{"id":79829,"date":"2015-06-03T00:00:00","date_gmt":"2015-06-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/regulierung-von-cyberwaffen-das-wichtige-puzzlestueck\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:01","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:01","slug":"regulierung-von-cyberwaffen-das-wichtige-puzzlestueck","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/regulierung-von-cyberwaffen-das-wichtige-puzzlestueck\/","title":{"rendered":"Regulierung von Cyberwaffen: Das wichtige Puzzlest\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Wie realistisch sind klare Regeln f\u00fcr Cyberwaffen? Vergangene Initiativen zur Regulierung anderer Waffen liefern nur bedingt Inspiration, da sich Cyberwaffen in vielen Punkten grundlegend von etablierten Waffenkategorien unterscheiden. Dennoch muss die Regulierungs-Diskussion dringend gef\u00fchrt werden. Insbesondere die Schweiz hat daran ein Interesse.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Unsere Welt wird vernetzter und digitaler und dadurch auch verwundbarer f\u00fcr Attacken auf Infrastruktur und Technologien. Schreckensszenarien wie die \u00dcbernahme eines Atomkraftwerks oder die Manipulation der Finanzm\u00e4rkte existieren seit L\u00e4ngerem \u2013 heute wissen wir, dass es sich dabei nicht nur um paranoide Hirngespinste handelt: Stuxnet oder die Cyber-Operationen in Estland 2007 haben den m\u00f6glichen strategischen Nutzen von Cyberwaffen deutlich aufgezeigt. Und diesen April wurde gar <\/span><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/der-naechste-schritt-in-den-digitalen-schattenkrieg-der-hack-bei-tv5monde-13532859.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">ein ganzer Fernsehsender lahmgelegt<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Kein Wunder also, dass etablierte Waffenhersteller versuchen, IT-Wissen f\u00fcr die Entwicklung von Cyberwaffen anzueignen. Die Waffen sind einfach zu bedienen und relativ g\u00fcnstig zu haben \u2013 und darum gefragt, auch ausserhalb staatlich kontrollierter Akteure.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Die lauter werdenden Rufe nach einer Regulierung oder gar einem Verbot von Cyberwaffen erstaunen angesichts dieses steigenden Bedrohungspotentials nicht. Auch aus den Reihen der epsitemic community wurde gefordert, internationale Initiativen zur Regulierung von Cyberwaffen anzustossen. So hat beispielsweise Eugene Kaspersky, wohl nicht ganz ohne Hintergedanken, bereits 2012 an der CeBIT Australien die Erarbeitung einer Cyberwaffenkonvention gefordert. Tats\u00e4chlich war zu diesem Zeitpunkt die Diskussion auf internationaler Ebene bereits in Gange, denn ein Jahr zuvor reichten Russland und China, zusammen mit Tadschikistan und Usbekistan, einen Entwurf f\u00fcr einen \u201eInternational code of conduct for information security\u201c bei der UN Generalversammlung ein, welcher allerdings nicht viel mehr erreichte, als das Thema auf die politische Agenda zu bringen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Szene aus dem Film WarGames von 1983<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Immerhin wird das Thema seither lebhaft an den neu entstandenen Cyberkonferenzen diskutiert. F\u00fcr diese Diskussion ist die Frage interessant, ob bereits existierende Frameworks als Modell f\u00fcr die Regulierung von Cyberwaffen dienen k\u00f6nnten. Die Liste potentieller Kandidaten ist beachtlich: von den <\/span><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hague_Conventions_of_1899_and_1907\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Haager<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und <\/span><a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/en\/war-and-law\/treaties-customary-law\/geneva-conventions\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Genfer<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> Konventionen zum Kriegsrecht \u00fcber spezifische Konventionen zu einzelnen Waffenkategorien, z.B. f\u00fcr <\/span><a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/chemical-weapons-convention\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">chemische<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> und <\/span><a href=\"http:\/\/www.unog.ch\/80256EE600585943\/%28httpPages%29\/04FBBDD6315AC720C1257180004B1B2F?OpenDocument\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">biologische<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> Kampfstoffe zum <\/span><a href=\"http:\/\/www.un.org\/disarmament\/WMD\/Nuclear\/NPT.shtml\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Non-Proliferation Treaty<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fcr Atomwaffen. Insbesondere die Biological and Toxin Weapons Convention\u00a0 (BTWC) von 1972 und die Convention on Chemical Weapons (CCW) von 1992 werden gerne als valable Inspirationsquellen genannt: Diese Waffenarten sind schwierig zu verfolgen, k\u00f6nnen sich leicht verbreiten, generieren massive Kollateralsch\u00e4den und sind Teil der dual-use Problematik.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Kein Copy-Paste<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Es gibt aber mehrere triftige Gr\u00fcnde, welche dagegen sprechen, existierenden Frameworks als Grundlage f\u00fcr eine Regulierung von Cyberwaffen zu nehmen:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; \u00a0 \u00a0 \u00a0 Erstens ist die Definitionsfrage \u00fcberhaupt nicht gekl\u00e4rt. Verschiedene Staaten und Gruppen haben ganz unterschiedliche Ansichten \u00fcber den Bereich, den Cyberwaffen abdecken. Handelt es sich um einzelne konkrete Programme, um Technologien? Z\u00e4hlen bereits Drohnen zu Cyberwaffen, da sie zusehends autonom agieren? Sollten wir den Fokus \u00fcberhaupt auf die \u201eWaffen\u201c lenken oder lieber \u201ebest practices\u201c erarbeiten? Ohne klare Definitionen wird es unm\u00f6glich sein, Cyberwaffen zu regulieren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; \u00a0 \u00a0 \u00a0 Zweitens m\u00fcssen Cyberwaffen nicht zwingend materieller Art sein. So kann man beispielsweise die Lagerung von Schadsoftware nicht \u00fcberpr\u00fcfen, da der Code sich auf unz\u00e4hlige Arten manifestieren und verbreiten kann. Auf Grund des immateriellen Charakters wird das Monitoring verunm\u00f6glicht.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; \u00a0 \u00a0 \u00a0 Drittens m\u00fcsste selbst wenn ein Monitoring m\u00f6glich w\u00e4re, das Framework st\u00e4ndig an sich ver\u00e4ndernde Bedrohungen angepasst werden. Cyberwaffen sind leicht verbreitbar und das Know-How zur Herstellung ist ausserhalb staatlich finanzierter Forschung zur Gen\u00fcge vorhanden. Da keine komplizierte Infrastruktur zur Erschaffung und Verwendung von Cyberwaffen ben\u00f6tigt wird, ist diese Waffenkategorie besonders f\u00fcr nicht-staatliche Akteure interessant. Diese Umst\u00e4nde beschleunigen auch den Entwicklungszyklus von Cyberwaffen. W\u00e4hrend bspw. die Entwicklung eines biologischen Kampfstoffes Jahre und Millionen in Anspruch nehmen kann, kann Schadsoftware in ein paar Wochen in einem schlecht belichteten Keller entwickelt werden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; \u00a0 \u00a0 \u00a0 Viertens lassen sich Cyberwaffen nur sehr schwer, wenn \u00fcberhaupt, einem bestimmten Akteur zuweisen . Aus genau diesem Grund sind Cyberwaffen auch f\u00fcr Staaten interessant, welche sich Optionen offen halten m\u00f6chten, welche sie nicht direkt belasten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; \u00a0 \u00a0 \u00a0 F\u00fcnftens spielt die Politik mit: Bei den regulierten Waffenkategorien haben sich die Staaten mehrheitlich darauf geeinigt, dass eine Kontrolle bzw. ein Verbot f\u00fcr sie sinnvoll ist, da die Waffen geringen strategischen Nutzen mit sich bringen. Dies ist f\u00fcr Cyberwaffen aber \u00fcberhaupt nicht der Fall, im Gegenteil.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Zusammenfassend ergibt sich durch den Charakter von Cyberwaffen ein d\u00fcsteres Bild auf die bestehenden Frameworks. Zu gross sind die Unterschiede, sowohl in den zur Diskussion stehenden Technologien als auch im politischen Umfeld, als dass man in B\u00e4lde ein fixfertiges Framework f\u00fcr Cyberwaffen erwarten d\u00fcrfte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Das bedeutet aber nicht, dass es nicht sinnvoll w\u00e4re. Erste Resultate hat die Debatte bereits erzielt: beispielsweise die <\/span><a href=\"http:\/\/conventions.coe.int\/Treaty\/en\/Treaties\/Html\/185.htm\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Convention on Cybercrime<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> des Europarats oder das <\/span><a href=\"https:\/\/ccdcoe.org\/tallinn-manual.html\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Tallinn Manual<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, welches in Zusammenarbeit mit dem IKRK entstand. Interessant scheinen auch weniger formalisierte Prozesse wie die Worldwide Cybersecurity Initiative des EastWestInstitute, welche auf Austausch und Dialog zwischen den Cyber40 setzt. Auch kleine Schritte k\u00f6nnen zum Ziel f\u00fchren und Staaten k\u00f6nnten das Thema des Code of Conduct erneut aufgreifen und sich selbst best practices im Bezug auf Cyberwaffen geben oder den gegenseitigen Austausch intensivieren.<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1817,1951],"class_list":["post-79829","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-frieden-sicherheit","custom-themes-tech-forschung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79829"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79829"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}