{"id":79536,"date":"2011-04-07T00:00:00","date_gmt":"2011-04-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/helvetisches-klima-zwei-schritte-vorwaerts-einer-zurueck\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:21","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:21","slug":"helvetisches-klima-zwei-schritte-vorwaerts-einer-zurueck","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/helvetisches-klima-zwei-schritte-vorwaerts-einer-zurueck\/","title":{"rendered":"Helvetisches Klima: zwei Schritte vorw\u00e4rts, einer zur\u00fcck?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Martin Stadelmann \u2013 <\/em><strong>Letzten Monat gab sich Bundesbern klimafreundlich: der Nationalrat sprach Klimagelder f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder und der St\u00e4nderat beschloss ein ambitioniertes CO2-Reduktionsziel. Die Kernkraft-Krise in Japan gef\u00e4hrdet nun aber das Klimapaket, mit dem sich die Schweiz h\u00e4tte international profilieren k\u00f6nnen.<\/strong>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDen ersten Schritt machte der Nationalrat: er sprach 130 Millionen f\u00fcr den Klimaschutz in Entwicklungsl\u00e4ndern. Damit ersparte er dem Bundesrat die Peinlichkeit, als einziges Industrieland ohne Beitrag an Kopenhagen dazustehen. Gleichzeitig offenbarte das Parlament, dass es nicht zwischen Klimaschutz und Entwicklung unterscheiden kann. Ein Besuch der <em>foraus<\/em>-Podiumsdiskussion vom 21. Februar h\u00e4tte vielen Nationalr\u00e4tInnen gut getan.\n\nAn diesem Podium erkl\u00e4rte Diskussionsleiterin Katja Michaelowa (Professorin f\u00fcr Entwicklungspolitik, Uni Z\u00fcrich) den Unterschied zwischen Entwicklung als lokal-regionales Ziel und Klimaschutz als globales Gut. Die Podiumsteilnehmer Bastien Girod (Nationalrat Gr\u00fcne) und Peter Niggli (Alliance Sud) forderten denn auch, dass die Klima-Gelder nicht der Entwicklungshilfe angerechnet werden sollen. Ausserdem seien die 130 Millionen zu gering, andere europ\u00e4ische Nationen w\u00e4ren weit st\u00e4rker engagiert. Dominique Reber (Economiesuisse) stimmte den Klimageldern grunds\u00e4tzlich zu, warnte aber vor der steigenden Abgabenlast. Durch die kurzfristige Absage von Nationalrat M\u00f6rgeli kam die (klimaskeptische) Haltung der SVP nicht zur Sprache.\n\n<strong>St\u00e4nderat mit griffigen Massnahmen<\/strong>\n\nDer zweite, noch wichtigere Schritt in der helvetischen Klimapolitik folgte dann im M\u00e4rz: der St\u00e4nderat beschloss, bis 2020 die CO2-Emissionen im Inland um 20% zu senken. Anders als der inkonsistente Nationalrat (ambitioniertes Ziel, aber lasche Massnahmen) entschied der St\u00e4nderat auch griffige Massnahmen: eine Lenkungsabgabe auf Treibstoffe, eine gesteigerte Neuwageneffizienz (130gCO2\/km) sowie zus\u00e4tzliche F\u00f6rdermittel f\u00fcr energieeffiziente Geb\u00e4ude. Die Vorlage geht nun ins Differenzbereinigungsverfahren, das ambitionierte Ziel ist aber gesetzt: Neben dem -20%-Ziel im Inland kann der Bundesrat \u201cim Einklang mit internationalen Vereinbarungen\u201d diese Reduktion bis auf 40% erh\u00f6hen, und die Mehrheit der zus\u00e4tzlichen Massnahmen dann im Ausland durchf\u00fchren.\n\nDamit bleibt das kosteng\u00fcnstige Potential in Entwicklungsl\u00e4ndern nicht aussen vor und die Schweizer Delegation bringt zwei Trumpfkarten an den internationalen Verhandlungstisch: Die Schweiz kann nicht nur eine Verdoppelung der Reduktionen anbieten, sondern auch den Kauf von CO2-Zertifikaten. Dies ist ein doppelt interessantes Angebot f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder, die ihrerseits zu Reduktionsmassnahmen verpflichtet werden m\u00fcssen.\n\n<strong>Fukushima als R\u00fcckschlag f\u00fcr die Klimapolitik<\/strong>\n\nDie klimapolitische Aufbruchstimmung k\u00f6nnte nun jedoch durch ein Ereignis in Fernost gebremst werden: Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima sind selbst einstige Atombef\u00fcrworter im Parlament skeptisch gegen\u00fcber dieser Technologie geworden. Die meist genannte Alternative zu AKWs ist der Bau von Gaskraftwerken. Dies hiesse aber massive CO2-Emissionen: bis zu 8% mehr Treibhausgasemissionen bei Stillegung von Beznau und M\u00fchleberg. K\u00f6nnen wir also das gerade beschlossene -20%-CO2-Ziel wieder begraben?\n\nNoch nicht, denn es bleibt eine klimafreundliche Alternative: erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Dieser Weg ist machbar, wie das Bundesamt f\u00fcr Energie aufgezeigt hat. Weshalb wird er kaum erw\u00e4hnt? Der Grund liegt darin, dass \u00f6ffentliche Diskussionen nur \u00fcber erneuerbare Energien und deren beschr\u00e4nktes Potenzial gef\u00fchrt werden. Die Energieeffizienz dagegen bleibt oft unerw\u00e4hnt, obwohl sie das gr\u00f6sste Potenzial hat, Atomstrom zu ersetzen. Der Weg \u201cErneuerbar &amp; Effizienz\u201d ist also gangbar: er verlangt nur kluge politische Massnahmen und keine \u00fcberhastete Stillegung von Atomkraftwerken.\n\nDie zwei Schritte vorw\u00e4rts in der Schweizer Klimapolitik (CO2-Ziel mit Massnahmen und Finanzmittel f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder) werden durch die Kernkraftkrise also nicht zwangsl\u00e4ufig obsolet. Was es nun braucht, ist eine breite Diskussion zu den Optionen. Die Schweiz w\u00e4re schlecht beraten, AKWs nun \u00fcberst\u00fcrzt durch Gaskraftwerke zu ersetzen. Mit den Erneuerbaren und der Energieeffizienz stehen zwei wichtige Alternativen am Horizont.\n\n<em>Martin Stadelmann, Geograph, war mehrere Jahre Projektleiter im CO2-Markt. Zurzeit schreibt er seine Dissertation zur Effektivit\u00e4t von Klimaschutzinvestitionen in Entwicklungsl\u00e4ndern. Er ist Mitverfasser des foraus-Diskussionspapiers zur Schweizer Klimapolitik nach Kopenhagen.<\/em>\n\n<i> Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79536","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79536"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79536"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}