{"id":79568,"date":"2011-07-26T00:00:00","date_gmt":"2011-07-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/weniger-ist-mehr-warum-die-schweiz-ihre-bilaterale-entwicklungszusammenarbeit-auf-ein-einziges-partnerland-ausrichten-soll\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:25","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:25","slug":"weniger-ist-mehr-warum-die-schweiz-ihre-bilaterale-entwicklungszusammenarbeit-auf-ein-einziges-partnerland-ausrichten-soll","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/weniger-ist-mehr-warum-die-schweiz-ihre-bilaterale-entwicklungszusammenarbeit-auf-ein-einziges-partnerland-ausrichten-soll\/","title":{"rendered":"Weniger ist mehr: Warum die Schweiz ihre bilaterale Entwicklungszusammenarbeit auf ein einziges Partnerland ausrichten soll"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Mike Bucher &#8211;<\/em> <strong>Die Schweiz soll sich in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit auf ein einziges Partnerland fokussieren. Nur so kann ein \u00fcberf\u00e4lliger Paradigmenwechsel endlich erreicht werden. <\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nMit rund 250 Millionen Franken unterst\u00fctzt die DEZA j\u00e4hrlich 17 ausgew\u00e4hlte Schwerpunktl\u00e4nder des S\u00fcdens. Waren es vor einigen Jahren noch 24 Empf\u00e4ngerl\u00e4nder, so werden es ab n\u00e4chstem Jahr noch deren 12 sein. Bundesrat und Parlament haben erkannt: Die Schweiz muss ihre Anstrengungen fokussieren, soll unsere Hilfe echte Wirkung haben.\n\nBloss, um diese Wirkung ist es nicht gut bestellt: W\u00e4hrend die auf Hochglanzpapier gedruckten Jahresberichte von DEZA, Seco und Co. die Erfolge der bilateralen EZ ins Rampenlicht r\u00fccken, sieht die Realit\u00e4t anders aus. Ein Grossteil der Bev\u00f6lkerungen in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens lebt in bitterer Armut und ohne jegliche Perspektive auf eine baldige Verbesserung der Situation. Das 50-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der DEZA stellt unter diesen Umst\u00e4nden wahrlich kein Grund zum Feiern dar: Trotz guten Ans\u00e4tzen hat die Politik der Schweiz in ihrer Gesamtheit zum Teil verheerende Auswirkungen auf Entwicklungsl\u00e4nder. Angesichts unserer restriktiven Handelspolitik etwa erscheinen die Anstrengungen in der Entwicklungszusammenarbeit wie ein d\u00fcrres Feigenbl\u00e4ttchen.\n\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.forausblog.ch\/wp-content\/uploads\/Interdependence-300x222.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" \/>\n\n<strong>Fehlende Identifikation<\/strong>\n\nDie Frage, die sich aufdr\u00e4ngt, muss darum nicht lauten, wie wir dem S\u00fcden helfen k\u00f6nnen, sondern warum wir ihm nicht helfen wollen. Ich vermute, dass die Antwort lautet: Weil uns die Identifikation fehlt. W\u00e4hrend die meisten von uns bereit w\u00e4ren, f\u00fcr einen guten Freund das letzte Hemd zu opfern, stellt die anonyme Entwicklungszusammenarbeit deutlich h\u00f6here Anforderungen an unsere Grossz\u00fcgigkeit. Weil uns das Vertrauen in ein Gegen\u00fcber fehlt, wird die Schweizer Aussenpolitik trotz unserer vielgepriesenen humanit\u00e4ren Tradition vor allem von Angst bestimmt. Mit der Reduktion der Anzahl Schwerpunktl\u00e4nder ist die DEZA zwar auf dem richtigen Weg. Und doch wird die Reduktion auf 12 Schwerpunktl\u00e4nder kaum zu einer erh\u00f6hten Identifikation mit diesen f\u00fchren. Wer von uns kann nur schon die Hauptstadt von Tschad benennen oder weiss, welche Sprache in Benin gesprochen wird?\n\n<strong>Eine Vision mit Beispielcharakter<\/strong>\n\nIch schlage vor, dass die Schweiz ihre gesamte bilaterale Entwicklungszusammenarbeit auf ein einziges \u201eSchwesterland\u201c fokussiert. Die Schweiz soll eine <em>echte<\/em> Partnerschaft eingehen,\n\nwelche von Projekten auf politischer, wirtschaftlicher und insbesondere ziviler Ebene umfassend begleitet wird. Der Staat soll nicht nur eine faire Gesamtpolitik diesem Land gegen\u00fcber verantworten, sondern aktiv M\u00f6glichkeiten des gegenseitigen Austausches schaffen: So k\u00f6nnten zum Beispiel neben der technischen Entwicklungshilfe auch private Initiativen gef\u00f6rdert, sowie lokale und regionale Projekte unterst\u00fctzen werden. \u00dcber die Jahre \u2013 ja vielleicht gar Generationen \u2013 hinweg w\u00fcrde so an der Basis eine Solidarit\u00e4t entstehen, die mehr Wert ist, als jede Top-down-Strategie zur Armutsminderung.\n\nEs ist klar, dass dieser Plan nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Und es fragt sich, welches Land \u00fcberhaupt in Frage k\u00e4me und selber dazu bereit w\u00e4re, eine solche Partnerschaft einzugehen. Doch als Vision bietet die Idee einige spannende Perspektiven: Die Schweiz k\u00f6nnte sich gegen\u00fcber einem einzigen Land eher eine koh\u00e4rente Gesamtpolitik leisten und so einen beispielhaften Best-Practice-Case schaffen. Liesse sich in einer Region des S\u00fcdens durch diese Massnahmen die Lebensqualit\u00e4t deutlich verbessern, w\u00fcrde dieses Beispiel bestimmt Nachahmer finden. Als kleines Land brauchen wir nicht die Last der Welt auf den Schultern zu tragen und \u00fcberall Hilfe leisten zu wollen \u2013 Hilfe, die in vielen F\u00e4llen nicht viel mehr ist als ein Tropfen auf den heissen Stein. Verantwortung wahrzunehmen kann auch bedeuten, Bedingungen zu schaffen, um einem \u00fcberf\u00e4lligen Paradigmenwechsel zum Durchbruch zu verhelfen. Einem Paradigmenwechsel, der darin liegt, dass wir nicht mehr bloss \u201ePf\u00e4sterlipolitik\u201c betreiben, sondern uns zwar regional beschr\u00e4nkt, daf\u00fcr mit bestem Wissen und Gewissen f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung des S\u00fcdens einsetzen.\n\n<em><strong>Mike Bucher <\/strong>ist freischaffender Moderator und lebt in Bern. Mit der in diesem Beitrag formulierten Idee hat er im Juli 2011 den ersten <\/em><em>foraus Ideen-Battle gewonnen.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79568","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79568"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79568"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}