{"id":79788,"date":"2015-10-29T00:00:00","date_gmt":"2015-10-28T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/der-armut-entwachsen-der-denkfehler-in-den-sdg\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:56","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:56","slug":"der-armut-entwachsen-der-denkfehler-in-den-sdg","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/der-armut-entwachsen-der-denkfehler-in-den-sdg\/","title":{"rendered":"Der Armut entwachsen? Der Denkfehler in den SDG"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Die SDG wollen die Armut mit einem Wachstum f\u00fcr alle \u00fcberwinden, ohne dass an dessen Grenzen gedacht wird. Nur eine Innovationswende kann hier die n\u00f6tigen Reformen bringen.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>\u00ab\u00a0Probleme kann man niemals\n<\/i><i>mit derselben\u00a0<\/i><i>Denkweise l\u00f6sen,\ndurch die sie entstanden sind.\u00a0\u00bb\n<\/i><i>Albert Einstein<\/i>\n\nLaut dem vielversprechende Namen \u00ab\u00a0Transforming our World\u00a0\u00bb zielt die Agenda 2030 darauf ab, einen transformativen, also strukturellen Wandel herbeizuf\u00fchren. Kernst\u00fcck sind die 17 Sustainable Development Goals (SDG), welche die Millenniumsentwicklungsziele nicht nur abl\u00f6sen, sondern stark ausweiten. In dem dreij\u00e4hrigen Vorbereitungsprozess hat die Schweiz eine aktive Rolle eingenommen und ihre Handschrift ist in einigen der Zielen zu erkennen. Dies soll anerkannt werden und die Umsetzung im eigenen Land vorantreiben. Nichtsdestotrotz hat die Agenda einige Schw\u00e4chen und ein grosses Defizit.\n\nVereinfacht l\u00e4sst sich die Kritik an den SDG in zwei Lager teilen; den einen gehen sie zu weit, den anderen zu wenig weit. Zu ersteren geh\u00f6ren bekannte Namen wie das Wirtschaftsmagazin\u00a0<i>The Economist<\/i>, welches behauptet, dass die SDG \u00ab\u00a0<a href=\"http:\/\/www.economist.com\/news\/leaders\/21647286-proposed-sustainable-development-goals-would-be-worse-useless-169-commandments\" rel=\"nofollow noopener\">worse than useless<\/a>\u00a0\u00bb\u00a0sind. Diese Gruppe kritisiert den Umfang der Ziele und f\u00fcrchtet wohl auch fortschrittliche Massnahmen zum Beispiel bei der Reduktion von Ungleichheit (SDG 10).Auf der anderen Seite gibt es die Kritik der organisierten Zivilgesellschaft, welche wichtige Punkte anspricht, wie beispielsweise die fehlende Rechenschaftspflicht, v.a. betreffend dem privaten Sektor. Die \u00fcberragende Entt\u00e4uschung betrifft jedoch das &#8211; zumindest ehemals &#8211; zentrale Ziel der Armutsbek\u00e4mpfung. Das Ende der Armut ist gewiss an prominenter erster Stelle (SDG 1), als Hauptpfeiler zur Armutsreduktion wird jedoch erneut auf Wachstum gesetzt (SDG 8); von mindestens sieben Prozent j\u00e4hrlich ist die Rede (SDG 8.1). Dies soll unter anderem \u00fcber gesteigerte Exporte (SDG 17.11) und mehr Freihandel (SDG 17.10) geschehen. Um das altgestrige Rezept \u00ab\u00a0mehr wirtschaftliches Wachstum gleich mehr Armutsreduktion\u00a0\u00bb zu widerlegen, kommt eine\u00a0<a href=\"http:\/\/werdiscussion.worldeconomicsassociation.org\/?post=incrementum-ad-absurdum-global-growth-inequality-and-poverty-eradication-in-a-carbon-constrained-world\" rel=\"nofollow noopener\">Studie<\/a>\u00a0von David Woodward (2013) gelegen, welche auf Daten der Weltbank basieren.\n\n<b>Ein Spurt in der Armutsreduktion w\u00e4re n\u00f6tig<\/b>\n\nIn den letzten drei Jahrzehnten gab es einige Erfolge in der Armutsbek\u00e4mpfung, wovon jedoch die \u00c4rmsten der Armen,v.a. ausserhalb Chinas, zu wenig profitiert haben. Laut Woolward gingen nur f\u00fcnf Prozent des globalen Wirtschaftswachstums zwischen 1981 und 2010 zugunsten der \u00c4rmsten 60 Prozent unseres Planeten. Woolward berechnete nun, wie lange es dauern w\u00fcrde, um mit einer solchen Wachstumsverteilung die globale Armut effektiv zu bek\u00e4mpfen. Laut ihm braucht es mindestens 100 Jahre, um die extreme Armut auf der Erde zu beenden, d.h. bis jeder Mensch \u00fcber 1.25 Dollar pro Tag zur Verf\u00fcgung hat\u2013 ein Level, welches bis 2030 durch die SDG Realit\u00e4t werden soll. Um auf 5 Dollar pro Tag zu kommen, br\u00e4uchte es sogar 200 Jahre. Daf\u00fcr m\u00fcssten der globale Konsum und dementsprechend die Produktion um den Faktor 175 ansteigen.\n\nRichtigerweise f\u00fcgt Woolward sogleich an, dass auch dieses d\u00fcstere Szenario noch weitaus dunkler wird, wenn die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels als weiteres Ziel hinzukommt. Die planetarischen Grenzen zwingen uns zu einem tiefgr\u00fcndigen Umdenken. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zeigen deutlich auf, dass die Wirtschaft nicht weiter die anderen zwei Eckpfeiler der Nachhaltigkeit \u00fcberragen darf. Es reicht somit bei weitem nicht, wenn bei den SDG \u00ab\u00a0inclusive and sustainable\u00a0\u00bb vor dem Wachstum steht. Innovative Ideen und tiefgr\u00fcndige Reformen sollten diskutiert werden, die hier nur als Stichworte genannt werden k\u00f6nnen: ein globaler Schuldenschnitt f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder, Bek\u00e4mpfung von Steuerflucht, eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer,&#8230;\n\nMehr mag real-politisch vielleicht nicht m\u00f6glich gewesen sein. Doch ist es meines Erachtens gerade die Aufgabe einer Denkfabrik, die sich als Sprachrohr f\u00fcr junge DenkerInnen sieht, diese real-politischen Grenzen zu \u00fcberwinden, so dass die in der Agenda 2030\u00a0angesprochene \u00ab\u00a0Mutter Erde\u00a0\u00bb wirklich als Heimat der ganzen Menschheit anerkannt wird. Denn mit der jetzigen Agenda besteht die Gefahr, dass wir zumindest bei der Armutsbek\u00e4mpfung hinter der versprochenen Transformation zur\u00fcck bleiben.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79788","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79788"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79788"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}