{"id":79823,"date":"2015-06-24T00:00:00","date_gmt":"2015-06-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/fifa-warum-die-schweiz-nun-kein-hektisches-spiel-spielen-sollte\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:00","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:00","slug":"fifa-warum-die-schweiz-nun-kein-hektisches-spiel-spielen-sollte","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/fifa-warum-die-schweiz-nun-kein-hektisches-spiel-spielen-sollte\/","title":{"rendered":"FIFA: Warum die Schweiz nun kein hektisches Spiel spielen sollte"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>In den vergangenen Wochen konnte sich die FIFA kaum noch aus den negativen Schlagzeilen retten. Die hiesige Politik tut gut daran, sich gerade in der Debatte um die Revision des Korruptionsstrafrechts bed\u00e4chtig zu positionieren. Denn Problemstellung und \u2013l\u00f6sung gehen \u00fcber die Fifa-Hektik hinaus.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nKorruption, Menschenrechtsverletzungen beim Bau von Stadien in der katarischen W\u00fcste, massloser Luxus am Z\u00fcrichberg: Die FIFA und ihr Walliser Noch-Pr\u00e4sident Sepp Blatter stehen in der Kritik. Werden die Vorw\u00fcrfe an den nach Schweizer Recht organisierten Verein zum Problem f\u00fcr die Schweiz?\n\nDazu ein kurzer Blick zur\u00fcck: Noch bevor die j\u00e4hrliche Vollversammlung mit 2000 Funktion\u00e4ren und Medienschaffenden aus aller Welt richtig startete, wurden am Morgen des 24. Mai 2015 im Z\u00fcrcher Baur au Lac sieben FIFA-Funktion\u00e4re wegen Verdacht auf Korruption auf Antrag der US-Justizbeh\u00f6rden von Schweizer Ordnungsh\u00fctern verhaftet. In der Folge kam der Ball so richtig ins Rollen: Weitere Verhaftungen von hochrangigen FIFA-Funktion\u00e4ren in Zentralamerika folgten; Ermittlungen gegen die FIFA und ihre Funktion\u00e4re unter anderem in Grossbritannien und in Australien wurden angek\u00fcndigt. Kein Wunder forderten Medien und immer mehr Fussball-Vertreter \u00f6ffentlich den R\u00fccktritt von Sepp Blatter. Der 79-j\u00e4hrige Blatter liess sich dennoch wiederw\u00e4hlen \u2013 um kurz danach am 2. Juni seinen R\u00fccktritt anzuk\u00fcndigen. Zuf\u00e4lligerweise nur einen Tag danach tagte in Bern der St\u00e4nderat, um \u00fcber eine Versch\u00e4rfung des Korruptionsstrafrechts \u2013 von einigen Medien und Parlamentariern \u201eLex Fifa\u201c genannt \u2013 zu debattieren. Der Bundesrat schlug die Einf\u00fchrung eines \u2013 von Amtes wegen zu ahndenden \u2013 Straftatbestandes der Privatkorruption vor.\n\n<b>St\u00e4nderat bleibt bed\u00e4chtig<\/b>\n\nLaut Bericht des Bundesrats zur Revision des Strafrechts scheinen insbesondere die Vergaben der Fussballweltmeisterschaften f\u00fcr die Jahre 2018 (Russland) und 2022 (Katar) den Handlungsbedarf augenscheinlich gemacht zu haben. So ziehen die Vergaben unter geltendem Recht keine beziehungsweise nicht zwingend strafrechtliche Folgen nach sich: Bestechung im privaten Bereich ist heute nur strafbar, solange sie im Falle einer Konkurrenzsituation zu Wettbewerbsverzerrungen im Sinne des Gesetzes \u00fcber den unlauteren Wettbewerb (UWG) f\u00fchrt.\n\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3196 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fifa1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nWie weiter? (Quelle: Flickr, Patrick Tschudin,\u00a0<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/legalcode\" rel=\"nofollow noopener\">Lizenz<\/a>)\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie Ereignisse der letzten Wochen zeigten in aller Deutlichkeit auf, welche Konsequenzen eine unzul\u00e4ngliche Gesetzgebung nach sich ziehen kann. Dennoch liess sich die kleine Kammer nicht vom Gebaren der Kritiker beeinflussen und entschied sich f\u00fcr eine gem\u00e4ssigte Variante. Man solle nicht zu einem reinen FIFA-Tribunal verkommen, forderte beispielsweise Stefan Engler (CVP, GR), zumal es bei der Revision des Korruptionsstrafrechts nicht nur um die aktuellen Geschehnisse gehe. Die Einf\u00fchrung eines entsprechenden Straftatbestandes im privaten Bereich blieb zwar auch im St\u00e4nderat weitgehend unbestritten. Hinsichtlich der Ahndung dieser Straftat machte er aber einen entscheidenden Antrag: Um Strafverfahren in Bagatellf\u00e4llen vermeiden zu k\u00f6nnen, solle Privatkorruption, wo keine \u00f6ffentlichen Interessen gef\u00e4hrdet scheinen, lediglich auf Antrag, also durch einen \u201eprivaten\u201c Kl\u00e4ger, verfolgt werden.\n\nDamit relativiere sich allerdings die ganze Strafverfolgung in Korruptionsangelegenheiten. Es werde entleert, was mit der \u00c4nderung eigentlich angestrebt wurde, kritisiert Justizministerin Simonetta Sommaruga. Hat Sommaruga recht? Betreibt der St\u00e4nderat mit seinem Vorschlag lediglich Kosmetik? Und h\u00e4tte nicht bereits fr\u00fcher auf Schlupfl\u00f6cher in der Gesetzgebung reagiert werden m\u00fcssen?\n\n<b>Chance verpasst, aber&#8230;<\/b>\n\nNicht nur die FIFA, sondern notabene auch die Schweiz geriet durch die Aff\u00e4re in die Kritik. Das ist grunds\u00e4tzlich noch kein Grund zur Hektik: Die Planung von Gesetzgebungsarbeiten kann sich ohnehin nicht strikte und ausschliesslich nach solchen Vorf\u00e4llen richten. Das Parlament soll nicht ausschliesslich die Fieberkurve der Tagespolitik senken, sondern vielmehr die Grundproblematiken langfristig und mit Augenmass angehen. Doch in Anbetracht der zeitlichen Parallelit\u00e4ten zwischen parlamentarischer Beratung und Skandal mag es klar erstaunen, dass sich der St\u00e4nderat dem Thema gegen\u00fcber trotz hoher Wellen in den Medien und einigen markigen Stimmen in der Wandelhalle des Bundeshauses bed\u00e4chtig positioniert und eine gemilderte Variante des Vorschlages gutheisst.\n\nSpielt es denn eine Rolle, ob Privatkorruption durchwegs als Offizialdelikt ausgestaltet wird oder ob eben in weniger schwerwiegenden F\u00e4llen ein Gesch\u00e4digter als Kl\u00e4ger existieren muss? Der St\u00e4nderat hat mit seinem Entscheid f\u00fcr die abgeschw\u00e4chte Vorlage des Korruptionsstrafrechts eine erste Chance verpasst, ein klares Zeichen f\u00fcr Transparenz zu setzen. Die restriktivere Variante \u2013 d.h. die konsequente Ausgestaltung des Tatbestandes als Offizialdelikt \u2013 w\u00fcrde sehr wahrscheinlich weniger zu Abgrenzungsfragen f\u00fchren und damit letztlich zu mehr Rechtssicherheit beitragen. Insbesondere scheint unklar geblieben, wie noch vor der Er\u00f6ffnung eines Strafverfahrens und damit quasi vom Schiff aus \u00fcber das Vorliegen eines \u00f6ffentlichen Interessens entscheiden werden sollte. W\u00fcrde nun \u00a0auch der Nationalrat dem Entscheid der kleinen Kammer folgen, wird sich letztlich in der Anwendung zeigen m\u00fcssen, ob die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden es verstehen werden, nach Kenntnisnahme m\u00f6glicher illegaler Vorg\u00e4nge \u00f6ffentliches Interesse auszumachen, um im Anschluss gegen Privatkorruption vorgehen zu k\u00f6nnen.\n\n<b>&#8230; die Frage geht \u00fcber den Fifa-Skandal hinaus.<\/b>\n\nInwiefern mit den geplanten \u00c4nderungen des Korruptionsstrafrechts in Sportverb\u00e4nden dem Problem tats\u00e4chlich beizukommen ist, erscheint aber grunds\u00e4tzlich fraglich. Denn selbst bei einem Offizialdelikt m\u00fcssen die Justizbeh\u00f6rden zuerst von den illegalen Vorg\u00e4ngen Kenntnis erhalten. Da es bei der Bestechung Privater oft kein unmittelbares Opfer gibt, ist dies unter Umst\u00e4nden schwierig.<b><\/b>\n\nWas bez\u00fcglich dem Korruptionsstrafrecht noch anfallen wird, geht daher \u00fcber den FIFA-Skandal hinaus. So ist die Aff\u00e4re lediglich Ausfluss, nicht aber Ursache des Problems. Statt also in FIFA-Hektik auszubrechen und \u201eSpezialgesetze\u201c zu diskutieren, sollte man sich vielmehr \u00fcberlegen, wie man zuk\u00fcnftig im Grundsatz mit (Privat-)Korruption umgehen will. Wo Entscheidungsmechanismen wenigen Leuten zustehen und interne Abl\u00e4ufe im Dunkeln bleiben, besteht stets N\u00e4hrboden f\u00fcr Bestechungsversuche und \u2013erfolge. Punkte, die es klar zu revidieren gilt. Es w\u00e4re daher zentral, die Diskussion \u00fcber den Schutz von Whistleblower oder diejenige \u00fcber taugliche Organisationsformen bedeutender Sportverb\u00e4nde voranzutreiben. Nur eine umfassende Regulierung bzw. gesetzliche Reform w\u00fcrde Transparenz und Abhilfe der bestehenden Problematik um u.a. die FIFA schaffen.\n\n<b>Im Interesse der Schweiz<\/b>\n\nDie Kritik der internationalen Medien, welche die Schweiz bereits als Hafen f\u00fcr Geldw\u00e4scherei und Korruption bezeichneten, ist letztlich vor allem Polemik, gibt es doch hierzulande\u00a0<a href=\"http:\/\/www.transparency.org\/cpi2014\/results\" rel=\"nofollow noopener\">vergleichsweise wenig effektive Korruptionsf\u00e4lle<\/a>. Dennoch tut die Schweiz gut daran, die Geschehnisse am Z\u00fcrichberg zu beobachten. Rund 60 internationale Sportverb\u00e4nde haben in der Schweiz ihren Hauptsitz. Diese bringen unter anderem qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, Steuern und Tourismus. So sorgten die internationalen Sportverb\u00e4nde 2013 beispielsweise f\u00fcr rund 32\u2018000 Gesch\u00e4ftsreise-\u00dcbernachtungen. Und das lohnt sich f\u00fcr die hiesige Wirtschaft: Die in der Schweiz angesiedelten internationalen Sportverb\u00e4nde sorgten zwischen 2008 und 2013 j\u00e4hrlich f\u00fcr eine Wertsch\u00f6pfung in der H\u00f6he von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2015-05\/fifa-schweiz-sportverbaende-steuerbefreiung\" rel=\"nofollow noopener\">rund einer Milliarde<\/a>.\n\nDie internationale Sportwelt in der Schweiz zu wissen, bringt nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht Vorteile: Die Dichte an internationalen Akteuren und Konferenzen verhelfen der Schweiz und insbesondere der Romandie, weltweit die Spitzenreiterin in diesem Bereich zu bleiben. Auf diese Weise erh\u00e4lt die Schweiz auf dem internationalen Politparkett zus\u00e4tzliches Gewicht, welches ihr unter anderem eine effizientere Umsetzung ihrer aussenpolitischen Ziele erlaubt.\n\nDie Schweiz hat also ein klares Interesse, die internationale Sportwelt auch weiterhin zu beheimaten. Umso mehr sollte sie auch an einer intakten Reputation der hierzulande angesiedelten (internationalen) Sportverb\u00e4nde und deren Befreiung von kriminellen Machenschaften interessiert sein. Es ist nicht anzunehmen, dass die Standortattraktivit\u00e4t der Schweiz lediglich aus Gr\u00fcnden eines versch\u00e4rften Korruptionsstrafrechts oder restriktiveren Anforderungen an die Regelung im Bereich des Gesellschaftsrechts leiden w\u00fcrde. Einzig durch ein proaktives Handeln wird es der Schweiz gelingen, die Kritik der internationalen Medien als haltlos zur\u00fcckzuweisen, ihr gutes Image zu erhalten sowie weiterhin Gastgeber f\u00fcr die internationalen Sportorganisationen bleiben zu k\u00f6nnen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-79823","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79823"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79823"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}