{"id":79649,"date":"2017-05-15T00:00:00","date_gmt":"2017-05-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/abstimmung-ueber-die-energiestrategie-2050-worum-geht-es-und-was-steht-auf-dem-spiel\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:36","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:36","slug":"abstimmung-ueber-die-energiestrategie-2050-worum-geht-es-und-was-steht-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/abstimmung-ueber-die-energiestrategie-2050-worum-geht-es-und-was-steht-auf-dem-spiel\/","title":{"rendered":"Abstimmung \u00fcber die Energiestrategie 2050: Worum geht es und was steht auf dem Spiel?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Wirtschaftliche Realit\u00e4ten sorgen daf\u00fcr, dass unsere AKWs abgeschaltet werden. Politische Realit\u00e4ten machen den Import von EU-Strom schwierig und fordern eine inl\u00e4ndische Emissionsreduktion. Vor diesem Hintergrund bietet das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 eine mehrheitsf\u00e4hige L\u00f6sung an. Die Argumente dagegen st\u00fctzen sich auf \u00abalternative Fakten\u00bb, weil es keine richtigen Fakten gibt, die dagegensprechen.<\/b>\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Wor\u00fcber stimmen wir ab?<\/b>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<!--more-->\n\n<\/div>\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDer Bundesrat hat die Energiestrategie 2050 im Nachgang zur Reaktorkatastrophe in Fukushima erarbeitet und st\u00fctzt sich dabei auf vier S\u00e4ulen: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Stilllegung der f\u00fcnf Kernkraftwerke am Ende ihrer Betriebsdauer sowie die Energieaussenpolitik.\n\nN\u00e4chsten Sonntag stimmen wir \u00fcber das erste Massnahmenpaket der Strategie ab. Die wichtigsten drei Punkte sind:\n<ul>\n \t<li>Energieeffizienz: Mehr Geld aus der unver\u00e4nderten CO2-Abgabe f\u00fcr Geb\u00e4udesanierungen (450 anstatt 300 Mio. Fr.)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n \t<li>Erneuerbare Energien: \u00dcber einen erh\u00f6hten Stromzuschlag (2.3 anstatt 1.5 Rp. Pro kWh) wird der j\u00e4hrliche F\u00f6rdertopf f\u00fcr erneuerbare Energien vergr\u00f6ssert. Dadurch kann die Warteliste, auf der momentan noch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.swissgrid.ch\/swissgrid\/de\/home\/experts\/topics\/renewable_energies\/remuneration_re\/crf\/registration_to_implementation\/waiting_list.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Projekte aus dem Jahr 2011 stehen<\/a>, abgebaut werden und geplante Investitionen k\u00f6nnen get\u00e4tigt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n \t<li>Der Ausstieg aus der Atomkraft wird auf gesetzlicher Stufe verankert.<\/li>\n<\/ul>\nDieses erste Paket soll ab 2021 vom zweiten Massnahmenpaket abgel\u00f6st werden. Das heutige F\u00f6rdersystem soll mit einem Lenkungssystem ersetzt werden. Das zweite Paket steht, trotz bundesr\u00e4tlicher Unterst\u00fctzung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/amtliches-bulletin\/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=39494\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">auf wackligen Beinen im Parlament<\/a>.\n\n<b>\u00abThere is no alternative\u00bb<\/b>\n\nDas Massnahmenpaket ist kein vision\u00e4rer Wurf. Es ist die Reaktion auf wirtschaftliche und politische Realit\u00e4ten. Neue AKWs sind in der Schweiz wirtschaftlich nicht mehr tragbar, was der Entscheid der drei grossen Schweizer Energiekonzerne Axpo, Alpiq und BKW im Oktober gezeigt hat. Sie alle haben ihre\u00a0<a href=\"http:\/\/www.watson.ch\/Schweiz\/Analyse\/730323872-Warum-neue-AKW-bei-den-Energiestrategie-Gegnern-pl%C3%B6tzlich-kein-Thema-mehr-sind\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Pl\u00e4ne f\u00fcr neue AKWs begraben<\/a>. Politisch hat sich die Schweiz einerseits im Pariser Klimaabkommen zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Andererseits stecken die Verhandlungen \u00fcber ein Stromabkommen mit der EU in der Sackgasse, weil die MEI weiterhin jegliche neuen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU blockiert.\n\nDie Stromproduktion der AKWs bei unsicherer Rechtslage mit den EU-Nachbarstaaten und die daraus folgenden Importunsicherheiten zu ersetzen und gleichzeitig die Emissionen zu reduzieren ist nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien und eine verbesserte Energieeffizienz erreichbar.\n\nAuch der Gegner des neuen Gesetzes, die SVP, hat auf diese Alternativlosigkeit keine Antwort. Stattdessen st\u00fcrzt sich das Referendumskomitee relativ hilflos in eine Angstkampagne, die losgel\u00f6st jeglicher Fakten argumentiert. Darum hier ein kurzer Fact-Check:<b>\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/b>\n\n<b>1. \u00a0 \u00a0\u00a0105 anstatt 3&rsquo;200 Franken pro Haushalt pro Jahr<\/b>\n\nAls Folge des Massnahmenpakets 1, werden laut Berechnungen des BFE und von SRF,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/abstimmungen\/abstimmungen\/energiestrategie\/was-das-abstimmungsbuechlein-nicht-verraet\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">maximale Mehrkosten von 105 Franken pro Haushalt und Jahr<\/a>erwartet. Wie kommt das Referendumskomitee also auf 3&rsquo;200 Franken? Erstens rechnet es Investitionen in die Netz- und Stromproduktionsinfrastruktur mit ein. Die w\u00fcrden auch ohne die Gesetzes\u00e4nderung anfallen. Zweitens fliessen in die Berechnungen Sch\u00e4tzungen zu den Kosten des Lenkungssystems ein. Dieses ist als Ersatz ab 2021 geplant, und dessen Einf\u00fchrung durch den Nichteintretensentscheid des Nationalrats ist sehr fraglich. Zudem kann auch jeder und jede seine Mehrkosten durch den eigenen Stromkonsum beeinflussen.\n\n<b>2. \u00a0 \u00a0\u00a0<\/b><b>Weniger Auslandabh\u00e4ngigkeit und mehr Arbeitspl\u00e4tze<\/b>\n\nDas Referendumskomitee vertritt die Meinung, dass durch die \u00c4nderung des Energiegesetzes die Auslandabh\u00e4ngigkeit der Schweiz steigt und Arbeitspl\u00e4tze verloren gehen. Das Gegenteil ist das der Fall. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien, werden im Inland frei erh\u00e4ltliche Ressourcen wie Sonne und Biomasse genutzt.\n\nBez\u00fcglich der Arbeitskr\u00e4fte ist die Rechnung schnell gemacht: Das zweitgr\u00f6sste AKW der Schweiz in G\u00f6sgen besch\u00e4ftigt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/i\/allgemeine-informationen-_content---1--1056.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">550 Mitarbeiter<\/a>. Demgegen\u00fcber zeigen Berechnungen, dass allein erh\u00f6hte Investitionen in Energieeffizienzmassnahmen,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sses.ch\/de\/wissen\/energiestrategie-2050-eidgenoessische-volksabstimmung-vom-21-mai-2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zus\u00e4tzlich 5000 Arbeitspl\u00e4tze<\/a>\u00a0im Baugewerbe kreieren werden.\n\n<b>3. \u00a0 \u00a0\u00a0<\/b><b>Kein Windrad auf dem Matterhorn<\/b>\n\nSchlussendlich beruft sich das Referendumskomitee auf \u00c4ngste, wie Verschandelung der Landschaft und massenhafte T\u00f6tung von V\u00f6geln. Windr\u00e4der brauchen gute Zugangsstrassen. Deshalb gibt es heute schon Windr\u00e4der auf dem gut erschlossenen Gotthardpass. Das Matterhorn jedoch wird sicher nicht zugebaut, wie in die Kampagne suggeriert. Ausserdem sind die Windressourcen in der Schweiz mittelm\u00e4ssig, weshalb wohl nur vereinzelt Windr\u00e4der gebaut werden. Photovoltaik- und Biomasseanlagen werden also das Gros des Zubaus ausmachen.\n\nPro Jahr geht das BFE, basierend auf einer Fallstudie im Jura, von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wissenschaft\/biologie\/windenergie-ld.131147\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">20.7 Vogelopfern pro Windanlage<\/a>\u00a0aus. Gem\u00e4ss Zahlen aus den USA, erlegt eine Hauskatze pro Jahr\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wissenschaft\/bildung\/wenn-maudi-zum-killer-wird-1.18552722\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">4 bis 18 V\u00f6gel<\/a>. In der Schweiz leben rund 1.5 Millionen Hauskatzen. Konservativ gesch\u00e4tzt k\u00f6nnten wir also knapp 300\u2018000 Windr\u00e4der bauen, und der Schaden f\u00fcr die V\u00f6gel w\u00e4re gleich gross, wie er jetzt wegen unserer Katzen ist.\n\n<b>Vision\u00e4r ist anders<\/b>\n\nWie so oft, kocht die Politik heisser, als gegessen wird. Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt gedeckelt. Die alten AKWs haben keine Laufzeitbeschr\u00e4nkung und neue sind sowieso unrentabel. Die sch\u00e4rfsten Z\u00e4hne wurden der Vorlage von den eidgen\u00f6ssischen R\u00e4ten schon gezogen. Die Entstehungsgeschichte unterstreicht die Ausgewogenheit des Vorschlags. Nach der Beratung in den Kommissionen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20120400\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ging die parlamentarische Initiative 2013 f\u00fcnf Mal zwischen National- und St\u00e4nderat hin und her<\/a>, bis der endg\u00fcltige Gesetzesvorschlag stand. Gut austariert f\u00fchrte dieser Vorschlag dann auch zum R\u00fcckzug der lancierten Cleantech-Initiative. Gewohnt schweizerisch, geht die Energiestrategie 2050 also in die \u00f6konomisch und politisch sinnvolle Richtung, ohne dabei sonderlich progressiv oder innovativ zu sein. Schade, es g\u00e4be mehr zu holen f\u00fcr die Schweiz. Und: Diskussionen \u00fcber solch kosmetische \u201eReformen\u201c nehmen uns nur die Zeit f\u00fcr wirkliche Zukunftsdebatten.\n\nF\u00fcr den vollen Fakten-Check lohnt sich ein Besuch auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vice.com\/de_ch\/article\/wir-haben-die-falschen-behauptungen-des-energiegesetz-briefes-korrigiert-ch\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Vice<\/a>. Alle Infos des UVEKs gibt es\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uvek.admin.ch\/uvek\/de\/home\/energie\/energiestrategie-2050.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">hier<\/a>.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1952],"class_list":["post-79649","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-klima"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79649","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79649"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79649"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}