{"id":79839,"date":"2015-09-17T00:00:00","date_gmt":"2015-09-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/vernuenftig-wird-man-frueh-genug\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:03","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:03","slug":"vernuenftig-wird-man-frueh-genug","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/vernuenftig-wird-man-frueh-genug\/","title":{"rendered":"Vern\u00fcnftig wird man fr\u00fch genug"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Ihr wisst noch nicht, wo euch das kommende Studium hinf\u00fchrt? Sehr gut! Ein kleines Pl\u00e4doyer des Scheiterns zum Semesterbeginn.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nMeine Name ist Nicola, und ich bin ein Startup. Ich habe nach meiner Geburt in der Schweiz gute Standortbedingungen vorgefunden, Eltern, Lehrern und vielen weiteren Leuten haben in mich investiert, ein bisschen Talent war auch vorhanden&#8230; Und trotzdem bin ich \u2013 wie viele gute Startups \u2013 zuerst mal gescheitert. Und das kam so: Nach meiner neusprachlichen Matur bin ich zuerst auf die andere Seite der Welt gereist, hatte reiche Manager beim Ausf\u00fcllen ihrer Steuererkl\u00e4rungen unterst\u00fctzt (wie deklariert man eigentlich einen Helikopter?) und einen Berufsberater aufgesucht (Empfehlungen: Englisch, Deutsch oder Psychologie). Ich habe dann Jus studiert. \u00a0Und diese Zeit dazu genutzt, wenn immer m\u00f6glich nicht Jus zu studieren.. Erstaunlicherweise hat mir dann noch vor Ende des Studiums eine der weltweit gr\u00f6ssten Kanzleien einen Vertrag f\u00fcr ein Anwaltspraktikum angeboten; mit einem Lohn von mehr als CHF 9000.-\/Monat hatten sie ein sehr gutes Argument, und ich habe unterschrieben&#8230;\n\nBis dahin eigentlich alles ziemlich straightforward. Doch dann stand, kurz vor Ende des Studiums, die Abstimmung zur Personenfreiz\u00fcgigkeit (Ausdehnung auf Bulgarien &amp; Rum\u00e4nien) an, und ich wurde von den Jungparteien (also von allen ausser einer) angefragt, ob ich die nationale Pro-Kampagne koordinieren k\u00f6nnte. Am Schluss war die Personenfreiz\u00fcgigkeit noch einmal gerettet, aber ich hatte vergessen, mich um mein Jusstudium zu k\u00fcmmern \u00ad\u2013 und bin bei der Liz-Pr\u00fcfung voll durchgefallen. Das war ziemlich schmerzhaft, da man die Pr\u00fcfung damals nur zweimal machen konnte und ich sonst ohne irgendeinen Abschluss dagestanden w\u00e4re. Ausserdem wollte mich die renommierte Kanzlei dann auch nicht mehr. (Die Lizpr\u00fcfung schaffte ich dann gl\u00fccklicherweise doch noch irgendwie.)\n\nIch hatte aus damaliger Sicht voll aufs falsche Pferd gesetzt und damit mein Studium und meine Zukunft als Anwalt riskiert. Wenn ich vern\u00fcnftig gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mich auf mein Studium konzentriert. Doch ich war nicht vern\u00fcnftig, und das war gut so: Nach diesem Scheitern war ich \u201eals Startup\u201c auf den Geschmack gekommen und die Jugendkampagne bildete ein paar Monate sp\u00e4ter die Basis und das Netzwerk, auf dem wir unseren Think-Tank\u00a0<i>foraus<\/i>\u00a0aufbauen konnten.\n\nIch fragte meine Eltern f\u00fcr ein Darlehen, um die ersten 12 Monate voll auf den Think-Tank setzen \u2013 und dann gr\u00fcndeten wir\u00a0<i>foraus<\/i>. Nach einem Jahr konnten wir einen ersten und dann bald auch zweiten Lohn finanzieren, hatten Regiogruppen in s\u00e4mtlichen Universit\u00e4tsst\u00e4dten der Schweiz, die ersten f\u00fcnf Studien publiziert (auf Deutsch &amp; Franz\u00f6sisch!) \u00a0und sp\u00e4testens nach der Anfrage eines Bundesrates, ob wir ihm mal unsere Ideen pr\u00e4sentieren k\u00f6nnten, wussten wir, dass unser sogenanntes Grassroots-Modell funktioniert und es in der Schweiz einen Bedarf f\u00fcr frische Ideen in der Politik gibt. Heute hat\u00a0<i>foraus<\/i>\u00a0B\u00fcros in Z\u00fcrich und Genf, insgesamt 14 Angestellte und 900 ehrenamtliche Mitglieder, ein Budget von \u00fcber einer Million und ist in der ganzen Schweiz sowie seit kurzem auch in Berlin, Br\u00fcssel und Liechtenstein pr\u00e4sent.\n\nNur weil ihr jung seid, solltet ihr euch nicht hinten anstellen. Erfahrung ist wichtig, aber eure Kenntnis der heutigen Welt ebenso. Zudem haben wir in unserem kleinen Land das grosse Gl\u00fcck, sehr nahe an den \u201eHebeln\u201c zu sein: Wenn f\u00fcnf bis zehn Leute zusammen gute Arbeit leisten, wird dies wahrgenommen und kann tats\u00e4chlich etwas ver\u00e4ndern, egal ob in der Kultur, Wissenschaft oder Politik. Daf\u00fcr m\u00fcsst ihr euch vernetzen, und zwar \u00fcber die eigenen Freunde und fachlichen Interessen hinaus. Je mehr Leute aus verschiedenen Bereichen ihr kennt, desto besser. Und wenn ihr merkt, dass ihr ein Talent und eine Nische daf\u00fcr habt, \u00fcberlegt euch, selber etwas zu gr\u00fcnden. So kann man \u00fcbrigens auch am schnellsten zu einem Pr\u00e4sidenten werden&#8230;\n\nIhr wisst noch nicht, wo euch das kommende Studium hinf\u00fchrt? Sehr gut! Haltet diese Unsicherheit aus, nutzt sie um Dinge auszuprobieren und neue Projekte anzustossen; vern\u00fcnftig wird man fr\u00fch genug.\n\nDas Tagesanzeiger-Magazin hat vor kurzem die heutige Jugend (Jugendbarometer der Credit Suisse) als \u201eradikal normal\u201c beschrieben. Bitte: Werdet nicht \u201enormal\u201c. Die Welt braucht euch mit eurer Kreativit\u00e4t, eurer Leidenschaft, eurer Risikobereitschaft und eurer Zuversicht. Manchmal im Leben muss man das Scheitern wagen, denn nur in solchen Situationen traut man sich an Projekte, die wirklich einen Unterschied machen. Wenn man es sich richtig \u00fcberlegt, darf man in der Schweiz im Gegensatz zu vielen anderen L\u00e4ndern dieser Welt eigentlich keine Angst vor der Zukunft haben \u2013 irgendeinen Job findet man immer, und es gibt ein starkes Netz, das uns alle h\u00e4lt und im Notfall unterst\u00fctzt. Also wagt das Scheitern und st\u00fcrzt Euch in grosse Projekte, die Euch wichtig sind! Bereuen tut man meist Dinge, die man nicht gemacht hat, und nicht Dinge, die man gemacht hat.\n\n<i>\u201eAlle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat\u2019s einfach gemacht.\u201c<\/i>\n\nAlles Gute, liebe Studenten.\n\n<i>Dies ist eine gek\u00fcrzte Rede der Maturrede, die Nicola Forster am 2. Juli an der Kantonsschule Stadelhofen (Z\u00fcrich) gehalten hat. Im Rahmen desselben Anlasses wurde Nicola Forster auch\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/der-unerschrockene-1.18593373\" href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/der-unerschrockene-1.18593373\" rel=\"nofollow noopener\">von der NZZ portraitiert.<\/a><\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-79839","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79839"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79839"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}