00","date_gmt":"2011-02-18T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-schweiz-tanzt-auf-zwei-hochzeiten-wird-2011-die-doha-runde-fallengelassen\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:18","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:18","slug":"die-schweiz-tanzt-auf-zwei-hochzeiten-wird-2011-die-doha-runde-fallengelassen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/die-schweiz-tanzt-auf-zwei-hochzeiten-wird-2011-die-doha-runde-fallengelassen\/","title":{"rendered":"Die Schweiz tanzt auf zwei Hochzeiten: Wird 2011 die Doha-Runde fallengelassen?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong><em>Von Dominique Ursprung \u2013<\/em><em> Das Schweizer Volkswirtschaftsdepartement steckt im Dilemma: Das immer dichtere Netz von bilateralen Freihandelsabkommen gef\u00e4hrdet den angestrebten Abschluss der Doha-Runde.<\/em><\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nAm diesj\u00e4hrigen World Economic Forum (WEF) in Davos konnte Bundesrat Johann Schneider-Ammann den offiziellen Start zu bilateralen Freihandelsverhandlungen mit der Volksrepublik China, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz in Asien, verk\u00fcnden. Es ist dies der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt der Schweizer Strategie mit dem Ziel, ein dichtes Netz von Pr\u00e4ferenzabkommen aufzubauen. Die bilateralen (z.B. mit Japan) wie auch die plurilateralen Abkommen im Rahmen der European Free Trade Association EFTA (z.B. mit S\u00fcdkorea), erlauben es, Partikul\u00e4rinteressen zu sch\u00fctzen. Sie sind eine Art Rosinenpicken bei der Liberalisierung des Welthandels. Dieser Weg hat sich bisher bew\u00e4hrt: In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl solcher Abkommen von 9 auf 24 erh\u00f6ht \u2013 weitere 10 sind in Verhandlung und k\u00f6nnten bald dazukommen.\n\nEinen Tag nach den Feierlichkeiten mit dem \u201eReich der Mitte\u201c lud derselbe Bundesrat 24 Minister zu einem Davoser \u201eMini-WTO-Gipfel\u201c ein, um das Schweizer Engagement f\u00fcr die multilaterale Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der WTO Doha-Runde zu unterstreichen. Somit wurde einmal mehr der sich verst\u00e4rkende Widerspruch in der Handelspolitik aufgezeigt: Trotz dem \u00f6ffentlichen Bekenntnis zur multilateralen Handelsliberalisierung wird gleichzeitig ein immer dichteres Netz von bilateralen und plurilateralen Freihandelsabkommen gekn\u00fcpft.\n\n<strong>Risiken der Schweizer Doppelstrategie<\/strong>\n\nDas Jahr 2011 wird aufzeigen, wieviel der Bundesrat mit dieser Doppelstrategie riskiert hat. Fakt ist: Wegen den Pr\u00e4sidentschaftswahlen in den USA 2012 m\u00fcsste ein Abschluss der WTO Doha-Runde noch 2011 \u00fcber die B\u00fchne gebracht werden. Dies ist die letzte Chance \u2013 das Wettrennen um Freihandelsabkommen l\u00e4uft zu schnell, als dass es auch 2013 noch genug Druck auf die Hauptakteure bei der WTO f\u00fcr eine multilaterale Einigung g\u00e4be. Zudem entwickeln sich immer konkreter Alternativen wie z.B. ein Europa-Ost Asien Handelsabkommen. Die beiden Verlierer stehen jetzt schon fest: Einerseits sind es die von den Schweizer bilateralen Freihandelsabkommen ausgeschlossenen \u00e4rmeren Entwicklungsl\u00e4nder \u2013 sie fallen durch die Maschen des Freihandelsnetzes<em>.<\/em> Andererseits ist es das multilaterale Handelssystem und das Regelwerkes der WTO. Beide werden geschw\u00e4cht oder ganz in Frage gestellt.\n\nWill die Schweiz nun an ihrer Doppelstrategie festhalten, verliert das Vorgehen an Koh\u00e4renz: Wie werden die personellen Ressourcen aufgeteilt zwischen den Freihandelsverhandlungen mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China (Ziel: Abschluss in 2 Jahren) und den entscheidenden Verhandlungen dieses Jahr bei der WTO?\n\nUnd wie will die Schweiz China im Kontext der WTO von der Wichtigkeit des multilateralen Weges \u00fcberzeugen? Es ist unbestritten, dass ein zentrales Element f\u00fcr den Erfolg der Doha-Runde ist \u2013 wie die Neuen Z\u00fcrich Zeitung schrieb \u2013 ob China (neben Indien und Brasilien) zum Schluss kommt, <em>\u201edass ein umfassendes multilaterales Freihandelsregime dem Bilateralismus vorzuziehen ist.\u201d<\/em>\n\n<strong>Konzessionen<\/strong> <strong>machen<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Verantwortung \u00fcbernehmen<\/strong>\n\nDer am WEF 2011 ver\u00f6ffentlichte Zwischenbericht der von Deutschland, Grossbritannien, Indonesien und der T\u00fcrkei geschaffenen High Level Trade Experts Group (unter dem Vorsitz von Jagdish Bhagwati und Peter Sutherland) erw\u00e4hnte die Schweiz explizit: Sie werde den Agrarbereich \u00f6ffnen m\u00fcssen und zwar ohne auf vergleichbare Gegenleistungen von Seiten der Entwicklungsl\u00e4nder z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Ist die Schweiz bereit, ein solches asymmetrisches Ergebnis der Doha Runde zu akzeptieren? Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die parlamentarische Initiative und die Motion von Rudolf Joder (svp), die einen Abbruch der Verhandlungen zur Agrarmarktliberalisierung mit der EU verlangen, lassen das Gegenteil vermuten: Mit der vom Mythos der Autarkie gen\u00e4hrten Schweizer Landwirtschaft wird Stimmung gemacht gegen den Freihandel \u2013 mit der EU wie auch im Rahmen der WTO.\n\nWie ernst es die Schweiz am WEF mit dem \u201eMini-WTO-Gipfel\u201c meinte, wird sich um Ostern 2011 ein erstes Mal zeigen. Bis im April 2011 sollte der Entwurf der Verhandlungstexte stehen und bis im Juli 2011 eine Einigung \u00fcber das Verhandlungspaket der Doha-Runde erreicht sein, so die Forderung von Bundesrat Schneider-Ammann. Es bleibt zu hoffen, dass die Schweiz im chinesischen Jahr des Hasen nicht nur als schneller L\u00e4ufer f\u00fcr bilaterale Freihandelsabkommen wahrgenommen wird, sondern sich auch in Genf bei der WTO nicht vor der Verantwortung dr\u00fcckt.\n\n<em>Dominique Ursprung lebt in Z\u00fcrich und hat am Genfer Hochschulinstitut f\u00fcr Internationale Studien und Entwicklung (IHEID) Internationale Beziehungen studiert. Er engagiert sich bei foraus in der Arbeitsgruppe <\/em><em>Wirtschaft und Finanzplatz<\/em><em>.<\/em>\n\nDer <em>foraus<\/em>-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1822],"class_list":["post-79524","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-finanz-wirtschaftspolitik"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79524"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79524"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}