{"id":79617,"date":"2012-03-14T00:00:00","date_gmt":"2012-03-13T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/iran-in-den-iden-des-maerz-das-ende-der-islamischen-republik\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:32","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:32","slug":"iran-in-den-iden-des-maerz-das-ende-der-islamischen-republik","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/iran-in-den-iden-des-maerz-das-ende-der-islamischen-republik\/","title":{"rendered":"Iran in den Iden des M\u00e4rz: Das Ende der Islamischen Republik?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von <\/em>Oliv<em>er Thommen <\/em>\u2013 <strong>Gemeinhin dienen Wahlen zur Legitimierung der Entscheidungstr\u00e4ger. Doch die iranischen Parlamentswahlen bringen die Islamische Republik nach 23 Jahren an einen Scheideweg und den Westen in Bedr\u00e4ngnis.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nSchon vor Ausz\u00e4hlung aller Stimmzettel war klar, wer die Parlamentswahlen gewonnen hat: Das Lager um Revolutionsf\u00fchrer Ali Khamenei konnte die meisten Stimmen auf sich vereinen. Pr\u00e4sident Mahmud Ahmedineschad hat dagegen verloren. Die meisten seiner Kandidaten wurden vom W\u00e4chterrat gar nicht erst zugelassen. Ein Jahr vor der Pr\u00e4sidentschaftswahl muss er sich fragen, wie seine Zukunft aussehen soll.\n\nDenn Pr\u00e4sident Ahmedineschad steht nach einem Wirtschaftsskandal mit dem R\u00fccken zur Wand: Ihm und vielen Mitstreitern k\u00f6nnte es das Amt kosten, weil sie den Staat um Milliarden betrogen haben. W\u00e4hrend einige harte Gef\u00e4ngnisstrafen hinnehmen m\u00fcssen, wird sich Pr\u00e4sident Ahmedineschad als erster Pr\u00e4sident \u00fcberhaupt am 14. M\u00e4rz vor dem Parlament rechtfertigen m\u00fcssen. Ein Amtsenthebungsverfahren scheint nicht ausgeschlossen zu sein.\n\n<strong>Schlagabtausch auf h\u00f6chster Ebene<\/strong>\n\nDie Wahlen sollten den Pr\u00e4sidenten in die Schranken weisen und ihm gleichzeitig bedeuten, dass bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2013 Parlamentspr\u00e4sident Ali Laridschani in der Gunst der H\u00fcter der Islamischen Republik stehen wird. Doch einige Faktoren k\u00f6nnten den Plan des konservativen Establishments, den Pr\u00e4sidenten kaltzustellen, noch gef\u00e4hrden:\n\nZum einen stossen sich diese am durch die G\u00fcnstlingspolitik befeuerten, beinahe messianischen Personenkult des Pr\u00e4sidenten, da ein Bruch des moralischen Konsenses innerhalb der konservativen Geistlichkeit bef\u00fcrchtet wird. Dank R\u00fcckhalt in gewissen Teilen der Bev\u00f6lkerung und innerhalb der Revolutionsgarden (Pasdaran) und der Basidschi-Milizen verf\u00fcgt Pr\u00e4sident Ahmedineschad aber \u00fcber die n\u00f6tige Schlagkraft f\u00fcr ein Kr\u00e4ftemessen mit dem Revolutionsf\u00fchrer.\n\nDaneben wird gemunkelt, dass der 72-j\u00e4hrige Ali Khamenei schwer krank sei. W\u00fcrde ein Machtvakuum zu diesem Zeitpunkt entstehen, w\u00e4re dies zu Gunsten des Lagers um Pr\u00e4sident Ahmedineschad. Der Revolutionsf\u00fchrer scheint das zu wissen und hat in den Wahlen den treuen Ali Laridschani als Pr\u00e4tendent f\u00fcr das Pr\u00e4sidentenamt in Stellung gebracht.\n\n<strong>Warten auf den Fr\u00fchling im Iran<\/strong>\n\nRevolutionsf\u00fchrer Khameneis Grundproblem liegt schliesslich darin, dass er seine nat\u00fcrlichen Gegenspieler zwecks eigenem Machterhalt ausgekegelt hat: In den letzten 23 Jahren wurden die Volksmudschahedin, die S\u00e4kularen, die Liberalen und schliesslich die Reformer als Feinde der Islamischen Republik stigmatisiert und ausgeschaltet. So dass nur Pr\u00e4sident Ahmedineschad und seine Anh\u00e4nger \u00fcbrigblieben und nun eine Gefahr f\u00fcr das altehrw\u00fcrdige F\u00fchrungskader um Revolutionsf\u00fchrer Khomeini werden, da sie deren religi\u00f6se Deutungshoheit in Frage stellen. Die Reformer um Mehdi Kerrubi und Mir Hossein Mussawi stehen unter Hausarrest; der Richelieu der iranischen Politik, Ali Rafsandschani, f\u00fchrt zwar den Schlichtungsrat an, verlor aber in den h\u00f6heren Machtzirkeln an Bedeutung. Vor den Wahlen warnte er: \u201eDas gr\u00f6sste Kapital, das wir zu Beginn der Revolution besassen, war die Unterst\u00fctzung des Volkes.\u201c\n\nDiese Unterst\u00fctzung f\u00fcr die religi\u00f6sen F\u00fchrer ist sp\u00e4testens seit der Gr\u00fcnen Bewegung 2009 bei vielen und vor allem bei jungen urbanen Menschen verflogen. W\u00e4hrend dieser Teil der Bev\u00f6lkerung den liberalen Fl\u00fcgel der Geistlichkeit um Mir Hossein Mussawi unterst\u00fctzt, h\u00e4lt der andere Pr\u00e4sident Ahmedineschad auf Gedeih und Verderb die Stange.\n\n<strong>Fl\u00fcchten nach vorne?<\/strong>\n\nDie n\u00e4chsten Monate werden wohl eine Weichenstellung innerhalb der iranischen Politik bedeuten: Der scheinbar schwer kranke Ali Khamenei hat seinen Sohn Modschtaba vorausgeschickt, um Mir Hossein Mussawi zu treffen und ihn zu einem Burgfrieden zu animieren. Das von der innen- wie aussenpolitischen Situation geplagte Volk will von Revolutionsf\u00fchrer Khomeini zur\u00fcckgewonnen werden, bevor ein Machtwechsel bevorsteht.\n\nPr\u00e4sident Ahmedineschad dagegen muss weiter auf Provokationen von aussen hoffen, da diese ihm seine gewohnte Rhetorik erm\u00f6glichen und ihm den R\u00fccken in seinem Lager vorerst st\u00e4rken und von innenpolitischen Problemen ablenken. Bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen d\u00fcrfte er aber chancenlos sein, da er sowohl die liberalen, als auch konservative Iraner und Iranerinnen gegen sich hat. Wenn er sich nur noch auf seine Anh\u00e4ngerschaft und auf seine Getreuen in den Pasdaran und Basidschi verlassen kann, k\u00f6nnte es zu einem Staatsstreich oder B\u00fcrgerkrieg kommen und das Projekt Islamische Republik scheitert. Die einzige Chance f\u00fcr den Klerus: Eine Auss\u00f6hnung mit Liberalen und Reformern, um so die Strasse zur\u00fcck zu gewinnen.\n\n<em><strong>Oliver Thommen <\/strong>lebt in Basel, studierte Geschichte, Islamwissenschaft und Soziologie. Er ist Redaktor des foraus-Blog und Leiter der Arbeitsgruppe Identit\u00e4t Schweiz.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-79617","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79617"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79617"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}