{"id":79537,"date":"2017-09-30T00:00:00","date_gmt":"2017-09-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/referendum-in-katalonien-bis-dass-die-politik-euch-scheidet\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:21","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:21","slug":"referendum-in-katalonien-bis-dass-die-politik-euch-scheidet","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/referendum-in-katalonien-bis-dass-die-politik-euch-scheidet\/","title":{"rendered":"Referendum in Katalonien: Bis dass die Politik euch scheidet?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Katalonien stimmt diesen Sonntag \u00fcber seine Unabh\u00e4ngigkeit vom spanischen Staat ab. Welche Signalwirkung das f\u00fcr Drittstaaten mit derselben Problematik haben kann, wird sich weisen. Die Ausgangslage, analysiert im Beitrag von Daniel H\u00f6gger.<\/b>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDiesen Sonntag ist das Referendum \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens angesetzt. Trotz, oder gerade auch wegen des massiven Widerstands der spanischen Regierung in Madrid. Denn je mehr \u00abMadrid\u00bb gegen das angestrebte Referendum vorging, desto zahlreicher wurde die Anh\u00e4ngerschaft der katalanischen Unabh\u00e4ngigkeit. Allerdings tangiert die katalanische Forderung nach Selbstbestimmung nicht nur Spanien, sondern auch die Aussenpolitik von Drittstaaten. Vor einer allf\u00e4lligen Anerkennung m\u00fcssten diese abw\u00e4gen, zwischen dem Interesse der sich abzuspaltenden Gruppierung und des von der Abl\u00f6sung (Sezession) betroffenen Staates. Doch selbst bei einem angenommenen Referendum w\u00e4ren die Chancen gering, dass diese Katalonien als einen der ihren, als unabh\u00e4ngigen, souver\u00e4nen Staat anerkennen werden.\n\n<b>Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmungsrecht und territorialer Integrit\u00e4t<\/b>\n\nPrinzipiell hat jedes Volk ein Recht auf Selbstbestimmung. Charakterisiert durch objektiv feststellbare und von anderen Gruppen differenzierbare Merkmale (Kultur, Sprache, Geschichte), sowie das subjektive Gruppenzugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Mitglieder, ist ein solches Volk doch zwingend von einer Minderheit zu unterscheiden. In der Praxis ist dies oft nicht einfach, dabei aber zentral. Denn anders als einem Volk, gew\u00e4hrt das V\u00f6lkerrecht einer Minderheit keine absolute Selbstbestimmung, sondern \u00ablediglich\u00bb Minderheitenrechte, etwa die eigene Sprache zu sprechen. (Dies wird zuweilen als \u00abinternes Selbstbestimmungsrecht\u00bb bezeichnet.) Zugleich ist es einer Minderheit untersagt, durch Abspaltung einen eigenen Staat zu gr\u00fcnden und dadurch das sogenannte \u00ab\u00e4ussere Selbstbestimmungsrecht\u00bb zu realisieren.\n\nEine Staatenneugr\u00fcndung ist heute indes nur noch auf Kosten eines anderen, bereits bestehenden Staates m\u00f6glich. Doch diese wehren sich gegen allf\u00e4llige Territoriumsverluste und verweisen auf ihr immanentes Recht auf territoriale Unversehrtheit. Folglich k\u00f6nnte ein betroffener Staat denn auch die externe Anerkennung einer Sezession als verbotene Einmischung in seine inneren Angelegenheiten sehen und entsprechend Sanktionen gegen den anerkennenden Drittstaat ergreifen. Deshalb ist das vorg\u00e4ngige Einverst\u00e4ndnis des direktbetroffenen Staates zur angestrebten Abspaltung, f\u00fcr deren Anerkennung durch Drittstaaten entscheidend. Akzeptiert ein Mutterstaat die Abspaltung eines Landesteils jedoch nicht, werden somit auch andere Staaten diese Abspaltung kaum anerkennen. So geschehen bei der Abspaltung der Krim von der Ukraine. Allerdings gibt es auch hierbei eine Ausnahme, wobei das innere und \u00e4ussere Selbstbestimmungsrechts in einer Art Stufenverh\u00e4ltnis verstanden werden m\u00fcssen. Wird einer Minderheit auf krasse Weise und unter Missachtung grundlegender Menschenrechte das innere Selbstbestimmungsrecht verweigert, kann von den anderen Staaten ihr ein Anspruch auf \u00ab\u00e4usseres Selbstbestimmungsrecht\u00bb als \u00abmeans of last resort\u00bb zuerkannt werden. Dies traf beispielsweise bei der kosovarischen Unabh\u00e4ngigkeit zu. Zwar billigte auch die serbische Regierung die Abspaltung des Kosovo nicht. Doch die systematische Unterdr\u00fcckung der kosovarischen Bev\u00f6lkerung durch Serbien in den 1990ern, veranlasste viele Drittstaaten, die in letzter Konsequenz erfolgte Lossagung des Kosovo von Serbien als rechtm\u00e4ssig anzuerkennen.\n\n<b>Internationale Anerkennung zweifelhaft<\/b>\n\nIn Katalonien sehen Drittstaaten sich ebenfalls mit dem Gegensatz zwischen Forderungen nach Selbstbestimmung und dem Recht des Mutterstaates auf territoriale Integrit\u00e4t konfrontiert. Da die Katalanen jedoch meist nicht als eigenes Volk, sondern als Minderheit gelten, steht ihnen dementsprechend \u00abnur\u00bb ein Recht auf inneres Selbstbestimmung zu. Einem \u00e4usseren Selbstbestimmungsrecht und somit der Abspaltung entgegen, steht das Recht Spaniens an territorialer Integrit\u00e4t, welches bei anderen Staaten nach wie vor Vorrang geniesst. Solange der spanische Staat den Katalanen weiterhin erlaubt und erm\u00f6glicht, ihre Sprache und Kultur selbstbestimmt zu leben, gibt es f\u00fcr die allermeisten Drittstaaten keinen Grund, die Interessen der Katalanen \u00fcber diejenigen von Spanien zu stellen und Katalonien als eigenst\u00e4ndigen Staat anzuerkennen. Der Ausgang des Referendums w\u00fcrde die internationale Stellung Kataloniens also eher nicht ver\u00e4ndern.\n\n<b>Welche Konfliktl\u00f6sung?<\/b>\n\nDoch damit ist die Kontroverse zwischen \u00abBarcelona\u00bb und \u00abMadrid\u00bb noch lange nicht beigelegt. Vielmehr ist zu bef\u00fcrchten, dass die Auseinandersetzung weiter eskalieren und keine Seite nachgeben wird. Anstatt also weiter f\u00fcr, beziehungsweise gegen ein solches Referendum und die vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens zu k\u00e4mpfen, sollte eine \u00abSchweizer L\u00f6sung\u00bb, im Sinne einer weitreichenden F\u00f6deration angestrebt werden. Hierbei w\u00fcrde Katalonien zwar weiterhin Teil des Spanischen Staates bleiben. Zugleich aber w\u00fcrde die katalanische Autonomie m\u00f6glichst allumfassend gestaltet. Einzig ein so gestalteter Kompromiss k\u00f6nnte diesen Konflikt langfristig beilegen.\n\n&nbsp;\n\n&nbsp;\n\n&nbsp;\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-79537","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79537"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79537"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}