{"id":79806,"date":"2015-07-22T00:00:00","date_gmt":"2015-07-21T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/thisisacoup-oder-warum-die-deutsche-diplomatie-bei-der-griechenlandkrise-ausgedient-hat\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:59","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:59","slug":"thisisacoup-oder-warum-die-deutsche-diplomatie-bei-der-griechenlandkrise-ausgedient-hat","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/thisisacoup-oder-warum-die-deutsche-diplomatie-bei-der-griechenlandkrise-ausgedient-hat\/","title":{"rendered":"#ThisIsACoup &#8211; Oder warum die deutsche Diplomatie bei der Griechenlandkrise ausgedient hat"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Trotz PR-Desaster: Die deutsche Aussenpolitik konnte im Fall der Griechenlandkrise mit Public Diplomacy nicht auf die negative Stimmung gegen\u00fcber Deutschland reagieren. Denn es ging nicht um Deutschland und Griechenland, sondern um Europa. Und bei europ\u00e4ischer Innenpolitik st\u00f6sst die klassische Diplomatie an ihre Grenzen.<\/strong>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nNicht erst gestern wurde Angela Merkel mit Hitlerschnauz abgebildet, aber was sich zuletzt an Wut Luft verschafft hat, ist f\u00fcr die Bundesrepublik ein Debakel: Deutschland handle Kolonialvertr\u00e4ge aus, Deutschland erobere europ\u00e4ische Staaten ohne kriegerische Mittel, #ThisIsACoup, #BoycottGermany. \u00a0Vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble wurde dabei zur Zielscheibe: Er sei eine gr\u00f6ssere Gefahr f\u00fcr Europa als Terroristen, Euroskeptiker oder Populisten, schrieb die portugiesische Tageszeitung Publico (immerhin europ\u00e4ische Zeitung des Jahres 2014). \u201eBesessen\u201c sei er, \u201edie Arroganz eines Herrschers\u201c leite ihn, lauteten weitere\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/www.keeptalkinggreece.com\/2015\/03\/11\/greek-german-war-of-words-escalates-and-turns-nasty\/http:\/\/www.keeptalkinggreece.com\/2015\/03\/11\/greek-german-war-of-words-escalates-and-turns-nasty\/\" href=\"http:\/\/www.keeptalkinggreece.com\/2015\/03\/11\/greek-german-war-of-words-escalates-and-turns-nasty\/http:\/\/www.keeptalkinggreece.com\/2015\/03\/11\/greek-german-war-of-words-escalates-and-turns-nasty\/\" rel=\"nofollow noopener\">verbale Attacken<\/a>.\n\nUnd die deutsche Reaktion? H\u00e4tte hier nicht eine gross angelegte deutsche Imagekampagne einsetzen m\u00fcssen? H\u00e4tten nicht zumindest symbolische Schritte auf Griechenland, auf S\u00fcdeuropa zugemacht werden m\u00fcssen? Vielleicht ein Besuch der Kanzlerin in Athen? H\u00e4tte man nicht einem anderen Staat aus der Austerit\u00e4tskoalition &#8211; Estland oder Finnland vielleicht &#8211; die Verhandlungsf\u00fchrung \u00fcberlassen sollen? Zumindest einen Twitter-Account h\u00e4tten sich Kanzlerin, Aussenminister oder Finanzminister leisten k\u00f6nnen. Wo war die deutsche Public Diplomacy? Wo blieb da das politische Marketing?\n\nEs blieb aus, und das aus gutem Grund: Denn die Griechenlandkrise zeigt gleich zweifach auf, dass klassische staatliche, aussenpolitische Instrumente wie Public Diplomacy in der heutigen Europapolitik nur noch beschr\u00e4nkt sinnvoll sind.\n\n<b>Europ\u00e4ische Innenpolitik<\/b>\n\nErstens: Mit der Griechenlandkrise wurde deutlich, wie gross die Unterschiede zwischen Wahrnehmung und Realit\u00e4t europ\u00e4ischer Politik geworden sind. Denn nur auf den ersten Blick verhandelte Deutschland mit Griechenland. Eigentlich wird aber Europapolitik mit gemeinsamen Institutionen, gemeinsamen Regeln und gemeinsamer W\u00e4hrung gemacht. Europapolitik ist europ\u00e4ische Innenpolitik geworden. Eine Public Diplomacy, die der Logik zwischenstaatlicher Politik folgt (und folgen muss) wird somit weitgehend \u00fcberfl\u00fcssig.\n\nHeute braucht Europa einen \u201ehonest broker\u201c, eine Instanz, welche die Legitimit\u00e4t und die Autorit\u00e4t besitzt, um in einem h\u00f6heren gemeinsamen Interesse zu vermitteln und am Ende zu entscheiden. Es braucht eine vom europ\u00e4ischen Volk gew\u00e4hlte Kommission, welche die Kernelemente einer europ\u00e4ischen Finanzpolitik f\u00fchrt. Was es nicht braucht \u00a0ist eine deutsche Public Diplomacy f\u00fcr staatliche Partikularinteressen.\n\nZweitens: Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der EU zeigte sich die Entwicklung einer europ\u00e4ische Debatte. Griechenland stand zwar im Zentrum &#8211; aber diskutiert wurde dar\u00fcber, welchen politischen Leitlinien Europa folgen sollte: Wieviel Austerit\u00e4t? Wieviel staatliche Intervention? Welche W\u00e4hrungspolitik? Fragen, welche alle B\u00fcrger der Eurozone gleichermassen betreffen.\n\n<b>Europ\u00e4ische Debatte<\/b>\n\nGriechenland zeigt auf, dass eine europ\u00e4ische Debatte existiert. In den Sozialen Medien wird die Zukunft des Kontinents besprochen, \u00fcber Landesgrenzen hinweg, auf englisch und mit hoher Geschwindigkeit. Und diese Sozialen Medien stehen heute auch am Anfang jeder Berichterstattung der grossen Medienh\u00e4user. Sie sind nicht mehr zu ignorieren. Und wer sich \u00fcber mangelnde Qualit\u00e4t der Online-Meinungs\u00e4usserungen beklagt, dem sei gesagt: Sie ist offline auch nicht besser.\n\nEs ist zu fr\u00fch, von einem europ\u00e4ischen Demos, von einer europ\u00e4ischen Volkszugeh\u00f6rigkeit zu sprechen, aber die Entwicklung f\u00fchrt deutlich in diese Richtung. Im \u00dcbrigen haben das selbst die Parteien erkannt: Vertreter des Movimiento Cinque Stelle waren w\u00e4hrend des Referendums in Athen vor Ort und sprachen in lokale Fernsehkameras, G\u00fcnther Verhofstadts Anklage an die Adresse Tsipra\u2019s im EU-Parlament verbreitete sich in Windeseile. Nach der Debatte wird auch die Politik europ\u00e4isch.\n\n<b>Die Diplomatie ist \u00fcberfordert<\/b>\n\nDie Diplomatie ist von diesem neuen Diskurs \u00fcberfordert. Im traditionellen zwischenstaatlichen Verh\u00e4ltnis h\u00e4tte sie sich im Sinne der Public Diplomacy den Anspruch geben m\u00fcssen, Debatten mitzupr\u00e4gen \u00ad\u2013 durch geschicktes Platzieren von Informationen, durch Auftritte von aussenpolitischen Exponenten. Aber innerhalb Europas geht das aufgrund der Dichte und der Asymmetrie der \u00f6ffentlichen Kommunikation nicht mehr.\n\nEurop\u00e4ische Politik muss in Zukunft konsequent auf europ\u00e4ischer Ebene gemacht werden. Supranational, nicht intergouvernemental. Und am Beispiel der Griechenlandkrise war ganz deutlich abzusehen, dass die Finanzpolitik im Euroraum das erste Element europ\u00e4ischer Politik ist, welches \u00fcber kurz oder lang an eine Europ\u00e4ische (Wirtschafts-) Regierung abgetreten werden muss. Public Diplomacy kann diese Entwicklung nicht aufhalten. Bis es soweit ist, kann es allerdings trotzdem nicht schaden, wenn sich die h\u00f6chsten Vertreter der deutschen Regierung einen Twitter-Account zulegen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79806","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79806","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79806"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79806"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}