{"id":79544,"date":"2011-05-13T00:00:00","date_gmt":"2011-05-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/nach-dem-gau-die-neuorientierung-was-bedeutet-fukushima-fuer-den-klimawandel\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:21","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:21","slug":"nach-dem-gau-die-neuorientierung-was-bedeutet-fukushima-fuer-den-klimawandel","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/nach-dem-gau-die-neuorientierung-was-bedeutet-fukushima-fuer-den-klimawandel\/","title":{"rendered":"Nach dem GAU die Neuorientierung: Was bedeutet Fukushima f\u00fcr den Klimawandel?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Mirjam Kosch<\/em> \u2013 <strong>Seit der Katastrophe in Fukushima denken viele Staaten \u00fcber den Atomausstieg nach. Dies k\u00f6nnte mehr CO2 bedeuten. Die Wissenschaft muss besser \u00fcber die Auswirkungen der Politik kommunizieren, sagt Professor Eberhard Jochem.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nBereits 1992 einigten sich die Staaten, die Ver\u00e4nderungen des Weltklimas auf einem nicht-gef\u00e4hrlichen Niveau zu stabilisieren. In den letzten Jahren haben viele Nationen ihre Klimapolitik gest\u00e4rkt. Dennoch wird sich das Klima mit diesem Politik-Regime bis ins Jahr 2100 um etwa 3-4 \u00b0C erw\u00e4rmen. Das liegt weit \u00fcber den 2 \u00b0C, welche die Wissenschaft \u2013 und seit der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 auch die Politik \u2013 als kritische Grenze betrachten.\nStrom wird heute weltweit mehrheitlich mit Kohle, \u00d6l und Gas erzeugt. Das verursacht rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen. Staaten, welche bisher der Atomenergie auch eine Rolle zur Verringerung ihrer Emissionen zugedacht hatten, werden diese Strategie nun noch einmal \u00fcberdenken.\n\n<strong>Profiteure des heutigen Systems<\/strong>\nDie energieintensiven Industriezweige und die Energiewirtschaft str\u00e4uben sich gegen Ver\u00e4nderungen des momentanen Systems. Ein Grossteil ihres wirtschaftlichen Erfolges basiert auf billigen fossil oder nuklear basierten Endenergietr\u00e4gern. Die externen Kosten, die durch unerw\u00fcnschte Nebeneffekte wie Klimawandel oder Atomkatastrophen entstehen, zahlt die Gesellschaft. Sie haben kein Interesse daran, die externen Kosten zu internalisieren und wehren sich gegen politische Bestrebungen wie CO2-Abgaben oder Erh\u00f6hung der Versicherungssummen bei atomaren Unf\u00e4llen.\nDa die Mittel- und Oberschichten als Aktion\u00e4re, CEOs, Arbeitnehmende, KonsumentInnen etc. von den vermeintlichen Vorteilen dieser Form von Energie-wirtschaft profitieren und die Medien dominieren, will auch ein Grossteil der Gesellschaft nichts an den momentanen Verh\u00e4ltnissen der Energiewirtschaft \u00e4ndern \u2013 dies gilt sowohl f\u00fcr Industrie- als auch f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder.\n\n<strong>Wissenschaft muss besser kommunizieren<\/strong>\nforaus hat zur Thematik ein Gespr\u00e4ch mit Professor Eberhard Jochem gef\u00fchrt, einem Experten f\u00fcr Energiefragen und Klimaschutz. Nebst Wirtschaft und Gesellschaft spielt f\u00fcr Jochem auch die Wissenschaft eine zentrale Rolle: \u201eDie Kommunikation der Wissenschaft ist unzureichend und geht zu wenig pr\u00e4zise auf die Argumente der Klimaskeptiker ein.\u201c Eberhard Jochem ist der Meinung, dass es zurzeit in der Schweiz und in Deutschland keine \u00fcberzeugenden Pers\u00f6nlichkeiten aus der Wissenschaft gibt, welche die Politik von neuen L\u00f6sungen \u00fcberzeugen k\u00f6nnten. Er betont aber auch, dass es in Politik und Wirtschaft Pers\u00f6nlichkeiten gibt, die verstanden haben, dass sich eine konsequente Klimapolitik auch wirtschaftlich lohnen w\u00fcrde. \u201eDie Frage ist nur, ob diese sich durchsetzen k\u00f6nnen.\u201c\n\n<strong>Chancen f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft<\/strong>\nAls konkretes Beispiel nennt Eberhard Jochem die Energieeffizienz: Viele Firmen der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie k\u00f6nnten von mehr Energieeffizienz profitieren. Er versteht deshalb nicht, weshalb ihr Dachverband (swissmem) sich nicht st\u00e4rker dagegen wehrt, dass die economiesuisse noch immer versucht, viele konkrete Massnahmen zur Energieeffizienz auf politischer Ebene zu verhindern. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass die Regierungen auf Bundes- und Kantonsebene sich mehr durch eine mittelfristige und gesamtgesellschaftliche Sicht leiten lassenund nicht von kurzfristigen und \u00fcberzogenen Gruppeninteressen..\n\n<strong>Neue Dynamik durch Fukushima<\/strong>\nDurch Fukushima ist nun eine neue Dynamik in die Energie- und somit auch in die Klimapolitik gekommen. Wie lange diese Auswirkungen anhalten und in welche Richtung sich Ver\u00e4nderungen ergeben werden, ist zurzeit noch kaum abzusch\u00e4tzen. \u201eEs gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, auf eine Krise zu reagieren\u201c, meint Jochem, \u201eentweder man b\u00fcgelt sie mit Kompromissen m\u00f6glichst gut wieder aus, oder es entsteht ein Kipp-Effekt, und man sucht nach neuen L\u00f6sungen. Ein Teil der Staaten k\u00f6nnten die Atomenergie also endg\u00fcltig kippen und den Ausstieg beschliessen, wie nun die CDU in Deutschland dies mittragen m\u00f6chte. Derartige Entscheide k\u00f6nnten auch einen Einfluss auf die mittelfristigen CO2-Reduktionsziele der einzelnen L\u00e4nder und somit auf die globalen Klimaverhandlungen haben. Diese Reaktionen machen die Notwendigkeit langfristiger und verbindlicher CO2-Reduktionsziele deutlich, welche nicht kurzfristigen Interessen nachgeben d\u00fcrfen.\n\n<strong>Grossm\u00e4chte spielen entscheidende Rolle<\/strong>\nAuch wenn lokale Initiativen und die Bereitschaft aller L\u00e4nder notwendig sind, ist Eberhard Jochem der \u00dcberzeugung, dass die beiden Grossm\u00e4chte China und USA den \u201cHebel rumreissen\u201c m\u00fcssen, damit es zu einem globalen Abkommen kommen kann: \u201eDie Chinesen fangen auf sehr tiefem Effizienz-Niveau an, gehen aber rasant im Klimaschutz vorw\u00e4rts. Ihr Zuwachs an Strombedarf ist jedoch so hoch, dass er trotz Effizienzsteigerungen noch lange nicht ausschliesslich mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. China steckt sich seine eigenen ambitionierten Ziele, aber zum globalen Klimaschutzpromotor wird es noch nicht.\u201c Anders sieht f\u00fcr Jochem die Situation in den USA aus: \u201eIn Amerika wird die pers\u00f6nliche Freiheit sehr gross geschrieben und neue Vorschriften und CO2-Abgaben sind sehr schwierig durchzusetzen. Die Mehrheit der amerikanischen W\u00e4hler hat die Brisanz des Klimawandels noch nicht begriffen.\u201c\n\n<strong>Einfluss auf Durban<\/strong>\nDie momentanen Meldungen aus den USA und China weisen darauf hin, dass die beiden L\u00e4nder ihre Energiepolitik aufgrund von Fukushima kurzfristig nicht grundlegend \u00e4ndern werden. Die Sicherheit bestehender Atomkraftwerke soll zwar \u00fcberpr\u00fcft werden, und der Bau neuer k\u00f6nnte sich verz\u00f6gern, eine grunds\u00e4tzliche \u00c4nderung ist jedoch aus heutiger Sicht zurzeit nicht zu erwarten.\nSomit wird auch der Einfluss von Fukushima \u2013 sowohl positiver als auch negativer Art \u2013 auf die Klimaverhandlungen nicht entscheidend sein. Die Chancen sind also gross, dass es auch an der diesj\u00e4hrigen Klimakonferenz im s\u00fcdafrikanischen Durban weitergehen wird wie bisher \u2013 in allzu kleinen Schritten.\n\n<strong>Eberhard Jochem<\/strong> ist emeritierter Professor des Centre for Energy, Policy and Economics (CEPE) der ETH Z\u00fcrich, das er mit seinen Kollegen Massimo Filippini und Daniel Spreng im Jahre 1999 gr\u00fcndete, und Senior Executive am Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe.\n\nMirjam Kosch studiert Umweltnaturwissenschaften an der ETH Z\u00fcrich und arbeitet Teilzeit bei econcept AG als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie engagiert sich bei foraus in den Arbeitsgruppen Umwelt, Verkehr und Energie sowie Entwicklung und Zusammenarbeit.\n<div>\n\nDer <em>foraus<\/em>-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins <em>foraus<\/em>.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1952],"class_list":["post-79544","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-klima"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79544"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79544"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}