{"id":79849,"date":"2013-08-20T00:00:00","date_gmt":"2013-08-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/der-direkte-draht-was-die-schweiz-von-einem-umtriebigen-kunstsammler-lernen-kann\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:05","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:05","slug":"der-direkte-draht-was-die-schweiz-von-einem-umtriebigen-kunstsammler-lernen-kann","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/der-direkte-draht-was-die-schweiz-von-einem-umtriebigen-kunstsammler-lernen-kann\/","title":{"rendered":"Der direkte Draht: Was die Schweiz von einem umtriebigen Kunstsammler lernen kann"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Florian Rittmeyer<\/em> \u2013 <strong>Das EDA, <em>foraus<\/em> und das GDI riefen im Juni einen Netzwerker nach Bern, der sonst selbst die f\u00fchrenden Denker und Lenker einl\u00e4dt. Nicolas Berggruens Vision von guter Regierungsf\u00fchrung ist ebenso simpel wie herausfordernd: West und Ost m\u00fcssen voneinander lernen.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nEs ist der Traum vieler Technologie-Evangelisten: das ultimative Smartphone. Ein solches Ger\u00e4t h\u00e4tte \u2013 Achtung, es folgt eine Auflistung der derzeit technisch besten Elementen von Mobiltelefonen \u2013 <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=h0VpAB9MjZQ#at=20\" rel=\"nofollow noopener\">das Gorilla-Glas-Display des Samsung Galaxy S4, das Aluminiumgeh\u00e4use des iPhone 5, einen Snapdragon-Prozessor von Qualcomm, die Lautsprecher des HTC One und die wasserdichte H\u00fclle des Sony Xperia Z<\/a>. Die Nutzer dieses Non-Plus-Ultra-Ger\u00e4ts k\u00f6nnten ausserdem jederzeit entscheiden, welches Betriebssystem sie bevorzugen.\n\nDer Finanzinvestor und poltitische Vordenker <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nicolas_Berggruen\" rel=\"nofollow noopener\">Nicolas Berggruen<\/a> ist auf der Suche nach dem politischen Pendant eines solchen Non-Plus-Ultra-Ger\u00e4ts. Wenn er aber Leute wie den sudanesisch-britischen Mobilfunkunternehmer Mo Ibrahim trifft, geht es nicht um Mobiltelefonie. Im Zentrum solcher Begegnungen steht stattdessen die Verbesserung von Regierungstechnologie \u2013 und damit die Zukunft unserer Welt. Am selben Tisch sitzen Pers\u00f6nlichkeiten vom Range des deutschen Finanzministers Wolfgang Sch\u00e4uble, des Google-Pr\u00e4sidents Eric Schmidt oder des chinesischen Regierungsfl\u00fcsterers Zheng Bijian. Denn: Grossinvestor Berggruen sammelt nebst Kunst und ertragreichen Unternehmen auch eine Menge einflussreicher Kontakte.\n\nK\u00fcrzlich hat er seine Vision in Buchform gegossen: <a href=\"http:\/\/berggruen.org\/topics\/intelligent-governance\" rel=\"nofollow noopener\">Intelligent Governance for the 21th Century<\/a>. Das Ziel des Drahtziehers verschiedenster Initiativen f\u00fcr politische Reformen ist nichts weniger als die Entdeckung eines ultimativen Regierungssystems. Und dieses soll auf dem Boden des gegenseitigen Lernens gedeihen.\n\n<strong>Eine Gratwanderung mit Absturzgefahr<\/strong>\n\nIm Juni dieses Jahres wurde Nicolas Berggruen vom EDA, foraus und vom Gottlieb Duttweiler Institut dazu gerufen, seine eigenen Ideen im Berner H\u00f4tel de Musique zu pr\u00e4sentieren.\n\nDie gute Nachricht ist: global betrachtet ist das Lernpotential ebenso enorm wie unausgesch\u00f6pft. Die Region, die Westler als Westen bezeichnen, sieht, wie Partikularinteressen das US-Politsystem l\u00e4hmen, Kalifornien in einer demokratische Sackgasse steckt, und die Europ\u00e4ische Union an ihren Konstruktionsfehlern krankt. Zu den Betriebsst\u00f6rungen des f\u00fcr den Osten stehenden Chinas z\u00e4hlen derweil grassierende Korruption, ein Fehlen von Rechenschaftspflicht und mangelnde demokratische Legitimit\u00e4t. Der Regierungsingenieur Berggruen sieht das Rezept f\u00fcr all diese wirtschaftspolitischen M\u00e4ngel darin, dass der Westen vom Osten lernt \u2013 und vice versa. Konkret: Chinas Lenker k\u00f6nnten einen Kurs in politischer Legitimit\u00e4t gebrauchen, w\u00e4hrend sie den Westen in langfristigem Denken und dem Bestehen von Politikerpr\u00fcfungen unterrichten.\n\nEs gleicht einer Gratwanderung, in der Politik die angestrebte Mischung zwischen Legitimit\u00e4t (Wahl dank Popularit\u00e4t) und Meritokratie (Aufstieg dank Verdiensten) zu finden. Um auf diesem Grat die Orientierung zu behalten, widmet sich Nicolas Berggruen unter anderem auch dem System der Alpenrepublik Schweiz. Nicht etwa, weil ihm w\u00e4hrend seiner Zeit im Internat in Le Rosey helvetische Errungenschaften eingetrichtert worden w\u00e4ren. Er nimmt sich einfach zum Vorbild, was funktioniert. Vielleicht, so Nicolas Berggruen, sollte die Schweiz ihr Wissen \u00fcber funktionierende Institutionen der Demokratie und des F\u00f6deralismus gar zum <a href=\"file:\/\/localhost\/%28http\/::www.weltfoederalisten.ch:medias:files:nicola-forster-uber-die-demokratie-als-schweizer-exportartikel-schweizer-monat-april2012.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Exportschlager<\/a> machen.\n\n<strong>Vernetzt euch!<\/strong>\n\nWenn Nicolas Berggruen solche Loblieder singt, erg\u00e4nzt David Bosshart vom Gottlieb Duttweiler Institut, dass die Schweiz \u00fcber viele Zutaten verf\u00fcge, die Erfolg in einer technologiegetriebenen und nach Transparenz verlangender Welt verheissen. So weit, so gut. Doch vom Status eines Non-Plus-Ultra ist die Schweiz weit entfernt.\n\nWorin besteht also der Lernstoff? Aus Diskussionen im H\u00f4tel de Musique k\u00f6nnen einige Empfehlungen abgeleitet werden, deren Umsetzung freilich einer schwierigen Bergwanderung mit sich stets verschiebendem Gipfel gleicht. Erstens, k\u00f6nnen Vertreter der Schweizer Diplomatie am Beispiel des <a href=\"http:\/\/berggruen.org\/\" rel=\"nofollow noopener\">Berggruen Institute on Governance<\/a> sehen, dass eine durch private Akteure vorangetriebene \u00abTrack II-Diplomatie\u00bb effizienter sein kann als ihre offiziell-staatliche Schwester. Die Zusammenarbeit beider Bereiche ist dar\u00fcber hinaus stark ausbaubar. Gleiches betrifft die Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft.\n\nZweitens, die Bedeutung von sogenannten Public Private Partnerships d\u00fcrfte k\u00fcnftig (wieder) zunehmen. Der swissnex-Ansatz mit Aussenposten f\u00fcr Wissenschaft, Start-ups und Technologie geht in diese Richtung. Kooperation mit Akteuren der Wirtschaft bergen immer auch Risiken. Klare Richtlinien f\u00fcr Korruption und Anforderungsprofile f\u00fcr verl\u00e4ssliche Partner k\u00f6nnen helfen, Partnerschaften dieser Art einen legitimen Rahmen zu geben.\n\nUnd nicht zuletzt sind direkte Kontakte nach wie vor die entscheidende St\u00e4rke, um Konflikte zu l\u00f6sen. Dabei gilt der altbekannte Grundsatz, dass man sich besser bei sch\u00f6nem Wetter auf St\u00fcrme vorbereitet, als wenn der Wind schon Stufe 8 auf der Beaufort-Skala erreicht hat. In Krisen k\u00f6nnen jene Kontakte genutzt werden, die zuvor (ohne direkten Nutzen) aufgebaut und gepflegt worden sind. F\u00fcr die institutionalisierte Vernetzung ist entsprechender Unterrichtsstoff bereits reichlich vorhanden. Denn vom Scheitern der Swiss Foundation for World Affairs kann die Schweiz dabei ebenso lernen, wie von der erfolgreichen Organisation internationaler Konferenzen im Pr\u00e4ttigau. Das Beste an all dem: f\u00fcr die Pflege von guten pers\u00f6nlichen Beziehungen bedarf es nicht mal eines ultimativen Non-Plus-Ultra-Smartphones. Sondern vor allem Pers\u00f6nlichkeiten, die bewegen.\n\n<em><strong>Florian Rittmeyer<\/strong> (Jahrgang 1982) hat am IHEID internationale Geschichte und Politik studiert. Er ist Redaktor f\u00fcr Politik und Wirtschaft des \u00ab<a href=\"http:\/\/www.schweizermonat.ch\" rel=\"nofollow noopener\">Schweizer Monats<\/a>\u00bb und ist Mitglied in den foraus Programmen \u00abEuropa\u00bb und \u00abWirtschaft und Finanzplatz\u00bb.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungnahmen der Autoren\/innen Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79849","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79849","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79849"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79849"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79849"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79849"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}