{"id":79812,"date":"2015-10-08T00:00:00","date_gmt":"2015-10-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/hausfrau-gegen-einwanderer-das-zaubermittel-inlaenderpotential-wirkt-nicht\/"},"modified":"2026-05-27T11:20:59","modified_gmt":"2026-05-27T09:20:59","slug":"hausfrau-gegen-einwanderer-das-zaubermittel-inlaenderpotential-wirkt-nicht","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/hausfrau-gegen-einwanderer-das-zaubermittel-inlaenderpotential-wirkt-nicht\/","title":{"rendered":"Hausfrau gegen Einwanderer: Das Zaubermittel &quot;Inl\u00e4nderpotential&quot; wirkt nicht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Ein Glanzst\u00fcck symbolischer Migrationspolitik: Um den Mangel an Fachkr\u00e4ften, der als Folge der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) eintreten wird, entgegenzuwirken, setzt der Bundesrat auf Massnahmen, um das inl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4ftepotential besser auszusch\u00f6pfen. Doch der Glaube, damit die Migration zu reduzieren, ist illusorisch.\u00a0<\/strong>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nAlle sind sich einig, von links bis rechts: jetzt muss die \u201eunterbesch\u00e4ftige\u201c Hausfrau in den Arbeitsmarkt integriert werden; \u00e4ltere Arbeitnehmende sollen l\u00e4nger im Arbeitsprozess bleiben; die Jugend dort ausgebildet werden wo sie gebraucht wird. Sie alle sollen die Schweiz vor den unerw\u00fcnschten Einwanderer\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Das-ungenutzte-Potenzial-der-Muetter\/story\/16492484\" rel=\"nofollow noopener\">retten<\/a>. \u201eInl\u00e4nderpotential\u201c lautet das Zaubermittel. Nur hat das Alles einen Haken, und zwar einen grossen: Ein Arbeitsmarkt, der mit dem Rechenschieber funktioniert, existiert nicht. Aus politischer Opportunit\u00e4t werden makro-\u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge vollkommen ignoriert.\n\n<b>Der Schweiz gehen die Arbeitskr\u00e4fte aus<\/b>\n\nGem\u00e4ss dem Bundesamt f\u00fcr Statistik werden in den n\u00e4chsten zehn bis zwanzig Jahren die Arbeitnehmer auf dem Schweizer Arbeitsmarkt noch knapper vorhanden sein \u2013 nicht nur wegen der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative: die fortschreitende Alterung der Bev\u00f6lkerung, die tiefe Geburtenrate, die steigende Beliebtheit von Teilzeitarbeit, das Bed\u00fcrfnis nach guter Work-Life-Balance tragen ebenfalls dazu bei.\n\n\u201eInl\u00e4nderpotential\u201c, diese vermeintliche Zauberingredienz in der Suppe des politischen Opportunismus \u2013 man k\u00f6nnte sie auch Scharlatanerie nennen \u2013 ist aber gar nicht so neu: Die Fachkr\u00e4fte-Initiative von Johann Schneider-Ammann wurde bereits im Jahre 2011 gestartet um dem bereits damals sich versch\u00e4rfenden Fachkr\u00e4ftemangel auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu begegnen. Vergessen geht dabei, dass gerade in der Schweiz dieses Potential im internationalen Vergleich am tiefsten ist, hat doch die Schweiz die h\u00f6chste Besch\u00e4ftigungsquote weltweit. Und selbst wenn das noch vorhandene Potential ausgesch\u00f6pft wird, so wird es dennoch nicht den gew\u00fcnschten Effekt auf die Zuwanderung haben:\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/www.news.admin.ch\/NSBSubscriber\/message\/attachments\/30926.pdf\" href=\"http:\/\/www.news.admin.ch\/NSBSubscriber\/message\/attachments\/30926.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Migration hat insgesamt keinen negativen Verdr\u00e4ngungseffekt auf den inl\u00e4ndischen Arbeitsmarkt.<\/a>\u00a0Und deshalb werden auch umgekehrt keine Schweizerinnen den potentiellen Migranten die Jobs wegnehmen.\n\n<b>Besch\u00e4ftigung schafft Besch\u00e4ftigung<\/b>\n\nMigranten stellen meist keinen Ersatz, sondern eine Erg\u00e4nzung im einheimischen Arbeitsmarkt dar und erh\u00f6hen so die inl\u00e4ndische Besch\u00e4ftigung. In einer wachsenden Wirtschaft steigt die Besch\u00e4ftigung und damit auch die Anzahl Arbeitspl\u00e4tze: Wachstum schafft zus\u00e4tzliches Einkommen, das f\u00fcr zus\u00e4tzliche G\u00fcter und Dienstleistungen ausgegeben wird, die durch zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte produziert werden m\u00fcssen. Als die Frauen in den 60er- und 70er-Jahren vermehrt wieder Arbeit suchten, hatte auch kein Mann Angst, vom Arbeitsmarkt verdr\u00e4ngt zu werden. Sondern das Volumen des Arbeitsmarkts wurde erh\u00f6ht und gleichzeitig Produktivit\u00e4t und Wachstum angekurbelt.\n\nHinzu kommt, dass die neu in den Arbeitsmarkt integrierten Arbeitnehmer, an anderen Orten fehlen. Wie von Bundesrat Schneider-Ammann vorgeschlagen, werden mehr Ausbildungspl\u00e4tze in der Medizin geschaffen, nur werden die neuen Mediziner nicht einfach so aus dem Boden wachsen: sie werden Mediziner statt Grafiker, Techniker, Anwalt oder Koch. Statt den \u00a0Arbeitnehmermangel zu beseitigen, verteilt er sich einfach auf andere Branchen. Damit eine Hausfrau oder ein Hausmann arbeiten geht, braucht es mindestens eine Person die den Haushalt stattdessen erledigt, Kinder m\u00fcssten versorgt werden, Krippenpl\u00e4tze m\u00fcssten geschaffen und somit dort auch wieder mehr Personal eingestellt werden.\n\n<b>Weit verbreiteter Irrglaube<\/b>\n\nDurch das h\u00f6here Einkommen, wird der Konsum der jeweiligen Person angekurbelt. Der erh\u00f6hte Konsum, sei es jeden Tag ein Menu mehr im Restaurant, einmal mehr Skiurlaub pro Jahr oder ein Fitness-Abo, muss auch von jemandem mit Angebot ausgeglichen werden. Somit zeigt sich das eigentliche Problem der Wunderl\u00f6sung \u2013 die Labour Lump Fallacy. Die Labour Lump Fallacy ist ein weit verbreiteter Irrglauben, die Menge an Arbeit in einem Land sei gegeben. In Wirklichkeit zieht in einem dynamischen Arbeitsmarkt Besch\u00e4ftigung weitere Besch\u00e4ftigung nach sich. Mit anderen Worten: Besch\u00e4ftigung schafft Besch\u00e4ftigung, ein Job kommt selten alleine.\n\nDiese Erkenntnisse sind eine \u00f6konomische Binsenwahrheit. Umso erstaunlicher ist es, dass Beh\u00f6rden und Parteien diese Zusammenh\u00e4nge nicht wahrnehmen. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass diese seit langem geplanten Massnahmen gelegen kamen, um unter dem neuen Anstrich der Zuwanderungsbremse der \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln, die Regierung sei darum bem\u00fcht und in der Lage, die Zuwanderung zu reduzieren. Dieses Mal kommt immerhin niemand direkt zu schaden, doch einer ehrlichen Migrationsdebatte ebnet es nicht den Weg.<i><\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79812","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79812"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79812"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}