{"id":79585,"date":"2011-10-18T00:00:00","date_gmt":"2011-10-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/immigration-eine-gefahr-wird-gruen\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:28","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:28","slug":"immigration-eine-gefahr-wird-gruen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/immigration-eine-gefahr-wird-gruen\/","title":{"rendered":"Immigration: Eine Gefahr wird gr\u00fcn"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Simon St\u00fcckelberger<\/em><strong> \u2013 In diesem Jahr wurden gleich drei Initiativen lanciert, die die Immigration beschr\u00e4nken wollen. Diese warnen nicht nur vor den sozialen und \u00f6konomischen Gefahren der Immigration, sondern auch vor den \u00f6kologischen Gefahren. Damit wird ein klassisch linkes Anliegen \u2013 der Naturschutz \u2013 mit einem klassisch rechten Patentrezept- der Begrenzung der Immigration \u2013 vermischt. <\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nImmigration wird seit Jahrzehnten von vielen Menschen und Politikern in der Schweiz als Gefahr wahrgenommen. Die Gr\u00fcnde und die Art der Furcht, sowie auch die Gesellschaftsgruppen, die sich bedroht f\u00fchlten, waren in dieser Zeit jedoch nicht immer die gleichen. Obwohl man manchmal das Gef\u00fchl hat, dass in der Schweizer Migrationsdebatte immer die gleichen Schreckensszenarien diskutiert werden, so zeigt gerade dieses Jahr, dass das Gefahrenbild der Immigration durch gesellschaftliche Entwicklungen gepr\u00e4gt wird und neue F\u00e4rbungen annehmen kann.\n\n<strong>Gefahrenbild Immigration<\/strong>\n\nDie Angst vor der Immigration basiert auf einem multidimensionalen Gefahrenbild, in welchem Probleme aus unterschiedlichsten Themengebieten miteinander zu einer diffusen Einheit verschmelzen. Teure Wohnungen, tiefe L\u00f6hne, Arbeitslosigkeit, (Jugend-)Kriminalit\u00e4t, Sozialmissbrauch sind einige wichtige Puzzleteile in diesem Gefahrenbild. Unter anderem aufgrund der Vielf\u00e4ltigkeit der Themen findet das Gefahrenbild der Immigration grosse Verbreitung \u2013 f\u00fcr jeden ist etwas Be\u00e4ngstigendes dabei. Dabei l\u00e4sst es sich leicht an neue Entwicklungen anpassen \u2013 je nach Situation r\u00fccken andere Aspekte in den Vordergrund. Ein Puzzleteil, das neuerdings, neben teuren Wohnungen und Infrastruktur\u00fcberlastung, mehr Gewicht erh\u00e4lt ist der Naturschutz \u2013 Schlagwort Zersiedelung.\n\n<strong>Naturschutz und Migration <\/strong>\n\nDie Verbindung von Naturschutz und Immigration ist nicht neu. Schon bei der Schwarzenbach-Initiative 1970 wurde die Zubetonierung der Schweiz angeprangert und die Schweizer Demokraten (SD, fr\u00fcher Nationale Aktion) warnen seither vor den Auswirkungen der Migration auf die Natur (sowie vor den Auswirkungen der Immigration auf jedes andere erdenkliche Problem). Die SD spielt jedoch seit Jahren nur noch eine marginale Rolle in der Schweizer Politik. Die SVP wiederum, die die Immigration zu ihrer Leitthematik gemacht und damit die SD an den Rand gedr\u00e4ngt hat, hat das \u00f6kologische Puzzleteil vernachl\u00e4ssigt und mehr auf Kriminalit\u00e4t und Sozialmissbrauch gesetzt.\n\n<strong>Gr\u00fcne Gefahr<\/strong>\n\nIm Jahr 2011 ist das Thema der \u00f6kologischen Gefahr, die von der Immigration ausgeht jedoch zur\u00fcck: Die SD hat wieder einmal eine Initiative zur Stabilisierung der Bev\u00f6lkerung lanciert und betont dabei ihre \u00f6kologische Ausrichtung. Eine zweite Initiative zur Einwanderungsbegrenzung wurde von ECOPOP (Ecologie et Population) lanciert: Eine Umweltorganisation, die politisch schwer einzuordnen ist. Die Organisation wurde zur Zeit der Schwarzenbachinitiative gegr\u00fcndet, jedoch lehnte sie in den 70er und 80er Jahre die Initiativen der Nationalen Aktion (NA) ab. In den Anf\u00e4ngen waren sowohl Valentin Oehen, damaliger Pr\u00e4sident der NA, als auch Anne-Marie Rey, SP-Grossr\u00e4tin und Frauenrechtlerin, bei ECOPOP aktiv. Heute finden sich sowohl Mitglieder der SP als auch der SVP im Vorstand. Wer diese Organisation einfach in die rechte Ecke stellt, verkennt ihren vielschichtigen Hintergrund und damit das politische Potential eines \u00f6kologischen Gefahrenbilds der Immigration.\n\nDie SVP hat im Juni die dritte Initiative \u201egegen die Masseneinwanderung\u201c in diesem Jahr lanciert. Medial konzentriert sie sich mehr auf den Aspekt der Kriminalit\u00e4t (\u201eKosovaren schlitzen Schweizer auf\u201c), doch auch die SVP hat sp\u00e4testens nach Fukushima bemerkt, dass die Umwelt nicht nur Linke und Nette interessiert: Nachdem sie lange geschwiegen hatte, schlug sie mit ihrem Beitrag zur Atomdebatte in die gleiche Kerbe wie SD und ECOPOP: \u201eOhne Zuwanderung k\u00f6nnten wir uns heute M\u00fchleberg sparen\u201c sagte der SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Auch im Argumentarium f\u00fcr ihre Initiative \u201egegen Masseneinwanderung\u201c wird der Einfluss der Immigration auf die Umwelt und den Stromverbrauch hervorgehoben \u2013 Verkn\u00fcpfungen, die im letzten Migrationspapier (2009) und auch im Parteiprogramm 2011-2015 (Jan. 2011) noch fehlten.\n\n<strong>Gr\u00fcn und liberal?<\/strong>\n\nW\u00e4hrend den letzten 40 Jahren fristeten gr\u00fcne Immigrationsgegner, zusammen mit SD und ECOPOP, ein marginales Dasein. Im Jahre 2011 sind sie zur\u00fcck auf dem politischen Parkett und dies liegt interessanterweise nicht nur an Fukushima: Die SD und ECOPOP Initiativen wurden vor Fukushima lanciert. Sie sind Ausdruck einer gr\u00fcneren Schweiz, von der auch der Aufstieg der Gr\u00fcnliberalen zeugt. Die drei lancierten Initiativen zeigen, dass in Migrationsfragen eine gr\u00fcnere Schweiz keineswegs eine liberalere Schweiz bedeuten muss. Eher das Gegenteil ist zu erwarten, denn ein gr\u00fcnes Gefahrenbild der Immigration hat Potential.\n\nMigrationspolitik als Patentrezept gegen die Umweltbelastung \u2013 lange Zeit bel\u00e4chelt, ist diese Idee heute auf bestem Weg zu \u201ecommon sense\u201c zu werden.\n\n<strong><em>Simon St\u00fcckelberger<\/em><\/strong><em>, ist Mitglied der Arbeitsgruppe Migration von foraus und hat in diesem Sommer den Bachelor in Internationale Beziehungen an der Universit\u00e4t Genf abgeschlossen. In seiner Bachelorarbeit befasste er sich mit dem Gefahrenbild des Islams im Zusammenhang mit der Anti-Minarettabstimmung.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79585","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79585"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79585"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}