{"id":79565,"date":"2017-08-19T00:00:00","date_gmt":"2017-08-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/personenfreizuegigkeit-mehr-informationen-haben-keinen-einfluss-auf-die-meinungsbildung\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:25","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:25","slug":"personenfreizuegigkeit-mehr-informationen-haben-keinen-einfluss-auf-die-meinungsbildung","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/personenfreizuegigkeit-mehr-informationen-haben-keinen-einfluss-auf-die-meinungsbildung\/","title":{"rendered":"Personenfreiz\u00fcgigkeit \u2013 Mehr Informationen haben keinen Einfluss auf die Meinungsbildung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Im Zuge der Annahme der Masseinwanderungsinitiative (MEI) wurde oft behauptet, die Schweizer Stimmb\u00fcrger h\u00e4tten potentiell anders abgestimmt, w\u00e4ren sie im Vorfeld der Abstimmung \u00fcber die Auswirkungen der MEI besser informiert worden. Die Ergebnisse einer Umfrage zeigen im Gegenteil, dass mehr faktische Informationen die Meinungen von Herr und Frau Schweizer kaum beeinflussen.<\/b>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n<h2><strong>Kontext<\/strong><\/h2>\n2014 haben die Schweizer Stimmb\u00fcrger die Masseinwanderungsinitiative (MEI) mit 50,3 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Die Initiative fordert eine Beschr\u00e4nkung der Zuwanderung in der Schweiz durch die Festlegung j\u00e4hrlicher H\u00f6chstzahlen. Eine solche Regelung hinterfragt das Abkommen zur Personenfreiz\u00fcgigkeit zwischen der Schweiz und der EU. Das Abkommen ist Bestandteil der Bilateralen Vertr\u00e4ge I, einem Paket von 7 Abkommen, darunter auch ein Handelsabkommen mit der EU. Im Spannungsfeld zwischen einem Verfassungsauftrag der die Zuwanderung beschr\u00e4nkt einerseits und der Zentralit\u00e4t der Personenfreiz\u00fcgigkeit f\u00fcr die EU anderseits ist es zu einer Schw\u00e4chung der schweizerisch-europ\u00e4ischen Beziehungen gekommen.\n<h2><strong>Relevanz<\/strong><\/h2>\nIm Zuge der Annahme der MEI wurde oft behauptet, die Stimmberechtigten seien im Vorfeld der Abstimmung \u00fcber die Konsequenzen der Initiative nicht gen\u00fcgend informiert worden. Den Initianten wurde vorgeworfen eine inhaltsarme Kampagne gef\u00fchrt zu haben. Gem\u00e4ss diesem Argument h\u00e4tten Herr und Frau Schweizer potentiell anders abgestimmt, w\u00e4ren sie \u00fcber die Auswirkungen der MEI, insbesondere auch in Bezug auf die bestehenden Regeln zur Personenfreiz\u00fcgigkeit (PFZ), besser informiert gewesen.\n\nOb eine verbesserte Informationslage die Haltung der B\u00fcrger gegen\u00fcber der PFZ deutlich beeinflussen w\u00fcrde, ist im Schweizer direktdemokratischen Kontext hochrelevant. Obwohl das Schweizer Parlament im Dezember des vergangenen Jahres einer EU-kompatiblen Umsetzung der Initiative zugestimmt hat, h\u00e4ngt weiterhin ein Damoklesschwert \u00fcber der aktuellen Kompromissl\u00f6sung. Einerseits fordert die RASA-Initiative den MEI Artikel ersatzlos zu streichen. Anderseits hat die\u00a0<i>Aktion f\u00fcr eine Unabh\u00e4ngige und Neutrale Schweiz<\/i>\u00a0(AUNS) beschlossen, mit der Unterschriftensammlung f\u00fcr eine K\u00fcndigungsinitiative zur PFZ noch in diesem Jahr zu beginnen. Die PFZ d\u00fcrfte folglich auch in den kommenden Jahren ein Zankapfel bleiben.\n<h2><strong>Ergebnisse<\/strong><\/h2>\nLaut einer Umfrage, an der zwischen Januar und M\u00e4rz 2017 1564 Schweizer teilgenommen haben, beeinflussen mehr faktische Informationen die Ansichten der Stimmb\u00fcrger \u00fcber die PFZ nicht<b><sup>1<\/sup><\/b>. Die Umfrageteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste H\u00e4lfte der Teilnehmer erhielt vor der Befragung \u00fcber ihre pers\u00f6nliche Meinung zur PFZ faktische Informationen zum Thema in der Form eines interaktiven Quiz. Bei der anderen H\u00e4lfte war dies nicht der Fall. Mit oder ohne vorg\u00e4ngige Informationen blieb sich der prozentuale Anteil der Befragten, der die PFZ bef\u00fcrwortet beziehungsweise ablehnt, in den beiden Teilstichproben gleich.\n\nDie Studie hebt \u00fcberdies die wesentliche Rolle des Vertrauens in die Informationsquelle hervor. In F\u00e4llen in denen ein solches Vertrauen fehlt, kann die Bereitstellung von Informationen sogar kontraproduktiv sein. Im Quiz, welches die eine H\u00e4lfte der Teilnehmer der Umfrage vorg\u00e4ngig \u00fcber die PFZ informierte, wurden Zahlen und Fakten der Schweizer Bundesverwaltung verwendet. Unter den Probanden\u00a0<i>ohne vorg\u00e4ngige Information<\/i>, die Angaben Informationen der Bundesverwaltung skeptisch gegen\u00fcberzustehen und die zudem die effektive Zahl der Zuwanderer \u00fcbersch\u00e4tzten, sprachen sich 64% f\u00fcr eine Beschr\u00e4nkung der Zuwanderung aus. In der Gruppe\u00a0<i>mit vorg\u00e4ngiger Information\u00a0<\/i>bef\u00fcrworteten 78% der Probanden mit dem gleichen Profil (geringes Vertrauen, \u00dcbersch\u00e4tzung der effektiven Zuwanderungszahlen) eine Beschr\u00e4nkung der Zuwanderung (+14%).\u00a0<i>Dies obwohl sie explizit darauf hingewiesen worden waren, die effektiven Zuwanderungszahlen \u00fcbersch\u00e4tzt zu haben<\/i>! Umgekehrt konnte ein solcher kontraproduktiver Effekt von zus\u00e4tzlicher Information unter Umfrageteilnehmern, die Angaben der Information der Bundesverwaltung zu vertrauen, nicht festgestellt werden. Dies zeigt auf, wie entscheidend die pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung der Vertrauensw\u00fcrdigkeit der Informationsquelle ist.\n<h2><strong>Folgerungen<\/strong><\/h2>\nWie alle sozialwissenschaftlichen Studien st\u00fctzt sich auch diese auf gewisse methodologische Annahmen. Vor diesem Hintergrund widerlegt sie politische Aussagen, wonach mehr faktischen Informationen die Haltung der Schweizer B\u00fcrger gegen\u00fcber der PFZ unweigerlich verbessern w\u00fcrden. Die Studie zeigt im Gegenteil auf, dass Informationskampagnen sogar unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen haben k\u00f6nnten. Sollte es das Ziel sein, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die PFZ im Volk weiter auszubauen, w\u00fcrden Informationen alleine also kaum ausreichen. Stattdessen m\u00fcssten die Stimmb\u00fcrger von den positiven Aspekten der PFZ \u00fcberzeugt werden, sei es durch konkrete Ver\u00e4nderungen in ihrer Funktionsweise oder derjenigen der\u00a0<a title=\"Link: https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Personenfreizugigkeit_Arbeitsbeziehungen\/freier-personenverkehr-ch-eu-und-flankierende-massnahmen.html\" href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Personenfreizugigkeit_Arbeitsbeziehungen\/freier-personenverkehr-ch-eu-und-flankierende-massnahmen.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">flankierenden Massnahmen<\/a>, sei es durch die Ausbreitung einer neuen Vision. In beiden F\u00e4llen bietet Macrons Frankreich interessante Denkanst\u00f6sse. Einerseits zeichnet sich der Diskurs der Regierung Macron durch eine neue und offen pro-Europ\u00e4ische Qualit\u00e4t aus. Andererseits hat Macron die Neuverhandlung der EU-Richtlinie \u00fcber die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Personenfreizugigkeit_Arbeitsbeziehungen\/freier-personenverkehr-ch-eu-und-flankierende-massnahmen\/entsendung-von-arbeitnehmenden-in-die-schweiz.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Entsendung von Arbeitnehmern<\/a>\u00a0zur Priorit\u00e4t gemacht.\n\n<i>Der Autor m\u00f6chte sich bei Ladina Schr\u00f6ter f\u00fcr das Gegenlesen und die hilfreichen Kommentare bedanken.<\/i>\n\n<i>Die franz\u00f6sischsprachige Version dieses Blogs\u00a0<a href=\"http:\/\/34.65.158.36\/posts\/et-si-linformation-netait-pas-le-probleme-lopinion-des-suisses-sur-la-libre-circulation\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">kann hier gefunden werden<\/a>.<\/i>\n\n<i><b>1\u00a0<\/b>Die Studie kann direkt beim Autor\u00a0 bezogen werden.<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79565","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79565"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79565"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}